GTA Online: "Rockstar verarscht uns, also verarschen wir Rockstar" (Special)

von Michael Sonntag (Sonntag, 05.04.2020 - 09:00 Uhr)

Auch wenn GTA Online nach fast sieben Jahren immer noch zu den meistgespielten Multiplayern gehört, führt die Community eine schwierige Beziehung zum Großstadt-Abenteuer. Das spaßige Gameplay kann nicht ohne eine riesige Zahl an Problemen genossen werden. Ein langjähriger Spieler hat uns erklärt, wie er dagegen vorgeht und wie er mit dem seiner Meinung nach größten Gangster in GTA Online fertig wird: Entwickler Rockstar selbst.

Als uns Gangsterboss Pascal seine Luxus-Yacht zeigt, erhalten wir Besuch von Griefern. Der Bodyguard darf allerdings Pause machen, sein Boss kümmert sich lieber selbst um das Problem.Als uns Gangsterboss Pascal seine Luxus-Yacht zeigt, erhalten wir Besuch von Griefern. Der Bodyguard darf allerdings Pause machen, sein Boss kümmert sich lieber selbst um das Problem.

GTA Online: "Rockstar hat das Spiel kaputt gemacht"

Im Jahr 2013 startete mit GTA Online ein beispielloses Multiplayer-Phänomen. Der typische GTA-Spaß konnte nun mit hunderttausenden Gangstern online genossen werden, von denen alle das Ziel verfolgten, sich die Großstadt unter den Nagel zu reißen. Entwickler Rockstar schaffte es, das Spiel über die Jahre spannend zu halten - mit immer neuen Updates, Events und Objekten. Gleichzeitig wurde aber auch das Gegenteil erreicht, wie es die Grundstimmung in vielen sozialen Foren wiedergibt.

Das Spiel leide immer stärker, so die Spieler, unter den wachsenden Massen der Griefer und der immer größeren Inflation. Trotz dieser Probleme versucht die Community weiterhin Spaß mit GTA Online zu haben, um die Wartezeit auf GTA 6 zu überbrücken oder weil sie allgemein keine bessere Alternative kennt. Hierbei sei Entwickler Rockstar den Spielern aber nicht nur eine Lösung schuldig, sondern auch der eigentliche Verursacher des Problems, erklärt uns Pascal im Interview, ein langjähriger Gangsterboss und Multimillionär in GTA Online.

Rockstar hat das Spiel durch überteuerte Preise und overpowerte Fahrzeuge (wie das Raketenbike Oppressor MK 2) kaputt gemacht“, erzählt er, während wir in seinem gepanzerten Wagen zu seiner Operationsbasis außerhalb der Stadt fahren. Pascal hat alles: Autos, Waffen, Clubs, Basen, Bunker, eine Yacht und sogar eine Waffe, mit der er für 750.000 Dollar einen Spieler seiner Wahl aus dem Orbit abknallen lassen kann. Mit diesem Reichtum im Überfluss hat Pascal GTA Online quasi durchgespielt und ist dort, wo viele Spieler hinkommen wollen. Für diesen Status müsse man laut ihm allerdings auch einen extrem hohen Preis zahlen: 50 Millionen Dollar. Dieser Preis mache laut ihm GTA Online nicht nur kaputt, er nötige Spieler auch dazu, das Spiel kaputt zu machen. Jeder auf seine Weise.

Verstärkt wird dieser Effekt durch immer wieder neue Updates. Klar sind Updates toll, keine Frage, aber in der Hinsicht sind sie eine Förderung der Selbstzerstörung des Spielerlebnisses. Dagegen kann man nichts unternehmen, wenn man wirklich eine weiße Weste behalten will. Man ist quasi gezwungen, diese weiße Weste abzugeben, um im Spiel mithalten/mitreden zu können“, so der Gangsterboss.

Mittlerweile ist das klassische Gangstertum in GTA Online Schnee von Gestern - Gangster sind heute Unternehmer:

GTA Online: Das Geschäft mit den Meta-Verbrechen

Tipps für Einsteiger: Leute zu eliminieren ist nicht alles, denn ohne fortlaufende Einnahmen fehlen die Mittel, um Leute zu eliminieren. Kaputt machen das Spiel auch die ganzen Griefer, denen das Spielerlebnis der anderen egal ist. Denen geht es um ihre K/D-Rate, die aber absolut nichtssagend ist. Von einer hohen K/D kann sich keiner was kaufen.

Jetzt, da er oben ist, möchte Pascal mit seinem Einsatz GTA Online zu einem besseren Spiel machen, indem er anderen Spielern zu Reichtum verhilft und sie im Kampf gegen Griefer und - den seiner Meinung nach - größten Gangster in GTA Online unterstützt: Entwickler Rockstar selbst, der ein ausbeuterisches Wirtschaftssystem eingeführt habe. Bei diesem müssten Spieler immerzu Riesenbeträge in ihre Unternehmen investieren und währenddessen dutzende monotone Aufträge erfüllen, die im Idealfall nicht durch Spielverderber sabotiert werden, um im Nachhinein eigentlich fast nichts zurückerhalten und das solange anzusparen, bis es endlich für ein überteuertes Wunschobjekt reiche.

Von allen Unternehmensvarianten würde sich aber nur eine seiner Meinung nach wirklich lohnen, vor allem für Einsteiger: Der Bunker, „Wenig Einsatz bei viel Profit“. Laut Pascal habe Rockstar mit den ganzen Grind-Updates dem Spiel den Spaß und den Spielern ihre Verbrecher-Identität genommen. Deshalb spiele er nur auf der Oberfläche einen braven Unternehmer, während er unterhalb dessen einem "spielerfreundlicheren" und "einem Gangsterspiel wie GTA Online angemesseneren" Geschäft nachgeht: Meta-Verbrechen, wenn man so will.

