Test Doom: Eternal | Bei diesem Shooter bleibt kein Auge trocken!

von Olaf Bleich (Dienstag, 17.03.2020 - 15:00 Uhr)

Die Legende kehrt zurück: Seit 1993 steht Doom als Synonym für Ego-Shooter. Nach dem 2016 erfolgten Reboot der Kult-Serie lädt der Slayer in Doom: Eternal erneut Schrotflinte, BFG und Plasmakanone durch, um die Dämonenbrut zurück in die Hölle zu schicken. Im Test präsentiert sich der Shooter als knallharte Fortsetzung, die aber auch überraschend viel Mut zu Innovationen zeigt.

Kettensägen und Dämonen - in Doom: Eternal bekommt die Dämonenbrut ordentlich auf die Fresse.Kettensägen und Dämonen - in Doom: Eternal bekommt die Dämonenbrut ordentlich auf die Fresse.

Das bessere Doom!

Kämpfen. Immer weiter kämpfen. Kettensäge, schwere Kanone und Shotgun im Anschlag. Den Cacodemon von links fertigt der Slayer mit dem Granatwerfer ab, den Imp vor ihm zersägt er kurzerhand und erntet dafür einen Regen aus Munition. Doom: Eternal ist schnell, knallhart und gewohnt brutal. Da rupft ihr besagtem Cacodemon kurzerhand das Auge heraus und stopft es ihm in den Rachen, ehe das fliegende Monstrum explodiert.

Wer den 2016 veröffentlichten Vorgänger kennt, weiß wofür id Softwares Kult-Shooter inzwischen steht. Und dennoch ist Doom: Eternal besser. Es balanciert geschickter auf dem Grat zwischen Überforderung und Frustration, schenkt euch mehr Freiheiten, zelebriert die Seriengeschichte aber dennoch prunkvoller und tut dies sogar mit einem Augenzwinkern.

Der oftmals beschworene Puzzle-Shooter ist Doom: Eternal trotzdem nicht. Das Spiel gibt euch dafür aber mehr Werkzeuge an die Hand als jemals zuvor und zieht das Tempo nochmal an. Jedoch überfordert es nur sehr selten und gibt sich bisweilen ungewohnt kompromissbereit.

Eine Festung für Fans

Fangen wir aber zunächst bei der Hintergrundgeschichte an. In Doom: Eternal kontrolliert ihr erneut den legendären Slayer. Er soll die aus der Hölle ausgebrochenen Dämonen aufhalten, die bereits weite Teile der Erde befallen haben. Der Plan des Slayers erinnert dabei leicht an die Verhandlungsgeschicke eines Kratos aus God of War: einfach alle umlegen, die irgendwas zu melden haben. Den Anfang machen drei Höllenpriester, die ihr aufspüren und ausschalten müsst. Was danach passiert, bleibt an dieser Stelle geheim.

Doom: Eternal bietet im Vergleich zum Vorgänger ein deutlich abwechslungsreicheres Szenario. Das Spiel entführt euch auf den Mars und die Raumstation Phobos, aber auch in zerstörte Regionen der Erde und in andere Gebiete. Diese Vielfältigkeit der Schauplätze tut dem Shooter gut. Denn speziell die Endzeitstimmung der Erden-Missionen nutzt sich vergleichsweise schnell ab.

Wie im Original kämpfen die Dämonen zwischendurch auch untereinander.Wie im Original kämpfen die Dämonen zwischendurch auch untereinander.

Als Rückzugsort dient die Festung (englisch: Fortress of Doom), eine im Orbit schwebende Raumstation. Sie erinnert an die Normandy aus Mass Effect und bietet etwa eine Trainingsarena oder auch verschiedene Möglichkeiten zum Verbessern der Fähigkeiten des Slayers.

