Test Trials of Mana: Ein manamäßiges Abenteuer

von Laura Li Tung (Mittwoch, 22.04.2020 - 17:00 Uhr)

Ihr liebt die Mana-Reihe, wart aber vom lieblosen „Secret of Mana“-Remake maßgeblich enttäuscht und fürchtet, dass sich dies bei Trials of Mana wiederholt? Keine Sorge! Denn dass selbst eine alteingesessene Spieleschmiede wie Square Enix aus ihren Fehlern lernt, beweist die Neuauflage des dritten Teils der Mana-Reihe. Warum ihr dem Remake folglich eine Chance geben solltet und wie sie sich vom Original unterscheidet, verraten wir in unserem Test.

Unser Test verrät Stärken und Schwächen von Trials of Mana.Unser Test verrät Stärken und Schwächen von Trials of Mana.

Überblick zu Trials of Mana
• Größe: ca. 15 GB (PS4)
• Umfang: 30 bis 40 Stunden
• Sprachausgabe: japanische oder englische Dialoge, deutsche Bildschirmtexte
• Mehrspielermodus: nein

Lange musstet ihr warten, jetzt ist es soweit: Was bereits 1995 auf der 16-Bit-Spielekonsole Super Famicom exklusiv in Japan über die Röhrenfernseher flackerte, hat es endlich auch nach Deutschland geschafft. Auch wenn das Original bereits 2019 in der „Collection of Mana“ erschien, beehrt euch Square Enix am 24. April mit der Neuauflage von Trials of Mana, die die Löcher stopfen soll, die das Remake von Secret of Mana aufgerissen hat.

Eine Story wie jede andere?

Ein Schwert, ein Held und eine Prophezeiung? Japp! Kennt ihr. Denn wie viele J-RPGs erzählt auch das Kult-Rollenspiel Seiken Densetsu 3 (so wie es im japanischen Original heißt) die Geschichte eines Auserwählten, der dazu bestimmt ist, nicht weniger als die ganze Welt vor der Auslöschung zu bewahren. Und die Hauptcharaktere, die diese Bürde tragen? Sie könnten auf den ersten Blick nicht stereotypischer sein.

Während der rothaarige Duran heroisch das Schwert schwingt, verzaubert die leicht bekleidete Magierin Angela nicht nur mit ihrem Outfit, sondern auch mit starken elementaren Angriffen. Und der Dieb Adlerauge? Ja, den gibt es auch.

Die Outfits der Protagonistinnen lassen tief blicken. Ob die Entwickler dies nicht hätten auch modernisieren können?Die Outfits der Protagonistinnen lassen tief blicken. Ob die Entwickler dies nicht hätten auch modernisieren können?

Das Besondere an Trials of Mana ist jedoch, dass ihr aus einer Riege von sechs Helden wählen könnt. Denn neben Duran, Angela und Adlerauge, warten Charlotte, Resi und Kevin darauf gespielt zu werden. Je nachdem für welches Dreier-Team ihr euch entscheidet, werdet ihr die Geschichte des Spiels anders erleben. Das bedeutet nicht nur, dass jeder der sechs Helden seine eigene Vorgeschichte erzählt, sondern auch, dass die Charaktere unterschiedlich aufeinander reagieren, ihr andere Dungeons bestreitet und verschiedenen Antagonisten begegnet. Des Weiteren hat jeder Held vier unterschiedliche Klassen, die es zu erkunden gibt.

Durch die liebevoll erzählten Schicksale der Helden, die allesamt ans Herz gehen, gewinnt die Geschichte eine Tiefe, die überraschend ist und euch in ihren Bann zieht. Während sich in puncto Story wenig getan hat, fällt die Liste der spielerischen Änderungen im Vergleich zum Original von 1995 lang aus.

Ihr wollt mehr über das Klassensystem in Trials of Mana wissen? Dieses Video verrät mehr dazu:

Ein schöner Rücken kann auch entzücken

Die wichtigste Neuerung ist die veränderte Perspektive in der Neuauflage. Im Vergleich zu der Version von 1995, in der ihr noch von oben auf die Charaktere herabschaut, bietet das Remake ein ganz neues Spielgefühl durch eine Verfolgerperspektive in 3D. Des Weiteren laufen die Kämpfe gegen die meist putzigen Gegner in Echtzeit ab. Ähnlich wie in Final Fantasy 7 Remake wechselt ihr auf Knopfdruck flüssig zwischen euren Charakteren, um so ihre individuellen Stärken und Techniken zu nutzen. Außerdem visiert ihr Gegner nicht nur automatisch an, sobald ihr in ihre Nähe kommt, sondern könnt ihnen auch per Rolle ausweichen und sie sogar im Sprung attackieren. Zusätzlich ermöglichen kleinere Kombos höheren Schaden und auch die bis zu vier individuellen Klassenfähigkeiten machen ordentlich Radau.

Während Kämpfe in FF7 Remake hingegen oft durch die Kameraführung behindert werden, regelt Trials of Mana das Problem mit einem ganz simplen Trick. Besser gesagt einem Feature, das die Hitbox des Gegners offenbart. Durch einen roten Bereich signalisiert das Spiel nämlich, wo der Gegner zuschlägt und wann dieser seine Attacke auslöst. Bei einer Vielzahl von Gegnern sieht das manchmal zwar chaotisch aus, hilft aber dabei Schaden einfacher zu vermeiden.

