Liebe Entwickler: Es kommt echt nicht auf die Länge an (Kolumne)

von Nathan Navrotzki (Samstag, 20.02.2021 - 10:00 Uhr)

Manchmal ist weniger einfach mehr - auch bei Videospielen. Bildquelle: Getty Images / AaronAmatManchmal ist weniger einfach mehr - auch bei Videospielen. Bildquelle: Getty Images / AaronAmat

Wann ist ein Spiel sein Geld wert? Diese Frage kann in Gaming-Communities wie Zündstoff wirken und hitzige Diskussionen entfachen – oft wird dabei das Kriterium des Spielumfangs genannt. Meiner Meinung nach ist die Frage nach der Spiellänge jedoch komplett irrelevant – Warum ich das meine, erfahrt ihr hier.

Nerviger Trend: Videospiele dauern immer länger

Bei der Frage danach ob ein Spiel sein Geld wert ist, beziehen sich Gamer oft auf den Umfang des Spiels: Wie viel gibt es zu entdecken, gibt es genügend Sidequests um damit ein eigenständiges Spiel zu füllen? Braucht die Hauptstory lang genug, um für ein paar Wochen alle anderen Hobbies sowie soziale Kontakte an den Nagel zu hängen? Ihr merkt schon auf welcher Seite der Diskussion ich stehe – als JRPG-Fan und „Open World“-Erkunder muss ich zugeben: Viele Spiele werden unnötig in die Länge gezogen.

Ein kurzer Blick auf HowLongToBeat reicht auch schon aus, um zu zeigen, dass dieser Trend vor allem bei AAA-Games Bestand hat. Hier seht ein paar Spiele aus dem vergangenen Jahr, die sich enorm viel Zeit dabei lassen ihre Geschichte zu erzählen:

  • Assassin’s Creed: Valhalla – 53 Stunden
  • Animal Crossing: New Horizons – 60 Stunden
  • Crusader Kings 3 – 76 Stunden
  • Persona 5 Royal – 103 Stunden

Und das sind nur die Zeiten für die Main-Stories – mit Sidequests oder einfach dem Erkunden der Spielwelten könnt ihr da nochmal einige Stunden mehr raufpacken.

Wenn ein heiß erwartetes Game dann aber nur 20 Stunden Hauptstory zu bieten hat, ist das Geschrei oft groß. Ein Paradebeispiel dafür wäre Cyberpunk 2077 – an dem Titel gibt es so Einiges zu kritisieren und trotzdem mussten sich Spieler in der Debatte unbedingt auf die „Kürze“ des Spiels versteifen, wie ein Reddit-Post aus Dezember zeigt. Da geht meiner Meinung nach der Blick für das Wichtige verloren: Sollten wir nicht eher auf die Qualität eines Spiels achten?

Final Fantasy 7 Remake: Es war schön, bis ich ungeduldig wurde

In den meisten Fällen lässt sich der Kritikpunkt „zu kurz“ nur schwer rechtfertigen. Die Spieldauer sagt wirklich wenig über die Qualität eines Spiels aus, wenn man sich nur mal ansieht wie viele gute Indie-Spiele es gibt, die lediglich fünf Stunden eurer Zeit in Anspruch nehmen und dabei eine in sich schlüssige wie mitreißende Geschichte erzählen können. Schöne Beispiele hierfür wären What Remains of Edith Finch, Journey oder auch A Short Hike.

Ein weiteres Beispiel für ein fantastisches, kurzes Spiel ist Undertale. Hier könnt ihr es euch im PlayStation Store ansehen:

Auf der anderen Seite haben wir AAA-Games, die sich ziehen wie sechs Tage alter Kaugummi. Teilweise machen unnütze Nebenaufgaben und künstlich gestreckte Spielpassagen hervorragende Spiele sogar schlechter. Beispiel: Final Fantasy 7 Remake.

Ich würde es nach wie vor als mein persönliches Lieblingsspiel des vergangenen Jahres bezeichnen – aber es hat meine Geduld gegen Ende auch ordentlich auf die Probe gestellt. Ab Stunde 35 dachte ich ständig: „So. Das ist jetzt das Finale.“, wenn ich mal wieder einen furchteinflößenden Gegner besiegt hatte. Aber es nahm einfach kein Ende. Eine epische, vermeintliche Schluss-Szene folgte der nächsten. Dass ich die End-Credits dann erst nach knapp 50 Stunden zu Gesicht bekam, hat mich da schon ein wenig genervt.

Entwickler müssen manchmal den Mut haben ihrer Story einen klaren Cut zu geben. Dieser würde zwar dazu beitragen, dass das Game im Endeffekt kürzer ist – aber im Allgemeinen sorgt es auch für ein besseres Spielgefühl. Anstatt Inhalte gänzlich zu streichen, könnten diese ja stattdessen auch als zusätzliche, freiwillige Quests ins Spiel eingebracht werden.

Wie viele Stunden sollte ein Game also mindestens bieten?

Trotzdem hat die Frage nach der Spieldauer natürlich ihre Daseinsberechtigung: Niemand will 70 Euro für ein drei Stunden langes Spiel zahlen. Für mich persönlich kann ich festhalten, dass ich schon öfter an die 20 Euro für ein fünf Stunden langes Spiel ausgegeben habe und damit vollkommen zufrieden war, wenn es sich dann als kleines Meisterwerk oder einfach nur als ein verdammt spaßiger Zeitvertreib herausstellte. Das würde ich auch ungefähr als meine Schmerzgrenze bezeichnen: wird teurer, warte ich lieber auf den nächsten Sale.

Anhand dieser Zahlen habe ich mir mal aus Jux ausgerechnet, wie lang für mich ein „70 Euro“-Titel mindestens sein müsste, um seinen Vollpreis zu rechtfertigen. Wenn mich meine Dreisatz-Kenntnisse nicht täuschen, liegen wir da bei 17 ½ Stunden. Und ganz ehrlich? Wenn die Story einfach gut erzählt wird und mich an die Konsole fesselt, dann sind diese 17 ½ Stunden vollkommen in Ordnung. Hauptsache der Inhalt stimmt.

Spiele müssen nicht lang sein um gute Spiele zu sein. Vielleicht bin ich da mit meiner Meinung aber auch allein – so als halb ausgebrannter JRPG-Fan, der die vergangenen Jahre vor allem Games mit mindestens 50 Stunden Hauptstory gezockt hat. Was ist eure Meinung zum Thema? Seht ihr es ähnlich oder möchtet ihr für euer Geld auch einen gewissen Spielumfang bekommen? Schreibt es uns gern in die Kommentare auf Facebook.

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