Sexismus im Gaming: Es ist schlimmer, als ihr dachtet - aber ihr könnt es ändern (Special)

von Michael Sonntag (Freitag, 19.02.2021 - 09:09 Uhr)

Sexismus ist ein aktuelles und ernstes Thema im Gaming. Egal, wie sehr bestimmte Personen es verharmlosen oder ignorieren wollen, 984 Kommentare und 32 Einsendungen von Erfahrungsberichten als Reaktion auf unseren Aufruf sprechen eine andere Sprache. Wir können den Sexismus nicht alleine mit einem Artikel stoppen, aber wir können unseren Teil dazu beitragen. Indem wir die Betroffenen über ihre Erfahrungen und Wünsche sprechen lassen.

Sexismus im Gaming: Wir müssen drüber reden, damit es aufhört. Bildquelle: Getty Images / gorodenkoff.Sexismus im Gaming: Wir müssen drüber reden, damit es aufhört. Bildquelle: Getty Images / gorodenkoff.

"Willst du dich auf mein Gesicht setzen?" - kein Insider, sondern Sexismus, kein Einzelfall, sondern Alltag

Inmitten einer Unterhaltung im Survival-Spiel Rust bekommt die Twitch-Streamerin Tinkerleo folgende Frage zu hören: Willst du dich auf mein Gesicht setzen?. Die Streamerin äußert ihre Empörung, der Streamer versteht das Problem nicht, es sei doch nur ein lustiger Insider in seiner Gruppe, den sie nicht kenne. Die Community reagiert ebenfalls mit Unverständnis, nennt die Streamerin "zu empfindlich fürs Internet" und attackiert sie mit Hasskommentaren und Beschimpfungen. Letztendlich entschuldigt sich der Streamer für seine Aussage, auf Twitter heißt es, man habe alles privat geklärt und sich wieder versöhnt.

Aber das eigentliche Problem - der Sexismus im Gaming - bleibt, es wächst Gras drüber, bis der nächste Vorfall das Thema (zum Leidweisen vieler Leugner) wieder ans Tageslicht bringt. Zur Erinnerung: Erst letztes Jahr belästigte der Streamer MontanaBlack mehrere Passantinnen live im Stream, auch hier verstanden viele seiner Fans das eigentliche Problem nicht. Der "30 Tage"-Ban seitens Twitch wirkte auch mehr wie ein Strafzettel als wie eine angemessene Sanktion für sein Verhalten. Aber im Gegensatz zu allen früheren Skandalen veranlasste der Rust-Vorfall deutsche Streamer dazu, auf Twitter deutlicher dazu aufzurufen, den Sexismus im Gaming zu beenden. Dazu gehörte auch der Streamer HandofBlood.

Sexismus im Gaming: Wir reden darüber, damit es aufhört

Das Erschreckende: Abseits der sexistischen Skandale im großen Rampenlicht erhalten die tausenden sexistischen Vorfälle, die Gamerinnen erleben, über die gesamte Zeit keine Beachtung und sind quasi unsichtbar. Im Sinne des Aufrufes von HandofBlood haben wir Gamerinnen auf Facebook darum gebeten, uns ihre Erfahrungen und Wünsche für die Zukunft zu schildern, genauso, was sie denken, was alle Gamer'innen tun könnten, um den Gaming-Bereich für jede Person besser zu gestalten.

Während einige Leser'innen das Problem deutlich wahrnehmen und kritisieren, trafen wir auch auf viele Personen, die mit großem Widerstand verhindern wollten, dass über das Thema gesprochen wird. Tatsächlich werden hierbei immer dieselben haltlosen Argumente verwendet. Bevor wir diesen mutigen Gamerinnen das Wort überlassen, möchten wir einige Fakten aufstellen und einige dieser Argumente entkräften:

Die Definitionen von Sexismus und Sexueller Belästigung

  • Sexismus wird im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) als eine auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung definiert.

  • Sexuelle Belästigung wird im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz als „ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten“ definiert und (via BMFSFJ) „reicht von weniger schwerwiegenden Formen wie Anstarren, anzüglichen Bemerkungen oder Belästigungen per Telefon oder im Internet über unerwünschte sexualisierte Berührungen, sexuelle Bedrängnis bis hin zu sexualisierten körperlichen Übergriffen."

