F1 2021

Test F1 2021: Racing in Reinform mit riesigem Umfang

von Marco Tito Aronica (Donnerstag, 15.07.2021 - 14:17 Uhr)

Werden Spieleserien jährlich mit neuen Ablegern gefüttert, sind Neuerungen meist rar. Dieses Mal mischt sich allerdings Electronic Arts ein und bringt in Zusammenarbeit mit dem britischen Entwickler Codemasters das offizielle Rennspiel zur Formel-1-Saison an den Start. Im Test erfahrt ihr, wie viel EA in F1 2021 steckt und warum der neue Storymodus „Braking Point“ nur eine nette Dreingabe ist.

Mit Vollgas zum Start-Ziel-Sieg? Wie gut F1 2021 wirklich ist, erfahrt ihr in unserem Test.
Mit Vollgas zum Start-Ziel-Sieg? Wie gut F1 2021 wirklich ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Überblick zu F1 2021
• Größe: ca. 64 GB (PS5)
• Multiplayer: Splitscreen- und Online-Modi sowie Zweispielerkarriere
• Sprachausgabe: Deutsche Dialoge und Bildschirmtexte
• Versionen: Standard Edition und Deluxe Edition

Ein Storymodus als Kaufargument?

Großbritannien, Silverstone: Sieben Runden vor Schluss zwingt euch ein Reifenschaden in die Box. Ihr fallt bis auf den 16. Platz zurück und verliert die Konkurrenz aus den Augen. Jetzt gilt es, nach diesem Zwischenfall noch in die Punkte zu fahren und mindestens den zehnten Platz zu erreichen – eine große Herausforderung. Ihr gebt Vollgas, während euch die Zuschauer nach vorne peitschen, denn ihr fahrt vor heimischer Kulisse.

Das ist eines von vielen spannenden Szenarien aus dem neuen Storymodus namens „Braking Point“. Ihr erlebt den harten Konkurrenzkampf zwischen dem Rookie Aiden Jackson und seinem erfahrenen Teamkollegen Casper Akkerman, der schon einige Jahre in der Königsklasse des Rennsports verweilt. Ebenfalls mit dabei ist Devon Butler, dem einige von euch vermutlich in F1 2019 zum ersten Mal begegnet sind. Dieses unsympathische Großmaul ist zudem euer Rivale und immer wieder Auslöser für Dramatik.

Der Storymodus „Braking Point“ erzählt die Geschichte von F1-Rookie Aiden Jackson (links im Bild).
Der Storymodus „Braking Point“ erzählt die Geschichte von F1-Rookie Aiden Jackson (links im Bild).

Bevor es losgeht entscheidet ihr euch in „Braking Point“ für eines von fünf Teams: Alpha Tauri, Aston Martin, Alfa Romeo, Williams oder Haas. In eurem ersten Rennen schwingt ihr euch als Aiden Jackson aber noch hinter das Steuer eines Formel-2-Autos und müsst an die Spitze fahren, um den Titel zu gewinnen. Im Anschluss unterschreibt ihr dann automatisch bei dem Team, das ihr im Vorfeld ausgewählt habt. Die Saison startet im Jahre 2020 und wird bis in die Saison 2021 fortgesetzt. Das ist eine tolle Idee, denn auch das Fahrerfeld und die Autos passen sich entsprechend der realen Saisons an.

Durchschnittlich gute Inszenierung und Erzählstruktur

Die Kapitel in „Braking Point“ laufen alle sehr ähnlich ab. Ihr startet ein Rennen von Beginn an oder werdet wenige Runden vor Schluss in ein Szenario geworfen. Dabei ist es eure Aufgabe, eine bestimmte Platzierung zu erreichen, euren Teamkollegen zu schlagen oder euch besser als das rivalisierende Team zu platzieren. Diese Herausforderungen sind sehr spannend und sorgen für eine willkommene Abwechslung im Rennzirkus.

Schließt in 9 verbleibenden Runden zu eurem Teamkollegen auf, um das Szenario erfolgreich abzuschließen.
Schließt in 9 verbleibenden Runden zu eurem Teamkollegen auf, um das Szenario erfolgreich abzuschließen.

