Test One Piece: Pirate Warriors 4 - Spaßige Massenschlägerei mit Verlusten

von Marco Tito Aronica (Dienstag, 31.03.2020 - 15:37 Uhr)

Stumpfes Einprügeln auf unendliche Wellen von Klonkriegern, immergleiche Aufträge und geringwertige Beute, die eines Piratenkönigs keineswegs würdig ist. In unserem Test zu One Piece: Pirate Warriors 4 erfahrt ihr, wieso das monotone Knöpfchendrücken trotzdem enorm viel Spaß machen kann und warum dieses Abenteuer der Strohhut-Piraten vor allem für Fans des Animes besonders interessant ist.

Haltet die Taschentücher bereit! In One Piece: Pirate Warriors 4 wird es emotional!Haltet die Taschentücher bereit! In One Piece: Pirate Warriors 4 wird es emotional!

Überblick zu One Piece: Pirate Warriors 4
• Größe: ca. 35 GB (PS4 Pro)
• Spielzeit: etwa 20 Stunden für die Geschichte
• Multiplayer: 1 bis 4 Spieler
• Sprachausgabe: japanische oder englische Dialoge, Deutsche Bildschirmtexte
• Versionen: Standard Edition und Kaido Edition

Simples Gameplay nach Musou-Formel

One Piece: Pirate Warriors 4 ist dem „Musou“-Genre zuzuordnen. Noch nie davon gehört? In Japan ist das die Bezeichnung für Action-Spiele wie Dynasty Warriors 9 oder Samurai Warriors, die wie das neueste Abenteuer der Strohhutbande von Koei Tecmo entwickelt werden. Wie ein unbezwingbarer Gott prügelt ihr euch durch Horden von Marinesoldaten, ein vierstelliger Kill-Zähler ist dabei Standard. Ihr könnt euch das wie den Gegenentwurf zu Spielen wie Dark Souls oder Sekiro vorstellen.

In einem festgelegten Gebiet, das übrigens keine Open World ist, kämpft ihr um die Vorherrschaft kleinerer Territorien, ehe immer wieder stärkere Feinde auftauchen und ihr euch von Auftrag zu Auftrag boxt. Verabschieden könnt ihr euch schon einmal von tiefgründigen Taktiken oder langen Combo-Ketten. Das Gameplay und die Steuerung sind nämlich sehr simpel gehalten.

Oft werdet ihr den Bildschirm vor lauter Feinden nicht mehr sehen.Oft werdet ihr den Bildschirm vor lauter Feinden nicht mehr sehen.

Es gibt nur zwei Angriffstasten, die ihr für einfache Kombinationen drückt. Wollt ihr Feinde per Gum-Gum-Bazooka durch Häuserwände dreschen, haltet ihr dabei die Schultertaste gedrückt. Das entfacht Spezialfähigkeiten wie Zorros Drei-Schwerter-Stil oder Namis „Thunder Trap“. Auch Transformationen wie Gear 2, 3 oder 4 wählt ihr als Fähigkeit aus. Im Kampf könnt ihr die Form wechseln, sobald sich der Balken durch erfolgreiche Treffer füllt. Ihr werdet dadurch für kurze Zeit stärker und dürft ein neues Move-Set ausprobieren.

Schon sehr früh werden eure Finger vom monotonen Drücken müde, denn wirklich abwechslungsreich ist das Gameplay nicht. Auch die Bosse fordern euch kaum heraus und bedürfen keiner besonderen Taktik oder Strategie - schade! Eure wahre Nemesis ist hingegen die Kamera. Ihr könnt Ziele zwar anvisieren, richtig verfolgen tut sie diese aber nicht. Ständig müsst ihr den Blick per Tastendruck zentrieren, während ihr auf der anderen Hälfte des Controllers wild auf die Knöpfe hämmert.

Immer vier aus vielen verschiedenen Fähigkeiten könnt ihr mit in die Schlacht nehmen.Immer vier aus vielen verschiedenen Fähigkeiten könnt ihr mit in die Schlacht nehmen.

Viele Charaktere und minimalistische Rollenspielelemente

Einzig und allein die große Charakterauswahl sorgt für Dynamik in One Piece: Pirate Warriors 4. Es gibt 43 spielbare Helden und Schurken (weitere sollen per DLC folgen), die sich allesamt anders spielen und einzigartige Fähigkeiten aufweisen. Ruffy ist ein sogenannter Angriffstyp, verfügt daher über viele offensive Fähigkeiten und fühlt sich im Nahkampf am wohlsten. Lysop hingegen, gehört zu den Techniktypen und macht sich Hilfsmittel wie seine Schleuder zunutze. Ihr haltet mehr Abstand zu den Gegnern, rohe Gewalt weicht ausgefeilten Techniken aus der Trickkiste.

