Test - Warcraft 3: Reforged | Ist der Hate gerechtfertigt?

von Ove Frank (Donnerstag, 30.01.2020 - 14:11 Uhr)

Endlich ist es soweit: Nach Jahren des Wartens ist nun schließlich mit Warcraft 3: Reforged die langersehnte Remastered-Version des RTS-Meilensteins Warcraft 3 erschienen. Eine neue Grafik, eine neue Synchronisation und einige neue Inhalte sollen die Fans überzeugen. Doch wie gut ist das Spiel wirklich?

Mit Reforged erscheint Warcraft 3 in einem neuen Gewand. In diesem Test erfahrt ihr, wie gut es wirklich geworden ist.Mit Reforged erscheint Warcraft 3 in einem neuen Gewand. In diesem Test erfahrt ihr, wie gut es wirklich geworden ist.

"18 Jahre ist es nun her, dass sich die sterblichen Völker zusammenschlossen, um gemeinsam dem Ansturm der Brennenden Legion zu trotzen ..." Naja, so oder so ähnlich zumindest. Tatsächlich war es im Jahr 2002, also vor 18 Jahren, dass Warcraft 3: Reign of Chaos auf den Markt kam und meine Güte, was für ein Vermächtnis hat dieses Spiel hinterlassen?

Im Verbund mit seiner Erweiterung The Frozen Throne zählt Warcraft 3 bis heute noch zu den beliebtesten Echtzeitstrategiespielen überhaupt. Mit seiner Kombination aus Mikro- und Makro-Management konnte es seinerzeit sowohl Kritiker als auch Fans überzeugen und stand dabei Pate für viele weitere Spiele. Aus einer "Warcraft 3"-Mod entstand damals DotA (Defense of the Ancients), welches quasi das MOBA- Genre begründete.

Auch trug der Erfolg von mehreren Millionen verkauften Exemplaren einen beträchtlichen Teil zum Siegeszug des weltweiten Phänomens rund um das MMORPG World of Warcraft bei. Kurz gesagt: Warcraft 3 hat seinen festen Platz in der Videospiel-Geschichte! Und nun soll dieser Erfolg durch eine aufgehübschte Neuversion wieder aufgegriffen werden.

Nun ist das Spiel da und es hagelt Kritik und Empörung von allen Seiten. Bei Metacritic schneidet das Spiel bisher katastrophal ab und viele Fans sind richtiggehend sauer. Aber ist dieser Hate berechtigt?

Das erste Urteil der Spieler fällt auf Metacritic vernichtend aus. Stand: 30. Januar 2020, 13.40 UhrDas erste Urteil der Spieler fällt auf Metacritic vernichtend aus. Stand: 30. Januar 2020, 13.40 Uhr (Quelle: Metacritic.com)

Was ist neu?

Die offensichtlichste Neuerung ist die komplett überarbeitete HD-Grafik. Der charmante Comic-Look, der Warcraft 3 zwar ein zeitloses, jedoch nie ein wirklich eindrucksvolles Gesicht bescherte, gehört nun der Vergangenheit an. Reforged präsentiert sich in einem frischen HD-Gewand, welches mit einem auffallendem Detailreichtum und schicken Animationen, sowie mit einigen Neumodellierungen punkten kann.

Dabei wird allerdings merklich darauf geachtet, dass das Spiel dem bekannten Warcraft-Stil treu bleibt. Auch wenn der Look nicht mehr ganz so comichaft wirkt, so bleiben Größenverhältnisse und optische Stilelemente sehr ähnlich. Es ist eindeutig Warcraft 3, bloß eben zeitgemäßer.

Der optische Unterschied zwischen Warcraft 3: Reforged und dem Original von 2002 ist nicht von der Hand zu weisen.Der optische Unterschied zwischen Warcraft 3: Reforged und dem Original von 2002 ist nicht von der Hand zu weisen.

Während die Ingame-Zwischensequenzen optisch aufgehübscht und mit einer ganz neuen Dynamik versehen wurden, so sind dennoch die Filmsequenzen interessanterweise fast dieselben wie vor 18 Jahren. Sie wurden zwar neu gerendert, unterscheiden sich allerdings nicht großartig von den Originalen (abgesehen vom Intro). So sahen diese Cutscenes zwar im Jahr 2002 spektakulär und wundervoll animiert aus, wirken heute aber, speziell im Kontrast zur neuen Ingame-Optik, auffallend fehl am Platz. Neue, zeitgemäße Rendersequenzen wären doch schön gewesen.

Eine weitere Neuerung im Vergleich zum Original, und da müssen die Fans jetzt sehr tapfer sein, ist die Synchronisation. Diese Entscheidung wird einigen Spielern sicherlich sauer aufstoßen, hat doch die originale deutsche Synchronisation inzwischen absoluten Kultstatus erreicht.

