Vorschau - Resident Evil 3 Remake | Ja, es ist echter Survival Horror

von Micky Auer (Dienstag, 25.02.2020 - 17:00 Uhr)

Resident Evil 3 erhält ein Remake! Das ist nicht nur hinlänglich bekannt, sondern auch aus vielerlei Gründen begrüßenswert. Vor allem, nachdem wir in London ins Spiel reinschnuppern und um unser Überleben kämpfen durften. Survival Horror geht endlich wieder in altbewährter Form in eine neue Runde.

Resident Evil 3: Nemesis erschien vor 21 Jahren im Jahr 1999 und führte die Erfolgsgeschichte der damals noch jungen Horror-Reihe weiter. Am 3. April 2020 soll nun Resident Evil 3 Remake für PlayStation 4, Xbox One und PC erscheinen. Capcom hat uns nach London eingeladen, um die neuaufgelegte Episode anzuspielen.

Wie im Original schlüpft ihr in die Rolle der mittlerweile schon legendären Jill Valentine, die 24 Stunden vor den Ereignissen von Resident Evil 2 versucht, aus der von Zombies überrannten Stadt Raccoon City zu entkommen. Zusätzlich zu dem ohnehin schon schrecklichen Szenario macht Jill auch noch Bekanntschaft mit Nemesis, einer mutierten Abscheulichkeit, die nahezu unbezwingbar ist und die euch immer wieder begegnet. Ähnlich wie Mister X in RE2, jedoch noch monströser und gefährlicher.

So spielt sich das Remake von Resident Evil 3

Gerade im ersten Bereich des Spiels, den wir antesten durften, zeigt sich ein deutlich actionlastigeres Bild als noch in RE2. Mit nur ein paar Kugeln in der Pistole ist es unmöglich, alle Angreifer niederzustrecken. Hier werdet ihr bereits auf ein wichtiges Feature getrimmt: Ausweichen

Resident Evil 3 Remake: Das ist Nemesis!

In der PS4-Version sorgt ein Druck auf R1 zum richtigen Zeitpunkt dafür, dass sich Jill einem Zombie-Griff gerade noch rechtzeitig entzieht, sich unter einem Angriff wegduckt und schadlos weiterlaufen kann. Unterschätzt diesen Vorgang aber nicht, denn das Ausweichen erfordert ein hohes Maß an Präzision! Spätestens wenn euch Nemesis auf die Pelle rückt, solltet ihr damit umgehen können, denn sonst seid ihr nach ein bis zwei Treffern am Boden.

Wer diese Technik gemeistert hat, wird hoffentlich nicht so gefrustet sein wie ich zu Beginn. Denn oft konnte ich nicht nachvollziehen, warum mich schon wieder ein Zombie angefallen hat, warum ich schon wieder ein Quick Time Event machen muss, um mich aus dessen Umklammerung zu winden und warum er mich dennoch beißt und mir Schaden zufügt. Blitzschnell sind die kostbaren Heilmittel verbraucht und ihr steht schutzlos da. Allerdings kann ich zu diesem Zeitpunkt schwer einschätzen, ob das an meinem Unvermögen lag, oder ob das Geschehen da noch etwas Balance benötigt. (Es kann auch sein, dass dies reine Absicht ist, um euch stets in Alarmbereitschaft zu halten. Ich persönlich fand es etwas arg nervig.)

Apropos Nemesis: Anders als Mister X in Resident Evil 2 ist Nemesis wesentlich agiler! Einfach vor ihm weglaufen reicht oft nicht, denn gerade, wenn ihr euch in Sicherheit wiegt, kracht er von oben direkt vor euch auf den Boden! Ihr könnt ihn aber kurz aufhalten, indem ihr auf Transformatoren und explodierende Fässer in seiner Nähe schießt. Das "Katz und Maus"-Spiel mit Nemesis gehört zu den aufregendsten Momenten, die wir beim Anspielen erleben durften, den jede Sekunde, die ihr gewinnt, erhöht eure Chance, dem mörderischen Mutanten zu entkommen. Ein Fehler und es könnte euer letzter gewesen sein ...

Oh, hi Nemesis! Schön dich zu sehen. Und jetzt geh bitte wieder.Oh, hi Nemesis! Schön dich zu sehen. Und jetzt geh bitte wieder.

Ein Kritikpunkt im Original war der Umstand, dass ab einem gewissen Punkt im Spiel Nemesis so penetrant wird, dass der Spielfluss darunter leidet. Ob und wie dieses Problem im Remake in Angriff genommen wird, werdet ihr wohl erst erfahren, wenn uns eine fertige Testversion vorliegt.