Spätestens in der Festung stolpert ihr dann auch über die vielen Anspielungen und Insider-Gags. Schaut einfach mal in das Bücherregal des Slayers oder spielt ein wenig mit den in den Levels verteilten Action-Figuren herum. Auch sonst gibt es viel Fanservice - etwa freischaltbare Soundtracks aus früheren Doom-Ablegern oder sogar die klassische Waffenhaltung aus dem ersten Teil.

Fingerakrobatik gegen Dämonen

In seinem Kern aber bleibt Doom: Eternal natürlich ein blutrünstiger und dreckiger Ego-Shooter. Entwickler id Software rüstet im Vergleich zum Vorgänger auf: Viele Waffen wie etwa das Plasmagewehr, die Shotgun oder auch der Raketenwerfer erhalten zwei Mods, die ihr wiederum mit erspielten Waffenpunkten aufmotzt. Mods wechselt ihr direkt im Feld und verwandelt so die schwere Kanone in eine Bazooka oder in ein Scharschützengewehr. Das sorgt für viel Abwechslung und mehr taktische Möglichkeiten.

Beides ist auch bitter notwendig. Doom: Eternal ist spätestens ab der zweiten der insgesamt vier Schwierigkeitsstufen ein knackiges Spiel. Passt ihr nicht auf, nimmt euch die Dämonenbrut binnen Sekunden auseinander. Sehr schön: Ihr könnt den Schwierigkeitsgrad jederzeit wechseln und auch die Speicherpunkte sind sehr fair gesetzt.

Gut gesägt ist halb gewonnen - das denkt der Slayer, nicht dieser Dämonensoldat.Gut gesägt ist halb gewonnen - das denkt der Slayer, nicht dieser Dämonensoldat.

Spielerisch gibt sich Doom: Eternal aber als extrem fordernd und das liegt nicht zuletzt an dem neuen Ressourcen-System. Rüstung, Gesundheit und Munition findet ihr zwar weiterhin in den Arenen, jedoch weitaus weniger als gewohnt. Stattdessen erarbeitet ihr euch diese Rohstoffe selbst. Zersägt ihr einen Gegner mit der Kettensäge, bringt euch das Munition. Ein Glory-Kill, also ein blutiger Nahkampfangriff, beschert euch Lebensenergie und attackiert ihr mit dem Flammenwerfer lassen die brennenden Kontrahenten Rüstungsplatten fallen.

Klingt kompliziert, geht euch aber mit der Zeit aber in Fleisch und Blut über. Eins ist sicher: Doom: Eternal erfordert Koordination und Kalkül. Die Dämonen besitzen Schwachstellen, die ihr mit der passenden Waffe knackt. Den Cacodemon etwa fertigt ihr problemlos mit der Granatwerfer-Mod eurer Shotgun ab. Bei größeren Gegnern wie dem Marauder oder dem Gladiator kommt dagegen das Dark Souls in Doom: Eternal durch. Bei ihnen müsst ihr Angriffsmuster erkennen und Zeitfenster ausnutzen.

Sammelgegenstände und Charaktersystem

In seinem Kern bleibt Doom: Eternal also den Grundfesten treu, die das 2016 veröffentliche Serien-Reboot aufbaute. Gerade die Präsentation transportiert die Aggression des Slayers erstklassig. Wenn uns harte Rock- und Electro-Töne aus den Boxen entgegen dröhnen und wuchtige Schlachtenklänge erklingen, dann kommt diese ganz besondere Doom-Stimmung auf. Dies ist kein Spiel für Zartbesaitete sondern eine Ode an die Pixelgewalt. Doom: Eternal ist ein einziger Exzess, aber besitzt deutlich mehr Tiefe als der Vorgänger.

Das liegt nicht zuletzt an dem bereits angesprochenen variantenreicheren Setting. Das Actionspiel wechselt geschickt zwischen typischen Arena-Ballereien und Umgebungsrätseln. Der Slayer zeigt sich nämlich als Bewegungstalent, das sich an Stangen entlang schwingt, Doppelsprünge vollführt und sich durch die Lüfte katapultiert. Und auch hier punktet Doom: Eternal mit seiner direkten Steuerung und dem gelungenen Leveldesign. Die Gebiete gestalten sich weitläufiger, sodass ihr immer wieder Extras entdecken könnt.

