Test Hitman 3: Ein cooles Finale ohne Finale

von Michael Sonntag (Dienstag, 19.01.2021 - 14:00 Uhr)

Da ist es endlich! Hitman 3 schließt die "World of Assissination"-Trilogie und schickt den kahlköpfigen Profikiller 47 in den finalen Kampf gegen kriminelle Weltherrscher. Wir haben den mörderischen Simulator gespielt und sagen euch, wie viel Assassinenspaß euch in Hitman 3 erwartet. Vorab können wir sagen: Es fehlt etwas das Finale am Finale.

In Hitman 3 nimmt Agent 47 die höchste Liga der Verbrecher ins Visier.In Hitman 3 nimmt Agent 47 die höchste Liga der Verbrecher ins Visier.

Hitman 3 - Die Welt gehört den Assassinen

Klassischen Stealth sucht man heute in der Gaming-Welt vergebens. Spätestens Assassin's Creed hat aus dem Schleich-Gameplay etwas Actionreiches gemacht. Auch wenn der Mainstream zwar an der Vorstellung des leisen und heimlichen Meuchelns Gefallen findet, will sich nicht unbedingt jeder die anstregende Arbeit machen, sorgfältig einen Stealth-Plan zu erstellen und ihn dann solange zu probieren, bis er fehlerlos klappt. Warum auch, wenn Brutalität ebenfalls zum Sieg führt?

Hier kennt Hitman allerdings kein Pardon, die letzte Hochburg des klassischen Stealth, die sich bis heute eine überschauliche, aber treue Fanbase voller Perfektionisten halten konnte. Wer in Hitman gewinnen möchte, muss richtig gut sein - oder gut werden. Über fünf Jahre hat Entwickler IO Interactive nun an seiner "World of Assissination"-Trilogie gearbeitet, nun wird sie nach Hitman und Hitman 2 mit Hitman 3 vollendet. Auf sechs neuen Schauplätzen soll entschieden werden, ob Agent 47, sein Bruder und seine Auftraggeberin Diana der Weltherrschaftsorganisation Providence das Handwerk legen können.

Dabei muss den Spielern eines bewusst sein: Hitman 3 ist prinzipiell kein neues Spiel, es ist der Abschluss eines viel größeren Spiels. Die Formel bleibt die gleiche, der Spielablauf bleibt der gleiche und das Gameplay hat sich bis auf wenige Neuerungen kaum verändert. Nichtsdestotrotz steht ein Finale irgendwie in der Schuld, alles Vorherige nochmal zu toppen und es zu einem würdigen Abschluss zu führen. Ob Hitman 3 das geschafft hat, ist schwierig zu sagen. Alles ist perfekt wie immer, nur eben nicht neu.

20 Jahre Hitman - Wir bereiten euch auf die Mission vor:

Hitman 3: Der Kampf gegen die eigene Formel

Agent 47 balanciert hunderte Meter in der Luft am Zepter entlang, das an den "Burj Khalifa"-Tower aus Dubai angelehnt ist. Die erste Mission macht schon deutlich: Der Profikiller ist in der obersten Verbrecherliga angekommen. Während er mittels Handy eine Schleuse hackt, um einzusteigen, feiern drinnen die Ölscheichs zwischen Gold und Gärten eine dekadente Einweihungszeremonie. Die Mission besteht nun darin, das Gebiet ungesehen zu infiltrieren oder mit einer Küchenhilfe oder Leibwache die Kleidung zu "tauschen", um somit legal Zugang zu den Privatgemächern der Zielpersonen zu erhalten.

Aber wie räumt ihr dann eure Zielperson aus dem Weg? Diese Frage bleibt seit jeher der größte Spaß in Hitman. Während die bunten und detailreichen Sandkastenwelten dutzende Möglichkeiten liefern, vom simplen Vergiften bis zum zeitlich gut abgestimmten Unfall, winken die Story-Aufträge mit Anleitungen zu besonders spektakulären Kills. Eine möderische Privataudienz, ein Fehler an einer Maschine oder einfach mal zurücklehnen und gegnerische Scharfschützen für sich arbeiten lassen - diese Varianten gestalten das Spielen deutlich einfacher, sollen aber auch nur dazu dienen, eine Kostprobe des gesamten kreativen Potenzials des Levels zu geben und zu weiteren Durchläufen einzuladen.

