Test Iron Harvest: Ein Strategie-Hit mit vielversprechender Zukunft

von Michael Sonntag (Dienstag, 01.09.2020 - 14:57 Uhr)

Nun ist es soweit: Von den ersten Eindrücken zur Beta bis hin zum vollständigen Spiel. Wir haben Iron Harvest gespielt und sagen euch, was euch erwartet, wenn ihr Mechs und Menschen in die Schlacht schickt.

Ein Aufeinandertreffen von Gewalten - Wo ihr kinoreif kämpft, hinterlasst ihr Landschaftsgemälde der Zerstörung.Ein Aufeinandertreffen von Gewalten - Wo ihr kinoreif kämpft, hinterlasst ihr Landschaftsgemälde der Zerstörung.

Überblick zu Iron Harvest
• Preis: 46,99 Euro
• Plattformen: PC, PS4, Xbox One
• Sprachausgabe: Deutsch
• Mehrspielermodus: Ja

Iron Harvest: Eine gute Mischung

Ein alternatives Europa zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, in dem Völker Schlachten mit Soldaten und Mechs austragen - ein Szenario, mit dem Iron Harvest schon viele Fans auf Kickstarter und auch uns in der Beta in seinen Bann zog. Aber auch die Bestandteile des neuen Strategiespiels klingen vielversprechend: Unter der Haube ist Iron Harvest nämlich storytechnisch ein Warcraft 3, taktisch ein Dawn of War und bezüglich der Interaktion mit der Welt ein Company of Heroes. Während ihr im Singleplayer den Krieg aus der Perspektive jedes der drei Völker erleben könnt - Polania, Rusviets und Saxony -, könnt ihr sie abseits dessen im Herausforderungsmodus und Multiplayer selbst befehligen und in Gefechte schicken.

Entwickler King Art Games hat sich mit Iron Harvest eine hohe Aufgabe gesetzt, aber wird es jedem seiner Vorbilder gerecht? Was kann es genauso gut wie die anderen Spiele und was kann es besser, was schlechter? Diesen Fragen widmen wir uns in unserem Test. Vorab können wir sagen: Die erste Schlacht ist gewonnen, der Krieg auf dem Markt noch nicht.

Iron Harvest: Welches Volk wollt ihr befehligen?

Die Geschichte: Ein "netter" Rahmen für bessere Missionen

Im Singleplayer von Iron Harvest könnt ihr die Schicksale von Kriegsheldin Anna (Polania-Kampagne), Spionin Olga (Rusviet-Kampagne) und Mech-Legende Gunter (Saxony-Kampagne) verfolgen. Sie alle drei kämpfen an unterschiedlichen Fronten, um herauszufinden, wer der wahre Auslöser dieses Krieges ist. Schluss mit den Zeiten, in denen ihr seelenlose Einheiten über den Bildschirm geschickt habt, Iron Harvest möchte euch wieder das Einzelschicksal eines bestimmten Menschen spüren lassen.

Im Falle von Anna erlebt der Spieler beispielweise ihre Kindheit und wie aus unschuldigen Schneeballschlachten Jahre später erbarmungslose Kriege werden. Olga will einen geliebten Menschen im Feindesland finden, Gunter muss einen früheren Konflikt endgültig beenden. Die einzelnen Geschichten sind nett und werden mit ebenso netten Zwischensequenzen präsentiert, erreichen aber niemals die Tragweite eines Warcraft 3. Die Story, wie Anna ihren Kampfbären kennengelernt hat, ist halb so spannend wie ihn einzusetzen. Hier hätte es etwas mehr Tiefe oder Charakter gebraucht, zumal die drei Geschichten einen großen Bogen schlagen und dann auch schnell wieder enden.

Anna ist zwar eine coole, aber eher blasse Heldin, die mehr Zeit verdient hätte.Anna ist zwar eine coole, aber eher blasse Heldin, die mehr Zeit verdient hätte.

Was die Kampagne aber tatsächlich schafft, ist die unterschiedlichen Völker nicht als austauschbare Skins verpuffen zu lassen, sondern ihre Eigenheiten und Mentalitäten zu vermitteln - der leidenschaftliche Polania, der zielstrebige Rusviet, der stolze Saxony. Abseits dessen motiviert die Kampagne zum Spielen und liefert einen nachvollziehbaren Rahmen für die wirklich gut designten Missionen. Klassisches Skirmish, einen Zug beschützen, sich mit wenigen Truppen durch gegnerisches Gebiet durchkämpfen, eine Stellung für eine gewisse Zeit halten - jede Mission hat mehrere Etappen und verfügt über zusätzliche Untermissionen und Ziele.

Im Grunde nichts Neues, aber die Verzahnung der Elemente und die damit einhergehende spielerische Freiheit machen den Reiz der Kampagne aus. Ihr müsst nicht stoisch eine Plan abarbeiten, sondern könnt an mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten, könnt entscheiden, wie ihr die Karte für euch nutzt und welches Risiko ihr für welche Belohnung eingehen wollt. Am Ende entsteht so eine stundenlang beschäftigende Kampagne, die mit Sequenzen auflockert, ohne den Spieler storytechnisch zu fesseln. Man hat Iron Harvest eingeatmet und kennt jedes Volk in- und auswendig. Das, was eine gute Kampagne eben können muss, auch wenn mit der Geschichte mehr möglich gewesen wäre.

Die Story von Iron Harvest mag nicht viel hergeben, dafür ist die Verteidigung eines Bahnhofs von allen Seiten genauso fesselnd, wie es klingt.Die Story von Iron Harvest mag nicht viel hergeben, dafür ist die Verteidigung eines Bahnhofs von allen Seiten genauso fesselnd, wie es klingt.

