Vorschau Wasteland 3 | Warum ihr Wasteland kennen solltet, wenn ihr Fallout liebt

von Michael Sonntag (Dienstag, 17.03.2020 - 18:00 Uhr)

Wasteland 3 erscheint voraussichtlich in zwei Monaten, wir konnten aber jetzt schon einen Blick in das post-apokalyptische Rollenspiel werfen. Was wir nach dem Anspielen sagen können: Retro und modern sind eine sehr gute Kombination, um ein Staub ansetzendes Genre mit einem Schlag zu reaktivieren.

Eine interessante Story, fesselnde Rundenkämpfe und eine faszinierende Welt: Was wir bisher von Wasteland 3 gesehen haben, stimmt optimistisch.Eine interessante Story, fesselnde Rundenkämpfe und eine faszinierende Welt: Was wir bisher von Wasteland 3 gesehen haben, stimmt optimistisch.

Wasteland 3: Die Rettung aus der post-apokalyptischen Langeweile?

„Die Welt ist untergegangen und nun müsst ihr ...“ ist ein Satz, der die Ausgangslage vieler Videospiele beschreibt. Natürlich bleibt die Post-Apokalypse wegen ihrer Extreme ein interessantes Setting, aber im Laufe der Zeit haben sich diese Extreme zum Normalzustand in der Videospiellandschaft entwickelt. Ein verstrahltes Ödland und ein paar Kämpfe zwischen Überlebenden reichen nicht mehr unbedingt aus, um die Gamer aus den Bunkern hervorschauen zu lassen.

Kann Entwickler Inxile Entertainment also mit Wasteland 3 den Spielern wieder eine attraktive untergegangene Welt liefern? Die Vorraussetzungen dafür sind vorhanden, der Erwartungsdruck ist aber genauso hoch. Schließlich ist die Wasteland-Reihe nicht nur eine der besten Adressen für post-apokalyptische RPGs, sondern eigentlich auch die Mutter dieses Genres, da sie im Jahr 1988 mit Teil 1 strenggenommen zum allerersten Mal Weltuntergang zum digitalen Vergnügen gemacht hat - noch vor dem ersten Fallout!

Bei unserem Anspieltermin konnten wir vier Stunden in Wasteland 3 hineinspielen und Zeuge werden, dass das Rollenspiel einerseits seinen Wurzeln treu geblieben, andererseits aber auch in eine vielversprechende Richtung weiter gewachsen ist. Die Ausgangslage ist folgende: „Die Welt ist untergegangen und nun müsst ihr als Rangers, den Elite-Beschützern der Überlebenden, einen gefährlichen Auftrag annehmen ...“

Der Hauptteil von Wasteland 3 findet in der isometrischen Perspektive statt - aber für die Dialoge wird in eine Ego-Perspektive gewechselt, in der die abgedrehten Charaktere die Bühne für sich zu nutzen wissen.Der Hauptteil von Wasteland 3 findet in der isometrischen Perspektive statt - aber für die Dialoge wird in eine Ego-Perspektive gewechselt, in der die abgedrehten Charaktere die Bühne für sich zu nutzen wissen.

Wasteland 3: Babysitten in der Post-Apokalypse

Um ihre Heimat Arizona zu retten, haben die Rangers mit dem Patriachen, dem Oberhaupt von Colorado, einen Pakt geschlossen: Wenn sie seine drei meuternden Kinder in den Griff bekommen, versorgt er im Gegenzug Arizona mit Vorräten. Ein Deal, der eigentlich recht simpel klingt, aber brutal schief geht: Bei der Ankunft werden die Rangers überfallen und nur das Personen-Duo überlebt, für das ihr euch in der Charakterauswahl entscheidet. Der Deal gilt weiterhin, auch wenn er jetzt unmöglich scheint.

So viel zur Exposition - denn das Schöne an Wasteland 3 ist, dass ihr nicht unbedingt dem roten Faden der Problemkinder-Story folgen müsst, sondern in eine offene und abgedrehte Welt geworfen werdet, in der sich mit jedem Meter und jeder neuen Person viele weitere Geschichten eröffnen. Es steht euch jederzeit frei, links und rechts zu erkunden und euch in irgendwelche Geschäfte einzumischen. Beispielsweise, einen Unbekannten vor der Hinrichtung zu retten, oder die Welt mit euren Entscheidungen zu beeinflussen, ohne deren langfristige Folgen abschätzen zu können. Ob es etwa eine kluge Idee gewesen ist, die Boutique-Räuber laufen zu lassen? Klar, ihr könntet ihr jetzt an einer wichtigen Besprechung teilnehmen, aber warum nicht zuvor das Hauptquartier untersuchen, das in einem alten Gefängnis aufgeschlagen worden ist, in dem noch Wachroboter umherziehen und Banden leben?

