Videospielkultur

Queer Gaming: Was das ist und wieso das wichtig ist - Seite 2 (Special)

Die Anfänge queerer Charaktere

In den ersten Videospielen kamen queere Charaktere eigentlich gar nicht vor. Es gab höchstens verschämte Andeutungen. Oder aber es wurden Stereotype bedient. Wie etwa im 1994 erschienenen Streets of Rage 3, wo Ash den typischen effeminierten Schwulen spielt, der auch lange Zeit das Medium Film bestimmt hat.

(Quelle: Youtube, Jc Dizon)

  • Warum das Verbreiten dieser Stereotypen schädlich ist und noch heute ein großes Problem darstellt, erfahrt ihr hier in unserem Special zum Thema.

In Chrono Trigger trat 1995 wiederum ein anderer Stereotyp auf: Der queere Bösewicht, und zwar in Gestalt von Flea. In diesem Bild kommt das "Andere" der Homosexualität und Geschlechtsambiguität zusammen mit dem "Anderen" des Bösen. Eine Möglichkeit, um einen Bösewicht noch sonderbarer, unberechenbarer zu machen. Auf ähnliche Weise werden Gegner in Videospielen auch gerne in die Nähe von psychischen Krankheiten gerückt. Eine adäquate Darstellung ist das jedoch selten.

Und seitdem?

Nun, seitdem ist schon ziemlich viel passiert. Inzwischen gibt es jede Menge Spiele, in denen ihr nicht nur das Geschlecht frei wählen könnt. Wie etwa in Dragon Age - Inquisition, der "Mass Effect"-Reihe oder The Elder Scrolls 5 - Skyrim. Auch bieten viele dieser Spiele die Möglichkeit, sowohl mit Männern als auch Frauen Beziehungen einzugehen. So könnt ihr in Mass Effect - Andromeda etwa so elaboriert wie nie zuvor Beziehungen zu allen Geschlechtern und Spezien eingehen - total queer!

Ein wenig anders sieht es jedoch aus, wenn ihr nur die Spiele betrachtet, in denen queere Charaktere fest eingeschrieben sind. Denn von diesen gibt es nach wie vor noch nur wenige. Gone Home etwa ist ein Beispiel für ein solches Spiel. Oder aber Life is Strange - Before the Storm. In diesen Spielen erlebt ihr als festes erzählerisches Element das Leben von queeren Personen. Ihre Geschichten und Schicksale werden für euch erspielbar. Auch in vielen Indie-Spielen werden neue Wege des Erzählens und der Identifikation erprobt. So entwickelt etwa Robert Yang queere Spiele. In The Tearoom etwa könnt ihr die Geschichte des schwulen Cruisings an Raststätten nachspielen. Aber Achtung! Kommt die Polizei, habt ihr verloren. Denn dann werdet ihr festgenommen, lange Zeit waren öffentliche homosexuelle Beziehungen nämlich verboten.

Doch selbst ein Overwatch, das ja eigentlich kein geschichtsgetriebenes Spiel ist, bietet inzwischen eine Identifikationsfläche. Tracer wurde von den Entwicklern als Frau markiert, die auf Frauen steht. Doch leider bringt uns das direkt zu einem immer noch großen Problem.

Wie reagieren eigentlich die Spieler?

Darauf ist die Antwort leider: Viel zu oft nicht sehr gut. Das Beispiel Overwatch zeigt, wie viele Ressentiments es bei diesem Thema noch gibt. Spieler beschwerten sich über "Social Justice Warriors" und "Feminazis", die ihre Spiele kaputt machen würden. Viele meinten, dass damit "Politik" in ihre Spiele kommen würde, diese doch aber nichts darin zu suchen hätte. Dass das absurd ist, haben wir an anderer Stelle schonmal beschrieben: Homosexualität in Videospielen - 3 "Argumente" entkräftet

Kurzum, noch immer gibt es viel Geschrei und Negativität, wenn nicht-heterosexuelle Menschen in Videospielen auftreten. Dass das ein Zeichen dafür ist, dass Videospiele immer relevanter werden, von immer mehr Menschen gespielt werden - dieser Umstand geht dabei oft unter.

Auch ist es für viele queere Spieler kein großes Vergnügen, in Online-Matches mitzuspielen. Viel zu oft wird mit homophoben Beleidigungen um sich geworfen, die betroffene Menschen sehr verletzen können und jeden Spielspaß sofort zunichte machen.

Wie kann es weitergehen?

Wie gesagt, es sind schon viele positive Tendenzen zu erkennen. Videospiele werden immer diverser, in Charakterdarstellungen, Mechaniken, Einsatzmöglichkeiten, Geschichten. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Prozess der Öffnung auch zukünftig noch stark bleibt. Denn mit neuen Identitäten, neuen Geschichten, könnten auch Videospiele als Ganzes noch interessanter, abwechslungsreicher und eindrücklicher werden. Das wollen wir doch alle, oder?

Weiter mit: Was das ist und wieso das wichtig ist - Seite 3

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