007: Nightfire |Der beste Shooter, bevor Call of Duty kam (Kolumne)

von Michael Sonntag (16. Oktober 2019)

Ein Jahr bevor Call of Duty der Ego-Shooter-Szene für immer seinen Stempel aufdrückte, trugen meine Clique und ich unsere "Peng Peng"-Duelle noch in 007: Nightfire aus, das wir lieben konnten, auch wenn wir keine "James Bond"-Fans waren. Andererseits brachte die Geheimagenten-Chose auch eine gute Portion Übertreibung mit, die ich in heutigen Spielen ein wenig vermisse.

Macht alles, solange es cool ist

Im Jahr 2002 konnte ich noch nicht in matschiger "Zweiter Weltkriegs"-Kluft die Normandie erstürmen. Ich hätte es auch nicht gewollt, da ich noch schwer damit beschäftigt war, einen bösen Konzernboss quer um die Welt zu jagen. Aber ob es jetzt Call of Duty oder 007: Nightfire ist, die Anzahl der Kugeln, Explosionen, heroischen Momente und Toten blieb die gleiche.

Rettet die Welt - mit allen erdenklichen Mitteln! Ihr seid schließlich Geheimagent.Rettet die Welt - mit allen erdenklichen Mitteln! Ihr seid schließlich Geheimagent.

Auch wenn die meisten "James Bond"-Spiele qualitativ vom Lizenzfluch nicht verschont blieben, ist Nightfire etwas Besonderes. Der Shooter muss im Singleplayer nicht krampfhaft einen existierenden Film nacherzählen, sondern darf seine ganz eigene Geschichte spinnen.

Und die sagt sich: „Solange es der Auftrag nur über sechs Ecken rechtfertigt, darf der Spieler alles Mögliche machen und sich dabei cool fühlen.“ An einem Gala-Fest in Österreich teilnehmen, sich mit Ninjas in Japan prügeln, ein stillgelegtes Atomkraftwerk erkunden oder eine völlig übertriebene Weltherrschaftsbasis infiltrieren - ausreichend Material, um einem imaginären Kinopublikum eine charmante und stumpfe Show zu liefern.

007: Nightfire - Trailer | Im Singleplayer ein Actionfilm, im Multiplayer eine absurde Ballerorgie:

Dazwischen werden immer wieder Fahrzeugmissionen mit großzügigen Kolleteralschäden eingestreut, die den Abzugsfinger entlasten sollen und dank der Markenautos das Product Placement nicht zu kurz kommen lassen, - was den Spieler sogar bis ins Inventar verfolgt, in Form eines Philips-Rasierers, der gleichzeitig als Blendgranate dient.

Während das Waffenbuffet anfänglich nur simple Pistolen bereithält und dann zu Automatikgewehren wechselt, werden später immer ausgefallenere Apparaturen serviert, unter anderem SciFi-Granatwerfer oder Laserkanonen. Zwölf Missionen, dutzende Explosionen und blöde Bondsprüche später findet ihr euch dann im Weltall wieder, um euch mit dem Bösewicht um seinen Laser zu prügeln, der die Welt vernichten soll.

Samstag war Bond-Tag

So - und im lokalen Multiplayer konnte der oben beschriebene Blödsinn verdoppelt - und mithilfe eines Adapters auf der PlayStation 2 sogar vervierfacht werden. Egal, wie eng es dann mit den geteilten Bildschirmen auf dem Röhrenfernseher wurde und wie "vorhersehbar" unsere Bewegungen angeblich waren. (Ich lese gerade, dass ein Online-Modus mit 32 Leuten komplett an mir vorrübergegangen ist!).

Von Samstagfrüh bis Samstagspät kämpfte eine Gruppe von Teenagern auf verschiedenen Karten darum, wer der wahre Hauptdarsteller in diesem Actionfilm von Multiplayer war. Durch selbstbetitelte Modi-Disziplinen wie "Wilder Western", "Weltkrieg", "Gangster", "Star Wars" - oder wenn es besonders hart zugehen sollte: Explosionswaffen mit nahem Respawn, woraufhin der Bildschirm die nächsten fünf Minuten nur gleißendes Licht zeigte.

Auf den Bildschirm des anderen zu schauen war keine Straftat, sondern eine zusätzliche Schwierigkeit.Auf den Bildschirm des anderen zu schauen war keine Straftat, sondern eine zusätzliche Schwierigkeit.

Es gab nur eine einzige Regel: Niemand durfte Oddjob spielen, den Bodyguard von Goldfinger, der über seinen Klingenzylinder als Easter Egg verfügte. Oder alle spielten ihn.

Call of Duty hat das alles verändert, nahm die Weltkriege als Plot und bot brachialere Multiplayer-Matches, zu denen wir dann wechselten. Es war leicht gewesen, Shooter wie Nightfire zu enttrohnen. Ihm seinen zeitlosen Charme zu nehmen, ist allerdings unmöglich. Dafür ist die Action zu stumpf, die Musik zu gut und "Bond sein" zu cool.

Es gibt nicht viele gute "James Bond"-Spiele. 007: Nightfire wollte vermutlich auch nicht der Beste sein, ist es vermutlich versehentlich geworden. Die Steuerung gehört definitiv ausgestorben, zumal sie sich so anfühlte, als ob zwei Spieler an einem Gerät saßen und einer den Oberkörper und der andere den Unterkörper steuern musste. Aber unabhängig davon ist es für mich der coolste Shooter vor Call of Duty - und bezogen auf das "Cool" ist er das heute noch.

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