Test Destiny 2: Jenseits des Lichts - Eisige Zeiten für Stammspieler

von Sören Wetterau (Montag, 23.11.2020 - 14:48 Uhr)

Kein Destiny 3, sondern volle Fahrt voraus in Richtung neue Erweiterungen: Bungie setzt mit Jenseits des Lichts kurzerhand Destiny 2 fort. Das hat gute Gründe, aber auch Nachteile. Statt eines frischen Neustarts, gibt es gewohnte Kost - die allerdings etwas frostiger als bisher ausfällt.

Mit Destiny: Beyond Light führt Bungie erstmals ein neues Element ein - und das hat es in sich.Mit Destiny: Beyond Light führt Bungie erstmals ein neues Element ein - und das hat es in sich.

Destiny 2: Jenseits des Lichts - Kühlschrank wird nicht benötigt

Ein bisschen Spekulation vorangestellt: Hätte Bungie sich Anfang 2019 nicht von Activision-Blizzard getrennt, dann würden wir hier jetzt potenziell von einem Destiny 3 sprechen. In der Realität sieht es hingegen anders aus. Bis mindestens 2022 wird Destiny 2 fortgesetzt - insgesamt drei Erweiterungen wurden bereits angekündigt. Den Anfang bildet Destiny 2: Jenseits des Lichts, welches direkt an das durchaus turbulente Jahr von Festung der Schatten anschließt.

Mit an Bord befindet sich auf dem ersten Blick das klassische Paket: Neues Gebiet, neue Story-Kampagne, ein frischer Raid und viele kleinere Verbesserungen und Neuerungen. Im Inneren verbirgt sich jedoch eine der größten Änderungen, die Bungie in der gesamten Destiny-Geschichte eingeführt hat: Mit Stasis gibt es ein komplett neues Element. Zur selben Zeit schlägt die Story moralische Grautöne an, die jedoch nicht immer ins Schwarze treffen.

Auf dem Jupiter-Mond Europa erlebt ihr die Dunkelheit ganz nah:

Zwischen Licht und Dunkelheit

Destiny 2: Jenseits des Lichts spielt wenige Monate nach den Ereignissen von der Saison der Ankunft. Die Schiffe der Dunkelheit haben Titan, Merkur, Mars und Io erobert (sprich: sie sind nicht mehr zugänglich und aus dem Spiel entfernt) - nur der Reisende, der endlich wieder aufgewacht ist, hindert die Feinde an Schlimmerem. Nun hängt es ein weiteres Mal an den Hütern, einen Weg zu finden, die Welt und das Universum zu retten. Eine Lösung könnte sich auf dem Jupiter-Mond Europa befinden, der Geburtsstätte der androidartigen Exos. Kaum dort angekommen, gibt es aber zum wiederholten Male andere Probleme.

Eramis, eine Anführerin der Gefallenen, ist einen Pakt mit der Dunkelheit eingegangen und verfügt nun über Kräfte, mit denen sie Feinde kurzerhand einfrieren kann. Die sogenannte Stasis will sie auch ihren Anhängern übertragen, um den Kampf gegen den Reisenden aufzunehmen. Leider wächst Eramis trotz vorhandener Ansätze nie über ein simples Rachemotiv hinaus und ist bis zum Schluss doch nur ein weiterer Bösewicht, den es aufzuhalten gilt.

Das von Eis und Schnee bedeckte Europa weiß optisch zu überzeugen - hier leistet Bungie gewohnt gute Arbeit.Das von Eis und Schnee bedeckte Europa weiß optisch zu überzeugen - hier leistet Bungie gewohnt gute Arbeit.

Die Stärken der etwa fünf Stunden langen und in Sachen Missionsdesign wenig innovativen Kampagne liegen an anderer Stelle. Unser Hüter kommt der Dunkelheit so nah wie nie zuvor und muss sich einem ethischen Dilemma stellen: Ist es moralisch vertretbar, Feuer mit Feuer zu bekämpfen?