Die typischen Gegenargumente und ihre Entkräftigung

  • "Der Sexismus im Gaming existiert nicht" - Entkräftigung: weil die Person selbst nicht betroffen ist und ihn nicht wahrnehmen möchte, da ihre Komfortzone nicht durch Probleme beeinträchtigt werden soll
  • "Im Internet herrscht halt ein rauer Ton" - Entkräftigung: weil die Vorstellung eines gesetzesfreien Raums der Person ein Gefühl von Freiheit vermittelt, das sie nicht verlieren möchte, obwohl sie es in dieser Form aufgrund weiterhin geltender Gesetze gar nicht besitzt
  • "Frauen dürfen sich nicht durch Belästigungen beleidigt fühlen, wenn andere Streamerinnen ihre Brüste zeigen" - Entkräftigung: weil die Person bestimmten Individuen ihre Rechte abspricht, sich über Sexismus zu äußern, da gänzlich andere Individuen eventuell Sexismus aktiv leben

Hilfreiche Dienste gegen Beleidigungen und Belästigungen

Falls ihr im Internet Opfer einer Beleidigung oder sexuellen Belästigung werdet, könnt ihr dies auf folgenden Seiten melden:

Das deutsche Rust-Event musste beendet werden, unter anderem wegen Sexismus:

Sexismus im Gaming: Gamerinnen, ihre Erfahrungen, ihre Wünsche

Eine Gamerin:

Ich habe erst am 10.01.2021 wieder eine sexistische Äußerung erhalten. Ich meldete ihn und er wurde Gott sei Dank gebannt.

Zitat: „massier mir den ^&*!@“

Eine Gamerin:

Ich bin mit Zocken aufgewachsen und liebe MMORPGs und Multiplayershooter. Leider sind mir in beiden Sparten mehrere Sexisten entgegen gekommen. Bei Shootern allerdings mehr, spielen wohl weniger Frauen, I don't know. Deswegen halte ich mich aus Voice meistens raus, wenn ich nicht gerade unter Freunden bin. Redet man im Voice, kommen Sprüche wie „Bist du 10 oder ne Tussi?“ Antwortet man dann, dass man eine Frau ist, kommen Sprüche, wie „Ja, merkt man. Spielst halt scheiße.“ – obwohl man sogar die beste Punktzahl hat.

Es wird gebeten, einem doch einen zu blasen. Oder man solle in die Küche gehen, wohin man hingehört. Einmal wurde mir sogar sehr bildlich beschrieben, wie man mich doch gerade ficken wollen würde, da Frau ja nur dafür taugt.

Allerdings habe ich auch in MMOs sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Ich will keine Geschenke bekommen, weil ich eine Frau bin und nehme sie deswegen auch nicht an. Schwupps, kamen Vergewaltigungswünsche und „Hoffentlich schneidet dir jemand die Titten ab!“ Gemeldet habe ich immer (egal welches Genre), aber gebracht hat es in den wenigsten Fällen etwas.

Was ich mir wünsche? Dass solche „Insider“ gelassen werden. Dass man jeden gleich und respektvoll behandelt und Sexismus in beide Richtungen einfach lässt. Ja, auch Männer bekommen ihn zu spüren. Auch das ist alles andere als okay. Aber warum darf Frau nicht darauf aufmerksam machen und wird angegangen, weil man einen „Witz“ nicht versteht?

Es ist scheißegal, was Frauen tragen und wie öffentlich sie dabei sind. Warum werden Frauen immer gefragt, was sie anhatten? Das ist KEINE Einladung, verdammt! Weiterhin wünsche ich mir, dass es wirkliche Strafen (ingame UND Reallife) gibt. Für alle, die es verharmlosen. Dann würden einige ebenfalls solche Kommentare lassen, wie zB bei euch auf Facebook. Danke, dass ihr das Thema nicht unter den Teppich kehren lasst ❤.