Auch wenn die alten Stimmentalente ihre Arbeit damals sehr gut gemacht haben, so kann allerdings auch durchaus gesagt werden, dass rein objektiv betrachtet die neue Fassung vielleicht sogar besser ist als die alte. Mit dem "Robert De Niro"-Sprecher Christian Brückner und Sascha Rotermund, dem Sprecher der deutschen Standardstimme von Benedict Cumberbatch und Omar Sy - um nur einige Sprecher zu nennen - hat man einen echt namhaften und wirklich guten Synchro-Cast zusammengestellt, der eine mustergültige Arbeit abliefert.

Dank einiger neuer Missionen wird unter anderem die Beziehung zwischen den Orcs und den Trollen genauer beleuchtet.Dank einiger neuer Missionen wird unter anderem die Beziehung zwischen den Orcs und den Trollen genauer beleuchtet.

Die letzte größere Neuerung ist im Vergleich zum Vorgänger der neue Kampagnen-Inhalt. So wurden für die Einsteiger-Kampagne "Der Auszug der Horde" einige neue Missionen entworfen, die es im Originalspiel nicht gibt. Diese füllen einige Handlungslücken, die ansonsten in den zur Warcraft-Lore gehörenden Büchern und Comics thematisiert werden. Diese neuen Inhalte reihen sich dabei problemlos neben den Standard-Leveln ein.

Uns hat das sehr gefallen. Wie auch, dass diese Missionen auf erhöhtem Schwierigkeitsgrad durchaus eine Herausforderung darstellen können. Allerdings sind diese Story-Zusätze nicht in allen Kampagnen vertreten, weshalb an dieser Stelle vielleicht etwas Potenzial liegen geblieben ist.

Aus alt mach neu ... aber nicht zu sehr!

Auch wenn die neue Grafik und die neue Vertonung zunächst suggerieren mögen, dass sich hier im Vergleich zum Ursprungsspiel viel getan habe, so wird doch recht schnell klar, dass es sich hierbei immer noch um Warcraft 3 handelt. Einige mag dies enttäuschen, andere werden an dieser Stelle hingegen erleichtert aufatmen.

Das Gameplay ist nahezu identisch mit dem des Urspungsspiels. Selbst die Cheats sind dieselben. Es spielt sich genauso wie vor 18 Jahren, und Kenner des Originals werden sich hier ohne Probleme zurechtfinden. Auch für Neulinge gestaltet sich das Gameplay einsteigerfreundlich und intuitiv. Nach nur einer Partie habt ihr das Wichtigste schon begriffen und könnt selbstbewusst an die Sache herantreten.

Es dauert nicht lange und ihr könnt euch an ein Zufallsspiel außerhalb der Kampagne heranwagen.Es dauert nicht lange und ihr könnt euch an ein Zufallsspiel außerhalb der Kampagne heranwagen.

Wer sich neue Story-Inhalte im ganz großem Stil oder sogar neue Völker erhofft hat, der wird nun allerdings bitter enttäuscht werden. Beides ist hier nicht der Fall. Es wird auf bereits Bestehendes zurückgegriffen und an der Essenz des Originals wird nicht gerüttelt.

Bis auf die oben erwähnten neuen Inhalte zu Anfang bleiben die Kampagnen alle gleich, und es kommen keine (un)angenehmen Überraschungen auf euch zu. Tatsächlich vergesst ihr nach einer Stunde im Spiel auch schnell wieder, dass es sich hier um ein Remaster/Remake handelt und ihr nehmt es nur als Warcraft 3 wahr. Ob dies etwas Gutes oder etwas Schlechtes ist, das muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden.

Sowohl beim Spielen der Kampagne als auch bei Online-Matches kam es zu keinen größeren Zwischenfällen, die uns besonders negativ aufgestoßen sind. Die Server waren stabil und auch die vertikale Synchronisierung zum originalen Look hin ging recht problemlos.

Trotz eines neuen Anstrichs bleibt der Kern des Spiels noch immer der gleiche wie vor 18 jahren.Trotz eines neuen Anstrichs bleibt der Kern des Spiels noch immer der gleiche wie vor 18 jahren.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Auch wenn das Spiel auf den ersten Blick einen tollen Eindruck macht, so hat es doch auch seine Probleme: Im Internet sind eine Reihe an Beschwerden von Spielern zu lesen, die sich über verschiedene Aspekte von Warcraft 3: Reforged aufregen, sodass es den Anschein hat, das Spiel sei eine Katastrophe geworden.

