Planet Zoo

Strategie-Games kann mein Erdferkel besser als ich Noob (Kolumne)

von Nathan Navrotzki (Sonntag, 04.07.2021 - 10:00 Uhr)

(Bildquellen: Getty Images / GlobalP, Rainer Puster)
(Bildquellen: Getty Images / GlobalP, Rainer Puster)

Manche Spiele machen einem Spaß, obwohl man nicht sonderlich gut in ihnen ist. So ähnlich war das zumindest bei mir mit dem Aufbauspiel Planet Zoo – Ich wollte den ansehnlichsten und vielfältigsten Zoo für meine Besucher erschaffen, wurde aber recht schnell mit zwei großen Problemen konfrontiert: den Limitationen des Spiels und meiner eigenen Ungeduld. Das Ergebnis war ein totaler Chaos-Zoo, dessen größte Attraktion ein gemeines Erdferkel namens Babafemi war. Aber fangen wir von vorne an.

Mein erster Zoo war eher zweckmäßig dazu gedacht, mir Geld und Konservierungs-Punkte, die man zum Kaufen bestimmter Tiere benötigt, in die Kasse zu spülen. Alles verlief nach Plan – die Tiere verhielten sich genau so, wie es das Zoopedia (das Tier-Lexikon in Planet Zoo) beschrieben hatte. Auch meine Angestellten verrichteten ihre Arbeit pflichtbewusst. In meinem zweiten Zoo lag aber wohl irgendetwas in der Luft. Wahrscheinlich meine eigene Inkompetenz.

Planet Zoo: Wie ich ein Massensterben ignorierte

Mit meinem angesparten Startkapital packte ich meine sieben Sachen – ähm, also die Tiere – und zog in einen neuen Zoo. Ein paar Vivarien voller Schlangen, Frösche und sonstigen Krabbeltieren sowie ein Erdferkelgehege waren nur der Anfang. Sobald ich ein Gehege zweckmäßig mit Spielzeug, Futtertrog, etc. gefüllt hatte, ging es über zum nächsten Tier. Und dann zum nächsten. Und dann zum nächsten. Als würde ich Pokémon mit Wildtieren spielen und sie einfach alle sammeln. Die Tierpfleger waren natürlich dementsprechend überfordert. Obwohl ich meiner Armee von Angestellten genau zuwies, um welche Tiere sie sich zu kümmern hatten, kamen sie ihren Pflichten nicht nach.

So füllten sich die eingangs erwähnten Vivarien in kürzester Zeit mit Insekten – und Reptilien-Babies, nur um dann wenig später leer zu stehen, weil plötzlich alle Tiere tot waren. Immer und immer wieder. Anscheinend wurden meine 20 Riesenvogelspinnen nicht mehr gefüttert – War das ein stiller Protest, weil meine Mitarbeiter kaum Pausenräume hatten? Wer weiß.

Ich selbst war jedenfalls zu beschäftigt mit dem Bau des „König der Löwen“-Felsens für meine Großkatzen, um das Massensterben zu bemerken. Die tödlichen Folgen meiner Ignoranz erklärten dann wohl auch die vielen Tierschützer, die regelmäßig bei mir einmarschierten.

Ja, für diesen unansehnlichen Sandhügel mussten (virtuelle) Tiere sterben.
Ja, für diesen unansehnlichen Sandhügel mussten (virtuelle) Tiere sterben.

Dabei hatte mein Zoo noch so viele andere fragwürdige Attraktionen.

Besuch des Zoos auf eigene Gefahr!

Wirklich familienfreundlich war mein Zoo allgemein nicht. Zum einen wäre da das Krokodilbecken, über welchem ich eine Plattform für Besucher errichtet hatte. Direkt unter dieser Plattform befand sich eine hängende Fleischkeule, für die die Krokodile aggressiv in Richtung Zuschauer schnappten. Es haben bestimmt nur ein paar Zentimeter zum abgetrennten Fuß eines Gasts gefehlt.

Oh, und zum anderen war da noch der Orang-Utan, der immer mal wieder Amok gelaufen ist. Egal wie bequem ich ihm das Leben in Einzelhaft machte, irgendetwas hat ihn anscheinend immer gestört, sodass er das Glas einhämmerte und dann auf freiem Fuß schreiend durch den Zoo rannte. Vielleicht war das seine Art mir zu zeigen, dass er sich eine Lebensgefährtin wünscht. Aber dafür waren durch meinen Sammelwahn nun mal keine Konservierungspunkte mehr übrig, sorry!

  • Planet Zoo bekommt ihr momentan, im Rahmen des Steam Summer Sales, für nur 20,24 Euro anstelle von 44,99 Euro.

Okay, nun zum Erdferkel

Das kurioseste an meinem virtuellen Zoo war die unbegründete Beliebtheit eines meiner ersten Tiere: Babafemi. Das fiese Erdferkel war für die Gäste das größte Highlight, weshalb es schnell zum Alleinverdiener wurde. Es hatte den Maximalwert an „Attraktivität“ erreicht, obwohl das alte Tier gerade mal ein Bronze-Abzeichen hatte (also wenige gute Stats). Trotzdem nahm das Ferkel den Großteil aller Spenden ein.

Und dabei hat es sich total danebenbenommen. Ständig hatte es seine Partnerin geschlagen – das Publikum fand’s toll! Erst durch den Austausch des Weibchens wurde es etwas ruhiger und verbrachte seine letzten Tage friedlich, bis es irgendwann von einem Nickerchen aufstand um dann dramatisch tot umzufallen.

Seit seinem Tod war mein Zoo einfach nicht mehr derselbe. Nicht nur finanziell wurde es schwieriger, weil weniger Spenden reinkamen. Irgendetwas fehlte einfach. Doch meine Trauer mit aufwendigen Bauvorhaben auszugleichen, funktionierte leider nicht. Der Versuch einen begehbaren Unterwassertunnel zum Krokodilbecken zu errichten, endete nämlich nur darin, dass ich mein Spiel endgültig gebrochen habe. Ständige Abstürze und eine viel zu tief fixierte Kamera sagten mir deutlich: Genug Chaos angerichtet. Möge Babafemi, das Erdferkel, das für mich Geld verdiente, während ich damit beschäftigt war es auszugeben, in Frieden ruhen.

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