Test Destiny 2: Festung der Schatten | Bungie setzt auf das Vertrauen der langjährigen Spieler

von Sören Wetterau (08. Oktober 2019)

Die Erweiterung Destiny 2: Festung der Schatten ist das erste Mal, dass Bungie komplett eigenverantwortlich für die Marke ist. Sie soll das Fundament für die Zukunft des Shooters bilden - und setzt dafür auf viel Vertrauen der Kernspieler.

Die namensgebende Festung der Schatten hat sich auf dem Mond in Destiny 2 ausgebreitet.Die namensgebende Festung der Schatten hat sich auf dem Mond in Destiny 2 ausgebreitet.

Eine kleine Geschichtsstunde

Es sollte das Traumpaar dieser Konsolengeration werden: Auf der einen Seite der langjährige Halo-Entwickler Bungie, auf der anderen die "Call of Duty"-Hersteller von Activision. Für das gemeinsame Projekt Destiny war schon ein 10-Jahres-Plan ausgelegt, mehrere hundert Millionen wurden in die Entwicklung investiert. Nur fünf Jahre später ist die Realität eine andere. Bungie und Activision haben sich Anfang 2019 getrennt, weshalb der Entwickler nun komplett alleine verantwortlich für Destiny ist.

Destiny 2: Festung der Schatten soll jetzt das Fundament für die MMO-Zukunft von Destiny legen und eine sich stetig wandelnde Welt etablieren. Wir haben seit dem Release intensiv unsere Zeit mit den neuen Inhalten verbracht und können so manche Skepsis nicht vollständig ablegen.

Zurück zum Mond

Destiny 2: Festung der Schatten spielt zwar zeitlich nach Destiny 2: Forsaken, schließt aber erzählerisch an das Ende der Originalkampagne an. Die Handlungsstränge rund um die Königin der Erwachten, der Träumenden Stadt und Savathûn weichen der Rückkehr zum Mond. Eris Morn, die Veteranen bereits aus dem ersten Destiny kennen, hat auf dem Gesteinsbrocken eine mächtige Gefahr ausgemacht, die nicht länger ignoriert werden kann.

Eine Mondfahrt, die ist kritisch in Destiny 2: Festung der Schatten

Dort angekommen präsentiert Bungie anschließend in knapp vier Stunden eine an sich zwar spannende, aber viel zu kurze Kampagne. Nach gerade einmal drei Missionen, die wie üblich durch einen Strike-Einsatz, die Einführung in die Albtraum-Jagden und das Erkunden der neuen (und doch so vertrauten) Patrouillen-Zone auf dem Mond aufgelockert werden, ist bereits Schluss. Zumindest vorerst. Das Ende fällt sehr abrupt und offen aus, deutet aber zugleich an, dass die Entwickler noch etwas in der Hinterhand haben. Zumindest hoffen wir das.

Auf der spielerischen Seite bieten die Story-Einsätze ein gewohnt lineares Erlebnis ohne große spielerische Neuerungen oder gar neue Feinde. Immerhin optisch weiß Destiny 2: Festung der Schatten auf ganzer Linie zu überzeugen. Schon die erste Mission, die einen Frontalangriff von uns und verbündeten Hütern auf die scharlachrote Festung beinhaltet, weiß zu begeistern.

Auf Mond herrscht das Düstere, während die Erde fast schon friedlich in der Entfernung erscheint.Auf Mond herrscht das Düstere, während die Erde fast schon friedlich in der Entfernung erscheint.

Zur Hochform läuft die Grafikabteilung von Bungie spätestens im Inneren des Mondes auf, als wir auf ein Überbleibsel der Dunkelheit treffen. Hier wirkt manche Szene fast schon wie aus einer Konzeptgrafik, die nahezu unverändert für die 3D-Umsetzung übernommen wurde und uns tatsächlich das eine oder andere Mal ins Staunen versetzt.

Das Spiel nach dem Spiel

Eine kurze Kampagne ist aber gewiss keine allzu große Überraschung für die Reihe. Schließlich beginnt der Kern von Destiny 2 erst danach: Wo fängt der Grind an? Wie kann ich meinen Hüter verbessern und sein Power-Level anheben? Ausgerechnet hier bricht aktuell das Kartenhaus von Destiny 2: Festung der Schatten zusammen.

Phogoth dürfte einigen Destiny-Spielern noch gut im Gedächtnis sein.Phogoth dürfte einigen Destiny-Spielern noch gut im Gedächtnis sein.

Der neue Kreislauf des Grinds beinhaltet Albtraum-Jagden und die schemenhaften Essenzen. Erstere sind eine kleine 3-Spieler-Aktivität, in der am Ende ein früherer Bösewicht in der rötlichen Albtraumversion wartet. Die Kämpfe sind wortwörtlich nichts Neues. Wer Destiny und dessen Nachfolger in- und auswendig kennt, dürfte den einen oder anderen Fiesling sofort wiedererkennen.