Hier solltet ihr allerdings im Hintekopf haben, dass sich einige Dinge im Internet sehr schnell hochschaukeln, und was als recht milde Kritik begann, wird schnell zu einem regelrechten Shitstorm. Dies ist besonders bei Themen mit einer großen und leidenschaftlichen Fanbase der Fall, und Warcraft 3 fällt nun einmal in diese Kategorie.

So sagen einige Fans, sie fühlten sich betrogen, da das Spiel nicht das böte, was versprochen wurde. So beklagen sich nicht wenige über ein "Grafik-Downgrade" im Vergleich zu der auf der BlizzCon 2018 erschienenen Demo. So reichen die Inszenierungen der Zwischensequenzen bei weitem nicht an das heran, was auf der BlizzCon präsentiert wurde. Auch kommen die Änderungen im Benutzer-Interface nicht gut an.

Der YouTube-Kannal GyLala vergleicht für euch eine auf der BlizzCon 2018 vorgestellte Zwischensequenz mit dem Endprodukt:

Und nicht zuletzt kommt noch die alte Diskussion um das "Eindeutschen" der Namen hinzu, was bereits vor Jahren in World of Warcraft für Empörung sorgte, da der Klang und die Authentizität der deutschen Namen nicht an die Wucht der Originale heranreiche. Spieler, die das Original damals nicht gezockt haben, werden damit jedoch wohl kaum ein Problem haben.

Wir finden zwar, dass mit der Empörung im Bezug auf die Optik und auf das Thema des "Eindeutschens" hier und da etwas übertrieben wird, allerdings gibt es auch einige öffentliche Kritikpunkte, die nicht von der Hand zu weisen sind: So leidet das Spiel häufiger an Performance-Einbrüchen, es ruckelt hier und da ohne ersichtlichen Grund und die Darstellung der Schatten sowie die Farbkontraste im Spiel passen nicht immer.

Auch die Thematik, dass der alte "Warcraft 3"-Client durch Reforged ersetzt wird, ist so eine Sache. Zwar könnt ihr im Spiel selbst den originalen 2002er Look wiederherstellen, allerdings stottert auch dieser gerne ein wenig. Es ist also nicht alles so rund wie es sich die meisten Spieler wünschten und wie es sich Blizzard wohl selbst vorgestellt hatte.

Dies sind nur einige der bekannten Streitthemen, über welche man lang und breit diskutieren kann. Dies soll hier allerdings nicht mehr zum Thema werden als nötig, da zumeist vieles eine Frage des persönlichen Geschmacks darstellt. Es gilt auch noch abzwarten, wie Blizzard selbst reagiert und ob einige der beschriebenen Probleme behoben werden können.

Bewertung von Ove Frank

Einiges an Potenzial wurde offenkundig liegen gelassen und bei einigen Entscheidungen kommt es sehr auf den persönlichen Geschmack an. Ich konnte mich mit der neuen Synchro durchaus anfreunden, auch wenn ich die Originalstimmen wirklich liebe.

Gameplaytechnisch bleibt es einfach Warcraft 3 und für mich ist das auch O.K. so! Warcraft 3 hat nach wie vor ein großartiges Gameplay, welches keiner großen Änderung bedarf. Natürlich wären weitere neue Storymissionen, sowie größere Rollen für beispielsweise Jaina oder Sylvanas, wie es zwischenzeitlich diskutiert wurde, ziemlich cool gewesen. Allerdings hätte das gewiss auch nicht jedem gefallen.

Trotz einiger Beschwerden Seitens der Community kann gesagt werden, dass es dennoch ein großer Schritt nach vorne war. Die Animationen sind gut und die neuen detailreichen Designs der Figuren sehen echt hübsch und gelungen aus. Das haben sich die meisten Fans, inklusive mir, so gewünscht.

Auch wenn es ob der negativen Stimmung im Netz so anmutet, ist das Spiel nicht schlechter als das Original! Allerdings ist es auch wahrlich kein Meilenstein. Es ist hübscher, hat ein paar kleinere aber dennoch hilfreiche Anpassungen und macht genauso viel Spaß, und das ist die Hauptsache.

Da es mit 30 Euro kein Vollpreisspiel ist, solltet ihr allerdings auch keine Luftschlösser erwarten. Habt ihr Spaß am Original und braucht keine aufgehübschte Optik, dann ist Reforged für euch allerdings auch kein Muss. Es bleibt abzuwarten, wie das Spiel gesehen wird, sobald der Rauch verflogen ist. Lasst euch von der aktuellen Stimmung nicht täuschen und seht das Spiel als das, was es ist und nicht als das, was es sein sollte oder könnte!

80

spieletipps meint: Ein weitestgehend gelungenes Remaster des RTS-Klassikers, welches viel Spaß macht, allerdings auch keine Bäume ausreißt.

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