Test Returnal: Zwischen Motivation und Frustration

von Manuel Karner (Donnerstag, 29.04.2021 - 14:00 Uhr)

Die bislang recht überschaubare Liste an Exklusivspielen für die PlayStation 5 wird endlich erweitert und zwar mit einer neuen IP. Housemarque kehrt seiner Tätigkeit als Indie-Entwickler damit den Rücken und versucht sich mit Returnal an etwas richtig Großem. Ob die Rechnung aufgeht oder ob sich der Entwickler zu viel vorgenommen hat, erfahrt ihr in unserem Test.

Returnal erscheint am 30. April 2021 exklusiv für PlayStation 5. Returnal erscheint am 30. April 2021 exklusiv für PlayStation 5.

Überblick zu Returnal
• Spieldauer: ca. 20 bis 25 Stunden für die Hauptstory
• Plattformen: PS5
• Release: 30. April 2021
• Multiplayer: Nein
• Online-Funktionen: Ja

Stellt euch vor, ihr nehmt Ridley Scotts „Alien“, vermischt es mit Housemarques Arcade-Shooter Nex Machina und gebt eine kleine Prise H.P. Lovecraft hinzu. So oder so ähnlich muss die Formel für den „Third Person“-Shooter Returnal ausgesehen haben, denn neben mysteriösen Alien-Technologien und jeder Menge Effektgewitter stehen auch noch schwebende Tentakelmonster an der Tagesordnung. Doch fangen wir bei der Story an:

Astronautin Selene stürzt mit ihrem Raumschiff auf einem fremden Planeten ab. Ein wenig angeschlagen, aber im Grunde unverletzt, macht sie sich mit der fremdartigen Flora und Fauna vertraut, als sie eine höchst beunruhigende Entdeckung macht: Ihre eigene Leiche. Wenn Selene stirbt, erwacht sie in unmittelbarer Nähe des Absturzbereichs wieder zum Leben. Damit wird ein tragendes Roguelike-Element direkt in die Story mitaufgenommen. Spannend!

Erforschung schafft Spielreiz

Generell werden in den ersten Spielstunden von Returnal viele Fragezeichen vor eurem geistigen Auge erscheinen. Artefakte, Ressourcen, Ausrüstung und sogar Parasiten warten vor dem erstmaligen Gebrauch darauf, von euch gescannt zu werden, und selbst danach ist ihre Funktion nicht immer sofort klar. Zudem sind viele Items mit spielerischen Vor- und Nachteilen versehen.

Beispielsweise verschafft euch ein Gegenstand Heilung, sein Einsatz führt jedoch zu einer Fehlfunktion eures Anzugs, womit tiefe Stürze plötzlich Schaden verursachen. Derlei Handicaps könnt ihr wieder loswerden, indem ihr kleine Aufgaben erfüllt, wie einen Behälter zu öffnen. Das ergibt im Grunde zwar keinen Sinn, sorgt aber dafür, dass ihr stets abwägen müsst, ob ihr das Item verwenden wollt oder nicht. Und das macht neben der Erforschung der Spielwelt den größten Reiz von Returnal aus. Was befindet sich hinter der nächsten Tür? Welche Schätze erwarten euch in der nächsten Kammer? Den Entwicklern gelingt es hier unsere Neugier zu entfachen und dieses „Nur noch ein Areal“-Gefühl zu wecken.

In Returnal könnt ihr immer nur eine Waffe auf einmal tragen.In Returnal könnt ihr immer nur eine Waffe auf einmal tragen.

Um euren Entdeckerdrang aufrecht zu erhalten, variieren die Areale und Item-Fundorte, die sich euch nach und nach in einem Biom erschließen, mit jedem Spielertod. Damit einhergehend verliert ihr aber auch (fast) alles, was ihr bis zu eurem Ableben gesammelt habt – typisch Roguelike eben. Was zunächst frustrierend erscheinen mag, kann sich ganz im Gegenteil auch motivierend auswirken. Andere Roguelikes, wie Hades oder Dead Cells, haben es gekonnt unter Beweis gestellt. Returnal hingegen schafft es nicht immer, die Motivation über die Frustration Herr werden zu lassen. Aber kommen wir zunächst zum elementaren Spielprinzip: Den Ballereien.

Ballereien an der Schmerzgrenze

Dem Arcade-Stil angemessen kann die Protagonistin in ihrem Raumanzug relativ schnell laufen und einen Dash ausführen, der euch unzählige Male das virtuelle Leben retten wird. Eure Gegner zögern nämlich zu keinem Zeitpunkt damit, euch das Leben zur Hölle zu machen. Energiekugeln aller Farben und Größen fliegen euch in den schlimmsten Fällen in unzählbarem Ausmaß um die Ohren, riesige Monster schnellen in Spitzengeschwindigkeit auf euch zu, um euch ungespitzt in den Boden zu rammen und selbst die Umgebung wartet hin und wieder mit Fallen oder Schluchten auf, in die ihr hineintreten oder stürzen könntet.

Ein Zyklus, sie zu knechten:

Das Gunplay funktioniert indes hervorragend und macht durch die unterschiedlichen Waffentypen vor allem eines: Spaß. Keine Waffe gleicht der anderen und durch ihre Nutzung gewinnen sie sogar an unterschiedlichen Funktionen hinzu, was der Abwechslung zugute kommt.