Obwohl sich auf den teils riesigen Schlachtfeldern mehrere verbündete Kämpfer tummeln, seid ihr immer an einen Charakter gebunden, den ihr zum Start der Mission auswählt. Lange Strecken müsst ihr also immer selber zu Fuß zurücklegen und spielerische Freiheit geht dadurch ebenfalls verloren. Andere Musou-Spiele wie Hyrule Warriors oder Dragon Quest Heroes zeigen, dass ein ständiger Kämpferwechsel für unheimlich viel Dynamik sorgen kann, da ihr dadurch auch die Position auf der Karte schnell wechseln könnt.

Ausgefeilte Rollenspielelemente sucht ihr in OPPW 4 vergebens. Über die Wachstumskarte schaltet ihr Knotenpunkte mit erspielten Medaillen frei, die ihr zum Beispiel für den Abschluss geheimer Nebenmissionen oder für den Sieg über Bosse erhaltet. So erhöht ihr die Angriffskraft der Haudegen, schaltet neue aktive und passive Fähigkeiten frei oder verbessert das Technik-Level von Combos. Das war es dann aber auch schon. Gefühlt haben die Upgrades keinen großen Einfluss auf das Spielgeschehen. Es gibt weder verschiedene Arten von Waffen noch nützliche Hilfsgegenstände, die das Gameplay beeinflussen würden.

Story bis zum neuesten Arc

Die Story von One Piece scheint einfach kein Ende zu nehmen. Pirate Warriors 4 hat dabei etwas ganz Besonderes für euch parat, wenn ihr den Anime oder den Manga immer noch verfolgt: Die Geschichte ist gleichauf mit der Vorlage, sogar den „Whole Cake Island“-Arc könnt ihr nachspielen und euch mit den populären Schurken Big Mom und Charlotte Katakuri messen. Fragt ihr euch, welche Arcs es sonst gibt, haben wir hier eine Liste für euch:

  • „Alabasta“-Arc
  • „Enies Lobby“-Arc
  • „Schlacht um Marineford“-Arc
  • „Eintritt in die Neue Welt“-Arc
  • „Whole Cake Island“-Arc
  • „Wa No Kuni“-Arc

Die vertonten Zwischensequenzen werden von deutschen Bildschirmtexten begleitet.Die vertonten Zwischensequenzen werden von deutschen Bildschirmtexten begleitet.

Die Story wird von einer Erzählerstimme zusammengefasst, begleitet von Szenen in Spielgrafik. Sinnfreie Filler werden übersprungen und der Fokus liegt klar auf den Kernschlachten der Arcs. Innerhalb der Missionen melden sich Charaktere auch selber zu Wort, vertonte Zwischensequenzen lockern das muntere Gekloppe immer wieder auf und bieten euch kurze Verschnaufpausen.

Solide Technik, charmante Grafik

In das Gewand einer neuen Grafik-Engine gehüllt, schlagen sich Ruffy und die Strohhutpiraten flüssig wie nie zuvor durch ein Meer an Marinesoldaten. Texturen sind immer noch sehr schwammig und Gegner unterscheiden sich maximal durch ihre Frisur oder ein breiteres Kinn voneinander. Doch auch wenn ihr vor lauter Feinden keinen freien Pixel mehr seht, läuft das Chaos stets ohne Ruckler ab. Eine so hohe Anzahl an modellierten Figuren habe ich selten in einem Spiel gesehen - sehr beachtlich!

Herrlich schräg und abgefahren: Die Schauplätze in One Piece: Pirate Warriors 4.Herrlich schräg und abgefahren: Die Schauplätze in One Piece: Pirate Warriors 4.

Die etwas unschönen Texturen fallen bei der schnellen Action aber kaum auf und geraten schnell in den Hintergrund. Die Grafik im „Cel Shading“-Stil macht den besonderen Charme von One Piece und seinen abgedrehten Charakteren greifbar und entführt euch in Welten, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden. Gegner schleudert ihr durch einstürzende Häuser, der Sprint zerlegt Marktstände in Sekunden und riesige TNT-Fässer laden förmlich zur Zerstörung ein.

