Test Project Cars 3: Her mit der Action, weg mit dem Realismus

von Thomas Stuchlik (Mittwoch, 26.08.2020 - 16:54 Uhr)

Ein Bruch mit der Serientradition: Anstatt mehr auf Realismus zu bauen, geht Teil 3 der Raserreihe in eine völlig andere Richtung. Ab sofort gibt es kurzweilige Rennen mit vereinfachtem Fahrmodell, gemacht für jedermann. War das der richtige Schritt?

Es kommt überraschend, dass Entwickler Slightly Mad Studios mit seiner Rennspielmarke nicht weiterhin auf Simulationsanspruch baut. Denn der Vorgänger Project Cars 2 von 2017 wurde bei Kennern zwiespältig aufgenommen, hatte aber viel Potenzial. Eigentlich würde man annehmen, dass die Macher nun einen Schritt weiter gingen. Falsch gedacht! Stattdessen orientieren sie sich bei Project Cars 3 an einem ihrer früheren, actionreicheren Rennspiele: Need for Speed Shift.

Dank seiner Aufmachung besitzt das Spiel den Anschein einer Simulation, ist beim Fahrzeug-Handling jedoch arcade-lastig ausgelegt. Schnell merkt ihr, dass die Raserei klar auf Controller abgestimmt ist. Entsprechend kommen Einsteiger gut klar. Auch deshalb, da viele Fahrhilfen zuschaltbar sind. Eine klassische Ideallinie fehlt zwar, doch schwebende Kurvenmarker zeigen euch, wie ihr die insgesamt 51 Kurse gekonnt befahrt. Doch lasst euch nicht täuschen: Im Renncockpit ist kein Bleifuß, sondern Geschick und Streckenkenntnis gefragt. Sim-Racer werden jedoch das Fehlen von Qualifying, Boxenstopps und Reifenverschleiß und mangelnden Anspruch bemängeln.

Karriere im Cockpit

Eine der größten Neuerungen betrifft die groß angelegte Rennlaufbahn, mit der Solo-Spieler viel zu tun haben. Diese bringt weitaus mehr "Spiel" als die Vorgänger und erinnert vom Aufbau an die "Forza Motorsport"-Reihe. Der Grund: Bei den Rennen verdient ihr Erfahrungspunkte für Platzierungen, für Bonusaufgaben sowie für sauberes Fahren. Damit steigert ihr eure Fahrerstufe, um Vehikel und weitere Klassen freizuschalten.

In Straßen- und Rennwagen ackert ihr euch durch das große Fahrerfeld auf Rennstrecken und Stadtkursen.In Straßen- und Rennwagen ackert ihr euch durch das große Fahrerfeld auf Rennstrecken und Stadtkursen.

Eure Laufbahn überspannt sechs Straßenklassen inklusive Hypercars, sowie vier GT-Klassen mit Rennfahrzeugen bis hin zu "Open Wheel"-Vehikeln. Nicht zuletzt stehen Veranstaltungen in klassischen Wagen an. Die Karriere verläuft linear, allerdings lassen sich spätere Wettbewerbe vorab mit Spielwährung freischalten. Meist tretet ihr zu Wettrennen mit großem Fahrerfeld (teils mit über 30 Kontrahenten) an. Zwischendurch werden schnelle Solorunden verlangt. Für Abwechslung sorgen zum Beispiel "Breakout"-Wettbewerbe, in denen ihr möglichst viele Styroporblöcke auf dem Kurs für Punkte abräumt.

Im Showroom habt ihr die Qual der Wahl aus 211 Fahrzeugen, vorausgesetzt ihr besitzt genug Geld. Hier finden sich aktuelle Sportwagen von Mercedes, Ferrari oder Lamborghini genauso wie Renn-Exoten wie der Audi 90 IMSA GTO, Porsche 937 oder klassische Lotus-Renner. Die Vehikel erhalten bei Renneinsatz ebenso Erfahrungspunkte, wodurch Rabatte für Upgrades gewährt werden. In der Werkstatt verbessert ihr Reifen, Bremsen, Karosserie, Fahrwerk, Motor etc. in mehreren Stufen. Optisch dürft ihr zumindest verschiedene Muster am Lack aufbringen.

