Horror-Games |Verzeihen wir Horror zu oft Logik-Lücken? (Kolumne)

von René Wiesenthal (18. Oktober 2019)

Das Horror-Genre ist in allen Medien mit vielen Klischees besetzt. Wer Horror genießen will, der wird häufig dazu angehalten „das Hirn auszuschalten“. Aber warum eigentlich? Verzeihen wir zu viele Logik-Lücken in Horror-Games?

Logiklücken in Horror-Games. Im Bild: Resident Evil 7.Logiklücken in Horror-Games. Im Bild: Resident Evil 7.

Ein Mann erhält eine dubiose Videonachricht von seiner vor Jahren verschollenen Frau. Schlecht ausgerüstet und ohne die Polizei zu Hilfe zu rufen, macht er sich alleine auf den Weg in eine abgelegene Sumpfgegend und gerät in das Haus einer wahnsinnig gewordenen Familie, in dem er fortan um sein Überleben kämpft. Das ist die grobe Prämisse von Resident Evil 7, einem der meist gefeierten Videospiele aus dem Jahr 2017. Die Logik-Lücken hören hier noch längst nicht auf – wer das Spiel kennt, weiß, dass man nicht zu viele Fragen stellen sollte, um es genießen zu können. Warum es trotzdem so gut ankam? Eine stimmige Optik, dichte Atmosphäre, viele Schreckmomente und ein ständiges Gefühl der Bedrohung sorgen für Unterhaltung.

Spaß am Unsinn: Logik-Lücken in Horror-Games

Ich bin kein großer Fan von Resident Evil 7, mochte aber das Remake von Teil 2 umso mehr, dem man, hinterfragt man es auf ähnliche Weise, ebenso viele Logik-Lücken nachweisen kann. Strafe ich es dafür hart ab? Nun, nach aktuellem Stand ist es wohl eines meiner liebsten Spiele des Jahres 2019. Aus ähnlichen Gründen, aus denen Resi 7 für viele ein Hit war.

Alles, was an Resident Evil 7 nicht stimmt, zeigt der YouTuber Dartigan:

Ein Bewertungskriterium bei Singleplayer-Spielen, die eine Geschichte erzählen, ist seit Ewigkeiten eben das: die Geschichte. Und wo sie uns bei anderen, zum Beispiel eher action-orientierten Spielen wie Grand Theft Auto 4, schnell unangenehm auffällt, wird bei Horrorspielen oft mehr als nur ein Auge zugedrückt. Outlast, The Evil Within – viele der beliebtesten Horrorspiele sind erzählerisch oft derart unstimmig, dass es einem Kopfschmerzen bereiten müsste. Bei Horror aber, so hört man es oft, reicht es aus, wenn andere Kriterien erfüllt sind.

Ein generelles Phänomen?

Und das lässt sich nicht nur von Videospielen sagen. Auch, und gerade, im Filmbereich werden Franchises wie SAW zu Kassenschlagern, in denen man die innere Sinnhaftigkeit oft vergebens sucht. Ich habe von Filmliebhabern auch schon oft die Aussage gehört, dass Horrorfilme generell keine guten Filme seien, weil sie eine recht plumpe Form der Unterhaltung seien.

Aber dass das so sein muss, stimmt nicht. Das weiß ich, weil ich viele gute Horrofilme kenne, die auch gute Filme sind. Und das wurde mir zuletzt beim Schauen von Hereditary wieder einmal deutlich bewusst. Ein Film, der mich mit Blick auf die Videospiellandschaft hat fragen lassen: Gibt es denn gute Horror-Games, die auch nach erzählerischen Maßstäben gute Spiele sind? Oder verzeihen wir Logik-Löcher in Horror-Games einfach immer?

Auf Anhieb fallen mir da Spiele wie Dead Space, Prey, Alan Wake, Silent Hill, BioShock oder The Darkness ein. Spiele, die mir schon einmal meine Frage beantworten, ob Horror-Games generell völlig sinnbefreit sind. Sind sie nämlich nicht. Sicher, in allen lassen sich Logik-Lücken finden, aber die sind nicht eklatanter als die guter Spiele aus anderen Genres. Sie qualifizieren sich also auch nach dem Maßstab der Geschichtenerzählung als gute Spiele.

Vielleicht ist also nicht das „Problem“, dass es solche Spiele nicht gäbe, sondern eher, dass es nicht ausreichend positiv gewürdigt wird, wenn Horror-Games erzählerisch stimmig, logisch oder gar tiefsinnig sind. Dieser Maßstab existiert, so meine Beobachtung, bei Horror-Games für viele Leute einfach nicht. Oder aber erzählerische Mängel werden mit Splatter, toller Optik und Jump-Scares kaschiert und alle sind glücklich.

Alles ganz schlimm - nicht

Ist das jetzt alles ganz schlimm? Nein, finde ich nicht. Solange Horror-Spiele unterhaltsam sind, auch welcher Art auch immer, finde ich es in Ordnung, dass sie gut ankommen. In erster Linie wollen sie eben unterhalten. Uns unseren Ängsten zu stellen und uns unangenehmen Gefühlen auszusetzen, um am Ende erleichtert zu werden und einen Triumph zu erleben – das macht Horror so reizvoll. Nicht etwa, dass es besonders tiefsinnig zugeht und zum Nachdenken angeregt wird.

Aber sie könnten es! Deshalb denke ich, wir können Horror-Games gern hin und wieder fehlende Logik verzeihen, wenn wir im Gegenzug toll erzählte, sinnhafte Horror-Games ausreichend dafür würdigen. Denn dadurch regen wir Autoren an, sich mehr Mühe dabei zu geben, Horror-Storys zu schreiben.

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