Lootboxen und pay to win |Wie ein deutsches Studio es anders als EA und Co. machen will (Special)

von Matthias Kreienbrink (13. Oktober 2019)

Wir waren zu Besuch beim deutschen Entwicklerstudio Yager, das seit einiger Zeit an dem "Free 2 Play"-Spiel The Cycle arbeitet. Wir wollten wissen: Was macht ihr mit eurem Service-Game anders als ein EA oder Ubisoft? Was besser als ein Anthem oder Ghost Recon: Breakpoint? Die Antwort: Open Development. Was das bedeutet, erfahrt ihr hier.

Pay to Win, Microtransaction, Lootboxen, EA, Ubisoft - darüber haben wir gesprochen.Pay to Win, Microtransaction, Lootboxen, EA, Ubisoft - darüber haben wir gesprochen.

Was ist The Cycle und wie handhabt es Microtransactions oder Pay to Win?

The Cycle ist ein "Free 2 Play"-Spiel, das ihr über den Epic Games Store herunterladen und spielen könnt. Es handelt sich um einen Multiplayer-Shooter, der auch "Battle Royale"-Aspekte bedient. Ihr könnt in dem Spiel wählen, ob ihr euch Mitspielern gegenüber feindlich oder freundlich verhaltet. Ihr könnt Nicht-Angriffs-Pakte schließen, und euch so mit Spielern zusammentun. Oder aber ihr spielt ein reines PvP und müsst dann damit rechnen, dass ein Kopfgeld auf euch ausgesetzt wird.

Eine Runde von The Cycle dauert 20 Minuten. In diesen gilt es, kleine Aufträge zu absolvierern, Gegner - egal ob menschliche oder vom Computer gesteuerte - zu besiegen und, ganz wichtig, Credits einzusammeln, um neue Abilities zu kaufen oder eure Waffen zu verbessern. Diese Credits bekommt ihr etwa, wenn ihr Nester von Creatures, also computergesteuerten Gegnern, beseitigt.

Schaut euch hier an, wie The Cycle funktioniert:

Lena Klein ist eine Community-Managerin bei Yager. Sie kümmert sich um den Austausch mit Spielern, tritt in Livestreams auf, kommuniziert die Pläne bezüglich The Cycle an die Community. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie sich The Cycle finanziert. "Wir würden niemals Pay to Win einfügen, dafür lieben wir unser Spiel zu sehr. Wir wollen es nicht kaputtmachen", sagt sie. Daher finanziere sich The Cycle vor allem durch kaufbare kosmetische Inhalte wie etwa Waffen-Skins. Auch können Gründerpakete gekauft werden, die neben Skins auch Credits enthalten, mit denen weitere kosmetische Gegenstände erworben werden können.

Lena Klein, die Community-Managerin von Yager.Lena Klein, die Community-Managerin von Yager.

Was ist Open Development und was macht Yager anders als etwa EA?

Yager hat ein Entwicklungs-Konzept gefunden, das für sie funktioniert. Sie nennen es Open Development: "Wir wollen der Community zeigen, wie Spielentwicklung funktioniert", erklärt Lena Klein. Dabei gehe es etwa darum, zu zeigen, dass ein Update Zeit brauche und da viel Arbeit drin stecke. Also das Transparent-Machen der Prozesse hinter einem Spiel - dass ein Wunsch der Community nicht direkt umgesetzt werden kann.

Ebenso gehe es beim Open Development aber auch darum, auf die Wünsche der Community zu hören. Wenn ihr euch für The Cycle interessiert, habt ihr mehrere Möglichkeiten, euren Input zu geben. So gibt es etwa eine Discord-Gruppe, der ihr beitreten könnt und in der auch Entwickler von The Cycle unterwegs sind. Hier wird rege diskutiert und auch meist konstruktive Kritik am Spiel geübt. "Wir haben eine coole Community, es herrscht kein Gundmisstrauen, wie in anderen Service-Spielen", bestätigt Lena Klein. So versuche man auch immer wieder, kostenlose Skins anzubieten für die Spieler, die kaum Geld übrig haben. "Für die gamescom hatten wir spezielle Skins für die Leute, die uns am Stand besucht haben", sagt Klein.

Ebenso werden öfter Livestreams auf Twitch veranstaltet, an denen auch Entwickler teilnehmen. Jeden Freitag gibt es einen offenen Playtest, in dem Spieler den aktuellen Developer Build testen können. "Da kann auch vieles kaputt sein - aber das ist der Deal", betont Klein. Den größten Input bekäme das Studio jedoch durch die Umfragen, an denen Spieler nach jedem Match teilnehmen können. Hier werden sie nach neuen Features ebenso befragt wie nach grundlegenden Mechanismen, die seit Anfang an im Spiel sind: "So können wir Tendenzen über einen längeren Zeitraum ablesen."

Yager, das sagt Lena Klein, sei der Input wichtig. Anders als andere große Publisher versuche man, die Community direkt an der Entwicklung des Spiels teilhaben zu lassen. So habe man etwa einst Waffendrops im Spiel implementiert. Also, dass Waffen während eines Matches in der Map spawnen. "Die Pro-Gamer aus unserer Community waren total dagegen, haben gemeint, das mache das Spiel kaputt." Also habe man die Drops wieder zurückgeschraubt und somit gezeigt, dass man die Beschwerden aus der Community durchaus sehe.

Die Veränderungen in The Cycle kommen auch durch den Input der Spieler.Die Veränderungen in The Cycle kommen auch durch den Input der Spieler.

Was ist davon zu halten?

Sicherlich können auch mit so einem Community-orientierten Konzept Fehler entstehen. Auch muss jeder für sich ausprobieren, ob The Cycle Spaß macht und es wert ist, das Spiel auch monetär zu unterstützen. Doch ist es eine interessante Herangehensweise, die Entwicklung auf die Bedürfnisse der Spieler abzustimmen und bei Kritik auch durchaus einmal einzulenken.

In Zeiten, in denen Publisher wie EA oder Ubisoft ihre Spiele mit Microtransactions, "Pay to Win"-Mechanismen oder Lootbox-Systemen geradezu überfluten und nicht auf die Kritik der Spieler hören, ist es erfrischend, wenn ein Spiel gerade durch den Input der Spieler wachsen möchte.

Anstatt sich zu verschließen und den Spielern möglichst viele Bezahlmechaniken zuzumuten, bis diese wirklich jedes Interesse verlieren - zumal in einem Vollpreisspiel wie etwa Anthem, Fallout 76 oder Ghost Recon: Breakpoint - ist es richtig die Community nicht nur als Geldquelle zu sehen, sondern auch als Spieler, die Freude am Spiel haben wollen.

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