In Berlin findet sich 47 in einem abgedrehtem Club wieder.In Berlin findet sich 47 in einem abgedrehtem Club wieder.

Nach einer ersten Kennenlern-Runde mit dem Level kann der Spieler nun Durchlauf für Durchlauf neue Wege und neue Möglichkeiten entdecken, sein Vorgehen immer weiter perfektionieren, neue Abkürzungen, Verkleidungen sowie Fluchtwege freischalten und sich am Ende an eine der äußerst schwierigen Meister-Herausforderungen wagen. Bis ein Level "durchgespielt" ist, können viele Stunden ins Land ziehen. Es ist viel "Trial and Error", also Ausprobieren und aus seinen Fehlern lernen, aber es lohnt sich, wenn man irgendwann wie der echte 47 perfekt durch das Level schleicht, seinen Job erledigt und verschwindet, ohne dass jemand etwas mitbekommen hat.

Infiltrieren, Ausprobieren, Töten, Fliehen - nach bereits 14 Leveln auf dieser Basis in den Vorgängern stellt sich unweigerlich Routine ein und der Spieler beginnt verständlicherweise das Neue in Hitman 3 zu suchen, das gewisse Extra. Während Hitman 1 noch mit seinen großen Schauplätzen und dem WoW-Effekt an Möglichkeiten geködert hat, hat Hitman 2 eine Palette noch eindrucksvollerer, noch exotischerer Schauplätze geliefert. Da das schwer zu toppen war, hat sich Hitman 3 nun dahingehend weiterentwickelt, indem es hübsche Schauplätze mit Geschichten anbietet.

So soll 47 in Dartmoor einen Mordfall in einer britischen Adelsfamilie lösen, in einem Berliner Club zwischen den Tanzenden seine eigenen Attentäter jagen und in China in die Basis seines ehemaligen Arbeitgebers eindringen, der an einer futuristischen Killermethode arbeitet. Das sind wirklich einmalige, besondere Level, auch wenn es bei insgesamt 20 Sandkästen nicht verwunderlich ist, dass Ähnlichkeiten und Parallen sich nicht mehr vermeiden lassen.

47 geht mit der Zeit: Hier gibt er sich als Probant aus, um die Zielperson bei einem Gedankenkontrollexperiment auszuschalten.47 geht mit der Zeit: Hier gibt er sich als Probant aus, um die Zielperson bei einem Gedankenkontrollexperiment auszuschalten.

Nichtsdestotrotz erhalten die Schauplätze mit den Geschichten eine ganz eigene Atmosphäre und Dynamik, zudem wird neben den üblichen Kill-Abläufen ein besonderer Gameplay-Pfad geschaffen, der 47 auch plötzlich vor Situationen stellen kann, in denen er improvisieren muss. Eine kolossale Weiterentwicklung ist das prinzipiell nicht, da diese Überraschungselemente bereits in Hitman 2 verwendet worden sind. Hier verpasst Hitman 3 die Chance, die Formel voranzutreiben, neue Situationen wie Hinterhalte, Gegenspieler oder andere Ereignisse einzubauen, die dem Gameplay einen neuen Spin hätten geben können. Eine wirklich überraschende Neuerung vor Schluss kommt da fast zu spät.

Ein letztes Potenzial stand allerdings noch aus, das sowohl Hitman 1 als auch Hitman 2 nicht vollends genutzt haben: Die rahmende Geschichte. Entwickler IO Interactive versucht in Hitman 3 die Geschichte mit dem Gameplay stärker zu verweben und eine gewisse Emotionaliät aufzubauen. Es geht um Rache, es geht um Wahrheit und auch wenn das Ziel zum Greifen nahe ist, den Feind ein für alle Mal auszulöschen, bleibt dennoch ein gravierender Konflikt in den eigenen Reihen offen, der alles verändern kann. Das Ganze scheitert allerdings daran, da weder 47 noch der Spieler irgendeine Beziehung zu den Charakteren aus den Zwischensequenzen noch zu den etlichen Zielpersonen aufbauen können.