Ansonsten erwartet euch typische "Resident Evil"-Rätselkost: Findet passende Objekte, um spezielle Türen und Truhen zu öffnen, verwaltet euer räumlich begrenztes Inventar (es lässt sich glücklicherweise erweitern), löst einfache bis mittelschwere Rätsel und findet Heilmittel und neue Waffen, um jeder Situation Herr zu werden. Das ist alles nicht neu, gehört aber zur Serie und rechtfertigt die genaue Erforschung der Umgebung.

Zusätzlich haben sich die Entwickler einige ganz neue Gegner, Mechaniken und Szenarien einfallen lassen, zu denen wir aber zu diesem Zeitpunkt noch nichts verraten dürfen. So viel sei gesagt: Die Neuerungen passen wunderbar ins Gesamtkonzept, machen aber der armen Jill das ohnehin schon gestresste Leben noch ein ganzes Stück schwerer.

Grafik und Technik: Schon nahezu einwandfrei

Resident Evil 2: Remake hat mit einem stimmungsvollen Beleuchtungsmodell und einer hohen Bildwiederholungsrate die Messlatte für den Nachfolger recht hoch gelegt. Resident Evil 3 hat - nach jetzigem Stand - diese Herausforderung gemeistert. Das Spielgeschehen wirkt wunderbar geschmeidig, die Steuerung fühlt sich direkt und präzise an.

Lodernde Flammen, aufwändige Beleuchtung: Die Grafik von RE3 Remake bleibt stets flüssig.Lodernde Flammen, aufwändige Beleuchtung: Die Grafik von RE3 Remake bleibt stets flüssig.

Der letzte Punkt ist besonders wichtig, wenn ihr eure kostbare Munition auf Gegner verballert, denen ihr nicht ausweichen könnt oder wollt. Denn Kopftreffer sorgen bei Standard-Zombies für maximalen Schaden, diese wollen aber gut platziert sein. Auch wenn die Zombies langsam schlurfen, Zielen (und Treffen) erfordert dann doch etwas Übung.

Die urbane Umgebung, die ganz am Anfang des Spiels zu erkunden ist, glänzt durch lodernde Flammen, flackerndes Neonlicht und Funken aus schadhaften Transformatoren. Die Innenbereiche sind übersichtlich gestaltet, wenngleich sie ein wenig steril wirken. Das tut jedoch der Atmosphäre keinen Abbruch. Das verwöhnte Spielerauge hätte sich aber über etwas mehr individuelle Details und weniger generische Texturen gefreut. Vielleicht tut sich dahingehend noch was bis zum Release.

Was gerade inmitten der ansonsten sauberen Technik sauer aufgestoßen ist, ist der Umstand, dass Zombies im Hintergrund (meistens mit dem Verzehr eines Leichnams beschäftigt) deutlich ruckelnd animiert sind. Das tut dem spielerischen Ablauf keinerlei Abbruch, aber es sieht eben in der schon recht final wirkenden Umgebung unschön aus. Ich gehe fest davon aus, dass dieses Problem noch behoben wird.

Resident Evil Resistance: Futter für Multiplayer-Enthusiasten

Ganz neu ist der asymmetrische Multiplayer namens Resistance. Die Matches finden im Verhältnis 4:1 statt. Ein Mastermind beobachtet über Kameras, wie vier Personen versuchen, aus seinem tödlichen Labyrinth zu entkommen. Sowohl auf Seiten der ums Überleben kämpfenden Spieler als auch hinter den Kulissen des Masterminds gibt es mehrere Auswahlmöglichkeiten aus verschiedenen Charakteren, die mit ihren ganz besonderen spielerischen Fähigkeiten aufwarten können.

Das Mastermind platziert Fallen und Gegner, spielt mit der Angst der Spieler, indem es Lichter ausschaltet, Türen temporär verschließt und teuflische Fallen sowie tödliche Gegner ins Spiel bringt. Die Überlebenden hingegen haben je nach Figur Hacking-Fähigkeiten, mit denen Kameras kurzzeitig ausgeschaltet werden können, sie heilen andere Spieler oder sind überlegen im Kampf mit Schuss- oder Hiebwaffen.

Wer in Resistance nicht aufpassen, den holt sich das Mastermind durch gut platzierte Gegner.Wer in Resistance nicht aufpassen, den holt sich das Mastermind durch gut platzierte Gegner.