Eine Gamerin:

An den Kommentaren unter eurem Post sieht man ja leider noch immer deutlich, dass viele Menschen es auf die Klamotten schieben und dass die Frauen sich dann nicht wundern sollen. Als wäre es eine Einladung … Wie sollen Frauen im Sommer zB ihre Brüste verstecken? Sie/wir müssen das nicht! Ein einfaches Shirt mit V-Ausschnitt und vor allem auf Twitch geiern die Leute und hauen widerliche Sprüche raus.

Ich wünschte, dass (in diesem Fall männliche) Streamer ernsthafter auf diese Probleme aufmerksam machen und es nicht ins Lächerliche ziehen. Alleine, dass sich Montana Black wieder über dieses „auf mein Gesicht setzen“ lustig macht. Es stachelt die Follower an, dies ebenfalls zu tun. Hätte er sich zB klar gegen solche Sprüche positioniert, dann könnte er wirklich viele Menschen vielleicht erreichen. Allgemein größere Streamer, YouTuber oder Influencer könnten das.

Die Reichweite nutzen, um zu sagen: „Das ist nicht okay!“ Ich finde, dass jeder mehrere Chancen verdient hat. Das hat man auf Twitch zum Beispiel mit Tagesbans. Aber wenn die Leute nicht lernen, dann gehören sie endgültig von der jeweiligen Plattform verwiesen. Auch wünsche ich mir, dass die Betroffenen sich trauen, Belästigungen immer aufzuzeigen und rechtliche Schritte einzuleiten. Hier würde ich auch gerne auf die Seite https://dickstinction.com/ aufmerksam machen, falls man Dickpicks bekommt.

Eine Gamerin:

Ich spiele schon sehr lange Final Fantasy 14 Online und ich liebe die Community. Nur ein Vorfall hat mich wirklich schockiert. Das Ganze lief sogar darauf hinaus, dass ich jemanden anzeigen musste. Ein ehemaliger Klassenkamerad von mir war zufällig in derselben Gilde gelandet wie ich. Man hat sich ganz normal über Discord unterhalten und das seit drei Jahren. Plötzlich ließ er dann während eines Raids im Voicechannel mit allen anderen fallen, dass ich Riesentitten hätte und er die allen zeigen müsse.

Mir ist da wirklich schlecht geworden und ich bin sofort offline gegangen, habe ihn überall blockiert und noch am gleichen Abend hat er Bilder von mir beim Schwimmen in unseren Channel geschickt, die zu dem Zeitpunkt nur maximal drei Wochen alt sein konnten. Ich habe mich mit dem Kerl seit der Schule nicht mehr getroffen und kann mich auch nicht erinnern ihn an diesen Tagen gesehen zu haben. Mal ganz davon ab der mich heimlich fotografiert und die Fotos verschickt hat. Ich habe ihn danach angezeigt, aber bisher nichts davon gehört.

Für die Zukunft wünsche ich mir einfach etwas mehr Empathie und Verständnis für die Betroffenen. Nur weil es den einen nicht stört, hat niemand die Befugnis dazu, den Betroffenen das Recht abzusprechen, sich verletzt zu fühlen. Gutes Beispiel war ja unter dem Post bzgl. der Streamerin. In 99 Prozent haben dort Männer kommentiert, dass sie nicht rumheulen soll und es als Kompliment zu sehen hat. Das ist kein zeitgemäßes Verhalten mehr. Teilweise wurde der männliche Streamer, der diese Aussage traf, dafür noch in den Himmel gelobt.

Wichtig ist, dass sich dort auch an der Gesetzeslage etwas ändert. In meinem Fall konnte ich eine Anzeige wegen Stalking, Verletzung persönlicher Bildrechte und Sexueller Belästigung stellen. Problem ist aber: Bekommt man nur einmalig so einen Satz gesagt, gilt dies in der Rechtslage "nur" als Beleidigung und wird auch nicht weiter von der Polizei verfolgt, sondern aufgenommen und zu der Akte gelegt. Was jeder Einzelne machen kann, ist weiterhin sensibel auf dieses Thema aufmerksam machen. Es sind nicht nur Frauen, sondern auch mehr als genug Männer davon betroffen. Ebenso sollten wir natürlich solche Kommentare weiterhin melden oder eben entsprechende Medien auf welchen anstößiges Verhalten gezeigt wird.

