Vorschau Watch Dogs: Legion - Gründet eure eigene Hacker-Armee

von Michael Sonntag (Sonntag, 12.07.2020 - 21:45 Uhr)

In Watch Dogs: Legion schickt euch Ubisoft in einen Krieg zwischen Hacker und einem Überwachungsstaat. Wir durften das Hacker-Abenteuer bereits anspielen und uns einen Eindruck davon verschaffen, welchen Weg der dritte Teil einschlägt - einen mit wenigen Neuerungen, die es aber dafür in sich haben.

In Watch Dogs: Legion müsst ihr London von der totalen Überwachung befreien.In Watch Dogs: Legion müsst ihr London von der totalen Überwachung befreien.

Watch Dogs: Legion - Ein Cyber-Krieg um Freiheit (oder zum Spaß)

Nach einem Rachefeldzug in Watch Dogs und einem Hipster-Battle in Watch Dogs 2 erreicht die Hacker-Reihe mit Watch Dogs: Legion einen düsteren Höhepunkt rund um das Thema Datenüberwachung - irgendwo zwischen tagespolitischer Realität und künstlerischer Fiktion. Im Spiel hat sich London nach einer Reihe von Bombenanschlägen in einen Überwachungsstaat verwandelt, für die fälschlicherweise die Hacker-Gruppe DedSec verantwortlich gemacht wird. Während nun überall Soldaten und Dronen patrouillieren, müssen die Hacker herausfinden, wer wirklich hinter den Anschlägen steckt und was es mit der mysteriösen Gruppe Zero Day auf sich hat.

In der dreistündigen Spielsession konnten wir den Anfang von Watch Dogs: Legion spielen und die Open World erkunden. Vorab können wir sagen: Typisch für die Reihe sind der Look und der Humor wieder rebellisch gut getroffen. Wie politisch und mutig Watch Dogs: Legion allerdings am Ende ist, lässt sich noch nicht sagen. Das bisher aufgetretene Schwarz-Weiß-Denken und Umranden von Themen stimmt uns eher skeptisch. Aber auch wenn die Story kein Upgrade erhalten haben sollte, das Gameplay hat es definitiv und das kommt dem Spaß sehr zugute.

God save the Internet

Kampagnen statt Missionen

Nachdem wir nach der recht flotten Anfangsmission in die Open World entlassen werden, widmen wir uns sofort einer Storymission, in der wir der Sicherheitsfirma Albion Geheimnisse entlocken sollen. Hierbei fällt auf, dass Entwickler Ubisoft das Missionsdesign angepasst hat. Statt wie im Vorgänger eine Geschichte in viele kleine Missionen aufzuteilen, umfasst eine Mission in Watch Dogs: Legion nun mehrere Stationen und gestaltet sich deutlich abwechslungsreicher.

Die Wohnung eines Ex-Mitarbeiters mit Hacks zu infiltrieren, stellt nur den Anfang dar - auf der Flucht vor den Soldaten geht es gleich zum nächsten Missionspunkt. Um eine Albion-Angestellte auf unsere Seite zu holen, muss der Spieler ihr ein Medikament beschaffen, dass ein kriminelles Syndikat in einer Lagerhalle bunkert. Der knackige Stealth-Part und die haarsträubende Flucht mit dem Krankenwagen sind es wert: Jetzt können wir nämlich zum neugewonnen DedSec-Mitglied wechseln, um mit ihr ein Hochsicherheitsarreal zu betreten. Mit der passenden Uniform erregen wir Hitman sei Dank dort weniger Aufsehen. Natürlich nur solange, wie der Spieler nichts Verdächtiges macht.

Nachdem wir eine Datei gestohlen, dem Bösewicht begegnet und durch die Katakomben geflohen sind, ist die Mission vorbei und eine Stunde vergangen - Puh! Auch wenn die neuen Missionen viel Herumfahrerei (oder Schnellreisen) beinhalten, wird auf Pausen und Langweile verzichtet - der Spieler bleibt im Flow eines Actionfilms und kann die Aufträge auf viele verschiedene Weisen lösen. Zusätzlicher Pluspunkt: Der viel kritisierte Schusswaffen-Fokus aus den Vorgängern wurde deutlich zurückgefahren. In Watch Dogs: Legion bildet Schießen nur die allerletzte Option, wenn keine Hacks oder Gadgets mehr helfen. Oder die erste, wenn der Spieler eben Lust darauf hat.

Jeder Weg ist erlaubt. Auch wenn der Stealth-Hack-Weg natürlich der smarteste ist.Jeder Weg ist erlaubt. Auch wenn der Stealth-Hack-Weg natürlich der smarteste ist.

RPG-Armeen statt RPG-System

Wie Ubisoft bereits im Vorfeld bekanntgab, bildet das wichtigste Element von Watch Dogs: Legion die Aufstellung einer eigenen Hacker-Armee. Der Spieler kann bestimmte Charaktere für sein Team rekrutieren und spielen, sobald er eine Rekrutierungsmission für sie erledigt hat. Und da jeder Charakter über unterschiedliche Objekte und Fähigkeiten verfügt, kann jeder auf seine Art ein Gewinn für die Armee sein.

So verfügen Bauarbeiter beispielsweise über Werkzeuge und können sich auf Baustellen verstecken. Straßenkünstler können ihre Utensilien als Farbwaffen verwenden. Und wer es schafft, einen Spion an Bord zu holen, erhält getunte Fahrzeuge und modifizierte Waffen. Das System lädt dazu ein, zu experimentieren und gleichzeitig seiner Truppe eine individuelle Note zu verpassen, wenn man jedes Mitglied einzeln aussuchen und auch jedes Outfit anpassen kann. Ein YMCA-Team wie bei der Band Village People gründen, wieso nicht?

