Test - One Punch Man: A Hero Nobody Knows | Ein durchschlagender Erfolg?

von Ove Frank (Dienstag, 03.03.2020 - 16:30 Uhr)

Und plötzlich ist es da - das erste richtige Prügel-Spiel zur beliebten Manga- und Anime-Reihe One Punch Man. OPM hat sich in den letzten Jahren von einem Geheimtipp zu einem echten Phänomen entwickelt und es war nur eine Frage der Zeit, bis die Franchise anderen Anime-Riesen wie Dragon Ball, Naruto oder One Piece folgen und ein schönes Action-Spiel auf den Markt bringen würde. Doch kann es mit der Konkurrenz mithalten? In diesem Test verraten wir es euch.

One Punch Man: absurd episch und episch absurd.

One Punch Man als Spiel? Ernsthaft?

Mit One Punch Man: A Hero Nobody Knows verschaffen euch Spike Chunsoft und Bandai Namco Entertainment nun endlich die Möglichkeit, hinter dem Controller in die roten Gummihandschuhe von Saitama zu schlüpfen und euch epischen Kämpfen zu stellen ... nur um festzustellen, dass nach einem halb-ernsten Schlag schon wieder alles vorbei ist.

One Punch Man ist völlig absurd. Seien es die total überspitzten Charaktere, die Welt, die jeden Tag mindestens dreimal vor der Vernichtung steht oder die Tatsache, dass ein junger Mann, der mit seinem Fahrrad nach fiesen Monstern wirft, als Superheld gilt. Der Umstand, dass beim titelgebenden One Punch Man Saitama der Name Programm ist und jeder Gegner nach nur einem Schlag förmlich zerplatzt, was besagten Helden in eine schwere Sinnkrise stürzt, setzt dem ganzen die Krone auf. Und daraus soll nun ein gelungenes Spiel werden?

One Punch Man zeichnet sich nicht gerade durch seinen Abwechslungsreichtum aus. Daraus ein gelungenes Spiel zu basteln, ist gar nicht so einfach.One Punch Man zeichnet sich nicht gerade durch seinen Abwechslungsreichtum aus. Daraus ein gelungenes Spiel zu basteln, ist gar nicht so einfach.

Irgendwie schon: One Punch Man ist eigentlich eine Parodie des Superheldengenres und gleichzeitig auch von Shounen-Mangas. Es ist nicht wirklich ernst gemeint, oder zumindest war es das zu Anfang nicht. Was der Manga und vor allem der Anime aber immer geschafft haben, war Absurdität, großartige Situationskomik und Epik miteinander zu vereinen. Die Serie hat absolut spektakuläre Momente und epische Kämpfe - bis dann Saitama um die Ecke geschlurft kommt und alles binnen weniger Momente beendet und damit überhaupt nicht zurecht kommt.

Das Spiel selbst versucht nun all diese Elemente ebenfalls miteinander zu vereinen. Es gibt knallharte Kämpfe, Gegner, die euch verzweifeln lassen und Momente, an denen ihr euch vor Lachen auf dem Boden krümmt. Das Spiel ist sich seiner eigenen Absurdität bewusst und versucht diese auch immer wieder einzubauen.

Worum geht es?

Ihr seid ein aufstrebender Held, der versucht - genau wie Saitama, Genos und Co. - in Z-Stadt für Ordnung zu sorgen und dabei gelegentlich auch die Welt zu retten. Hierfür könnt ihr euren Charakter selbst erstellen, aufleveln und nach und nach anpassen. Ihr kämpft eucht in den Rängen der Heldenvereinigungen Stück für Stück nach oben, lernt dabei andere Helden kennen und erlernt immer wieder neue Kampfstile und Techniken.

In der Kampagne spielt ihr nicht direkt Saitama, sondern erstellt euren eigenen Helden, den ihr dann nach und nach anpassen und verbessern könnt.In der Kampagne spielt ihr nicht direkt Saitama, sondern erstellt euren eigenen Helden, den ihr dann nach und nach anpassen und verbessern könnt.

Um euren Verpflichtungen als Held nachzukommen, lauft ihr durch die Stadt, sprecht mit den Bewohnern und Helden-Kollegen und erledigt für diese Aufgaben. Meistens handelt es sich dabei um Kämpfe gegen Angreifer, die vom kleinen Ganoven bis hin zum unbesiegbaren Monster reichen. In der Heldenzentrale könnt ihr zudem Kämpfe bestreiten, um aufzuleveln und ebenfalls gegen andere Spieler antreten.

Insgesamt präsentiert das Spiel eine große Auswahl an beliebten Charakteren, die an unterschiedlichen Punkten in das Geschehen eingreifen und mit denen ihr interagieren könnt. Mumen Rider, Tank-Top Tiger und Silverfang sind nur einige der verschiedenen Helden, denen ihr begegnen und mit denen ihr auch kämpfen könnt. Dabei könnt ihr auch deren Freundschaft erlangen, was dazu führt, dass sie euch in schweren Kämpfen zu Hilfe kommen.

In der Art, wie ihr durch die Spielwelt lauft und mit den NPCs interagiert, erinnert One Punch Man: A Hero Nobody Knows zwischenzeitlich stark an Dragon Ball Xenoverse, während die Kämpfe eher Ähnlichkeiten zu My Hero Academia: One's Justice aufweisen. Leider kommt das Spiel in beiden Fällen nicht ganz an die Vorbilder heran.

Wie spielt es sich?

