Test Yakuza: Like A Dragon - Ein gelungener Neuanfang im RPG-Gewand

von Nathan Navrotzki (Mittwoch, 11.11.2020 - 07:00 Uhr)

Yakuza: Like A Dragon wagt einen Neuanfang und macht dabei eine gute Figur.Yakuza: Like A Dragon wagt einen Neuanfang und macht dabei eine gute Figur.

Die Yakuza-Reihe wagt einen Neuanfang – und das nicht nur mit einem frischen Gesicht in der Protagonisten-Rolle, sondern auch einem kleinen Genrewechsel vom Prügler hin zum RPG. Wie überraschend gut das neue Konzept aufgeht und auf was ihr euch als Serien-Fans oder Neulinge sonst noch einstellen könnt, erfahrt ihr in unserem Test.

Überblick zu Yakuza: Like A Dragon
• Preis: ca. 59,99 Euro
• Spieldauer: ca. 45 Stunden
• Plattformen: PS4, Xbox One, Xbox Series X, PC, später auch PS5
• Sprachausgabe: Japanisch, Englisch, deutsche Untertitel
• Veröffentlichung: 10. November 2020
• Altersfreigabe: 18

Yakuza: Like A Dragon – Ein fesselndes Mafia-Drama, das sich Zeit lässt

Yakuza: Like A Dragon macht Einiges anders und bleibt sich dennoch treu. Euch erwartet nämlich wieder ein spannendes Mafia-Drama, das euch gleich zu Beginn in seine Welt zieht – Plot-Twists und das eine oder andere Tränchen im Auge mitinbegriffen. Der siebente Ableger der Reihe ist dabei besonders gut für Einsteiger geeignet, denn storytechnisch braucht ihr dieses Mal keinerlei Vorkenntnisse. Grund dafür ist unter anderem der Protagonisten-Austausch.

Goodbye, Kazuma Kiryu – und Hallo Ichiban Kasuga! Mit Yakuza: Like A Dragon weicht die Serie nun von ihrem gewohnt stoischen Protagonisten ab und setzt euch stattdessen einen etwas treudoofen Yakuza-Anfänger vor die Nase, der auf seine ganz eigene Art zu überzeugen weiß. Ichiban ist laut, naiv, beizeiten etwas nervig, aber auch gutherzig und zutiefst loyal – was ihn dummerweise gleich zu Beginn seiner Geschichte für 18 Jahre hinter schwedische, also japanische, Gardinen bringt.

Schaut euch den Trailer zu Yakuza: Like a Dragon an

Das Spiel lässt sich mit seiner Geschichte aber auch ordentlich Zeit. Die ersten paar Stunden verbringt ihr nämlich hauptsächlich mit Cutscenes, kurzen Tutorial-Spaziergängen durch die Stadt und noch mehr Cutscenes. Yakuza: Like A Dragon ist also auf keinen Fall etwas für Lese-Faulpelze und stellt eure Geduld, endlich selbst Hand anzulegen, ein wenig auf die Probe, bevor es euch in seiner einladenden Sandbox-Welt frei herumlaufen lässt.

Schade hierbei ist, dass zwar jeder noch so unwichtige Nebencharakter einen Voice Actor hat, aber nicht jedes Gespräch vertont wurde. Dabei sind die japanischen und englischen Vertonungen fantastisch umgesetzt und lassen beim Zuschauen – und Hören echtes Kino-Feeling aufkommen. Dafür gibt es die Untertitel mittlerweile nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch.

Emotionale Gespräche gibt's jetzt auch auf Deutsch - wenngleich nur als Untertitel.Emotionale Gespräche gibt's jetzt auch auf Deutsch - wenngleich nur als Untertitel.

Like A Dragon meistert den Sprung zur RPG-Action, mit Raum für Verbesserung

Wo sich Yakuza: Like A Dragon jetzt stark von seinen Vorgängern abgrenzt, ist das Kampfsystem. RPG-Elemente hatte die Reihe schon immer, Like A Dragon nimmt jetzt aber richtig Anlauf um tief ins Genre einzutauchen – Wo ihr früher nämlich noch in Echtzeit zuschlagen und ausweichen musstet, sind die Kämpfe nun rundenbasiert.

