Dragon Ball Z: Kakarot im Test | Viel Nostalgie, wenig RPG

von Marco Tito Aronica (Mittwoch, 22.01.2020 - 13:08 Uhr)

Dragon Ball Z: Kakarot ist wie eine Genkidama, die sich langsam nährt, mit der Zeit immer größer wird und schließlich mit einem großen Knall im Gedächtnis bleibt. Unser Test löst auf, wie die Rollenspielelemente den Klammergriff des Altbekannten nur geringfügig lösen und warum das Action-RPG der perfekte Einstieg für Serien-Neulinge ist.

Unser Test verrät euch Stärken und Schwächen von Dragon Ball Z: Kakarot.Unser Test verrät euch Stärken und Schwächen von Dragon Ball Z: Kakarot.

Überblick zu Dragon Ball Z: Kakarot
• Größe: ca. 35 GB (PS4)
• Umfang: 30 bis 40 Stunden Hauptquests, bis zu 100 Stunden für 100 %
• Sprachausgabe: japanische oder englische Dialoge, Deutsche Bildschirmtexte
• Versionen: Standard, Deluxe, Ultimate und Collector’s Edition

Wieder rettet ihr die Erde vor Freezer, Cell und Boo, erlebt eine durchgekaute Handlung, die sich wie Kaugummi durch alle Spiele der Serie zieht. Kann das überhaupt noch spaßig sein? Dragon Ball Z: Kakarot besitzt keinerlei Mehrspieler-Komponenten, erzählt dafür die komplette Geschichte der Z-Saga. Aufgelockert wird das bekannte Schema durch Rollenspielelemente, die leider größtenteils verblassen.

Warum die Geschichte so toll erzählt ist

Das originale japanische Anime-Intro „Cha-La Head Cha-La“ leitet das erste Kapitel der Handlung ein und kitzelt sofort eure Nostalgie, die tief in eurem Inneren schlummert. Ihr spielt nahezu jeden Kampf nach, der von der Ankunft von Radditz auf der Erde bis zum pinkfarbenen Knutschkugel-Schurken namens Boo stattfindet. Die Z-Saga wird mit viel Liebe zum Detail nacherzählt, weshalb Dragon Ball Z: Kakarot der perfekte Einstieg für Serien-Neulinge ist.

Die bedeutsamsten Kampfszenen werden in sehr hübschen und aufwendigen Zwischensequenzen verpackt. Viele Szenen sind spektakulärer als es der Anime zu seiner Zeit jemals hätte sein können. Nehmen Son-Goku und Freezer den Planeten Namek auseinander, fliegt euch der Bildschirm gefühlt mit um die Ohren. Viele andere Dialoge überhäufen euch leider mit Textboxen, während die Welt still steht und alle Teilnehmer schweigen. Die Sprachausgabe könnt ihr übrigens jederzeit von Japanisch auf Englisch stellen.

Nett: Einige Szenen, die im deutschen Anime zensiert waren, sind nun im Spiel zu sehen.Nett: Einige Szenen, die im deutschen Anime zensiert waren, sind nun im Spiel zu sehen.

Obwohl sich alle Geschehnisse sehr nah am Original orientieren, fehlen einige Szenen oder fallen einer Neuinterpretation zum Opfer. So entfällt zum Beispiel das ikonische „It’s Over 9000“, wenn Vegeta die wahre Kampfkraft von Son-Goku erfährt. Auch der erste Auftritt vom zukunftsreisenden Trunks wird anders und mit Logiklücken erzählt - das ist schade und lässt Fan-Herzen etwas bluten.

Erinnert ihr euch an die Episode, in der Son-Goku und Piccolo ihren Führerschein machen? Diese lustige Füller-Folge des Animes ist im Rahmen einer Nebenquest im Spiel enthalten. Absolviert ihr sie, könnt ihr neben Jindujun auch ein Auto als Fortbewegungsmittel auswählen und Rennen fahren - einfach toll!