Wie zu erwarten war, geht es in erster Linie ums Kämpfen. In kleinen Arenen tretet ihr gegen Gegner aller Art an, prügelt mithilfe verschiedener Tasten-Kombinationen auf diese ein und setzt immer wieder besonders mächtige Attacken ein. Ein klassisches Prügelspiel eben. Dabei leidet das Game allerdings immer wieder unter seiner nur wenig intuitiven Steuerung, der Unsauberkeit in den Aktionen und unter gelegentlichen Performance-Problemen. Andere Genre-Verteter machen das durchaus besser.

In den Kämpfen selbst bedient sich One Punch Man: A Hero Nobody Knows klassischer "Beat 'em up"-Menchaniken.In den Kämpfen selbst bedient sich One Punch Man: A Hero Nobody Knows klassischer "Beat 'em up"-Menchaniken.

Trotzdem weiß das Spiel auch in veschiedenen Bereichen zu überzeugen. Das Verbessern und Anpassen des eigenen Helden macht Spaß und motiviert zum Weiterzocken. Der Umstand, dass euch und eurem Gegner immer wieder Helden zu Hilfe kommen können und plötzlich Dinge vom Himmel fallen, die das Blatt wenden können, verleiht dem Spiel einen wunderbaren Arcade-Flair.

Wenn eure Hilfe dabei entweder absolut nutzlos ist oder wenn plötzlich Saitama selbst erscheint und den Gegner, gegen welchen ihr gerade am Verlieren wart, mit nur einem Schlag ins Jenseits befördert, kann das schon sehr lustig werden und verschafft den Kämpfen immer wieder eine erfrischende Unvorhersehbarkeit. Das ist die richtige Art und Weise, um mit einer so absurden Prämisse, wie einem Helden, der jeden Gegner mit nur einem Schlag besiegt, umzugehen.

Auch die verschiedenen Kampfstile unterscheiden sich teils stark voneinander und jeder davon hat seine ganz eigenen Stärken und Schwächen. So kann ein Stil zu Beispiel von einem anderen ausgekontert werden, was dem Ganzen eine zusätzliche taktische Nuance verleiht. Allerdings ist es schade, dass jeder Charakter weitestgehend nur mit dem jeweiligen Stil kämpft, wodurch ihr schnell alles kennenlernt und darauf reagieren könnt. Mehr individuelle Kampfstile, mehr Abwechslung wären da schon schön gewesen.

Die immer wieder auftauchenden Ereignisse, die alle Charaktere betreffen können, sorgen in den Kämpfen für Abwechslung und Humor.Die immer wieder auftauchenden Ereignisse, die alle Charaktere betreffen können, sorgen in den Kämpfen für Abwechslung und Humor.

Mangelnde Abwechslung ist hier genau das Problem. Auch wenn die Kämpfe durchaus großen Spaß machen und durch besondere Ereignisse, wie das Erscheinen eines Riesenfußes, der alles platt tritt und durch die Hilfe zufälliger Helden immer wieder für Überraschungen sorgen können, so ermüdet sich das Spielprinzip recht schnell. Ihr sollt immer irgendwo hinlaufen und dort mit jemanden sprechen und einem Monster auf die Rübe hauen. Immer und immer wieder.

Bewertung von Ove Frank

Das Spiel zeigt in erster Linie, dass ordentliche Spiele im "One Punch Man"-Universum durchaus möglich sind. Die verschiedenen Kampfstile unterscheiden sich stark genug voneinander, dass jeden von ihnen mal einzusetzen und auch zu trainieren sich lohnt. Auch die Auswahl an Charakteren lässt kaum Wünsche offen, und der für One Punch Man typische Humor wird meistens gut eingefangen, was durch die gelungene Optik noch verstärkt wird.

Den Vergleich zu anderen Anime-Spielen muss sich One Punch Man: A Hero Nobody Knows zwar durchaus gefallen lassen, gänzlich verstecken muss es sich aber nicht. Zwar fehlt dem Spiel die individuelle kämpferische Vielfalt eines Dragon Ball Xenoverse 2 und auch kann es nicht mit der Epik und der Atmosphäre eines Naruto Shippuden - Ultimate Ninja Storm 4 mithalten, aber diese Spiele haben die Messlatte auch ziemlich hoch gesetzt.

Trotzdem bleibt One Punch Man: A Hero Nobody Knows ein weitestgehend gelungener Auftakt mit noch Luft nach oben, welcher trotzdem Lust auf mehr macht. Fans des Mangas und des Animes dürften weitestgehend zufrieden sein. Sollte das Spiel ein Erfolg werden, so können die Entwickler durchaus noch daraus lernen und die Franchise durch weitere Spiele bereichern. Wollen wir es hoffen!

75

spieletipps meint: Ein ordentlicher Auftakt, welcher zwar Luft nach oben lässt, aber Lust auf mehr macht. OPM-Fans dürften zufrieden sein.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Wie gut kennt ihr euch mit den Sony-Konsolen aus?

PlayStation | Wie gut kennt ihr euch mit den Sony-Konsolen aus?

Im Jahr 1995 erschien die erste PlayStation-Konsole und legte damit das Fundament für eine mächtige (...) mehr

Weitere Artikel

Mario Kart 8, Destroy All Humans und mehr

Der neue MediaMarkt-Prospekt bietet euch jetzt eine tolle Auswahl an Spielen für eure PS4, Xbox One und N (...) mehr

Weitere News

One Punch Man (Übersicht)