Test - Dreams | Der ultimative Videospiel-Baukasten?

von Victor Redman (Donnerstag, 20.02.2020 - 14:49 Uhr)

Jahre des Wartens haben ein Ende: Seit 14. Februar 2020 ist Dreams aus dem Hause Media Molecule für die PlayStation 4 erhältlich. Einmal mehr wird dabei die Kreativität der Spieler gefordert und gefördert. In unserem Test erfahrt ihr, ob Dreams wirklich Spieler-Träume wahr werden lässt.

Mark Healey denkt oft und gern zurück an den Commodore 64. Das war nämlich der erste Heimcomputer, der es Nutzern ermöglichte, selbst kreativ zu werden statt bloß zu konsumieren. So legte der altehrwürdige Brotkasten den Grundstein für die moderne Videospiel-Industrie – eine Industrie, in der Healey als Co-Gründer und Creative Director der Spieleschmiede Media Molecule heute eine wichtige Rolle spielt.

Die Kreativität der Community zu beflügeln stand bei dem britischen Entwickler stets im Vordergrund. Schon das Puzzle-Abenteuer Little Big Planet setzte auf von Spielern generierten Inhalt nach dem Motto, „Play, Create, Share“ - Spiele, erschaffe, teile! Auch dem neu veröffentlichten Dreams steht dieses Motto gut. Die Möglichkeiten, die das lang erwartete Spiel bereithält, gehen über die der Vorgänger allerdings weit hinaus.

HINWEIS: Nachdem ihr den Test gelesen habt, geht doch mal auf die nächste Seite des Artikels. Da gibt es nämlich zum Thema Dreams einen hübschen Preis zu gewinnen!

Eine Story-Kampagne als Tech-Demo

Wer sich das Bauen und Basteln für später aufheben will, kann sich aber auch erstmal auf die Story-Kampagne des Spiels stürzen. Die trägt den Titel Arts Traum und versetzt euch in die Rolle des vom Schicksal gebeutelten Musikers Art, der sich endlich seinen Gefühlen stellen muss. Dabei springt er nicht nur von Level zu Level, sondern auch von Stil zu Stil und sogar von Genre zu Genre.

Vom klassischen Jump and Run bis hin zum "Point and Click"-Adventure ist in Arts Traum so ziemlich alles vertreten – und alles macht Spaß. Neben dem abwechslungsreichen Gameplay ist dafür auch die erstaunlich emotionale, durchdachte Story verantwortlich. Besonders erlebens- und hörenswert sind dabei die diversen Musical-Sequenzen, die auch locker einem Disney-Film entsprungen sein könnten.

Arts Traum: Ein Blick in die Story-Kampagne von Dreams.Arts Traum: Ein Blick in die Story-Kampagne von Dreams.

Mit ein bisschen Gamer-Routine lässt sich Arts Geschichte in drei bis vier Stunden locker bewältigen. Für eine traditionelle AAA-Produktion wäre das ziemlich mager, bei Dreams ist die Kampagne jedoch nur eine Dreingabe – und eine Tech-Demo. Denn: Arts Traum wurde komplett und ausschließlich in Dreams erstellt, mit den selben Werkzeugen, die euch auch zur Verfügung stehen.

Made in Dreams: Alles ist machbar

Was mit diesen Werkzeugen alles möglich ist, lässt sich beim Dream Surfing schnell erkennen. Hier lassen sich die Kreationen anderer Spieler – kurz: Dreamer – bewundern und spielen. Und die Community ist bereits extrem aktiv: Ein deutsches Bastler-Duo bietet mit Pig Detective ein abendfüllendes Adventure-Spiel an; im KiJuPa Simulator könnt ihr als muffiges Monster eine Metropole zertrampeln, und der futuristische Racer FARR muss sich hinter großen Brüdern wie F-Zero und Wipeout nicht verstecken.