Angriffszonen: Gerade bei Bossen kann dieses Feature über Leben und Tod entscheiden.Angriffszonen: Gerade bei Bossen kann dieses Feature über Leben und Tod entscheiden.

Alles in Allem macht das Kampfsystem auf vier Schwierigkeitsstufen richtig Spaß. Schade nur, dass ihr diesen Spaß nicht mit anderen Spielern teilen werdet. Denn aufgrund der veränderten Perspektive entschied sich Square Enix, den Koop-Modus zu streichen und sich darauf zu konzentrieren einen guten Singleplayer zu erschaffen.

Grafik? Wir müssen reden!

HD und 3D schön und gut. Das Spiel wirkt rund. Grafisch im Vergleich zu dem Remake von Secret of Mana ein Paket, das sich sehen lassen kann.

Was jedoch mit der Farbpalette passiert ist, die für die Erstellung der Texturen genutzt wurde, ist fraglich. So kunterbunt und süß wie die Welt erscheint, will einfach keine Untergangsstimmung aufkommen.

Ihr werdet jetzt vielleicht sagen, dass sich die Mana-Reihe schon immer durch farbenfrohe Kompositionen ausgezeichnet hat – aber selbst das Original von 1995 zeigt starke Tendenzen in tertiäre Farbbereiche, die sich vor allem in den detaillierten Hintergründen wiederspiegeln. Trials of Mana hingelegen legt darauf weniger Wert. Hintergrundtexturen wirken oft verwaschen, während die Charaktere detailreich in Szene gesetzt sind.

Angela hebt sich im Original farblich stark vom Hintergrund ab. Das Szenario (abseits der Bäume) wirkt deutlich dreckiger als im Remake.Angela hebt sich im Original farblich stark vom Hintergrund ab. Das Szenario (abseits der Bäume) wirkt deutlich dreckiger als im Remake.

Doch auch wenn die Grafik nicht mit einem Dragon Quest 11 zu vergleichen ist, wirkt sie in der Gesamtheit sehr stimmig, und die Details, die die Welt schon im Original liebenswert gestalten, werden Mana-Fans ganz pogopuschelig machen.

Weitere wichtige Neuerungen im Remake

Neben dem sichtbaren grafischen Update und dem überarbeiteten Kampf- und Fähigkeitensystem geht auch die Vertonung von Trials of Mana einen Schritt in die richtige Richtung.

Im Vergleich zu der Sprachausgabe des Remakes von Secret of Mana, in der zwar jeder Charakter eine Stimme hat, die Entwickler sich eine Animation ihrer Münder aber verkniffen haben, sind in der Neuauflage nur alle wichtigen Dialoge vertont (und natürlich animiert) – in Englisch und Japanisch. Eine deutsche Fassung gibt es leider nicht, dafür aber deutsche Untertitel, deren Lokalisation sich nicht verstecken braucht.

Außerdem bietet das Remake Flexibilität beim Sound. Das bedeutet, dass ihr zwischen dem originalen Soundtrack und einer neu arrangierten Fassung beliebig hin und her wechseln könnt. Auch die Textboxen, die das 1995er Original zierten, sind wunderschön inszenierten Zwischensequenzen gewichen und runden das Erlebnis ab.

Für wen lohnt sich Trials of Mana? Für wen nicht?

Abschließend möchten wir euch kurz und knapp eine Einschätzung geben, ob sich Trials of Mana für euch lohnt, oder eben nicht. Ihr werdet mit dem Action-Rollenspiel euren Spaß haben, wenn ...

  • ihr Secret of Mana geliebt habt und den geistigen Nachfolger noch nicht gespielt habt
  • ihr J-RPGs mögt, die nicht auf reinem Rundenkampf basieren
  • ihr Trials of Mana Lieber in 3D als im Original erleben wollt
  • ihr nicht davor zurückschreckt, ein Spiel mehrfach durchzuspielen, um den vollen Umfang zu genießen

Nicht sonderlich geeignet ist Trials of Mana, wenn ...

  • ihr eine komplette Neuinszenierung im Ausmaß eines AAA-Spiels erwartet
  • ihr mit der quietschbunten 3D-Grafik gar nichts anfangen könnt
  • ihr nicht auf den Multiplayer verzichten wollt, den es im Original gibt

Bewertung von Laura Li Tung

Trials of Mana ist eine Neuauflage eines klassischen J-RPGs, die sich sehen lassen kann. Da auch ich zu der Gruppe gehöre, die sich mehr von dem Remake von Secret of Mana erhofft hatte, sah ich dem Release von Trials of Mana besorgt entgegen.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten (entschuldigt, ich bin noch emotional ausgelaugt von Final Fantasy 7 Remake) wuchsen mir die Charaktere jedoch ans Herz: Von dem tollkühnen Kevin bis hin zur warmherzigen Resi. Auch die kleinen Details, wie zum Beispiel die tanzenden Händler, ließen mich ganz nostalgisch werden.

Trials of Mana ist ein rundes Remake mit ganz viel Herz. Es kann und muss auch nicht mit einem AAA-Spiel mithalten, und das ist auch gut so.

78

spieletipps meint: Ein stimmiges Remake mit kleinen Schwächen, das mächtig Mana-Charme versprüht.

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