Kolumne - Bad Dreams | So einen Horror habt ihr noch nicht erlebt

von Dom Schott (31. Oktober 2019)

Schockierende Rätsel, verstörende Monster und eine große Portion bizarrer Humor: All das macht Bad Dreams zu einer der originellsten — und furchterregendsten — Spielereihen der letzten Jahre.

Nach gerade einmal fünf Minuten habe ich in der albtraumhaften Welt von Bad Dreams schon mehr schreckliche Dinge erlebt als mein Magen verträgt: Ich säbelte mir vier Finger mit einer Machete ab, verursachte einen tödlichen Autounfall, boxte eine Krähe zu Brei und steckte eine Batterie falsch herum in meine Taschenlampe. Unangenehme Übelkeit auf Bauchhöhe macht sich breit. Und das ist erst der Anfang.

Bad Dreams konfrontiert seine Spieler mit teils expliziten Bildern und Szenen.Bad Dreams konfrontiert seine Spieler mit teils expliziten Bildern und Szenen.

Bad Dreams ist eine kleine Horrorspielsammlung, die unglücklicherweise kaum jemand zu kennen scheint. Bisher sind zwei Teile erschienen, Bad Dreams: Coma und Bad Dreams: Fever, die jeweils mehrere einzelne Horrorepisoden umfassen. Worum es in diesen Episoden eigentlich genau geht, lässt sich nur schwer in Worte fassen: Ich wandere durch fiebertraumartige Horrorszenarien, muss mal einem Krankenhaus, dann einem scheinbar endlos großen Park entkommen. Hier schneide ich Finger von Händen, dort schütte ich Rattengift in Gefängnissuppen. Und all das nur aus einem Grund: Ich versuche aus dem Albtraum zu erwachen, mit dem mich jede einzelne Episode konfrontiert.

Zwischen bizarren Rätseln und gruseligen Aha-Momenten

Und der einzige Weg aus jenen Albträumen sind die Rätsel, die ich lösen muss. Bad Dreams ist ein Point’n’Click-Adventure, was für viele von euch nach einem großen Haken klingt, in Wahrheit aber diese Spielereihe überhaupt erst so furchterregend macht: Jeder neue Bildschirm, jede neue Szene steckt voller gruseliger Details, die Hand in Hand mit dem Mauszeiger erkundet und freigelegt werden wollen.

Manchmal schockiert Bad Dreams aber auch weitaus weniger subtil, erschreckt stattdessen mit furchterregenden Monstern, die urplötzlich die gesamte Szenerie füllen oder aus einem unerwarteten Winkel ins Bild springen. Dass Bad Dreams seine Spielwelt dabei nicht in Fotorealismus, sondern einen stilisierten Bleistift-Stil taucht, verstärkt die bedrückende Grundstimmung, die so sehr an echte Albträume erinnert, nur noch weiter.

Aber natürlich ist Bad Dreams noch so viel mehr als nur ein gruslig anzusehendes Horror-Diorama: Zahlreiche Rätsel fordern irgendwo zwischen bizarrer Logik und gruseligen Aha-Momenten mein kreatives Denkvermögen heraus. Ein Beispiel: Ich finde mich in einem Krankenhauszimmer und werde von einem Patienten, der am ganzen Körper bandagiert ist, missmutig beäugt. Das Patientenkärtchen am Fußende seines Bettes weist den Schwerverletzten als Mitarbeiter des Krankenhauses aus. Eigenartig.

Mehr gibt es in diesem Raum für mich offenbar nicht zu entdecken, und so schlurfe ich von Bildschirm zu Bildschirm durch ein scheinbar verwaistes Krankenhaus, bis ich auf eine versperrte Tür stoße. Einzige Möglichkeit, in den Raum dahinter zu gelangen: Mit dem Fingerabdruck eines Krankenhausmitarbeiters auf der Scan-Scheibe.

Langsam beginne ich zu realisieren, was das bedeutet, während ich mich auf den Weg zurück ins Krankenhauszimmer mache, wo meine kleine Odyssee begann: Der Mitarbeiter, der dort im Bett liegt, ist zu schwer verletzt, um ihn bis zur verschlossenen Tür zu begleiten. Was ist zu tun?

Im Zimmer angekommen bemerke ich ein auf dem Boden liegendes Fleischerbeil, das bei meinem letzten Besuch dort definitiv nicht lag. Das ist egal, Logiklöcher sind in diesem Albtraum kein Makel, sondern ein Lösungsweg. Ich greife nach dem Beil und schlage dem entgeisterten Patienten alle Finger ab. Seine Schreie begleiten mich auf dem Weg zurück zur verschlossenen Tür, die die abgetrennten Gliedmaße mit einem freundlichen Biepen belohnt. Und die Tür geht auf. Uff.

Der Schrecken ist nicht ausgedacht

Bad Dreams gehört zu den originellsten, schaurigsten und verstörendsten Horrorspielen, die ich in den letzten Jahren gespielt habe. Umso beeindruckender, dass diese Spielesammlung von einer einzigen Person entwickelt wird: Robert Gasiorowski ist ein 30-jähriger Hobby-Entwickler, der mit Bad Dreams seine zahlreichen Albträume und die Symptome seiner Depression verarbeitet. In der Spielesammlung steckt also mehr Wahrheit und Realität als es der erste Blick vermuten lässt.

Gasiorowski, der sich online “Desert Fox” nennt, erklärte mir einmal im Interview, dass die bizarren Rätsel von Bad Dreams in seinen Augen alles andere als eigenartig sind — sondern durchweg logisch:

„Für mich ergibt das alles viel mehr Sinn als ‚klassische‘ Puzzles in anderen Spielen. In Resident Evil blockiert beispielsweise gelbes Absperrband den Weg. Ich kann das als Spieler kaum akzeptieren, das zerstört für mich die Glaubwürdigkeit dieser Welt. Zitteraale hingegen, die mit ihren Stromschlägen den Weg zu einem Stromkasten blockieren ... das ergibt zwar nicht viel Sinn, ist aber eine glaubwürdigeres Hindernis als Absperrband, oder nicht?“

Eine faszinierende Perspektive, die sich in der nicht minder faszinierenden Spielwelt von Bad Dreams in jedem einzelnen Pixel fortsetzt. Spielt dieses Spiel, so einen Horror habt ihr noch nie erlebt!

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