Die Essenzen wiederum lassen sich entweder als Loot finden oder mithilfe von Fragmenten direkt erwerben. Sie stellen kleine Miniaufgaben dar, die uns nach Abschluss mit einer der neuen Waffen belohnen. Ein simples System, aber immerhin können wir gezielt bestimmte Waffen farmen.

Die neuen Strike-Einsätze können sich sehen lassen, sie bieten viel fürs Auge.Die neuen Strike-Einsätze können sich sehen lassen, sie bieten viel fürs Auge.

Zudem ist es ein guter Grund, um den Mond mit seiner leichten und trockenen Horrorfilm-Atmosphäre zu erkunden. Destiny-Veteranen werden viele Orte bereits kennen, obwohl die Entwickler hier und da ein paar neue Ecken und Geheimnisse hinzugefügt haben. Es bleibt allerdings das Gefühl, dass hier viel Zweitverwertung betrieben wurde - insbesondere bei den öffentlichen Events.

Der alte Trott

Abseits des Mondes, der Essenzen und der Albtraumjagden gibt es noch zwei neue Strikes, die in sich sehr stimmig und spaßig sind. Nachdem wir dies alles erledigt haben, geht es dann wieder in den Kreislauf, den wir in Destiny 2 schon seit über einem Jahr rauf und runter gespielt haben. Das größte Problem dabei? Der fehlende Loot.

Eris Morn ist eure Ansprechpartnerin auf dem Mond - auch wenn sie unter den Albträumen leidet.Eris Morn ist eure Ansprechpartnerin auf dem Mond - auch wenn sie unter den Albträumen leidet.

Die neuen Waffen (siehe Essenzen) gibt es nur auf dem Mond und die beiden Rüstungen werden euch nur allzu bald vor die Füße geworfen. Das gilt ebenso für den jeweils einen neuen, klassenspezifischen exostischen Gegenstand. In den Strike-, Gambit- und PvP-Aktivitäten gibt es dann nur noch die Ritualwaffe über eine Quest zu ergattern, ansonsten bleibt alles beim Alten.

Für einen Loot-Shooter bietet Destiny 2: Festung der Schatten bislang zu wenig Neues an dieser Front. Die von Fans ersehnte Auffrischung des Händlerangebots bleibt erneut aus und sorgt für Ernüchterung.

Der Deathbringer ist eine der wenigen neuen exotischen Waffen, die Eindruck hinterlassen.Der Deathbringer ist eine der wenigen neuen exotischen Waffen, die Eindruck hinterlassen.

Lediglich die Änderung beim Nightfall mit der Implementierung von Nightfall: The Ordeal sorgt für etwas Abwechslung. Nachdem die schwereren Strike-Einsätze seit langer Zeit nicht gerade die größte Herausforderung mehr waren, hat sich Bungie mit den Champion-Gegnern eine neue Mechanik ausgedacht. Wer in der Gruppe nicht über die entsprechenden Waffenmodifikationen verfügt, dürfte zu Beginn schnell an den mächtigen Feinden verzweifeln. Es kommt endlich etwas mehr auf die Zusammenstellung der Charaktere und deren Ausrüstung an, was eine lobenswerte Entwicklung darstellt.

Artefakt und Rüstung 2.0

Wo es an Inhalten zuweilen mangelt, gibt es immerhin im Spielerischen ein paar spannende Neuerungen. Auf der einen Seite wäre da das Artefakt zu nennen, welches so gesehen nicht direkt zur Erweiterung, sondern zur Saison der Unvergänglichen gehört und ab Stufe 7 im freien Season Pass freigeschaltet wird. Über das Artefakt könnt ihr durch das Sammeln von Erfahrungspunkten zum einen neue Modifikationen freischalten, die für die bereits angesprochenen Champion-Gegner wichtig sind.

Zum anderen gibt es für jeden Stufenaufstieg ein zusätzliches Power-Level, welches laut Bungie keine Obergrenze hat. Zu jeder neuen Saison wird das Artefakt zurückgesetzt.

Mehr Power-Level und mehr Modifikationen ermöglicht das neue Artefakt.Mehr Power-Level und mehr Modifikationen ermöglicht das neue Artefakt.

Mit Rüstung 2.0 kehrt Bungie zudem zurück zu einer Prise mehr Rollenspiel. Die Theorie sieht vor, dass ihr nun mehr oder weniger frei über der Verteilung der Rüstungsmods auf eurer Rüstung entscheiden könnt. Ein paar Einschränkungen gibt es trotzdem: Je nach Elementar-Affinität könnt ihr nicht alle Modifikationen nutzen und maximal kann ein Rüstungsteil 10 Energie tragen. Stärkere Modifikationen benötigen logischerweise mehr Energie, weshalb ihr wiederum an anderer Stelle sparen müsst.