Pascal will GTA Online zu einem besseren Ort für Gangster machen, indem er Griefer ausschaltet und Meta-Verbrechen begeht.Pascal will GTA Online zu einem besseren Ort für Gangster machen, indem er Griefer ausschaltet und Meta-Verbrechen begeht.

Hierbei tauschen sich Spieler über Fehler, Bugs und Programmierfehler in Missionen aus, um sie so einfacher zu gestalten und mehr sowie schneller Geld mit ihnen zu verdienen. Eine moralisch legale Methode, wie Pascal findet, weil er keine Cheats oder Mods nutze, sondern der Entwickler diese Kniffe durch sein eigenes Verschulden selbst zulasse.

Er führt uns das anhand einer Mission vor. Normalerweise sollte hierbei ein Spieler einen Helikopter beschützen, allerdings wird dieser nicht angegriffen, solange niemand einsteigt, was die Mission um einiges einfacher gestaltet. So muss Pascal nur ein paar Schusswechsel hinter sich bringen, während wir bereits am Zielpunkt warten. Kurz vor Schluss verlässt er das Spiel, sodass er die Mission immer wieder von Neuem spielen und dem nächsten Spieler eine Geldspritze verabreichen kann. „Schnell verdiente 1,1 Millionen.

Er kenne dutzende solcher Tricks, die von simplen Hilfen, wie dem Kaufen einer bestimmten Garage für eine bestimmte Mission, bis zu dem Ausnutzen kompletter Gamebreaker reichen. Wir fragen ihn, ob er sich davor fürchtet, irgendwann mit einem Ban seitens Rockstar für seine Tricks rechnen zu müssen.

Ich hab keine Angst für irgendwas belangt zu werden. Rockstar Games und sein Support interessieren sich einen (XXX) für die Probleme der Spieler und so auch für irgendwelche Verstöße. Eher werden Leute für belanglose Sachen bestraft.“

Was tun, wenn man schon alles gemacht hat? Pascal verkleidet sich am liebsten als Parkboy und wechselt in den Geist-Modus, um sich als NPC auszugeben und Casino-Spieler zu veräppeln.Was tun, wenn man schon alles gemacht hat? Pascal verkleidet sich am liebsten als Parkboy und wechselt in den Geist-Modus, um sich als NPC auszugeben und Casino-Spieler zu veräppeln.

GTA Online: Der Traum vom Gangster-Paradies

Nachdem Pascal uns seine Yacht gezeigt und uns eine Runde auf dem gefürchteten MK2 Oppressor drehen ließ - „Ja, ich habe es, aber es gehört verboten“ - , stellt er uns zum Schluss seiner Crew vor. Wir spielen den von Spielern erstellten Modus "Rockets versus Insurgents", bei dem Spieler in gepanzerten Autos Leute von Plattformen stoßen müssen, die mit Raketenwerfern bewaffnet sind.

Unter diesen Bedingungen, unter Freunden, in einer privaten Lobby, nur so könne GTA Online so viel Spaß machen wie früher, wird in der Runde gesagt. In den normalen Lobbys werde man nur ohne Grund über den Haufen geschossen, meint ein Crew-Mitglied. Wir nutzen die Gelegenheit, um Pascal und seine Crew zu fragen, mit welchen Veränderungen und Updates GTA Online für sie wieder zu einem durch und durch guten Spiel werden könnte.

Weniger starke Waffenfahrzeuge und bei der Realität bleiben. Ich würde mir zudem mehr Unterwasser-Inhalte wünschen, Basen und Ebenen, die man mit dem U-Boot erkunden kann“, sagt Pascal.

Ich fände mehr friedlichere Dinge und Wettbewerbe cool. Skateboard fahren zum Beispiel“, findet Annika.

Die Stadt braucht mehr Kanäle, Höhlensysteme und Verstecke. Im Untergrund könnte man dann auch zusätzliche Deathmatches veranstalten“, wünscht sich Tobi.

Trotz aller Kritiken haben wir mit Pascal, Annika und Tobi Spieler kennengelernt, die noch Hoffnung für GTA Online sehen und sich mit dem gegenwärtigen Zustand arrangiert haben, um auf einen besseren oder eine Alternative zu warten. Im Grunde wünschen sie sich ein - man könnte sagen - "sportlicheres" GTA Online, das mehr auf gemeinsame Multiplayer-Erfahrungen setzt als auf einen erbitterten Kampf zwischen Reich und Arm.

Das auch brutale Gangster-Action bietet, aber nur in bestimmten Rahmen, ohne dass Unbeteiligte mitreingezogen werden können. Dass jeder Gangster seine Zeit so, wie er will, in GTA Online verbringen kann - anstatt nur davon zu träumen, wie er sie eines Tages mit genügend Geld und Macht verbringen könnte. Es bleibt abzuwarten, ob Entwickler Rockstar diese Wünsche seiner Spieler in Zukunft - oder spätestens bei GTA 6 - auch berücksichtigt und umsetzt.

Wir bedanken uns für den Einblick in die Meta-Unterwelt von GTA Online und die Rundführung durch den Luxus. Für eine Rückrunde bei "Rockets versus Insurgents" stehen wir jederzeit zur Verfügung. Und ja, das MK2 Oppressor hat schon was, gehört aber wirklich verboten.

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