Altbekannte Kulissen

Inhaltlich wird vieles von Teil 2 wiederverwertet, das gilt auch für die Streckenauswahl. Ihr tretet auf bekannten Rennstrecken (inklusive Nordschleife) an, teils auch auf klassischen Pisten (Monza, Hockenheimring). In Teil 3 kamen nur zwölf neue Kursvarianten dazu. Kenner vom zweiten Teil haben vieles schon gesehen.

Technisch ist das Geschehen nicht auf der Höhe der Zeit, denn Schattenmodelle und Auflösung wirken oft zu grob.Technisch ist das Geschehen nicht auf der Höhe der Zeit, denn Schattenmodelle und Auflösung wirken oft zu grob.

Auch die dynamischen Streckenbedingungen sind wieder mit dabei, denn Wetter und Tageszeit sind veränderlich. Öfter sorgt ein Wetterumschwung samt Platzregen für rutschige Pisten. KI-Gegner sind in den Rennen zahlreich vorhanden, beim Start ergibt sich ein entsprechendes Gedränge. Dennoch gestalten sich Überholmanöver simpel, auch wenn die Computerkontrahenten teils fragwürdige Fahrmanöver anwenden. Crashes und Schadensmodell fallen dagegen unspektakulär aus, was zum restlichen Action-Ambiente nicht so recht passt.

Auch nicht so recht passt die bunt-überdrehte Optik in die heutige Zeit. Die Hintergründe sind teils detailarm, die Spiegelungen und Pixelkanten grob - vor allem auf PS4. Auch Nachtbeleuchtung und Schatten lassen Detailgrad vermissen. Grafisch erscheint Project Cars 3 wie ein Rückschritt zum Vorgänger.

Beim obligatorischen Online-Modus finden sich individuelle Lobbys sowie offiziell geplante Rennen nach dem Vorbild von Gran Turismo Sport - Qualifying inklusive. Mit "Rivals" gibt es zudem asynchrone Multiplayer-Fahrten mit Bestenlisten.

Für wen lohnt sich Project Cars 3 und für wen nicht?

Für wen lohnt es sich?

  • Rennspiel-Enthusiasten, denen Realitätsnähe nicht wichtig ist
  • Spieler, die schnelle, bunte Renn-Action suchen
  • Neueinsteiger, die keine großen Sprünge gegenüber dem Vorgänger erwarten

Für wen lohnt es sich nicht?

  • Spieler, die eine detaillierte und komplexe Renn-Simulation erwarten
  • Fans, die sich mit dem neuen Teil mehr Abwechslung gegenüber dem Vorgänger erwartet haben
  • Leute, die keinen Spaß am Grinden haben, um Fortschritte zu erspielen

Bewertung von Thomas Stuchlik

Project Cars 3 ist kein echter Nachfolger, geschweige denn eine konsequente Fortführung der Sim-Serie. Stattdessen öffnet sich das Spiel für die breite Masse und will actionreiche Rennen bieten. Das gelingt nur teilweise. Zwar ist auf den Strecken viel los und die Wagenklassen sorgen für Abwechslung, auch wenn viel Content-Recycling vom Vorgänger betrieben wird. Allerdings sind die Gegner oft zu zahm und die Rennen eintönig. Teil 3 fühlt sich wie ein Mix aus Forza, Grid und Need for Speed Shift an. Echter Simulationsanspruch fehlt diesmal.

Auch grafisch ist angesichts der farblich überdrehten Kulissen kein Fortschritt zu spüren. Und dennoch habe ich meinen Spaß mit Project Cars 3. Denn die Karriere motiviert zum Weitermachen, auch wenn es teils in Grinding ausartet. Die Wetterwechsel sorgen für gewissen Nervenkitzel und das Fahren geht leicht von der Hand - egal ob mit Lenkrad oder Controller. Kurzum erwartet euch ein Trojanisches Pferd: ein Spaßraser, der wie eine Simulation daherkommt.

74

spieletipps meint: Racing für jedermann: Einfaches Fahrzeughandling und Solo-Rennkarriere sorgen für Motivation. Nur bei der Optik und dem Realismus hapert es.

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