Pig Detective | So kreativ könnt ihr Dreams nutzen

Schon jetzt, wenige Tage nach Release, ist die Menge an Inhalten schier endlos. Glücklicherweise lässt sie sich über die spieleigene Suchmaschine problemlos bändigen. Mit den richtigen Schlagworten findet sich in Sekundenschnelle etwas für jeden Geschmack. Gleichzeitig lernt Dreams eure Vorlieben kennen und schlägt euch basierend auf dieser Grundlage immer neue Inhalte vor. Langweilig wird das Dreams-Universum also so schnell nicht.

Dreams macht Träume wahr – mit Lernkurve

Das eigentliche Zugpferd hinter Dreams ist und bleibt aber das Dream Shaping. In dem riesigen Baukasten lassen sich verschiedene Level bauen und zu kompletten Spielen verbinden, aber auch Animationsfilme, Musikvideos oder Stillleben gestalten. Alles, was ihr euch ausdenken könnt, könnt ihr umsetzen – selbst Dinge, die die Entwickler selbst für ausgeschlossen hielten, stellen sich mitunter als machbar heraus. So entstanden bereits die ersten Games mit Splitscreen im Dreams-Universum– ein Feature, das Media Molecule so überhaupt nicht für den Baukasten vorgesehen hatte.

Die vielen Möglichkeiten werfen allerdings auch viele Fragen auf. Zwar bietet Dreams ausführliche Tutorials für fast alle Features an, diese fallen aber durchaus zeitintensiv aus. Hinzu kommt, dass einige Werkzeuge erstmal freigespielt werden müssen. Das ist in der Regel nicht allzu aufwendig, muss aber trotzdem erledigt werden. Wer Dreams installiert und wie bei Super Mario Maker oder Minecraft direkt losbasteln will, wird unter Umständen erstmal eine Enttäuschung erleben.

Im Tutorial werden euch die Grundzüge des Dreams-Handwerks beigebracht.Im Tutorial werden euch die Grundzüge des Dreams-Handwerks beigebracht.

Auch die Steuerung gestaltet sich hier und da ein wenig hakelig. Wenn ihr bei Red Dead Redemption 2 geflucht habt, weil dieselbe Taste fürs Schießen und Sprechen zuständig war, wird euch vermutlich auch die Steuerung des Dreams-Baukasten nicht direkt zusagen. Letztendlich funktioniert alles wie es soll, aber es gibt eben eine Lernkurve. Auf einem Touchscreen wäre das Dream Shaping vielleicht um einiges intuitiver gewesen – damit kann die PlayStation 4 aber nun mal nicht dienen.

Für diese Stolpersteine entschädigt jedoch die Fülle des Möglichen allemal. Das Potenzial von Dreams ist schier unbeschränkt; das belegen schon die ersten Community-Projekte eindrucksvoll. Wer sich in die verschiedenen Werkzeuge einarbeitet, findet einen digitalen Baukasten vor, der umfangreicher kaum noch sein könnte. In Dreams ist wirklich alles möglich – wenn ihr euch die Zeit dafür nehmt.

Meinung von Victor Redman

Dreams ist ein Spiel, auf das ich selbst jahrelang hingefiebert habe. Und es ist ein Spiel, das die Fans spalten wird, weil es eben kein klassisches Spiel ist, sondern eher eine "gameifizierte Werkzeugkiste". Der Story-Modus ist mit viel Liebe gemacht und sicher das Durchspielen wert; ein Kaufargument ist er aber eher nicht.

Nein, wer sich Dreams zulegt, der tut das, um eigene Spieleträume Wirklichkeit werden zu lassen. Ein stärkeres Tool als Dreams ist derzeit am Markt nicht zu finden – der richtige Umgang damit will aber erstmal gelernt sein. Viele kreative Köpfe werden diese Lernkurve meistern und in Dreams allerlei geiles Zeug kreieren. Viele andere werden aber auch nach ein paar Stunden frustriert aufgeben und das Spiel nie wieder angucken. Dreams werdet ihr lieben oder hassen – auf jeden Fall ist es aber einen ausführlichen Blick wert.

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Tags: Gewinnspiele  

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