Test - The Outer Worlds | Humorvolles SciFi-Abenteuer mit schwer lastender Verantwortung

von Mandy Strebe (22. Oktober 2019)

The Outer Worlds – gestrandet in einer herrlich opulenten Vegetation fremder Planeten. In einem von einer ausbeuterischen Regierung beherrschten System werdet ihr zum Strippenzieher. Indem ihr mit euren Handlungen über den Ausgang der Geschichte entscheidet und vor allen Dingen mit den harten Auswirkungen dieser leben müsst.

Als Weltraumabenteurer streift ihr mit wichtigen Missionen durch die Galaxis und steuert lebhafte Städte an.Als Weltraumabenteurer streift ihr mit wichtigen Missionen durch die Galaxis und steuert lebhafte Städte an.

Wer möchtet ihr sein?

Während jeder in The Outer Worlds zunächst weiß wo er hingehört, schlittert euer Charakter in einem Raumschiff ziellos durch das All, verloren im Orbit und der Entscheidungsgewalt eines anderen Charakters ausgesetzt. Für lange Zeit wird das die einzige Entscheidung sein, die euch abgenommen wird – so müsst ihr gegen euren Willen in einer Rettungskapsel gefangen auf einem fremden Planeten im Planetensystem Halcyon landen und euren eigenen Weg finden. Und die Frage ist: Wer möchtet ihr sein?

Mit diesem frischen Start könnt ihr euch im Charaktereditor nach Herzenslust austoben, wobei die Merkmale genug Auswahl bieten, um das Aussehen nach eigenen Wünschen zu kreieren, ihr dabei aber nicht von schier unendlichen Möglichkeiten erschlagen werdet.

Der größere Fokus liegt auf einem wirklich ansprechenden und durchdachten Fertigkeitssystem, welches wirklich spürbare Auswirkungen auf euer Spielerlebnis bietet und somit Freunden der komplexen Charakterentwicklung Freude bereiten dürfte. Ein besonderer Twist ist die tiefergehende Spezialisierung im höheren Levelbereich, welche noch mehr Abwechslung und unterschiedliche Spielerfahrungen zu Tage fördert.

Die Entscheidung für eine Begabung stellt euch zu Beginn schon vor eine wirklich interessante Wahl, die die Persönlichkeitsentwicklung noch umfangreicher macht.

Eine umfangreiche Charaktererstellung fördert das individuelle Spielerlebnis.Eine umfangreiche Charaktererstellung fördert das individuelle Spielerlebnis.

Reden, Reden und wieder Reden

Wesentlicher Faktor, um sich erfolgreich durch die Welt von Halcyon zu bewegen, ist die Interaktion mit Charakteren. Und dies bereitet unglaublichen Spaß. Es bereitet Freude, Charaktere kennenzulernen, mit ihnen zu verhandeln, ihnen zu helfen, sie zu überzeugen, sie zu belügen oder sich sogar über sie lustig zu machen. Denn die Dialogoptionen bieten etliche Möglichkeiten, eine Haltung gegenüber anderen Individuen einzunehmen und das Gespräch so nach Belieben individuell zu beeinflussen.

Das Charakterdesign lädt dazu ein, die Gespräche regelrecht zu genießen, sodass es nicht nötig ist, Unterhaltungen zu überspringen oder so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Die Charakteranimation ist dabei zwar simpel gehalten, aber die mannigfaltigen Charaktere, sowohl in Optik als auch im Wesen, sorgen für abwechslungsreiche und stimmungsvolle Dialoge. Besonders hervorzuheben sind die exzellenten englischen Synchronstimmen mit deutschen Untertiteln.

Ihr werdet im Verlauf des Spiels mit tiefgründigen und dreidimensionalen Charakteren konfrontiert.Ihr werdet im Verlauf des Spiels mit tiefgründigen und dreidimensionalen Charakteren konfrontiert.

Wodurch The Outer Worlds wirklich überzeugen kann, ist der überspitzte und stellenweise sarkastische Humor. Aussagen die vor Gesellschaftskritik am strengen und ausbeuterischen Herrschaftssystem von Halcyon geradezu übersprudeln oder verspottende Kommentare des eigenen Charakters, lassen einen in die Gespräche abtauchen und es vollends ausschöpfen.

Spielball zwischen den Fronten

Gelandet auf einem fremden Planeten, erlebt ihr zunächst die einladende Umgebung in bunter Vegetation und seid ab diesem Punkt völlig auf euch allein gestellt.

Zentrales Element ist das wirklich komplexe und durchdachte Fraktionssystem innerhalb der Galaxie von The Outer Worlds. Eine zerrüttete und kritikwürdige Regierung, die sich zum Zeitpunkt eurer Ankunft in einem spürbaren Umbruch befindet, wartet darauf durch euren Zutun beeinflusst zu werden.

The Outer Worlds | Schaut euch die bunte und humorvolle Welt von Halcyon an:

Entscheidungen müssen getroffen werden und diese haben Konsequenzen, die ihr wahrlich zu spüren bekommt. So lassen euch Entschlüsse an einem Scheideweg stehen, an dem ihr verharrt und wirklich über den Fortgang der Geschichte nachdenken müsst. Das Spiel involviert euch also stark in die Story und wälzt die volle Verantwortung auf euch ab.

Eine wirklich gelungene Tiefe, die an eure Empathie appelliert und euch über getroffene Entscheidungen grübelnd zurücklässt. Denn es gibt kein eindeutiges Gut oder Böse, kein Falsch oder Richtig.

So bringt ihr eventuell ganze Siedlungen gegen euch auf, was wiederrum Auswirkungen auf das Quest-System hat, da Aufgaben fehgeschlagen oder nicht mehr verfügbar sind.

