Red Dead Redemption 2

Kolumne: Bitte Rockstar, lass Red Dead Online nicht sterben!

von Johannes Repp (Samstag, 15.05.2021 - 08:00 Uhr)

Red Dead Online mangelt es trotz seiner Faszination an Inhalten – mit der Zeit wird das Spiel langweilig. Wo bleibt da die Langzeitmotivation?
Red Dead Online mangelt es trotz seiner Faszination an Inhalten – mit der Zeit wird das Spiel langweilig. Wo bleibt da die Langzeitmotivation?

Der wilde Westen, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1899. Dies sind die Abenteuer des spieletipps-Redakteurs Johannes, der mit seinem treuen Ross unterwegs ist, um Schnaps zu brennen, zu jagen und Kopfgelder zu kassieren. Viele Spielstunden später wirft er einen Blick in seinen Taschenkatalog und muss feststellen, dass es nichts Gescheites mehr zu kaufen gibt.

Rockstar, wir müssen (schon wieder) reden!

Erst vor ein paar Tagen habe ich mich darüber beschwert, dass GTA 5 nach acht Jahren und Veröffentlichungen für drei Konsolengenerationen im Singleplayer-Modus auch ein bisschen Online-Content verkraften könnte. Das Hauptproblem: Mit Franklin, Trevor und Michael sitze ich auf einem riesigen Haufen GTA-Dollar, die ich nicht auszugeben weiß. Dieses Problem beschränkt sich allerdings nicht nur auf GTA 5.

Nein – auch Red Dead Online ist betroffen. Und das wurmt mich. Ich liebe Red Dead Online. Fast 120 Stunden habe ich schon in der weiten Prärie von New Austin, den dichten Wäldern von Ambarino und den belebten Straßen von Saint Denis zugebracht. Und ich muss sagen: es ist verdammt beeindruckend.

Ja, aufgrund der immer noch vorherrschenden Grafikkartenknappheit sitze ich ersatzweise auf einer klapprigen GTX-960-Grafikkarte, die das Spiel nur in beleidigend schlechter Grafik darzustellen vermag (please help!). Und trotzdem hat es Red Dead Online geschafft, mich umgerechnet fast 5 volle Tage in seinen Bann zu ziehen. Aber leider ist die schlechte Grafikleistung meines PCs gar nicht der größte Spaßkiller für Red Dead Online.

120 Spielstunden in Red Dead Online – und jetzt?

Nach der verhältnismäßig kurzen Spielzeit habe ich alles erreicht, was ich erreichen wollte. Mein Western-Alter-Ego besitzt ein luxuriöses Lager samt Hund und Handelsposten, eine voll ausgestattete Schwarzbrennerei mit pompöser Bar im Erdgeschoss und eine Kopfgeldjägerlizenz. Mein Stall ist vollgestellt mit Rössern feinster Güte und mein privates Waffenarsenal würde einige Warlords vor Neid erblassen lassen.

Aber was nun? Wofür soll ich mein Geld als nächstes ausgeben? Meine Waffen sehen so aus, wie sie aussehen sollen, meine Pferde sind geschniegelt und gestrigelt und ich besitze ein Outfit für jede Jahreszeit und Klimazone. Ich könnte weiter als Schwarzbrenner, Kopfgeldjäger, Sammler oder Händler Geld scheffeln – aber was soll das bringen? (Nein, die ermüdende Arbeit als Naturkundler ist KEINE Option!)

Die wenigen Story-Missionen, die der Online-Modus zu bieten hat, waren ebenfalls schnell abgefrühstückt. Auch die regelmäßige Schatzsuche lohnt sich fast nicht mehr. Mit einer Karotte vor der Nase war Red Dead Online noch ein Grind, der unglaublich viel Spaß gemacht hat. Jetzt fehlen diese Ziele, die mich antreiben.

Dabei scheint Rockstar sein Western-Projekt etwas stiefmütterlich zu behandeln. Die PC-Version weist hier und da immer noch grobe Schnitzer auf, die ausgebügelt werden müssten. Und wenn nicht einmal das klappt – warum sollte man da auf neuen Content hoffen? Dabei ist es genau das, was mir in Red Dead Online aktuell fehlt: Content.

Mehr Missionen, mehr Items zum Kauf und mehr Berufe, denen ich nachgehen kann. Und dabei rede ich nicht vom fast lieblos hingerotzten Outlaw-Pass #5, der nicht nur für mich eine absolute Enttäuschung darstellt. Viele der dabei zu ergatternden Items sind entweder nicht lohnenswert oder einfach nur hässlich. Wenigstens kann man sich das bezahlte Gold nach und nach zurück verdienen.

Rockstar: Bei GTA übertrieben – bei Red Dead zu vorsichtig?

Ich kann verstehen, dass Rockstar bei Red Dead Online vielleicht ein bisschen vorsichtiger mit neuen Inhalten ist, als bei GTA Online. Dank der ganzen Raketen-Motorräder und Kriegsmaschinen ist Los Santos nicht mehr derselbe Ort, der es einst im Jahr 2013 war. Und bei Red Dead Redemption ist eine immersive Spielwelt deutlich wichtiger für das Spielgefühl, als in GTA.

Aber es gäbe noch einige Möglichkeiten, die ich mir in einem Western-Szenario gut vorstellen könnte. Bahnunternehmer, Plantagenbesitzer oder Holzbaron – all diese Jobs würden ebenfalls zum Setting des Spiels passen. Und wenn man immer nur die rechte Hand eines Moguls in einem der genannten Bereiche ist – mir egal! Gebt. Mir. Mehr. ARBEIT!

Auch die Möglichkeiten, Geld auszugeben sind relativ schnell erschöpft. Ich brauche nicht alle Pferderassen, wenn ich bereits für jeden Zweck einen eigenen Gaul besitze. Lasst mich doch lieber noch ein paar Karren kaufen, vor die ich meine behuften Genossen spannen kann! Auch ein Paar Boote, ein Haus oder ein geheimes Höhlen-Versteck wären eine tolle Abwechslung.

Und ja ich weiß – das ist Meckern auf hohem Niveau. Aber Red Dead Online ist ein zu schönes Spiel, um es einfach mangels neuer Inhalte sterben zu lassen. Schließlich wäre das nicht nur in meinem Interesse.

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