Was die Technik angeht, kann man nur die teils langen Ladezeiten vor dem Start einer Episode bemängeln. Ein zukünftiger Patch könnte das allerdings schon beheben.

Warum Pirate Warriors 4 trotz einiger Schwächen mächtig Spaß macht!

One Piece: Pirate Warriors 4 kam bisher nicht sonderlich gut weg, doch was am Ende zählt ist der Spielspaß, richtig? Und der kommt keineswegs zu kurz! Es ist unglaublich befriedigend, hunderte hilfloser Gegner mit der Gum-Gum-Cannon zu verdreschen und den Kill-Zähler im Augenwinkel in gefühlt unendliche Höhen schießen zu sehen.

Die Charakterauswahl ist durchaus beachtlich und jeden Helden oder Schurken in die Schlacht zu schicken und seine einzigartigen Fähigkeiten auszuprobieren, lädt förmlich zur Experimentierfreude ein. Die Geschichte wird nicht zu knapp erzählt und die Kämpfe aus dem Anime nachzuspielen wird für viele von euch eine emotionale Reise in die Kindheit sein.

Im Koop macht das Ganze noch viel mehr Spaß! So könnt ihr Pirate Warriors 4 zu viert spielen:

Außerdem könnt ihr das alles mit einem Freund erleben, der gemütlich neben euch auf der Couch sitzt und sich per Koop-Modus als zweiter Spieler dazu schaltet. Online könnt ihr euch sogar mit einer Crew aus bis zu vier Hobby-Piraten zusammenschließen und Schlachten bewältigen. Der neue Titan-Modus, der Bossgegner in Riesen verwandelt, ist dabei eine nette Abwechslung zur üblichen Massenschlägerei.

Für wen lohnt sich Pirate Warriors 4? Für wen eher nicht?

Unser Test hat euch Stärken und Schwächen der chaotischen Klopperei aufgezeigt, die wir euch hier in wenigen Stichpunkten noch einmal zusammenfassen möchten. So könnt ihr leichter entscheiden, ob sich der Kauf für euch lohnt. Euch wird One Piece: Pirate Warriors 4 gefallen, wenn ...

  • ihr Fan des Animes seid und die bedeutendsten Abenteuer von Ruffy und seinen Freunden erneut erleben und nachspielen wollt.
  • ihr generell Spiele des „Musou“-Genres mögt und euch das simple Gameplay nicht abschreckt.
  • ihr Lust auf schnelle und kompromisslose Action habt. Frei nach dem Motto: „Hirn aus, Spaß haben!“

Pirate Warriors 4 wird euch nicht gefallen, wenn ...

  • ihr spektakulär inszenierte Bosskämpfe erwartet.
  • ihr eure Lieblingscharaktere durch umfangreiche Rollenspielelemente entwickeln wollt.
  • euch das stumpfe Gekloppe auf unendliche Doppelgänger von Marinesoldaten oder Piraten missfällt.

Bewertung von Marco Tito Aronica

Fast auf den Tag genau fünf Jahre habe ich auf einen Nachfolger der „Pirate Warriros“-Serie gewartet. Mein Optimismus war dahingehend groß, erfüllt wurden meine Erwartungen aber nur teilweise. Nach so langer Zeit hätte ich mir mehr Neuerungen gewünscht, konnten mich in der Zwischenzeit auch andere „Musou“-Spiele mit neuen Ideen und Ansätzen überzeugen.

Für Fans von One Piece gibt es momentan wohl kein besseres Spiel zu ihrer Lieblingsserie. Dafür macht Pirate Warriors 4 einfach zu viel Spaß. Besonders schön empfand ich die Möglichkeit im Koop die gesamte Geschichte der Strohhutbande nachzuspielen. Für Fans des Genres hingegen, gibt es bessere Alternativen.

79

spieletipps meint: Simple und spaßige Prügelei für zwischendurch, die leider nicht allzu viel Neues bietet.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Könnt ihr Multiplayer-Maps anhand von Bildern erraten?

CoD: Modern Warfare | Könnt ihr Multiplayer-Maps anhand von Bildern erraten?

Von Call of Duty 4: Modern Warfare aus dem Jahre 2007 bis Call of Duty: Modern Warfare 3 aus dem Jahre 2011. Habt ihr (...) mehr

Weitere Artikel

Gratis-Spiele verkaufen sich besser

Der Epic Games Store verschenkt regelmäßig Spiele. In einem Interview erklärt Epic-Chef Tim Swe (...) mehr

Weitere News

One Piece: Pirate Warriors 4 (Übersicht)
* Werbung