Twitch kann dazu beitragen, solchen Leuten einfach keine Plattform mehr zu bieten und dementsprechend wirklich lebenslänglich zu bannen, sollte dies häufiger vorkommen. Vorteilhaft wäre da ein Hand-in-Hand-Handeln mit anderen Streamingplattformen wie Facebook, YouTube, Mixer, Instagram, TikTok und Co. Man konnte ja beobachten, wie von Twitch gebannte Streamer einfach die Plattform wechseln und weitermachen. Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt darüber zu sprechen.

Eine Gamerin:

Ich selbst spiele seit über 20 Jahren Videospiele, habe zum Glück nur eine Hand voll Belästigungen erhalten, darunter die typischen "Frauen spielen immer Heiler" oder Aufforderungen zum Sex, zum Machen eines Sandwiches und sonstigen flachen "Humor". Eine Geschichte hat sich jedoch eingebrannt und am meisten ärgere ich mich, dass ich nicht zur Polizei gegangen bin.

Es ist jetzt schon über fünf Jahre her, ich habe League of Legends gespielt, eine kurze Runde am Ende des Abends. Kurz nach Beginn der Runde fragte ein Mitspieler nach der Fähigkeit seines Charakters, er hatte ihn nie zuvor gespielt, ich jedoch viele Stunden. Schnell in die Tasten getippt, seine Frage beantwortet und ein "Hoffe das hilft" noch hinten dran gehangen. Was ich als Antwort erhielt, war ein Schwall aus Hass und wüsten Beleidigungen, wie ich es wagen könnte als Frau (mein Gamertag besteht aus weiblichen Vornamen) ihn zu kritisieren, ich hätte ihm nichts vorzuschreiben.

Sein Kollege, auch im Team entschuldigte sich für sein Verhalten "Er sei nur ein Troll, bitte nimm es nicht zu Ernst". (...) Was dann folge brannte sich so sehr ein, dass ich seit dem kaum bis gar kein LoL mehr spiele, denn irgendwie hat es einen faden Beigeschmack bekommen. Er schrieb tatsächlich "Warte nur ab du Schlampe, ich finde heraus, wo du wohnst, dann werde ich dich töten, ich werde dich finden und zu Tode vergewaltigen."

Ich blieb stehen, mein Team blieb stehen, keiner der Gegner bewegte sich. Für eine Weile tat sich nichts im Chat und dann kam ein Kommentar nach dem nächsten "Ist dir klar, was du da gerade geschrieben hast?" Selbst sein Kollege distanzierte sich in diesem Moment von ihm: "Das kannst du nicht schreiben, das geht zu weit". Der Hater verlies das Game und ich war wie angefroren. Alle restlichen Mitspieler versuchten mich aufzubauen, ein paar sagten "mach Screenshots zur Polizei", ich wollte aber nur noch das Game ausmachen.

Ich war zutiefst enttäuscht, ich hatte ihm einen netten Tipp gegeben und aufgrund meines Geschlechts eine Morddrohung erhalten. Ich meldete den Vorfall an Riot Games, doch habe nie herausgefunden, ob der Spieler auch nur ansatzweise dafür belangt wurde. Bis heute habe ich dieses Vorfall im Gedächtnis, wenn jemand dumme Kommentare vom Stapel lässt.

Eine Gamerin:

Ich habe in den letzten Tagen viel mit meinen Gaming-Freunden über diesen Skandal gesprochen. Die männlichen Personen haben die Thematik oft nicht ernst genommen oder nicht als so schlimm wahrgenommen. Die Frauen konnten aber die Aufregung verstehen und fänden das auch grenzwertig, so eine Äußerung gegenüber einer fremden Frau zu äußern. Ich selber sage oft nicht, dass ich eine Frau bin, weil ich sonst anders behandelt oder manchmal sogar direkt beleidigt werde. Aber auch solche sexuell angehauchten Aussagen wie "ja dann blas mir halt einen" oder "send nudes" sind an der Tagesordnung.