Was dem Ganzen eine Prise zusätzliche Motivation und Persönlichkeit hätte verschaffen können, mündet am Ende in dramatisch inszenierte Sequenzen, in denen es um nichts geht. Nach viel Phrasendrescherei um Macht und Kontrolle findet die Geschichte dann einen Abschluss, aber keinen befriedigenden. Damit bleibt es wie gewohnt: Wir gehen unserer Arbeit völlig leidenschaftslos nach, 47 macht es, weil er nichts anderes kann, und wir, weil wir Spaß an diesem verdammt guten Gameplay haben.

  • Übrigens: Hitman 3 verfügt außerdem über einen coolen VR-Modus, auf den wir gegebenenfalls in einem anderen Artikel ausführlicher eingehen werden.

Für wen lohnt sich Hitman 3? Für wen eher nicht?

Ihr werdet mit dem Spiel euren Spaß haben, wenn ...

  • ihr ewige Hitman-Fans seid
  • ihr eine Herausforderung sucht
  • ihr von Sandkasten-Gameplay nicht genug bekommen könnt

Nicht sonderlich geeignet ist Hitman 3 für euch, wenn ...

  • ihr eine fesselnde Geschichte sucht
  • ihr ein brandneues Hitman-Spiel braucht
  • ihr gerne locker ohne Perfektionierungsgedanken spielt
HITMAN 3 (Playstation 5 / Playstation VR)

HITMAN 3 (Playstation 5 / Playstation VR)

Bewertung von Michael Sonntag

Entwickler IO Interactive macht es einem nicht unbedingt leicht: Gibt es mit Hitman 1, 2 und 3 wirklich drei einzelne Spiele oder verbirgt sich dahinter nicht im Grunde ein einziges Spiel auf derselben Grundlage - die World of Assissination -, für das wir über die Jahre dreimal den Vollpreis zahlen sollen? Nach 20 Jahren Hitman ist die Stealth-Formel nun perfekt und fast auch schon etwas überholt.

Ja, ich mag es, die Level zu erobern, immer neue Möglichkeiten zu entdecken und auszuprobieren, meinen Durchlauf immer weiter zu perfektionieren und dann leise zu verschwinden. Aber es dürstet mich nach etwas Neuem. Gebt mir mehr Geschichte, wenn ihr schon eine aufmacht, vor allem nicht außerhalb der Missionen, sondern innerhalb. Gebt mir ernstzunehmende Gegenspieler, die mich in Fallen locken, wenn schon Profikiller auf 47 angesetzt werden! Lasst ein Ereignis einen Schauplatz komplett beeinflussen.

Alle diese Elemente sind bereits spürbar, es deutet sich an, dass das kommen wird, aber aktuell scheint die Spitze erreicht zu sein. Hitman 3 beendet die Trilogie würdevoll, aber ohne Knall.

85 Spieletipps-Award

spieletipps meint: Hitman 3 vollendet die Trilogie mit einer perfekten, aber altbackenen Formel. Das "Wow!" bleibt aus.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Wie gut kennt ihr die Kult-Reihe?

"The Legend of Zelda"-Quiz: Wie gut kennt ihr die Kult-Reihe?

Die Reihe von The Legend of Zelda besitzt Kultstatus. Wie gut kennt ihr die Spiele?Die Abenteuer von Link sind aus dem (...) mehr

Weitere Artikel

Größtes Update seit Jahren steht bevor

Große Neuigkeiten für Diablo 3: Einzelspieler werden in Zukunft deutlich stärker.Die letz (...) mehr

Weitere News

  1. Startseite
  2. Artikel
  3. Test
  4. Test Hitman 3: Ein cooles Finale ohne Finale
Hitman 3 (Übersicht)
Impressum & Kontakt Team & Jobs Datenschutz CO2 neutrale Website