Wie viel Rollenspiel steckt in DBZ: Kakarot?

RPG-Elemente sind keine Seltenheit in der Welt der „Dragon Ball“-Spiele. Auch dieses Mal könnt ihr im Level aufsteigen, eure Charaktere verbessern, neue Fähigkeiten freischalten und ausrüsten oder temporäre sowie permanente Boosts durch das Kochen von Mahlzeiten gewinnen. Obwohl diese Rollenspielelemente zunächst sehr umfangreich erscheinen, haben sie nur wenig Einfluss auf euer Abenteuer und entpuppen sich als wenig effektiv - so wie Yamchu im Kampf gegen die Pflanzenmänner ...

Charaktere steigen an bestimmten Punkten der Handlung automatisch im Level, was einerseits störendes Grinden verhindert, damit den Erfahrungspunkten aber auch die Bedeutsamkeit nimmt. Verbessert ihr Superangriffe wie ein Kamehameha oder ein Masenko, erhöht sich zwar die Stufe, doch wie viel mehr Schaden ihr verursacht, ist nicht ersichtlich.

Kombiniert Medaillen für den maximalen Boost im Community-Board von DBZ: Kakarot.Kombiniert Medaillen für den maximalen Boost im Community-Board von DBZ: Kakarot.

Die Charakter-Entwicklung kommt glücklicherweise dank der sogenannten Community-Boards im späteren Spielverlauf noch einmal zur Geltung. Hier könnt ihr sieben Kategorien verbessern, indem ihr verdiente Medaillen auf einem Raster platziert. Diese schulen eure Fähigkeiten im Kampf, beim Kochen oder im Training. Ihr habt somit viele Freiheiten und könnt eure Spielerfahrung euren Vorlieben anpassen.

Ein simples Kampfsystem, das immer besser wird

Auch das Kampfsystem benötigt ein paar Spielstunden, bis ihr es verinnerlicht habt und es sein wahres Potenzial entfacht - dann macht es aber umso mehr Spaß! Habt ihr einen Prügler der „Naruto Storm“-Reihe ausprobiert, werden euch die Prügeleien in 3D-Umgebung sehr bekannt vorkommen. Das dürfte damit zusammenhängen, dass Bandai Namco Entertainment dieses Mal die Entwickler von CyberConnect2 um Hilfe bittet. Die sind nämlich für die beliebten Spiele im Naruto-Universum bekannt und haben glatt ein paar neue Mechaniken für Son-Goku und seine Freunde mitgebracht.

Das Trefferfeedback ist sehr befriedigend. Jeder Schlag fühlt sich wuchtig an, Superangriffe reißen Bäume aus dem Boden oder zerschmettern riesige Felsen und alle Effekte wirken intensiver, wenn ihr euch per Knopfdruck in einen Saiyajin verwandelt und förmlich in Rage spielt. Alles wird dabei von originalen Soundeffekten begleitet, was die „Dragon Ball“-Erfahrung komplettiert.

Vor lauter Effekten verliert ihr manchmal sogar euer Ziel aus den Augen.Vor lauter Effekten verliert ihr manchmal sogar euer Ziel aus den Augen.

Wildes Knöpfchendrücken ist durchaus effektiv, weil der Schwierigkeitsgrad der Kämpfe eher gering ausfällt, dennoch müsst ihr Blocken und Ausweichen im Einklang perfektionieren, um Bosskämpfe zu überstehen. Gutes Timing ist wichtiger denn je, da ihr durch Ausweichmanöver im richtigen Augenblick die Zeit einfriert und zum Gegenschlag ausholt. Das sorgt nicht nur für einen dynamischen Kampfverlauf, sondern regt auch strategisches Denken an.

Noch mehr Tiefe erlangen die Prügeleien durch Unterstützercharaktere, die größtenteils eigenständig agieren und euch im Kampf aushelfen. Ihr könnt eure Helfer allerdings auch aktiv miteinbeziehen, indem ihr deren Superangriffe auslöst. Besonders in Kämpfen gegen mehrere Gegner entfacht ihr so zwar das pure Chaos, das ab und zu auch mal die Framerate (Bildfrequenz) in die Knie zwingt, ihr seid aber nicht ganz hilflos gegen heraneilende Feinde.

