Frauen in Games | Zwei Argumente auseinandergenommen

von Matthias Kreienbrink (Freitag, 10.01.2020 - 14:59 Uhr)

Es ist wieder soweit: Ein Entwicklerstudio versucht zu erklären, wieso es ihnen unmöglich ist, Frauen in ihr Videospiel zu integrieren. Es ist 2020 und wir diskutieren immer noch über die zwei gleichen "Argumente", die ich an dieser Stelle infragestellen möchte.

In Escape From Tarcov dürfen keine Frauen vorkommen, sagen die Entwickler.In Escape From Tarcov dürfen keine Frauen vorkommen, sagen die Entwickler.

Escape from Tarkov: Was ist passiert?

Kürzlich hat das Entwicklerstudio hinter dem Spiel Escape from Tarkov verlauten lassen, dass sie auch weiterhin keine Frauen in ihr Spiel einbauen werden. Anstatt jedoch zu sagen, dass sie dazu einfach keine Lust haben - aus welchen Gründen auch immer - wurden zwei Argumente hervorgeholt, die wir seit Jahren hören dürfen.

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Frauen zu programmieren, ist zu schwer

Das erste Argument ist, dass es angeblich komplizierter sei, Frauen zu modellieren und somit in einem Game spielbar zu machen. Dieses Statement lässt wohl mehr auf die Menschen schließen, die programmieren, als über den Programmiervorgang selbst. Es liest sich nach einer Ausrede, Frauen nicht programmieren zu müssen, weil niemand im Team ein Interesse daran hat. Denn einem Team, in dem auch viele Frauen arbeiten, dürfte es wohl nicht sonderlich schwer fallen, Frauen zu programmieren.

Und tatsächlich zeigt eine schnelle Suche bei der Plattform LinkedIn, dass kaum Frauen bei Battlestate Games, dem Studio hinter Escape from Tarkov, zu arbeiten scheinen. Vielmehr scheint es sogar keine einzige Frau zu sein. Wollte man also mit der Komplexität argumentieren, die das Programmieren von Frauen bringen soll, wäre das eigentlich Argument nicht: Das ist zu schwer. Sondern: Wir haben keine Frauen eingestellt, für die das ein Anliegen und wohl auch nicht schwer wäre.

Das ist ein Problem, das sich (noch) durch weite Teile der Videospiel-Industrie zieht. In vielen Studios arbeiten noch immer viel mehr Männer als Frauen. Auch andere sogenannte Minderheiten wie queere Menschen oder People of Color sind nicht in die Entstehung großer Videospiele eingebunden. Das zeigt sich dann freilich auch in den Produkten. Da fehlt die Darstellung dieser Menschen - und das Integrieren dieser wird als zu kompliziert abgetan.

Die Lore erlaubt Frauen nicht

Auch dieses Argument ist sehr beliebt: Die Lore schließe aus, dass bestimmte Menschen in einem Spiel vorkommen. Dieses Argument lässt die Lore, also das Universum des Spiels, samt der Geschichten, die in ihm erzählt werden und den Gesetzen, die in ihm gelten, zu einer unverrückbaren Größe werden. Die Lore wird zu einem unveränderbaren Naturgesetz genau dann, wenn es gilt, bestimmte Ausschließ-Mechanismen zu erklären. Derzeit dürfen wir Ähnliches auch wieder in Bezug auf die Witcher-Serie lesen.

Doch die Lore ist kein Naturgesetz. Sie wurde von den Entwicklern selbst erstellt und könnte ebenso auch wieder verändert werden. Geschichten entwickeln sich weiter, auch Fantasie-Welten sind von Veränderung nicht ausgenommen. Ein selbst erdachtes Machwerk als Grund zu nennen, Frauen nicht spielbar zu machen, ist also nur eine komplizierte Art zu sagen: Wir wollen Frauen nicht.

Und genau da kommen wir zum Punkt. Niemand kann dem Studio hinter Escape from Tarkov vorschreiben, was sie mit ihrem Spiel machen. Wen sie spielbar machen, wen nicht. Doch zweifelhaft wird es dann, wenn vermeintlich sachliche Argumente ins Feld geführt werden, die bei genauerer Betrachtung keinerlei Substanz haben. Steht also dazu: Ihr wollt keine Frauen in eurem Spiel. Wenn ihr das so sagt, dann diskutieren wir wenigstens alle über die eigentlich Aussage - und nicht über Scheinargumente.

Wir erraten eure Persönlichkeit anhand eurer Spielgewohnheiten

Wir hoffen, dass dieses Thema zukünftig nicht mehr aufkommen wird. Es ist an der Zeit, dass sich die Branche öffnet. Frauen in Videospielen sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Und wenn sie es nicht sein, dann sollten die dargebrachten Argumente nicht scheinheilig sein.

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