Vorschau Project Cars 3: Mehr Fahrspaß, weniger Simulation

von Thomas Stuchlik (Montag, 08.06.2020 - 14:06 Uhr)

Weg vom Realismus, hin zum Fahrspaß: Das frisch angekündigte Project Cars 3 für PS4, Xbox One und PC überrascht mit seiner Arcade-Neuausrichtung und actionreichen Rennen. Leider hapert's noch an der Technik und neuen Ideen.

Mehr Arcade-Spaß in Project Cars 3.Mehr Arcade-Spaß in Project Cars 3.

Während die ersten beiden Teile von Project Cars Rennfahrer mit realistisch angehauchten Asphalt-Wettbewerben forderten, dreht Entwickler Slightly Mad Studios nun die Vorzeichen um. Denn bei Teil 3 ist Renn-Action mit viel Blechkontakt und Schrammen angesagt. Das kommt überraschend, da Project Cars sich eigentlich durch seinen Simulations-Fokus auszeichnet. Die neue Episode soll nun jedoch für jedermann zugänglich sein.

Und diese neue Richtung wirkt zunächst wie eine Kopie von Codemasters' letztjähriger Raserei Grid. Denn die Parallelen sind erstaunlich. Auch hier pflügt ihr euch auf realen Rennstrecken sowie Stadtkursen von hinten durch ein dicht besetztes Starterfeld. Auf dem Weg nach vorne wird kräftig gedrängelt und geschoben - scheinbar ganz ohne leidige Strafen.

Project Cars 3: Schaut euch den Reveal-Trailer an!

Auf Controller abgestimmt

Bei der ersten Vorführung versprechen die Macher für die Fahrzeuge ein neues Handling-Modell, das an Controller angepasst ist. Das sieht man auch: Selbst wilde Lenkmanöver können den Wagen nur schwerlich zum Ausbrechen bringen, ebenso wie schnelle Lastwechsel beim Gasgeben oder Bremsen. Ein wenig erinnert die Fahrphysik an frühere Forza Motorsport-Teile, wo die Wagen auch dauernd rutschten, aber immer sicher eingefangen werden konnten.

In zehn Rennkategorien rast ihr über real existierende Rennstrecken sowie eng abgesteckte Stadtkurse.In zehn Rennkategorien rast ihr über real existierende Rennstrecken sowie eng abgesteckte Stadtkurse.

Am Start sind fiktive Rennklassen, die sich in der anstehenden Solo-Karriere in zehn Kategorien unterteilen. Vom Sportwagen und Hypercar bis zu Rennern der GT3 und GT1. Mit dabei sind natürlich namhafte Karossen von McLaren, Mercedes, Dodge oder Audi. Doch das vereinfachte Handling macht die Rennen nicht simpler, da sich die Computergegner als überaus offensiv herausstellen. Zwar ist die Schwierigkeit und deren Aggressivität separat einstellbar, doch bei den vorgeführten Rennen schenken euch die KI-Brüder nichts.

Dennoch erlaubt es das arcadige Fahrsystem, risikoreich in Kurven zu stechen oder Gegner außen herum zu überholen. Neu mit dabei ist ein XP-System, bei dem ihr während des Rennens Punkte sammelt, indem ihr Brems-, Scheitel- und Auslenkpunkte beachtet. Also auch genau das, was Forza Motorsport seit Jahren macht. Mit verdienten Punkten schaltet ihr Klassen für den Karriere-Modus frei. Wagen erwerbt ihr dagegen von verdientem Ingame-Geld.

Wenig echter Fortschritt

So weit scheinen die Rennen recht spaßig zu verlaufen. Auch die Auswahl an Pisten wie Oulton Park, Interlagos, Indianapolis sowie fiktiven Kursen wie beispielsweise in Shanghai scheint genug Abwechslung zu bieten. Doch in Sachen Technik hat Project Cars 3 scheinbar eine Rolle rückwärts gemacht. Denn ehrlich gesagt sieht die Optik nicht besser als im drei Jahre alten Vorgänger aus.

Farbenfrohe Kulisse, Motion Blur und Kamerawackler sollen für mehr Mittendrin-Gefühl sorgen.Farbenfrohe Kulisse, Motion Blur und Kamerawackler sollen für mehr Mittendrin-Gefühl sorgen.

Das hat mehrere Gründe: Slightly Mad Studios hat den Farbregler hochgedreht, was die Kulisse recht bunt erscheinen lässt. Zudem wird viel Bewegungsunschärfe (Motion Blur) verwendet, womit zumindest die Stadtkurse verwaschen erscheinen. Da wirkte die Optik in Project Cars 2 etwas knackiger und schärfer.

Wiederum verwenden die Entwickler die hauseigene Madness Engine, die immer noch ihre alten Stärken besitzt. Denn die Kurse dürft ihr zu verschiedenen Tageszeiten inklusive Zeitraffer sowie zu unterschiedlichen Witterungen und Jahreszeiten befahren, genau wie im Vorgänger.

Daneben wird der Multiplayer-Modus konsequent fortgeführt. Doch hoffentlich ist hier mehr los als in Teil 2. Daneben wird es einen asynchronen Online-Modus namens 'Rivals' geben, bei dem ihr indirekt gegeneinander antretet.

Bewertung von Thomas Stuchlik

Angesichts der ambitionierten und für mich überzeugenden Vorgänger-Teile hätte ich nie gedacht, dass Project Cars 3 tatsächlich eine derartige Neuausrichtung wird - hin zur Raserei, weg von der Simulation. Die arcadigen Rennen wirken für Sim-Racer wie eine bittere Pille. Und es ist nicht die einzige. Denn vor allem die (scheinbar noch unfertige) Optik sorgt bei mir für ungläubiges Staunen. Warum sieht das so kunterbunt und verwaschen aus?

Dumm auch, dass das Schadensmodell bisher nur Blechbeulen und abgeflogene Teile erlaubt. Bleibt zu hoffen, dass Project Cars 3 hier nach nachliefern und mit Abwechslung bei den Fahrzeugklassen und der Streckenauswahl punkten kann - genau wie schon die Vorgänger. Gleichzeitig denke ich, dass sich Bleifüße und Gelegenheitsspieler hier durchaus unterhaltsame Wettbewerbe liefern können, auch dank der aggressiven KI.

Project Cars 3 (Übersicht)
* Werbung