Gefunde Figuren landen im Arbeitszimmer des Slayers.Gefunde Figuren landen im Arbeitszimmer des Slayers.

Doom: Eternal motiviert zudem mit einem einfachen, aber gefälligen Charaktersystem. Waffenpunkte erspielt ihr euch für das Bewältigen bestimmter Aufgaben wie etwa dem Absolvieren von Slayer-Arenen. Runen wiederum aktivieren Fähigkeiten wie etwa Zeitlupen-Attacken im Sprung und mit Wächterkristallen hebt ihr Grundwerte wie Gesundheit, Rüstung und Munition.

Es steckt überraschend viel in dem Spiel, was auch für Abwechslung abseits des Schlachtfelds sorgt. Im mittleren Schwierigkeitsgrad hält euch die Kampagne 25 und mehr Stunden bei Atem - abhängig davon wie viel Zeit ihr in die Erkundung der Levels und in die Nebenaufgaben investiert. Danach warten die höheren Stufen oder die Meister-Levels auf euch. Dabei handelt es sich um neu ausgerichtete Kampagnenmissionen mit fieseren Monstern und anderen Extras.

Noch mehr Doom: Eternal

Als Bonbon packt id Software übrigens noch Events und den Battle-Modus zusätzlich zum Einzelspielermodus oben drauf. Dabei handelt es sich um eine Online-Variante, in der es zwei Spieler als Dämonen mit einem Slayer aufnehmen. Im Testbetrieb war diese Option leider aufgrund verwaister Server noch nicht zugänglich, die Offline-Tutorials aber machen Lust auf mehr. So beschwört ihr etwa als Dämon andere Höllenkreaturen herauf und macht selbst Jagd auf den Slayer. Vorbesteller wagen zudem einen Trip in die Vergangenheit mit der Neuauflage von Doom 64. Nicht nur, dass ihr einen Klassiker nachholen könnt, id Software erweitert das Spiel auch um einen zusätzlichen Level.

Bewertung von Olaf Bleich

In den frühen Anspielrunden überforderte mich Doom: Eternal gnadenlos. Die Masse an Tasten und Optionen frustrierte mich. Kein Wunder, wurde ich doch ohne Vorbereitung ins kalte Wasser geworfen. Das war im Test anders. Stück für Stück lernte ich die Fähigkeiten des Slayers und ihre Nutzen kennen. Anfangs musste ich noch häufiger auf die Bildschirmeinblendungen schauen, aber irgendwann wusste ich, wann mein Slayer Gesundheit, Munition oder Rüstung benötigte und agierte entsprechend.

Doom: Eternal macht für einen Nachfolger nahezu alles richtig: es bewahrt die Tugenden seines ebenfalls gelungenen Vorgängers und erweitert diese mit neuen, längst überfälligen Ideen. Ganz egal, ob Umgebungsrätsel, Charaktersystem oder Waffen-Mods - irgendwie fügen sich die Teile in Doom: Eternal nahtlos zusammen. Das Ergebnis ist ein einziger Adrenalinrausch aus Pixel-Blut, Dämonen und Bildschirmgewalt.

Natürlich habe ich mich im Test auch geärgert - etwa über gelegentliche Ungenauigkeiten bei den Glory-Kills oder das allzu große Schlachtchaos. Am Ende des Tages allerdings kann ich diesem Spiel aber nicht böse sein. Denn selten zuvor fühlte ich mich in einem Shooter so mächtig und so verwundbar zugleich. Ich lege mich fest: Doom: Eternal ist eines der besten Actionspiele des Jahres 2020.

91 Spieletipps-Award

spieletipps meint: Starke Fortsetzung der Shooter-Kult-Serie: knallhart, schnell und überraschend komplex.

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