Egal, ob detailverliebte Stadt oder gefährliche Ödnis, die Welt und die Geschichte von Wasteland 3 gehen ineinander über und bieten einen post-apokalyptischen Sandkasten mit vielen skurillen Charakteren, wie man ihn aus den Wasteland-Vorgängern oder auch aus den alten Fallout-Teilen kennt. Wer von der nostalgisch wirkenden isometrische Perspektive nicht genervt ist, sondern sich darauf einlässt, könnte mit Wasteland 3 ein gutes Retro-RPG bekommen.

Die drei Problemkinder sind nicht euer einziges Problem:

Wasteland 3: Das Gameplay - Spannung von Runde zu Runde

Wenn es in Wasteland 3 zum Gefecht kommt, wird von der freien Steuerung zum Rundenkampf gewechselt. Nun heißt es, gute Positionen zu finden, effektive Angriffe zu starten und sich so gut wie möglich auf die "Antwort" des Feindes vorzubereiten. Der rundenbasierte Kampf wirkt in Wasteland 3 nicht aufgezwungen, er führt zu spannenden Schlachten, in denen Spieler ihre knappen Ressourcen gut einsetzen müssen - da sie sich in den meisten Fällen ohnehin in der Unterzahl befinden.

Hinzu kommt, dass das Gelände clever genutzt werden kann, Felsen als Deckung gebraucht, Ölfässer zerstört und auch Maschinen eingeschaltet werden können, damit diese im Kampf helfen. Der Spieler muss im späteren Verlauf des Spiels sein eigenes Team zusammenstellen und dann lernen, im Kampf die invididuellen Talente der Mitglieder einzusetzen - vom lumpigen Nahkämpfer bis zur jungen Scharfschützin. Eine erfolgreiche Flanke, ein gefährliches Manöver, um einen Gefallen wiederzubeleben, oder eine brachiale Reaktion, nachdem die Gegner das Team in die Enge getrieben haben - in Wasteland 3 folgt ein spannendes Szenario auf das andere.

Gelegentlich führt der Rundenkampf zu merkwürdigen Situationen, wenn bis an die Zähne bewaffnete Charaktere vor Feinden stehen, aber nicht angreifen können, weil sie keine Aktionspunkte mehr haben. Das ist dann dem Gameplay-Konzept geschuldet. Auch wenn nicht jeder Spieler sich mit Rundenkämpfen anfreunden kann, bekommt er in Wasteland 3 viel Spielraum und Möglichkeiten, mit Kampf-Manövern zu experimentieren. Einen zusätzlichen Anreiz könnte die Inszenierung bieten, wenn ein Kampf zwischen brennenden Trümmern plötzlich mit einer Rockballade untermalt wird.

Bewertung von Michael Sonntag

Ich hatte sehr viel Spaß beim Anspielen von Wasteland 3: Ich habe meine Charaktere ausgebildet, ein Team aus Chaoten zusammengestellt, mich mit Räubern in einem Canyon duelliert und die Hintergründe eines verlassenen Gefängnis aufgedeckt - und das alles in nur vier Stunden Spielzeit! Ich freue mich auf den Release am 19. Mai 2020 für PS4, Xbox One und PC.

Ich bin ein großer Freund dieser Mischung - des Kämpfens, Erkundens und Sprechens mit durchgedrehten Figuren. Ich kann bisher nichts Großes bemängeln, muss aber einräumen, dass Wasteland 3 mit seiner Retro-Modern-Formel ein spezielles Spiel ist, das spezielle Bedürfnisse erfüllt. Spieler, die lieber mit Echtzeit-Kämpfen und Ego-Perspektive spielen, greifen höchstwahrscheinlich zu einem der modernen Fallout-Teile. Ich rate diesen dennoch, sich mal auf Wasteland einzulassen. Auf seine Welt, Geschichte und Charaktergestaltung.

Die Wasteland-Reihe hat ihren ganz eigenen Charme, welchen Entwickler Inxile Entertainment, soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, auch in Wasteland 3 spielen lässt. Wie macht man Post-Apokalypsen heute noch attraktiv? Einfach: Indem das Ende der Welt nur den Anfang einer viel absurderen und interessanteren darstellt!

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