Aus dem früheren RPG-System ist in Watch Dogs: Legion eine RPG-Armee geworden. Der Spieler kann sich ein gutes Team zusammenstellen und für jeden Auftrag fließend zum passenden Charakter wechseln. Abseits dessen gibt es aber immer noch den bekannten Hacker-Fähigkeitenbaum, der unterschiedlich genutzt werden kann. Dabei sind die einzelnen Figuren keine seelenlosen Charakterklassen, jede verfügt über eigene Dialoge, was nicht unbedingt für tief ausgebaute Persönlichkeiten sprechen muss. Nichtsdestotrotz sind sie alle sympathisch.

Auch wenn wir das Feature noch nicht ausgiebig testen konnten, finden wir es sehr vielversprechend. Die Wissenschaftlerin, die wir während unserer Spielsession rekrutieren konnten, überzeugte vor allem durch ihre Bienendronen und anderen nützlichen Gadgets. Während wir auf weitere kuriose Charaktere und Fähigkeiten gespannt sind, können wir das Balancing und die Langzeitmotivation hinter der Rekrutierung noch nicht einschätzen. Wann hat der Spieler alle Charaktere gesehen? Würde das Spiel mit acht Spionen zu einfach werden? Es ist ebenfalls noch nicht bekannt, wie viele Charaktere ihr in Watch Dogs: Legion rekrutieren könnt.

Dronen und Soldaten überall: Um das zu überleben, braucht ihr ein gutes Team.Dronen und Soldaten überall: Um das zu überleben, braucht ihr ein gutes Team.

Was kann die Open World?

Zum Schluss kommen wir zur beliebten Streitfrage, mit der wir uns in der restlichen Spielzeit beschäftigt haben: Was kann die Open World von Watch Dogs: Legion? Wie immer könnt ihr als Hacker Autos stehlen, Straßen entlangdüsen, auf Häuser klettern und allerhand Blödsinn mit der Technik anstellen. Optisch ist London eine spannende Open World mit vielen verschiedenen Stilen und Vierteln, aber mit welchen Unterhaltungsmöglichkeiten ist sie gefüllt?

Neben den Hauptmissionen gibt es allerhand Nebenaktivitäten wie beipielsweise Bezirke einnehmen, Objekte ausliefern und dieses Mal auch Boxclubs. Da wir die ersteren Aktivitäten bereits aus den Vorgängern kennen, haben wir uns gleich in die Kämpfe gestürzt. Bei diesen müsst ihr drei Runden gegen Kämpfer bestehen, um im Finale auf einen Champion zu treffen. Die Kämpfe sind zwar spielerisch nicht wirklich komplex, aber hin und wieder gibt es kleine Überraschungen, auf die ihr richtig reagieren müsst. Dazu hat das stumpfe Hauen noch einen Sinn: Sobald ihr die Meisterschaft gewonnen habt, könnt ihr die Kämpfer für euer Team rekrutieren.

Die Open World von Watch Dogs: Legion erfindet auf dem ersten Blick das Rad nicht neu, bietet aber interessante Schauplätze für Missionen und kombiniert die Handlungen sowie Aktivitäten des Spielers besser miteinander, sodass alles, was er macht, letztendlich der großen Sache hilft. An dieser Stelle möchten wir nochmal anmerken, dass es nichts Befriedigenderes gibt, als eine Kargo-Drone zu hacken, auf sie zu klettern und mit ihr über die Dächer zu fliegen. Der Hauptspaß in den "Watch Dogs"-Welten bleibt auch weiterhin, mit Hacken die Welt zu bestreiten und sie neu zu entdecken.

Watch Dogs: Legion soll am 29. Oktober 2020 für PS4, Xbox One und PC erscheinen. Die PlayStation 5 und Xbox Series X werden ebenfalls bedient.

Bewertung von Michael Sonntag

Watch Dogs bot ein großartiges Szenario, war aber etwas dröge. Watch Dogs 2 hat dann die Schwächen des Vorgängers in Stärken umgewandelt, aber viel zu viel Fokus auf Schusswaffen gelegt. Als ich von Watch Dogs: Legion hörte, wünschte ich mir: "Gebt mir wieder mehr Stealth, gebt mir wieder mehr Hacken!" Nach dem Anspieltermin kann ich erleichtert und begeistert sagen, dass Ubisoft den richtigen Weg geht. Und London sieht so schön aus!

Ich freue mich jetzt schon auf das Rekrutieren meiner eigenen Hacker-Armee und begrüße das neue Missionsdesign, das auf unnötige Pausen verzichtet. Was die Story angeht, bin ich skeptisch. Wird sich Ubisoft endlich trauen, das Hacker- und Datenschutz-Thema mit allen Grautönen zu zeigen? Oder wird es wieder um das abwaschbare "Gut gegen Böse"-Duell gehen, das ein interessantes Politik-Szenario nur als Basis nimmt, aber nicht richtig nutzt?

Selbst wenn die interessanten Themen nur gestreift werden sollten, kann das Hacker-Abenteuer nichtsdestotrotz wieder ein sehr spannendes und unterhaltsames Spiel werden. Watch Dogs 2 hat die Vorarbeit geleistet, Watch Dogs: Legion muss es jetzt nur noch vollenden.

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