Immer wieder wird die Frage in den Raum geworfen, unterschiedlich beantwortet und unser Geist ringt stetig mit sich selbst, ob es der richtige Weg sei - obwohl er und wir gar keine Wahl haben, als die Dunkelheit in Form von Stasis anzunehmen. Ob es das Risiko wert ist, lässt Bungie aber offen und hebt sich die Antworten möglicherweise für die kommenden Erweiterungen auf.

Nichtsdestotrotz liegt in dieser Moral jede Menge Potenzial, in der sich Destiny 2 von einem recht einfachen Schwarz-Weiß-Schema löst. Schon mit Festung der Schatten und den darauffolgenden Seasons haben die Autoren das Fundament gelegt, in welchem die Hüter einer zweigeteilten Zukunft entgegengehen. Diejenigen, die dem Licht die Treue schwören und die, die alles nutzen, um sich selbst zu schützen.

Und gefroren sollt ihr sein

Für unseren eigenen Hüter geht der Weg nur über die Dunkelheit. Mit ihr gibt es zum ersten Mal ein neues Element, welches das bisherige Trio um Leere, Solar und Arkus ergänzt. Im Laufe der Story-Kampagne lernen wir die neuen Eisfähigkeiten der Stasis kennen, ehe wir sie nach dem letzten Kapitel selbst als eigene Subklasse frei verwenden dürfen.

Im Kampf erweist sich Stasis als sinnvolle Erweiterung: Gegner einzufrieren, um sie anschließend in Einzelzeile zersplittern zu lassen, fühlt sich ohne Zweifel sehr mächtig an. Wenn wir als Hexenmeister mithilfe unserer neuen Superfähigkeit als eine Art Frostmagier über das Schlachtfeld schweben, dutzende Gegner zu Eissäulen erstarren lassen und danach mit einer Explosion vernichten, gehört das ohne Zweifel zu den aktuell coolsten Momenten in Destiny.

Stasis spielt ebenso für das Endgame eine wichtige Rolle: In speziellen, gewohnt grindlastigen Missionen gibt es Aspekte und Fragmente freizuschalten, mit denen sich die neue Subklasse ein Stück weit individueller gestalten lässt. Bislang konnten wir nur einen Teil davon sehen, aber auf den ersten Blick ergeben sich durchaus spannendere Möglichkeiten in der Zusammenstellung als bei den bisherigen Subklassen.

Ein kleineres Universum

Destiny 2: Jenseits des Lichts bringt jedoch nicht nur Neuerungen, sondern nimmt auch Dinge weg. Genauer gesagt stopft Entwickler Bungie gleich vier ganze Gebiete in den sogenannten Inhalte-Tresor. Die Planeten mitsamt ihren Aktivitäten und der kompletten Story-Kampagne des Basisspiels inklusive der DLC-Erweiterungen Kriegsgeist und Fluch des Osiris sind seit Erscheinen des Addons nicht mehr im Spiel.

Verschlungen von der Dunkelheit: Vier Planeten sind erst einmal nicht mehr Teil von Destiny 2.Verschlungen von der Dunkelheit: Vier Planeten sind erst einmal nicht mehr Teil von Destiny 2.

Auch wenn diese Orte und Aktivitäten nicht unbedingt zu den beliebtesten in Destiny 2 gehörten, so fühlt sich die Welt nach dem großen Update doch ein ganzes Stück kleiner an. Zwar treten die Entwickler dem mit der Rückkehr des Kosmodroms aus Destiny entgegen, aber für "High Level"-Spieler bietet dieser zum jetzigen Zeitpunkt lediglich Nostalgie anstatt Inhalt. In näherer Zukunft sollen hier jedoch die alten Strikes und der Raid aus dem ersten Teil folgen.

