Die Sims 4

Die Sims: Das allerbeste Spiel kennt keiner (Kolumne) (Kolumne)

von Nathan Navrotzki (Donnerstag, 17.06.2021 - 17:16 Uhr)

Das beste Sims-Spiel ist ein kleiner Geheimtipp. (Bildquellen: Getty Images / Deagreez, YouTube / Simlish Television)
Das beste Sims-Spiel ist ein kleiner Geheimtipp. (Bildquellen: Getty Images / Deagreez, YouTube / Simlish Television)

Immer wenn ich Leuten von meinem Lieblingsspiel der „Die Sims“-Reihe erzähle, stoße ich auf Unwissenheit – kaum jemand kennt es. Dabei hat es so vieles richtig gemacht, was die Reihe heute nicht mehr so gut auf die Kette kriegt.

Die Sims waren schon mal cooler

Es ist Sommer im Jahr 2006 – mein 10-jähriges Ich liegt gelangweilt im Bett und schmeißt seinen Nintendo DS an um ein neues Spiel auszuprobieren. „Die Urbz: Sims in the City. Ist zwar kein Sims 2, aber mal schauen.“ grummelt es in sich hinein bevor das Intro zum Spiel beginnt. Begrüßt von einer Intro-Musik, die wie eine Billo-Version vom „GTA San Andreas“-Thema klingt, verstärkt sich der skeptische Eindruck einerseits und weckt andererseits aber auch Neugierde: „Das soll doch ein Sims-Spiel sein – oder nicht?“.

Das ist der Song von GTA San Andreas für Kleinkriminelle:

Urbz wirkt als Spin-Off eher wie eine Parallelwelt zur restlichen Reihe: Statt in ein schönes Haus im Vorort, zieht ihr in die Stadt, wo ihr auf euch allein gestellt seid und irgendwie Fuß fassen müsst – Ein mutiger Versuch der Entwickler mal etwas Neues auszuprobieren.

Alles sollte ein bisschen „cooler“ wirken um ein jüngeres Publikum anzuziehen. Um auch PlayStation-Spieler abzuholen, wurde sogar ein gleichnamiges Game für die PlayStation 2 produziert – hierbei handelt es sich jedoch um ein komplett anderes Spiel. Das tausend Mal bessere Spiel von beiden wurde ursprünglich für den GameBoy Advance entwickelt und bekam 2004 dann eine Portierung für den Nintendo DS.

Was ist so besonders an Urbz?

Im Gegensatz zu den PC-Spielen gibt es bei „Die Urbz“ eine allem übergeordnete Story, in der es um nichts Geringeres geht als die Stadt vor dem Kapitalismus zu retten – kein Scherz, die Story wird teilweise ziemlich absurd. Aber auf eine gute Art! Spätestens wenn ihr einen Hinterwäldler von seinem Vampirismus heilen sollt, ihr gegen den Teufel in einem Fiedel-Match antretet oder Dinosaurier und Einhörner zum Leben erweckt, wird euch bewusst wie abgedreht dieses Spiel wirklich ist.

Hier ein kurzer Trailer zur Veranschaulichung:

Um in der Story voranzukommen, müsst ihr Quests abschließen und euch mit den Bewohnern der Stadt vertraut machen. Letzteres bedarf ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Denn um euch mit den NPCs anzufreunden, müsst ihr euch merken, worüber sie in Konversationen gerne reden. Die kleinen Dialogboxen währenddessen verraten euch mehr über die Charaktere, die teilweise echt witzig geschrieben sind. Die Figuren fühlen sich dadurch individueller und greifbarer an als zufällige Sims der Hauptreihe, bei denen ihr Umarmungen und Komplimente spammen könnt ohne etwas über sie zu lernen.

Ein kurzes Persönlichkeitsquiz ordnet euch bei der Charaktererstellung eurer sozialen Clique zu: Seid ihr ein kreativer Kopf, ein Nerd, ein Snob oder einfach nur cool? Je nach Ergebnis stehen euch teilweise verschiedene Side-Quests zur Verfügung und ihr habt gewisse Vor - und Nachteile im Spiel.

Bildquelle: Pillowfort / Metanoia
Bildquelle: Pillowfort / Metanoia

Beibehalten wurde jedoch die Bedürfnis-Mechanik der Hauptreihe. Ihr müsst deswegen stets darauf achten gut ausgeschlafen und gesättigt genug zu sein, sonst könnt ihr euren anderen Aufgaben nicht nachgehen. Das hemmt zugegebenermaßen oft den Spielfluss, ist aber auch kein Beinbruch.