Zur technischen Performance: Hin und wieder konnten wir beim Spielen von Iron Harvest KI-Aussetzer feststellen. Genauso ist die Wegfindung größerer Einheiten nicht immer perfekt. Das sind alles verschmerzbare Punkte, solange Entwickler King Art Games sie nach Release ausbessert.

Das Gameplay: Das Streben nach perfekter Mensch-Mech-Einheit

Das Grund-Gameplay von Iron Harvest ist kompakt gehalten, verfügt aber über viele Feinheiten, die der Spieler erst über die Zeit lernen wird. Angefangen beim simpel gehaltenen Basisbau: In der Kaserne bildet ihr Soldaten aus, in der Fabrik Mechs. Daneben gibt es noch Bunker, Zäune und Minen. All diese Gebäude können zusätzlich mit Investitionen verbessert werden und neue Funktionen erhalten. Hinzu kommt ein dynamischer Aspekt, der langweiligen Frontenkampf verhindert: Iron Harvest ist in erster Linie kein klassisches Eroberungsspiel, sondern im Grunde ein andauerndes Capture the Flag. Ihr müsst mit dem Gegner um Eisen- und Ölminen kämpfen, von denen ihr eure Hauptressourcen bezieht. Wer viele Minen hat, ist zwar reich, muss aber auch viele beschützen.

Das Entscheidende beim Gameplay ist, dass weder reine Soldatenarmeen noch reine Mecharmeen funktionieren. Der Spieler muss eine gute und sich ergänzende Kombination aus beiden Einheitentypen erstellen. Die schnelle Infanterie-Einheit, die vom Mech als Panzer unterstützt wird. Der Mech, der vom Mechaniker repariert werden kann. Soldaten, die in einen Mech einsteigen können, um so als mobiler Bunker beim Feind einzuschlagen. Es gibt sehr viele Einheiten und damit sehr viele Spielstile. Die titelgebende Eisenernte macht ein kleines Highlight aus: Gefallene Mechs können als Ressourcen abgebaut werden.

Formation, Stellung beziehen, Fähigkeiten einsetzen - Wer in Iron Harvest gewinnen will, muss alle Feinheiten beherrschen.Formation, Stellung beziehen, Fähigkeiten einsetzen - Wer in Iron Harvest gewinnen will, muss alle Feinheiten beherrschen.

Im Gegensatz zu anderen Strategiespielen ist Ressourcen- und Einheiten-Verdampfen in Iron Harvest keine siegesbringende Taktik - jede Einheit ist wertvoll. Je länger sie kämpft, desto höher steigt ihr im Rang auf und desto mehr Zusatzfähigkeiten erhält sie. Daher ist es wichtig, Deckung zu suchen, Lager aufzuschlagen, Rückzuge anzuordnen, Hinterhalte zu legen und neue Manöver auszuprobieren. Die strategische Palette ist groß und es macht Spaß, vom Feind in der gesamten Kunst des Mensch- und Mechkrieges unterwiesen zu werden.

Zudem schafft das Ganze optisch sowie akustisch großartige Schlachten mit vielen Explosionen, Staubwolken, herumfliegenden Gebäudeteilen und Eisensplittern. Auch die Kampffläche, die stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist, bietet ästhetische Zerstörung. Iron Harvest ist ein Spiel, das bereits viel Potenzial hat und mit DLCs, Zusatzinhalten und Multiplayer-Partien noch viel mehr Potenzial zeigen kann. Einen guten Vorgeschmack darauf hat bereits das erste Esport-Turnier kürzlich auf der gamescom geliefert.

Für wen lohnt sich Iron Harvest und für wen nicht?

Iron Harvest erscheint am 1. September 2020 für PC, Ende des Jahres dann auch für PlayStation 4 und Xbox One.

Für wen lohnt es sich?

  • Strategie-Fans von Warcraft 3, Dawn of War und Company of Heroes
  • Leute, die sich in abgedrehten Szenarien wohl fühlen
  • Gamer, die sich mit den Völkern identifizieren wollen, die sie spielen

Für wen lohnt es sich nicht?

  • Spieler, die sich eine tiefere Story wünschen
  • Fans, die nichts mit Dieselpunk anfangen können
  • Gamer, die lieber Heere als kleinere Gruppen anführen

Bewertung von Michael Sonntag

Beim ersten Vorschau-Event war ich eher skeptisch, bei der Beta schon deutlich überzeugter und beim Test bin ich nun ein Fan. Es gibt nichts Schöneres als nach jedem Match neue Feinheiten über seine eigene Armee gelernt zu haben und sie im nächsten Match sofort einsetzen zu können.

Mensch und Mech gehen Hand in Hand, ich finde es cool, dass dieses Konzept sowohl storytechnisch als auch gameplaytechnisch super umgesetzt worden ist. Taktisch, optisch, akustisch - Iron Harvest ist ein Fest für Strategie-Fans. Ein Lob durch die Bank? Nein: Dafür, dass sich Iron Harvest mit einer Singleplayer-Kampagne brüstet, ist die Geschicht eher lahm und sehr kurz erzählt. Hier wäre mehr möglich gewesen. Zudem weiß ich nicht, wie schnell die Spieler die vorhandenen Inhalte aufgebraucht haben - Entwickler King Art Games sollte dann schnell nachliefern.

Aber das Strategie-Genre hat einen neuen Mitspieler mit einem coolen Szenario und detailverliebtem Gameplay. Nun bin ich gespannt, welche Schlachten Spieler und E-Sportler mit diesen Waffen führen werden. Wir sehen uns an der Front!

86 Spieletipps-Award

spieletipps meint: Ein Mech-Fest für alle Strategen, jedoch trotz guter Ansätze leider keine Story-Offenbarung.

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