Auf der anderen Seite hat Bungie kurzerhand den Lootpool massiv verringert. Viele ältere Waffen sind mit einem künstlich begrenzten Powerlevel für nahezu alle Spielmodi unbrauchbar geworden. Laut den Entwicklern eine Entscheidung, um neue Waffen stärker in den Fokus rücken - davon gibt es aber viel zu wenige. Lediglich ein paar Hände voll spannender Schießeisen stehen zur Verfügung. Für einen Loot-Shooter ist das schlichtweg enttäuschend schwach.

Die Saison der Jagd

Zusammen mit Jenseits des Lichts startet auch die nächste Saison, die ebenfalls neue Inhalte mit sich bringt. Allerdings müssen wir die Saison der Jagd gesondert betrachten, denn sie ist, anders als im letzten Jahr, nicht mehr Teil des Addon-Paketes. Stattdessen kostet die Saison zehn Euro extra und bietet dafür neue Waffen, einen weiteren Storystrang und eine neue Aktivität, die sich wie gehabt recht grindlastig spielt.

Ausgerechnet ein alter Bekannter tritt mit der Saison der Jagd in Erscheinung, aber anders als wir ihn kennen.Ausgerechnet ein alter Bekannter tritt mit der Saison der Jagd in Erscheinung, aber anders als wir ihn kennen.

Unterm Strich lohnt sich die Saison nur für Spieler, die Destiny 2 so oder so spielen und am Ball bleiben. Für alle Story-Interessierten reicht am Ende auch eine Zusammenfassung der bisher recht spärlichen Ereignisse.

Für wen lohnt sich Destiny 2: Jenseits des Lichts? Für wen eher nicht?

Destiny 2: Jenseits des Lichts ist am 10. November für PC, PlayStation 4, Xbox One und Google Stadia erschienen. Die PlayStation 5 und Xbox Series X/S erhalten am 8. Dezember ein kostenloses Next-Gen-Upgrade.

Für wen lohnt es sich?

  • für Spieler, die sich ohnehin bereits im Destiny-Universum zuhause fühlen
  • Liebhaber von gutem Gunplay in Ego-Shootern
  • Koop-Interessierte, die ein Spiel für Zwischendurch suchen

Für wen lohnt es sich nicht?

  • Spieler, die gerne viel und neuen Loot sammeln
  • Story-Fans, bei denen gute Dialoge an oberster Stelle stehen
  • Fans von abwechslungsreichem Gameplay-Design und diejenigen, die mehr als nur Schießen wollen

Bewertung von Sören Wetterau

Destiny 2 macht es mir auch mit Beginn des vierten Jahres gar nicht so einfach, es wirklich zu mögen. Ich spiele den Shooter seit Release aktiv und habe auch mit Jenseits des Lichts erneut viel Spaß. Allerdings kann ich trotzdem keine klare Empfehlung für einen Kauf aussprechen, denn dafür liefert Bungie zu wenig.

Die Kampagne erreicht nicht mehr als Standardniveau, der neue Lootpool ist zu klein und am Ende bleibt der Grind, an dem es seit Forsaken kaum große Änderungen gegeben hat. Trotz der sehr gelungenen und frisch wirkenden Stasis-Klasse sowieo dem neuen Raid tritt Destiny 2 weiter auf der Stelle und wagt nicht den nächsten großen Schritt.

Dabei sind die Ansätze immer wieder zu spüren, vor allem auf Seiten der Erzählung. Die Dunkelheit, der ewig große unbekannte Feind, steht direkt vor der Haustür - und trotzdem zieht Bungie die drohende Auseinandersetzung in die Länge, versteckt sich hinter Details und der Hoffnung der Hardcore-Spieler, dass in Zukunft alles wieder besser wird.

74

spieletipps meint: Eine Erweiterung, die bekannte Stärken und Schwächen bietet und sich vorrangig an Hardcore-Spieler und weniger an Neueinsteiger richtet.

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