Ich sage nicht, dass Beleidigungen oder Sexismus gegenüber Männern weniger schlimm sind, aber das Sexismus-Thema kann man oftmals erst dann richtig verstehen, wenn man selbst schonmal betroffen war. Ich finde daher die Entscheidung richtig, dass aus solchen Skandalen auch Konsequenzen gezogen werden, damit die Leute auch begreifen, dass so ein Verhalten einfach nicht geht.

Das Problem liegt oft daran, dass es, gerade den Männern, nicht bewusst ist, was sexistisch ist und was nicht. Also ich würde mir daher wünschen, dass in der Richtung mehr aufgeklärt und sensibilisert wird.

Auch fände ich es gut, wenn mehr weibliche Esport-Teams oder Turniere gesponsert oder eben auch auf Twitch übertragen werden. In einer Welt, wo das Vorurteil "Frauen sind schlechter im Gaming Bereich" existiert, ist es schlichtweg schwer, sich als Frau zu behaupten. Mehr Sichtbarkeit von weiblichen Spielerinnen oder auch Mitgliedern der LGBTQ+ Community würde für mehr Sichtbarkeit sorgen und womöglich das Vorurteil ausräumen. Man hat es als Frau im Gaming-Bereich schlichtweg schwerer sich zu behaupten oder einfach Respekt zu erhalten.

Eine Gamerin:

Liebes spieletipps-Team, vielen Dank, dass ihr euch mit dem Thema Sexismus und vor allem sexistische Beleidigungen beschäftigt. Mir ist es auch bereits passiert, das ein Forumsbeitrag von mir mit "Ich würde lieber mit dir spielen" kommentiert wurde. Erstmal gar nicht beleidigend aber es geht einfach um das Prinzip, dass man nicht wirklich ernst genommen wird, als "Ding" abgetan wird. Mein Beitrag wurde davon natürlich ruiniert, obwohl ich einfach nett über VR quatschen wollte ... sehr sehr schade und verletzend.

Es schockiert mich, welche Kommentare ich unter eurem Beitrag lesen musste (die ihr ja zum Glück gelöscht habt). Dass vielen eigentlich gar nicht bewusst ist, was es für das Gegenüber bedeutet, so etwas zu lesen/hören und damit umgehen zu müssen. Das ist nicht ok oder "nunmal die Gaming-Community". Da muss viel stärker gegen vorgegegangen werden.

Eine Sache gibt es noch, die ich nicht verstehe. Als Streamer hat man doch eine gewisse Verantwortung dadurch, dass man in der Öffentlichkeit steht. Und viele Streamer verdienen doch auch ihr Geld damit. Sind diese dann nicht selbstständige Unternehmer? Wenn in einem Unternehmen, also unter - sollte man meinen - professionellen Umständen Sexuelle Belästigung stattfindet, hat das ernsthafte Konsequenzen. Warum dann nicht auch im Netz? Viele verstehen nicht, dass das Internet keine virtuelle Fantasywelt ist, in der man machen kann, was man will.

Eine Gamerin:

Welche Erfahrungen ich beim Gaming gemacht habe? Sehr stark gemischt. Von lustigen Blödeleien, woraus Freundschaften entstanden sind, bis hin zu heftigen sexuellen Belästigungen. Es ist nicht einfach als Frau respektiert zu werden, man gilt oft noch als schwaches Geschlecht mit viel Glitzer und so einen Kram. Dabei muss man Gamer als einzigartige Personen wahrnehmen. Jeder ist anders, jeder hat seine Stärken und Schwächen.

Bekommt ein Typ mit, dass ich eine Frau bin und er verliert sogar gegen mich, dann kommen heftige Sprüche von harmlosen "Geh kochen" bis hin zu "Verrecke an Krebs, du Schlampe". Ein-, zweimal am Tag kann man oft noch abschütteln. Aber nahezu in jedem Match, das fängt an zu prägen.

Manch einer kann jetzt sagen, ich soll mir eine geschützte Umgebung suchen. Mit Leuten, die ich kenne. Aber nicht jeder hat dieselben Zeiten wie ich, dieselben Interessen. Auch möchte ich mich nicht auf ein Spiel begrenzen, wo keinerlei Kommunikation stattfindet. Strategie braucht man in League of Legends, genauso wie in Aufbauspielen auch. Manches Mal, wenn man selber Fortschritte machen will, kann man nicht mal eben /mute all schreiben.