Heruntergebrochen lässt sich „Die Urbz: Sims in the City“ also als ein Sims mit Story bezeichnen. Nur kommen hier noch kleinere Rätsel, Minispiele, Skill-Upgrades, echte Dialoge und mehr hinzu.

Alles eine Frage der Nostalgie?

Dass ich dieses Spiel zum ersten Mal durchgehauen habe, ist nun schon über zehn Jahre her. Da stellt sich zurecht die Frage: Taugt das Spiel wirklich etwas oder sitzt die rosarote Brille einfach besonders fest? Auf diese Frage gibt es eine klare Antwort: Ja. Zu beidem.

Alle paar Jahre krame ich meinen eingestaubten DS aus um erneut übers Wochenende die Großstadt von Miniopolis zu retten. Und bisher hatte ich jedes Mal Spaß dabei. Die genannten Stärken des Spiels bleiben auch nach 16 Jahren noch bestehen – so objektiv ich das eben einschätzen kann.

Denn so losgelöst von allen Emotionen ich auch versuche das Spiel zu bewerten, so kann ich mich natürlich nicht gänzlich von der Nostalgie, die ich mit dem Spiel verbinde, frei machen. Das ändert aber trotzdem nichts daran, dass „Die Urbz: Sims in the City“ in einigen Punkten Vieles richtig macht, wovon sich die Hauptreihe heute mal eine Scheibe abschneiden sollte.

Bildquelle: Gamecomplaintdepartment
Bildquelle: Gamecomplaintdepartment

Warum sind Urbz besser als Sims?

„Die Sims“ zu spielen bedeutet für die meisten komplette Freiheit und vor allem Kontrolle zu haben: Ihr könnt euch ein luxuriöses Haus zu bauen, eine Familie gründen, eurem Traumjob nachgehen und allgemein einfach machen wonach euch der Sinn steht. Von alledem ist „Die Urbz: Sims in the City“ mit seiner linearen Story so weit entfernt wie EA von einer fairen Preispolitik – zumindest sehe ich das so. Doch trotz der Unterschiede lohnt sich ein Vergleich der Spiele, denn das edgy wirkende Urbz hatte so viel Charme und besondere Eigenschaften, die der Reihe heutzutage fehlen.

Für Die Sims 4 erscheinen des Öfteren Gameplay-Packs, wie zu Letzt das „Star Wars“-Abenteuer „Journey To Batuu“. Die zeigen ganz klar, dass die Entwickler weiterhin Lust auf Story basierte Spielelemente haben – die kurzen Ausflüge in andere Welten sind nur leider in sehr kurzer Zeit durchgespielt und bieten für knapp 20 Euro pro DLC nur wenig interessante Neuerungen im Gameplay. Auch dass es zu einem früheren Zeitpunkt so etwas wie Dialoge und Charaktere im Franchise gab, sorgt beim Blick auf das aktuelle Angebot für einen faden Beigeschmack: es wäre so viel mehr Innovation möglich.

Ob in Form eines DLC oder eines gänzlich neuen Titels wie Die Urbz, ein wenig mehr Mut in Sachen Neuerungen könnte der Reihe guttun. Da sich „Die Sims 4“-DLCs jedoch trotz aller Kritik weiterhin gut verkaufen, wäre ein solches Projekt für EA ein Sprung ins kalte Wasser, der finanziell gesehen vermutlich zu riskant wäre.

Dass sich Spin-Offs wie „Die Urbz“ nicht im Mainstream durchgesetzt haben, ist immerhin auch daran zu erkennen, dass kaum jemand von Die Urbz weiß – und das obwohl es, für mich zumindest, das beste Sims-Spiel ist, das es bisher gibt. Noch heute, 16 Jahre nach Release, kann ich es daher allen Fans von Die Sims, die noch einen DS bei sich herumliegen haben, nur wärmstens empfehlen.

Eine Mischung aus Sims-Spiel und Adventure für den DS fällt seit Jahren unter den Radar der Spielerschaft, obwohl es mit interessanten Charakteren und einer lebendigen Welt vieles richtig macht, was sich Die Sims nicht mehr traut.

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