Test Disintegration: Das taugt der actionreiche Genre-Mix

von Manuel Karner (Mittwoch, 24.06.2020 - 17:31 Uhr)

Entwickler V1 Interactive und Publisher Private Division haben sich mit Disintegration an einem Genre-Mix versucht, der Shooter-Elemente mit einer Prise Strategie verbindet. Ob die Rechnung aufgeht, verraten wir euch in unserem Test zur PC-Version.

Disintegration: Romer Shoal an Bord des Gravcycles.Disintegration: Romer Shoal an Bord des Gravcycles.

Überblick zu Disintegration
• Größe: ca. 15 GB (PC)
• Spielzeit: Etwa 10 Stunden
• Multiplayer: Bis zu 10 Spieler
• Sprachausgabe: Englisch mit deutschen Untertiteln

Die Integration

In der beängstigenden Zukunftsutopie von Disintegration übernehmt ihr die Kontrolle über Romer Shoal, einem Menschen, dessen Gehirn in einen Roboter verpflanzt wurde. Bedingt durch klimatische Katastrophen und der damit einhergehenden Ressourcenknappheit ist er jedoch bei weitem nicht der einzige. Tatsächlich sind Menschen, die in ihrer natürlichen Form verblieben sind, kaum noch auf der Erde anzutreffen. Und die wenigen, die es sind, wehren sich gegen eben jene Integration. Damit werden sie zum Ziel der Rayonne, einer mächtigen Fraktion, die den Integrationsprozess mit allen Mitteln voranzutreiben versucht.

Dieses Vorhaben gilt es nun zu stoppen: Als ehemaliger Gravcycle-Pilot Romer Shoal tretet ihr den Widerstand an und ballert euch in insgesamt zwölf Missionen durch Horden von Robotern. Wer nun auf Story-Tiefgang hofft, der wird über große Strecken des Spiels enttäuscht. Die Geschichte entfaltet sich nämlich erst im Laufe der zweiten Spielhälfte und schöpft selbst dann zugrundeliegendes Potenzial nicht vollends aus.

Disintegration: Schaut euch den Trailer zur Gravcycle-Action an!

Spielt es, wie ihr wollt

Aber nun zu den eigentlichen Stärken des Spiels: Den Ballereien. Ihr tretet jede Mission auf dem Sitzplatz eines Gravcycles an (das mehr oder minder ein bewaffnetes Fluggerät ohne Cockpit darstellt) und befehligt nebenher zwischen ein bis vier Soldaten. Dabei könnt ihr Disintegration so spielen, wie es euch beliebt: Als Egoshooter, Strategiespiel oder als ein Mix aus beiden Genres.

Fokussiert ihr euch auf den Shooter-Aspekt, nehmt ihr eure Ziele selbst ins Visier, ballert drauf los und weicht mit dem aktiv einsetzbaren Schubantrieb feindlichem Beschuss aus. Eure Crew folgt euch dabei stets automatisch und unterstützt euch autonom bei der Bekämpfung von Gegnern. Fühlt ihr euch hingegen zum strategischen Kommandeur berufen, könnt ihr direkte Konfrontationen auch vermeiden und stattdessen euren Trupp an die Front schicken. So bestimmt ihr die Position, die eure Crew einnehmen soll, lasst sie hinter stabilen Objekten in Deckung gehen und aktiviert ihre Fähigkeiten, um zum Beispiel Druckgranaten, Bodenschläge oder Verlangsamungsfelder gezielt einzusetzen.

Spielt ihr Disintegration als Shooter, unterstützt euch die Crew automatisch.Spielt ihr Disintegration als Shooter, unterstützt euch die Crew automatisch.

Das alles funktioniert wunderbar, weil ihr aufgrund der Flugfähigkeit des Gravcycles stets in der Lage seid die Übersicht zu bewahren. Hinzu kommt, dass die Gefechte dank so manch zerstörbarer Objekte, zerberstenden Häuserwänden und dem Zerfall feindlicher Roboter in Kleinteile auch recht schick aussehen. Großflächige Umgebungszerstörungen, wie beispielsweise in Battlefield 5, solltet ihr aber nicht erwarten. Abseits davon reißt die Grafik auch keine Bäume aus. Einige Licht und Schatteneffekte sind zwar ganz nett anzusehen, mehr aber auch nicht. Dazu mangelt es Disintegration schlicht und ergreifend an Details.

Fehlende Abwechslung

So sehr die Gefechte anfangs auch Spaß machen, so sehr nutzen sie sich mit der Zeit auch ab. Das liegt einerseits am Missionsdesign, das euch in den Schlauchlevels viel zu oft einfach nur von einem Kampf zum nächsten führt. Hin und wieder müsst ihr zwar auch mal Generatoren ausschalten, Gefangene befreien oder Anlagen zerstören, für großartige Abwechslung sorgen derlei Aufgaben aber nur in seltenen Fällen.