Einen gewissen Grad an Saltyness kenne ich selber ja auch, das ist ja kein Problem, muss ich so ja nicht sagen oder schreiben. Es wird erst dann zu einem, wenn man andere damit verletzt. Geschieht das einem zu oft, kann das nachhaltig schädigen. Schade, dass es so abnormal viele gibt, die so sein müssen. Lieben Dank für euer Interesse, ich bin gespannt auf den Artikel von euch dazu.

Auch Twitch möchte an einer besseren Zukunft mitwirken

Wir haben Twitch um ein Statement zum Sexismus im Gaming und auf ihrer Plattform gebeten. Ein Sprecher des Unternehmens antwortete wie folgt:

  • Wie geht Twitch mit sexistischen Vorfällen auf seiner Plattform um? Wie möchte Twitch zukünftig mit Sexismus auf seiner Plattform umgehen?

Twitch hat eine Null-Toleranz-Politik für sexistische Vorfälle auf unserem Service. Alle potenziellen Verstöße gegen unsere Regeln und Richtlinien - wie etwa sexistische Vorfälle - werden von einem Moderator überprüft. Wird ein Vorfall als Verstoß gegen unsere Bedingungen oder Richtlinien identifiziert, ergreifen wir Maßnahmen, die der Schwere des Vorfalls entsprechen. Das kann ein Strike, eine temporäre Suspendierung von unterschiedlicher Dauer oder auch eine permanente Sperre sein. Maßnahmen können sich auch addieren und wenn es erforderlich ist, melden wir einen Vorfall auch an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden der jeweiligen Länder.

Dies ist einer unserer wichtigsten Bereiche, in den wir investieren. Im Rahmen unserer kontinuierlichen Arbeit, Twitch für alle sicherer zu machen, haben wir kürzlich unsere Richtlinie zu hasserfülltem Verhalten und Belästigung aktualisiert. Sexuelle Belästigung war auf Twitch schon immer verboten, aber diese Überarbeitung geht noch weiter, indem sie sexuelle Belästigung in eine eigene Kategorie trennt und eine viel geringere Toleranz für objektivierendes oder belästigendes Verhalten vorsieht. Vor kurzem haben wir den Twitch-Sicherheitsbeirat gegründet, um über Entscheidungen bei Twitch in Bezug auf Richtlinien, Produkte, Schutz und Identifizierung zu informieren und diese zu prüfen.

Zusätzlich haben wir die Größe unseres Sicherheitsteams im letzten Jahr verdoppelt. Nun können wir Berichte viel schneller bearbeiten und haben neue Tools für Moderatoren (Moderatoren-Chatprotokolle) und Zuschauer zur Kontrolle ihrer Erfahrungen (Chatfilter) hinzugefügt. Außerdem haben wir einen neuen Global VP of Trust & Safety eingesetzt.

Wir wollen sicherstellen, dass Twitch auch in Zukunft ein für alle zugänglicher, unterhaltsamer und interaktiver digitaler Raum bleibt - dafür investieren wir viel Zeit und Ressourcen.

  • Was kann jeder einzelne Zuschauer und Streamer tun, um den Sexismus im Gaming zu stoppen?

Wenn jemand etwas sieht oder mitbekommt, sollte er/sie es bitte melden. Wenn wir eine Meldung erhalten, die darauf hindeutet, dass eine Person das Ziel von Belästigungen zu sein scheint oder ein Nutzer Belästigungen verübt, können und werden wir Maßnahmen ergreifen.

Wir ermutigen auch alle, sich mit unseren Richtlinien vertraut zu machen, damit sie diese auch wirklich verstehen. Auf diese Weise können sie sich auf Twitch auf positive und angemessene Weise verhalten“, so der Twitch-Sprecher.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden und wünschen uns, dass jeder einzelne Gamer daran teilnehmen möchte, den Gaming-Bereich zu einem Raum zu gestalten, in dem sich jede Person wohlfühlt, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Nationalität, ihrer Hautfarbe, ihres Alters, ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung und ihrer körperlichen Versehrtheit.

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