Mit Rüstung 2.0 lassen sich einzelne Gegenstände stärker individualisieren - zumindest in der Theorie.Mit Rüstung 2.0 lassen sich einzelne Gegenstände stärker individualisieren - zumindest in der Theorie.

Auf dem Blatt Papier soll Rüstung 2.0 für mehr Vielfalt und der Zusammenstellung einer perfekten Ausrüstung sorgen. Im Laufe des Levelprozesses ist davon noch nicht viel zu spüren. Die Auswirkungen dürften sich erst in ein paar Wochen zeigen. Die Benutzeroberfläche ist allerdings schon jetzt ein Graus. Oftmals ist es gar nicht direkt ersichtlich, welche Modifikationen zu welchem Element gehört. Die Folge sind viele unnötige Menü-Wechsel.

Apropos Saison ...

Wer Destiny 2: Festung der Schatten erwirbt, erhält nicht nur Zugang zur neuen Erweiterung, sondern auch den ersten von insgesamt vier Saisonpässen mit dazu. Die Saison der Unvergänglichen ist seit dem 5. Oktober am Start und lässt eine riesige Vex-Armee von der Leine. Dies beinhaltet die Öffnung des neuen Raids Garten der Erlösung (Teil der Erweiterung) und die neue Aktivität Vex-Offensive. Den Raid haben wir aus Zeitgründen bislang noch nicht in Angriff nehmen können, uns dafür aber mit zahlreichen Vex geprügelt.

Mit der Saison der Unvergänglichen rücken die Vex kurzfristig in den Mittelpunkt:

Die Aktivität ist für bis zu sechs Spieler ausgelegt, verfügt über ein komfortables Matchmaking und lässt uns leicht frische Waffen erneut gezielt in Angriff nehmen. Vor eine Herausforderung stellt uns die Vex-Offensive allerdings nicht.

In den nächsten Wochen sollen weitere Inhalte für die Erweiterung als auch für die Saison folgen. Unter anderem steht noch der Dungeon aus, den Bungie für den 29. Oktober einplant.

Da wären wir dann beim größten Knackpunkt von Destiny 2: Festung der Schatten. Aktuell ist die Erweiterung inklusive der Saison noch unterwältigend. Ob das mit Ausspielen der Roadmap insgesamt besser wird, können wir noch nicht beurteilen.

Nicht zu vergessen: Neueinsteiger in Destiny 2 fangen mit einer neuen, aber doch wohlbekannten Mission an.Nicht zu vergessen: Neueinsteiger in Destiny 2 fangen mit einer neuen, aber doch wohlbekannten Mission an.

Bungie setzt somit sehr auf das Vertrauen der langjährigen Destiny-Spieler, die vermutlich so oder so erst einmal am Ball bleiben. Bleibt zu hoffen, dass sich das am Ende auszahlt.

Meinung von Sören Wetterau

Nach der aus meiner Sicht so starken Saison der Opulenz zum Ausklang von Destiny 2: Forsaken habe ich mich richtig auf die neue Erweiterung gefreut. Der Online-Shooter von Bungie ist schlicht ein Dauerbrenner bei mir und so hatte ich große Hoffnungen, dass die Entwickler weiter so gut nachlegen. Leider ist das bislang noch nicht der Fall.

Die Geschichte ist zwar für Fans durchaus interessant, aber zum wiederholten Male lässt mich das Team mit viel zu vielen offenen Fragen zurück. Und danach geht es leider zu schnell in den altbekannten Trott zurück, den ich seit über einem Jahr schon spiele. Destiny 2: Festung der Schatten mangelt es schlichtweg noch an Inhalten und vor allem cooler Beute.

Die inhaltliche Schwäche kann ich mir nur damit erklären, dass Bungie ganz einfach die Zeit gefehlt hat. Die Trennung von Activision, der Wechsel zu Steam, die Implementierung von Cross-Save und die Entwicklung der Free-2-Play-Version New Light dürfte jede Menge Ressourcen in Anspruch genommen haben. Ressourcen, die am Ende der Erweiterung ein Stück weit fehlen.

Ich hoffe, dass Bungie im Laufe dieser Saison und den noch folgenden Monaten nachliefert. Denn rein spielerisch steht Destiny 2 aktuell besser da denn jemals zuvor, selbst wenn es immer noch Verbesserungspotential gibt.

72

spieletipps meint: Eine Erweiterung, die zum Startzeitpunkt noch unter Inhaltsschwächen leidet. Die kurze Kampagne und die schwache Beute hinterlassen gemischte Gefühle.

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