Test Ori and the Will of the Wisps | Ein emotionales Plattform-Märchen

von Thomas Stuchlik (Dienstag, 10.03.2020 - 11:00 Uhr)

Endlich geht es zurück in die bezaubernde Sagenwelt von Ori. Das zweite Hüpfabenteuer der Reihe trumpft mit komplexerer Spielmechanik und bewährter Charme-Offensive auf. Reicht das zum Hit?

2015 erschien mit Ori and the Blind Forest ein 2D-Abenteuer, das mit märchenhafter Grafikkulisse und knackigen Hüpf-Passagen auftrumpfte. Knapp fünf Jahre später reichen die österreichischen Macher von Moon Studios den lang ersehnten Nachfolger Ori and the Will of the Wisps nach. Wiederum schlüpft ihr in die Rolle des guten Waldgeistes Ori, der ein weiteres Abenteuer in der wilden Natur bestehen soll. Allerdings nicht mehr im Nibel-Wald, sondern in den weitläufigeren Landen von Niwen.

Ori ist zunächst auf der Suche nach seinem neuesten Familienmitglied - der jungen Eule Ku. Diese geriet zusammen mit Ori in einen Gewittersturm, in dem beide getrennt wurden. Obendrein machen sich die alten Kameraden Naru und Gumo auf, die beiden Vermissten zu finden. Bereits ab dem Intro ziehen euch die charmant-witzigen Charaktere in ihren Bann und sorgen für ein Wechselbad der Gefühle - genau wie schon im ersten Teil. Ganz so einsam verläuft das Abenteuer diesmal nicht, denn nun begegnet ihr auch den guten Bewohnern von Niwen.

Eine fabelhafte 2D-Welt

Schon der Vorgänger wusste mit seiner wundervollen und farbenfrohen Kulisse zu begeistern. Will of the Wisps legt noch einen drauf und bietet vielfältigere Abschnitte mit mehr Liebe zum Detail. Das Abenteuer läuft zweidimensional ab, doch dank vieler Tiefen-Ebenen wirkt das Geschehen plastisch wie noch nie.

Meist bewegt ihr euch in der malerischen Natur, zwischendurch auch durch Gebäude. Immer stimmig: die Beleuchtung.Meist bewegt ihr euch in der malerischen Natur, zwischendurch auch durch Gebäude. Immer stimmig: die Beleuchtung.

Die neuartige Niwen-Welt unterteilt sich in Bereiche wie Sumpfland, Tintenmoor, Lumaseen oder Mitternachtshöhlen. Doch überall begegnen euch Hindernisse. Mal in Form von verschlossenen Toren, die nach Schlüsselsteinen verlangen, mal in Form von unerreichbaren Plattformen, die ihr nur mit einer erlernten Fähigkeit erklimmt. Zudem gibt es simple Schalterrätsel, bei denen ihr beispielsweise den Wasserpegel senkt.

Ebenso im Weg stehen allerlei Gegner - von säurespuckenden Tentakeln bis zu aggressiven Mistkäfern. Im Gegensatz zum ersten Teil erwarten euch auch Bosskämpfe, bei denen ihr frisch erlernte Fertigkeiten erprobt.

Schaut euch neue Spielszenen von Ori and the Will of the Wisps an:

Trotz zahlreicher Feinde bleibt Niwen ein einladender Ort, denn überall finden sich sympathische Bewohner. Diese geben Tipps oder Nebenquests, welche sich meist auf Suchaufgaben beschränken. Ebenso tauchen Händler auf, bei denen ihr Energiekugeln oder Geisterlichter für Übersichtskarten, Fähigkeiten, Portale oder Behausungen für bedürftige Einwohner investiert.

Ein äußerst lernfähiger Held

Etwas verwunderlich ist, dass Ori viele seiner Fertigkeiten des Vorgängers verlernt hat. Nichtsdestotrotz ist er ein agiles Kerlchen, das jegliche Abgründe und Steilwände überwindet. Mit einer schnell erworbenen Zusatzfähigkeit kann er sich an letzteren sogar automatisch festhalten, was die gesamte Hüpf-Mechanik deutlich erleichtert.

Kletterkünstler Ori hangelt sich zwischen Dornen, Giftgewässern und Feinden entlang.Kletterkünstler Ori hangelt sich zwischen Dornen, Giftgewässern und Feinden entlang.

Daneben erlernt Ori Aktionen wie den Doppel- und Dreifachsprung und kann sich an Moos festhalten, um sogar an Decken zu klettern. Fieserweise stehen euch jedoch ständig Dornenranken im Weg. Gegnern kommt ihr mit magischem Schwerthieb, Hammer oder Bogen bei. Mit letzterem löst ihr zudem Schalter für ausfahrbare Plattformen aus.

Bald schon nutzt ihr zudem einen Greifhaken, um euch an Objekte heranzuziehen. Statt dem linearen Technikbaum des Vorgängers entscheidet ihr nun frei, welche neuen Fähigkeiten ihr direkt auf die Action-Tasten legen wollt. Nicht zuletzt wählt ihr drei passive Skills, je nach persönlicher Spielweise.

Neu: Neben der Solo-Kampagne stellt ihr euch Geister- und Zeitprüfungen, bei denen ihr möglichst schnell vom Start zum Ziel gelangen sollt. Dabei kämpft ihr um Bestzeiten in Online-Ranglisten und könnt Geister anderer Spieler zuschalten. Ori and the Will of the Wisps kann mit nur einem Einzelkauf auf PC, Xbox One und der kommenden Xbox Series X gezockt werden. Ebenso ist das Spiel Bestandteil des Xbox Game Pass. Eine Switch- oder PlayStation-Version ist nicht in Planung.

Bewertung von Thomas Stuchlik

Selten habe ich ein derart rundes und stimmiges Spielerlebnis gesehen. Ori and the Will of the Wisps begeistert mit seinen liebevollen Charakteren, einer tränenreichen Story und einer betörenden 2D-Natur. Held Ori ist ein echter Alleskönner, dessen ideenreiche Akrobatik euch immer wieder in Staunen versetzt. Schließlich bewegt er sich mühelos unter Wasser (wenn dieses giftfrei ist), in der Luft und sogar durch Sand. Für Abwechslung sorgen nicht nur neue Umgebungen, sondern auch vielfältige Hindernisse, die euch öfter ins Grübeln bringen.

Das Backtracking hält sich dank Teleportern dabei in Grenzen, obwohl die Welt laut Entwickler dreimal so groß ist wie im Vorgänger. Gleichzeitig gefallen die seichten Metroidvania-Mechaniken, mit der sich immer neue Wege eröffnen. Speicherpunkte lassen sich nun nicht mehr selbst bestimmen, doch die Checkpoints sind weitgehend fair gelegt. Einsteiger wie Profis freuen sich zudem über drei Schwierigkeitsgrade, um das zum Vorgänger etwa doppelt so lange 2D-Abenteuer vollends zu genießen.

90 Spieletipps-Award

spieletipps meint: Das wundervolle Hüpf-Abenteuer Ori and the Will of the Wisps begeistert mit klasse Steuerung, viel Abwechslung und gefühlvoller Präsentation.

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