Wie schwierig ein Gefecht ausfällt, hängt hingegen ganz vom Zufall ab. Zwar steigt der Schwierigkeitsgrad mit jedem der insgesamt sechs Biome tendenziell weiter an, wie groß die Viel- und Anzahl eurer Gegner im möglicherweise nur einen Katzensprung entfernten Areal aber sein wird, bleibt solange ungewiss, bis ihr es betretet. Und da liegt im Grunde die größte Schwäche von Returnal. So kann es euch zweifellos passieren, dass ihr es plötzlich mit einer verhältnismäßig viel zu starken Gegnerhorde aufnehmen müsst. Hin und wieder geht dabei auch noch die Übersicht flöten und ihr führt einen nahezu aussichtlosen Kampf. Tja, dann viel Glück beim nächsten Durchgang!

Jede Energiekugel kann den potentiellen Todesstoß bedeuten.Jede Energiekugel kann den potentiellen Todesstoß bedeuten.

Besonders ärgerlich ist das, wenn ihr dadurch eine Stunde oder mehr an Fortschritt einbüßt. In den nächsten Durchgang nehmt ihr abseits von gefundenen Anzugserweiterungen, die euch lediglich Zugang zu kleinen Bereichen innerhalb der Areale verschaffen, nichts mit und ihr müsst wieder ganz von vorne anfangen. Glücklicherweise gibt es eine Ausnahme: Besiegt ihr den Boss am Ende eines Bioms, müsst ihr ihm nicht nochmal den Garaus machen. Und das ist auch gut so, denn was euch bei den Bosskämpfen alles um die Ohren fliegt, wirkt inszenatorisch zwar eindrucksvoll, stellt eure Skills aber zugleich ungemein auf die Probe.

Generell kann das, was euch bei den turbulenten Gefechten auf den Bildschirm gezaubert wird, getrost als beeindruckend bezeichnet werden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass hier 4K-Auflösung und zur meisten Zeit stabile 60 FPS abgeliefert werden. Nur ein einziges Mal wurde die Framerate in unserem Spieldurchgang deutlich in die Knie gezwungen. Und das ausgerechnet in einem Areal ganz ohne Gegner. Hier könnte der „Day One“-Patch noch Abhilfe schaffen. Nicht minder beeindruckend sind die Ladezeiten. Es gibt nämlich keine! Weder beim Start des Spiels, noch zwischen den Biomen werdet ihr auch nur einen Ladebalken zu Gesicht bekommen.

Haptisches Feedback und Online-Funktionen

Daneben dürft ihr euch auf eine gelungene Einbindung des DualSense-Controllers im Hinblick auf das haptische Feedback freuen. Egal ob Regentropfen, der Schub eures Raumanzugs, das Einsammeln von Items oder das Abfeuern eurer Waffe: Die Motoren des Controllers vibrieren entsprechend und sorgen damit für zusätzliche Immersion. Außerdem wird der Widerstand der linken Schultertaste für das Umschalten zwischen der Zielfunktion und dem alternativen Feuermodus genutzt – es könnte ein wenig dauern, bis euch dieses Feature in Fleisch und Blut übergeht.

Abschließend wollen wir noch kurz auf die Online-Funktionen zu sprechen kommen: Zwar gibt es keinen Multiplayer, aber ihr werdet immer wieder Mal auf eine von Selenes Leichen stoßen. Dabei handelt es sich um andere Spieler, die im Kampf gefallen sind und die ihr rächen könnt. Seid ihr erfolgreich, erwartet euch hinterher eine kleine Belohnung. Im Raumschiff hingegen findet ihr ein Computer-Terminal, an dem ihr optionale Herausforderungen bestreiten könnt. Hier könnt ihr unter festgelegten Voraussetzungen in den Kampf ziehen und dürft euch an der Weltrangliste nach oben kämpfen. Das alles ist eine nette Dreingabe, mehr aber auch nicht.

Bewertung von Manuel Karner

Returnal sorgte für eine Achterbahnfahrt meiner Gefühle. Während mich der geheimnisvolle Planet, mitsamt seinen skurrilen Alien-Technologien und mysteriösen Objekten in den Bann ziehen konnte und auch die tragenden Gameplay-Elemente gut geglückt sind, schwankt auf der anderen Seite der Schwierigkeitsgrad einfach zu sehr, um eine völlig uneingeschränkte Empfehlung abgeben zu können.

In den besten Momenten brilliert das Roguelike durch die Charakterentwicklung innerhalb eines Durchgangs. Ich schalte immer stärkere Waffen frei, finde tolle Artefakte, die meinem Charakter Vorteile verschaffen und fühle mich unschlagbar, wenn ich hunderten von Energiekugeln durch geschicktes Ausweichen entkomme und das Areal von allen Gegnern säubere.

Umso schmerzhafter ist es aber, wenn meine Skills kaum noch eine Rolle spielen, weil ich durch all die herumschwirrenden Gefahren meine Gegner aus den Augen verliere und völlig unerwartet über den Jordan geschickt werde. Das wäre nur halb so schlimm, wenn ich gestärkt aus dem gescheiterten Versuch hervorgehen würde. Ist schnelle „Science Fiction“-Action euer Ding und eure Frustresistenz hoch, solltet ihr Returnal aber auf jeden Fall eine Chance geben.

82

spieletipps meint: Entdeckerdrang und solides Gunplay treffen auf schwankenden Schwierigkeitsgrad.

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