Den ersten Bosskampf gegen Radditz könnt ihr euch hier im Video ansehen:

Eine Open World, die keine ist

Um eines ganz deutlich zu machen: DBZ Kakarot entlässt euch nicht in eine offene Spielwelt. Vielmehr bereist ihr große Gebiete, in denen ihr euch frei bewegen könnt. Und hier habt ihr eine Menge zu tun! Ihr könnt Angeln und Jagen gehen, die sieben Dragonballs finden, Nebenquests abschließen oder Geheimnisse entdecken. Auf den ersten Blick wirken die Bereiche etwas leblos, landet ihr nach einer Flugeinheit jedoch mal auf dem Boden und erkundet das Gebiet zu Fuß, wird euch die Fülle an Details bewusst.

Grafisch können die offenen Gebiete hingegen nicht überzeugen. Fliegt ihr mit hohem Tempo über Städte hinweg, werden euch immer wieder Objekte auffallen, die erst sehr spät aufpoppen. Schwammige Texturen und Kantenflimmern trüben das Gesamtbild umso mehr. Die offenen Welten sehen nicht unbedingt schlecht aus, besonders schön sind sie allerdings auch nicht.

Für wen lohnt sich DBZ: Kakarot? Für wen eher nicht?

Zusammenfassend möchten wir euch am Ende unseres Tests verraten, ob sich Dragon Ball Z: Kakarot für euch lohnt, oder eben nicht. Ihr werdet mit dem Action-RPG euren Spaß haben, wenn ...

  • ihr Lust auf eine umfangreiche Nacherzählung der Z-Saga habt und alle wichtigen Kämpfe nachspielen wollt.
  • ihr ein simples Kampfsystem gepaart mit einer überwältigenden Inszenierung bevorzugt.
  • euch Nebenaktivitäten wie Kochen, Angeln oder Jagen unterhalten.
  • ihr Dragon Ball noch nicht kennt und endlich eintauchen möchtet.

Nicht sonderlich geeignet ist DBZ: Kakarot für euch, wenn ...

  • ihr ein vollwertiges Rollenspiel im „Dragon Ball“-Universum erwartet.
  • ihr Freezer, Cell und Boo nicht mehr sehen könnt und euch die Geschichte mittlerweile langweilt.
  • euch Mehrspieler-Komponenten wichtig sind.

Meinung von Marco Tito Aronica

Dragon Ball Z: Kakarot ist nicht das Rollenspiel, das ich erwartet habe, dennoch konnte es meine Liebe zur Serie wieder einmal entfachen. Die RPG-Elemente sind ein nettes Beiwerk, Zufallsbegegnungen mit Feinden in der offenen Welt haben in mir unbändigen Zorn entfacht und einige Nebenquests sind belanglos nach Schema F geschrieben.

All diese kleinen Mängel kann ich dem Spiel allerdings verzeihen. Ich habe selten eine dermaßen brachiale Inszenierung der Kämpfe gesehen, die Geschichte wird mit viel Liebe zum Detail erzählt und auch mein Komplettierungswahn für den 100-prozentigen Spielabschluss wurde seit langem mal wieder geweckt.

Das Action-RPG kommt nur langsam ins Rollen, spätestens aber als ich Son-Goku zum ersten Mal in einen Super-Saiyajin verwandelt habe, war ich wieder voll drin und habe mich nach einem Kampf nach dem anderen gesehnt. Besonderes Highlight waren für mich die Bosskämpfe, die mich endlich vor eine Herausforderung stellen und besonders schön anzusehen sind.

80

spieletipps meint: Pure Nostalgie begleitet ein sehr umfangreiches Abenteuer. Das Rollenspiel hinkt hinterher.

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