Und das funktioniert erstaunlich gut. Die beteiligten Kämpfer sind ständig in Bewegung, was für Dynamik sorgt. Außerdem steht ihr nicht nur blöd in der Gegend herum, während euch eure Gegner angreifen, sondern ihr könnt versuchen ihre Angriffe mit dem richtigen Timing zu blockieren, um so den Schaden zu minimieren. Die Kämpfe fühlen sich dadurch lebendig an und machen auch noch nach mehreren Stunden einen Heidenspaß. Dazu trägt noch zusätzlich die fast schon größenwahnsinnige Vielfalt an Gegnertypen bei.

Als Idol irgendwelchen Mafiosi eine reinhauen? Ja, bitte!Als Idol irgendwelchen Mafiosi eine reinhauen? Ja, bitte!

Auch die taktische Komponente wird im Verlauf des Spiels immer wichtiger. Eure wild durcheinander gewürfelte Gruppe, anfangs bestehend aus einem Ex-Cop, einem Obdachlosen und einer Hostess, kann im Laufe des Spiels noch erweitert und ausgetauscht werden. Balancing ist hier, wie in jedem RPG, von größter Wichtigkeit. Healer, Tank, Damager – wie ihr es eben aus anderen RPGs kennt. Lustig ist hierbei, dass ihr um eure Klasse, oder eher euren Job, zu ändern, ins Jobcenter müsst. Weniger zum Lachen ist dabei aber die Tatsache, dass ihr bei jedem Jobwechsel wieder bei null anfangt. Wenn ihr als Obdachloser also eben noch Gegner gegen die Wand geklatscht habt, müsst ihr als Musiker plötzlich vor Schlägen bangen. Das nimmt die Experimentierfreude am Jobsystem, was sehr schade ist.

Auch der allgemeine Schwierigkeitsgrad wird gegen Ende zu stark angezogen. Im einen Moment kommt ihr noch gut ohne Heil-Items klar – im nächsten müsst ihr plötzlich mehrere Level lang grinden um dem nächsten Boss auch nur die Hälfte seiner HP abzwacken zu können. So spaßig das Kampfsystem auch sein mag, sowas nimmt beim Spielen nur unnötig Wind aus den Segeln.

Die geschmacksverirrten Outfits sind nicht das größte Problem am Jobsystem.Die geschmacksverirrten Outfits sind nicht das größte Problem am Jobsystem.

Trotz allem passt der Genrewechsel hin zum RPG besser zu Yakuza: Like A Dragon als es die simpleren Echtzeit-Kämpfe von damals getan hätten. Euer Protagonist ist kein einsamer Wolf, der sich alleine durch das Nachtleben japanischer Städte prügelt, sondern ein Rudeltier, das sich in seiner Gruppe viel wohler fühlt. Das und Ichibans Wunsch ein echter Held wie in Dragon Quest zu sein, geben dem RPG-System eine viel persönlichere und auf die Charaktere zugeschnittene Note.

Gokart fahren und Karaoke singen als Nebenjob

Nicht nur die Hauptquest und ihre Kämpfe halten euch auf Trab, denn an gefühlt jeder Ecke gibt es etwas Neues zu erleben: am Greifautomaten auf Plüschtierjagd gehen, Shogi spielen, ins Kino gehen, Gokart fahren, Retro-Spiele in der Arcade zocken, Karaoke singen – es gibt immer etwas zu tun. Dabei fühlen sich diese Abstecher selten an als hättet ihr gerade damit eure Zeit verschwendet. Für die meisten Minispiele winken euch nämlich Belohnungen wie Preise, tiefere Beziehungen zu euren Teamkollegen oder die Stärkung eurer Charaktereigenschaften, die euch wiederum in anderen Bereichen des Spiels mehr Vorteile verschaffen.