Altbekannt und vertraut - nichts für Innovations-Liebhaber

Es fällt nicht leicht, keinen Vergleich zum Fallout-Universum, insbesondere zu Fallout: New Vegas, zu ziehen. Schließlich befinden sich mit Obsidian Entertainment dieselben Entwickler am Werk. Das Setting, angesiedelt in einem SciFi-Szenario ist ein gänzlich anderes und erfrischend neu, auch die Grafik in ihrer sauberen und bunten Optik weiß zu beeindrucken. Abgesehen davon, fühlt es sich oft so an, als spielt ihr ein um den Baumodus und die Item-Vielfalt entschlacktes Fallout 4, wo nicht mutierte Wesen, sondern bunte außerirdische Kreaturen eure Gegner darstellen.

The Outer Worlds überzeugt durch ein wirklich imposantes Leveldesign.The Outer Worlds überzeugt durch ein wirklich imposantes Leveldesign.

Auch die Kampfmechanik wartet mit einem altbekannten Zeitlupenmodus in den Gefechten auf, in denen einzelne Körperteile anvisiert und somit Statuseffekte der Gegner beeinflusst werden können.

Doch ist das Kampfsystem sehr ausgeglichen und kann an der ein oder anderen Stelle ziemlich knifflig und schwer werden, auch wenn die Gegner nicht immer ganz logisch agieren. So leider auch eure Begleiter.

Auch in The Outer Worlds könnt ihr von Begleitern und ihren individuellen Fähigkeiten Gebrauch machen. Dies erweitert das Spielerlebnis um eine weitere Komponente, da die Wahl eurer Begleiter, die euch auf euren intergalaktischen Abenteuern begleiten, eine individuelle Spielerfahrung begünstigen. Die jeweiligen Charaktere sind passend in die Spielgeschichte eingewoben und begegnen euch meist auf erquickend spontane Weise.

Ein Gestrandeter in der Galaxis

Eine wirklich aufregender und toller Spielaspekt ist die Reisefunktion, in der ihr mit eurem Raumschiff innerhalb des Planetensystems verschiedene Planeten ansteuern und somit abwechslungsreiche Quests erleben könnt. Die unterschiedlichen Planeten bilden immer ein abgeschlossenes System, was zwar zu einem fehlenden Open-World-Charakter führt, durch die Anzahl der zu bereisenden Planeten allerdings nicht wirklich einen Verlust darstellt.

Der Computer ADA an Bord eures Raumschiffes Unreliable, ist euer treuer Wegbegleiter.Der Computer ADA an Bord eures Raumschiffes Unreliable, ist euer treuer Wegbegleiter.

Es macht regelrechte Freude sein Raumschiff als zentralen Rückzugsort mit eigens ausgestatteter KI namens ADA, zu betreten und dort seine anstehenden Abenteuer und Quest zu planen und zu koordinieren. Dies gleicht einem roten Faden, der durch den amüsanten, humorvollen und toll designten Bordcomputer ADA herrlich integriert ist.

Meinung von Mandy Strebe

Als absolutes Fallout-Fangirl (ja, ich mag sogar Fallout 76, denn es ist schließlich ein Fallout), konnte ich mir The Outer Worlds auf keinen Fall entgehen lassen. Und ich muss gestehen, dass ich es eigentlich nicht mögen wollte. Doch hat es The Outer Worlds geschafft, mich in den Bann zu ziehen und nicht wieder los zu lassen.

Ich habe damals selbstverständlich auch Fallout: New Vegas gespielt. Was sich darin besonders von anderen Fallout-Teilen unterschieden hat, ist die komplexe und stimmige Erzählung der Geschichte, in der sich alle Fraktionen passend und spannend einfügen und in einem einheitlichen System miteinander interagieren.

Genau das schafft auch The Outer Worlds. Ihr steht gewissermaßen zwischen den Stühlen oder seid der Strippenzieher, der Fraktionen gegeneinander ausspielt oder eben unter weitreichenden Konsequenzen, wie dem Untergang einer ganzen Siedlung, zu leiden hat. Das bewegt, regt zum Nachdenken an und ist einfach nur genial umgesetzt. Das ist es, was ich mir von einem Rollenspiel verspreche.

Außerdem benötige ich interessante Charaktere mit Tiefgang und individuellen Eigenschaften und spannende, durchdachte Dialogoptionen, die eine Auswirkung auf das Miteinander haben. Auch dabei kann The Outer Worlds wirklich glänzen.

Gekrönt werden diese Interaktionen mit einem herrlich leichtfüßigen und bissigen Humor, der sich nicht zu ernst nimmt und sehr oft zum Schmunzeln, wenn nicht sogar zum Lachen führt.

Die Charakterentwicklung sorgt für ein individuelles Spielerlebnis, in dem jeder Spieler einen bevorzugten Spielstil finden wird. Die zusätzliche Spezialisierung im fortgeschrittenen Levelbereich, bringt langfristig nochmal ausreichend Abwechslung.

The Outer Worlds ist ein sich auf das Wesentliche beschränkende Rollenspiel, rund um interessante Charaktere, fesselnde Dialoge, gespickt mit einem außergewöhnlichem Humor, ein komplexes, miteinander interagierendes Fraktionssystem und wirklich Spielgeschehen beeinflussende Entscheidungen.

85 Spieletipps-Award

spieletipps meint: Dieses Weltraumabenteuer ist eine gelungene Gratwanderung zwischen leichtfüßigem Humor und schwer auf der Seele lastenden Entscheidungen und deren Konsequenzen.

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