Auf dieser Basis entstehen unter Zeitdruck stehende Jagden nach Schlüsselobjekten, Gegenständen, die zerstört werden müssen und ganz bestimmten Gegnern, die ein wichtiges Item bei sich tragen. Zusammenarbeit und Kommunikation ist auf Seiten der Gruppe unumgänglich! Denn das Mastermind wartet nur darauf, bis sich jemand von der Gruppe absondert, um hinter ihm oder ihr die Tür ins Schloss fallen zu lassen, das Licht zu löschen und Mister X oder einen ähnlich großen Brocken im Raum zu platzieren. Da hilft dann auch kein Geschrei mehr.

Die Möglichkeiten in Resistance sind komplex und gut durchdacht, die Zeitlimits wirken allerdings verdammt knackig. Technisch läuft diese Spielvariante jetzt schon durchaus rund, es gibt jedoch noch ein paar kleinere Probleme bei der Erkennung von Button-Prompts, sprich: Ihr werdet aufgefordert, einen bestimmten Knopf zu drücken, das Spiel reagiert aber nicht drauf. Hoffentlich nur eine Kinderkrankheit, die bis zum Release geheilt wird, denn in Resistance zählt jede Sekunde!

Auf Seiten des Masterminds fiel leider negativ auf, dass manche Objekte nicht platziert werden können, obwohl augenscheinlich genug Platz dafür vorhanden ist. Die Logik hinter dieser Mechanik wirkt nicht ganz schlüssig und hemmt den Spielfluss etwas, denn auch das Mastermind muss schnell reagieren, wenn es über vier Spieler dominieren will. So ganz selbsterklärend ist der Multiplayer auch nicht. Einige der anwesenden Kollegen - mich eingeschlossen - waren anfangs recht ratlos, was zu tun ist, während die Zeit gnadenlos läuft. Mal sehen, ob in der fertigen Version ein dringend nötiges Tutorial vorhanden ist.

Bewertung von Micky Auer

Ich hatte eine große Hoffnung für das Remake von Resident Evil 3. Und wie sich beim Anspieltermin gezeigt hat, wurde sie erfüllt. Die Hoffnung lautete: "Lass es ähnlich gut werden wie das Remake von Resident Evil 2!" Zumindest aus dem Abschnitt, den wir in London spielen durften, lässt sich diese Aussage unterfüttern. Wie das gesamte Spiel dann letzten Endes wirkt, kann jetzt natürlich noch nicht mit Sicherheit gesagt werden.

Nostalgiker können beruhigt sein. Eine große Portion der Atmosphäre und der grundlegenden Stimmung wurde in die Gegenwart übertragen. Neulinge hingegen müssen nicht befürchten, mit veralteter Steuerung und technischen Notlösungen konfrontiert zu werden. Die Neufassung von Resident Evil 3 ist ein modernes Spiel mit zeitgemäßer Technik und ansprechendem Design. Der "End-90er-Cheese" ist nicht penetrant spürbar, schwingt aber dennoch unaufdringlich mit.

Den Multiplayer hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht. Wie es momentan aussieht, hat er aber keinen Einfluss auf das Hauptspiel, somit sind eingefleischte Singleplayer nicht gezwungen, sich Spielinhalte durch den Multiplayer freizuspielen. Das ist aber eine stark persönlich eingefärbte Meinung. Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass auch die Spieler abgeholt werden, die sich gerne dem Nervenkitzel des Multiplayers hingeben. Ich selbst bin kein großer Fan davon.

Alles in allem befindet sich Resident Evil 3 auf einem sehr guten Weg. Es gibt zwar noch viel zu sehen und zu testen, das potenziell für negative Erlebnisse sorgen könnte, aber ich bleibe aufgrund des angespielten Materials äußerst zuversichtlich. Vor allem auch, weil Capcom seit geraumer Zeit so gut wie alles richtig macht.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Wie gut kennt ihr euch mit den Sony-Konsolen aus?

PlayStation | Wie gut kennt ihr euch mit den Sony-Konsolen aus?

Im Jahr 1995 erschien die erste PlayStation-Konsole und legte damit das Fundament für eine mächtige (...) mehr

Weitere Artikel

zum Vollpreis auf der Switch - Nintendo entfernt günstige Alternative

Der dritte Teil der beliebten Pikmin-Reihe erscheint auch für die Switch. Zukünftig wird das Strateg (...) mehr

Weitere News

Resident Evil 3 Remake (Übersicht)