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Auch an Side-Quests mangelt es nicht – sobald ihr es in die offene Welt eures ersten Aufenthaltsortes geschafft habt, offenbart sich euch die schiere Fülle an Nebenaufgaben. Dabei fallen diese, typisch für Yakuza, oft extrem albern und überspitzt aus. Die kurzen, parodischen Stories stehen damit im starken Kontrast zur ernsten Hauptstory, die oft auf gesellschaftliche Fehlstände aufmerksam macht. Diesen Kontrast, sowie den übertriebenen japanischen Humor, muss man schon mögen oder zumindest abkönnen, um sich auf das Spiel einlassen zu können.

Ist das gegeben, wird euch die Welt von Yakuza: Like A Dragon aber schnell in ihren Bann ziehen – denn diese strotzt nur so vor Charme und Detailverliebtheit. Interessante NPCs fügen sich in die mit Liebe gestalteten Städte respektive Stadtteile Kamurocho, Yokohama und Osaka ein. Durch die Ego-Perspektive fallen euch gleich noch mehr kleine Feinheiten auf, durch die die belebten Straßen und in Neonlichtern getränkten Seitengassen enorm authentisch wirken. Die schönen wie hässlichen Seiten verleihen den Orten, die ihr besucht, eine Realitätsnähe, durch den ihr euch sofort heimisch fühlt.

Yakuza: Like A Dragon setzt viel auf stimmige Umgebungen, die einfach umwerfend aussehen.Yakuza: Like A Dragon setzt viel auf stimmige Umgebungen, die einfach umwerfend aussehen.

Für wen lohnt sich Yakuza: Like A Dragon und für wen nicht?

Yakuza: Like A Dragon erscheint am 10. November 2020 für PS4, Xbox One, Xbox Series X und PC. Eine Version für PS5 soll es erst 2021 geben.

Für wen lohnt es sich?

  • Fans der Yakuza-Reihe
  • Serien-Neulinge, die keine Vorkenntnisse haben
  • Freunde von abgedrehtem Humor und wendungsreichen Geschichten

Für wen lohnt es sich nicht?

  • Lese-Faule
  • RPG-Ablehner
  • Spieler, denen Action wichtiger ist als Story

Bewertung von Nathan Navrotzki

Yakuza: Like A Dragon hat mich gleich in mehreren Aspekten positiv überrascht. Zwar kenne ich die Yakuza-Reihe und ihre Charaktere, bis jetzt habe ich aber nie selbst Hand angelegt, sondern nur Anderen zugeschaut. Ich war schlichtweg überfordert von der Masse an Ablegern, die alle irgendwie miteinander verwoben sind und ich am besten schon Teil X und Y gespielt haben sollte um Ableger Z zu verstehen. Trotzdem war ich bereits Charaktere wie Kiryu und Majima gewohnt, was mich dementsprechend skeptisch gegenüber den neuen Gesichtern stimmte. Zu Unrecht! Die Chaoten-Bande um Ichiban schloss ich enorm schnell ins Herz – nicht zuletzt wegen der packenden Story, die die Schicksale und Persönlichkeiten der Charaktere besonders eindrucksvoll aufbereitet.

Als Neuling fing mich das Spiel auch mit seinem generalüberholten Kampfsystem super auf, als RPG-Fan bin ich es aber auch schon gewohnt noch nach den ersten Kapiteln immer wieder neu aufpoppende Tutorials eingehend zu studieren. Oder sie zu ignorieren bis ich damit auf die Schnauze falle und daraus lerne.

Das Grinden zum Ende hin genauso wie das Sich-Hocharbeiten bei einem Jobwechsel sind nervig. Diesbezüglich habe ich aber großes Vertrauen in die Entwickler, dass sie das in kommenden Ablegern ausbessern. Die Vergangenheit der Yakuza-Reihe zeigt immerhin, dass sie nicht auf der Stelle treten und die Spiele stetig frisch halten, aber sie auch verbessern wollen. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Teil der Reihe, sei es mit Ichiban oder wieder einem neuen Protagonisten in der Hauptrolle. Bis dahin habe ich auf jeden Fall noch ein paar Einträge der Reihe selbst nachzuholen.

85 Spieletipps-Award

spieletipps meint: Eine fesselnde Geschichte mit abgedrehtem Humor, besonders gut für Neuzugänge geeignet.

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