Zum anderen verschenkt der Genre-Mix jede Menge Potenzial durch die stets vorgegebene Gravcycle-Ausstattung und festgelegten Crew-Fähigkeiten. Zu keinem Zeitpunkt könnt ihr frei bestimmen, welche Waffen ihr mit euch führen wollt oder welche Crew-Mitglieder (oder Fähigkeiten) ihr mit auf eure Reise nehmt. Das ist vor allem deshalb ärgerlich, weil ihr nie spezielle Waffen oder Fähigkeiten benötigt, um in den Missionen voranschreiten zu können.

In eurer Basis gibt es wenig zu tun.In eurer Basis gibt es wenig zu tun.

Für zusätzliche Unterhaltung sorgen aber immerhin die Herausforderungen, die ihr zwischen den Missionen in eurer Basis annehmen könnt. So müsst ihr zum Beispiel bestimmte Gegner mit Druckgranaten ausschalten oder die nachfolgende Mission unter Zeitdruck bestehen. Gelingt euch das Vorhaben, dürft ihr mit einer Belohnung rechnen: Upgrade-Chips. Sowohl euer Gravcycle als auch eure Crew-Mitglieder können mithilfe der Chips in Bereichen, wie Waffenschaden oder Haltbarkeit verbessert werden. Das wirkt sich zwar nicht direkt auf die Spieltiefe aus, sorgt aber dennoch für den nötigen Ansporn die Herausforderungen zu meistern.

Abseits davon liefert der Aufenthalt in eurer Basis zwischen den Missionen aber kaum einen Grund zur Existenz. Ansprechbare Begleiter und Crew-Mitglieder haben kaum storyrelevante Informationen für euch und ansonsten gibt es hier auch nichts zu tun. Natürlich fällt das unter Kritik auf hohem Niveau, zumal es sich um das erste Projekt des rund 30-köpfigen Entwicklerstudios handelt – schade ist es aber trotzdem.

Mit Upgrade-Chips könnt ihr Romer und seine Crew verbessern.Mit Upgrade-Chips könnt ihr Romer und seine Crew verbessern.

Mehrspieler

Eine nette Dreingabe stellt der Multiplayer dar, der mit den Modi Zone Control (Herrschaft), Collector (Team-Deathmatch) und Retrieval (Capture the Flag) aufwartet. Auch hier befehligt ihr eure Crew und gebt ihnen vom Gravcycle aus Befehle. Gegen menschliche Mitspieler anzutreten sorgt aber durchaus für eine zusätzliche Prise Spannung, sofern denn ein Match gefunden werden kann. Die Spielersuche am PC dauerte im Rahmen des Testzeitraums leider oftmals viel zu lange.

Für wen lohnt sich Disintegration? Für wen nicht?

Ihr werdet mit Disintegration euren Spaß haben, wenn ...

  • ihr sowohl Ego-Shootern als auch strategischen Komponenten etwas abgewinnen könnt
  • ihr Science-Fiction-Szenarios liebt
  • ihr auf hitzige Gefechte und schnelle Action steht

Nicht sonderlich zusagen wird euch Disintegration, wenn ...

  • ihr eine tiefgründige Story erwartet
  • ihr eine freie Waffenauswahl bevorzugt
  • ihr abwechslungsreiches Missionsdesign erwartet

Bewertung von Manuel Karner

Im Kern ist Disintegration ein gelungener Genre-Mix geworden, denn das grundlegende Spielkonzept funktioniert. Mit dem Gravcycle nicht länger an den Boden gefesselt zu sein, der Crew simple aber effektive Anweisungen zu geben, sie am Leben zu halten und selbst ebenfalls in das Kampfgeschehen eingreifen zu können, macht einfach Laune.

Umso ärgerlicher ist es, dass mir die individuelle Ausstattung meines Gravcycles und die Zusammenstellung der Crew verwehrt bleibt. Hinzu gesellt sich ein auf Dauer eintöniges Missionsdesign und verschenktes Potenzial hinsichtlich der Story – trotz spannender Grundidee.

70

spieletipps meint: Grundlegend gelungener Genre-Mix mit jeder Menge verschenktem Potenzial.

Erratet ihr, worüber diese Gamer gerade meckern?

Harte Worte: Erratet ihr, worüber diese Gamer gerade meckern?

Gamer haben ja ganz gerne mal etwas drastische Meinungen - manchmal berechtigt, manchmal nicht ganz so. Oft sind sie (...) mehr

Weitere Artikel

sind gigantische Katzen

Katzen machen Mario Kart unsicher. Bildquelle: Getty Images/ SensorSpotNintendo bringt Mario Kart zu euch (...) mehr

Weitere News

Disintegration (Übersicht)