Die Inszenierung und Erzählstruktur der Geschichte ist gut, kommt aber bei Weitem nicht an „The Journey“ heran, den Storymodus von FIFA, der 2016 eingeführt wurde. Das liegt unter anderem an der unterirdischen deutschen Synchronisation, die die aufkochenden Emotionen auf und außerhalb der Strecke überhaupt nicht einfangen kann – da hilft auch der Kommentar von Heiko Wasser nicht. Zum Glück könnt ihr die Sprachausgabe im Menü beliebig ändern.

Rein optisch reichen die Zwischensequenzen im Storymodus von „Wow, beeindruckend“ bis hin zu „Oh Gott, schalte es ab“. Während ihr den Hauptcharakteren Jackson und Akkerman ihre Aufregung förmlich von den Augen ablesen könnt, sieht die Mimik einiger Nebendarsteller wie die der Boxen-Crew oder Interview-Partnern eher gespenstisch und sehr unnatürlich aus. Die Autos und die Kulisse hingegen, sind dank eines hohen Detailgrades schöner denn je.

Die Zwischensequenzen in „Braking Point“ haben einen ganz eigenen Stil und sehen toll aus.
Die Zwischensequenzen in „Braking Point“ haben einen ganz eigenen Stil und sehen toll aus.

Die Geschichte um Rookie Jackson und Veteran Akkerman kommt leider erst spät in Fahrt, weiß dafür aber konstant zu unterhalten. Erzählungen à la „Drive to Survive“ von Netflix solltet ihr aber nicht erwarten. Wir dürfen gespannt sein, ob und wie die Geschichte in Nachfolgern fortgesetzt wird, leider ist sie nämlich etwas kurz geraten und schnell durchgespielt.

Hübsche Grafik mit viel Entwicklungspotenzial

Getestet habe ich F1 2021 auf der PlayStation 5. Die Hoffnung auf eine aufpolierte Grafik verpuffte allerdings mit den ersten paar Metern verbranntem Gummi auf der Rennstrecke. Der Gesamteindruck ist gut, keine Frage, ich hatte mir allerdings einen größeren Entwicklungssprung gewünscht. Denn nur, wer genau hinsieht, erkennt zum Beispiel das detaillierte Gras am Streckenrand, die realistischen Lichtverhältnisse oder das verbesserte Schadensmodell.

Auch leichter Schaden am Auto kann zum Beispiel zu Problemen mit der Aerodynamik führen.
Auch leichter Schaden am Auto kann zum Beispiel zu Problemen mit der Aerodynamik führen.

Schon bei leichten Berührungen mit anderen Boliden werdet ihr Schäden am Auto erkennen und sogar spüren können. Der Frontflügel ist leicht verkratzt, Teile vom Seitenkasten platzen ab oder der Ausflug ins Kiesbett hinterlässt Steinschläge am Lack. Das sorgt für mehr Realismus und vor allem Vorsicht beim Kampf um das Podium.

Was F1 2021 sonst noch Neues zu bieten hat

F1 2021 liefert euch das volle Lizenzpaket mit allen Fahrern, Teams und fast allen Strecken der diesjährigen Saison. Leider fehlen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die Kurse aus Portugal, Imola und Saudi-Arabien. Diese sollen später per Update eingeführt werden, wer die aktuelle Saison nachspielen will, ist aber erst einmal enttäuscht. Dafür gibt es einige andere Neuerungen, die das starke Gesamtpaket noch wertvoller machen.

So gibt es endlich einen Karrieremodus für zwei Spieler. Entweder schließt ihr euch demselben Rennstall an oder ihr entscheidet euch für eine rivalisierende Karriere in verschiedenen Autos. Über eine Online-Lobby nehmt ihr gleichzeitig an Sessions teil und erlebt einen vollständigen Karrieremodus zu zweit – sehr schön!

Spannung pur: Kopf an Kopf mit einem Freund um die Meisterschaft fahren? Kein Problem!
Spannung pur: Kopf an Kopf mit einem Freund um die Meisterschaft fahren? Kein Problem!

Der „My Team“-Modus, der in F1 2020 debütierte, erfährt ebenfalls einige nützliche Neuerungen und wird dadurch noch besser. Ihr erstellt euren eigenen Rennstall und nehmt als 11. Team an der Formel 1 teil. Als Besitzer der Deluxe Edition könnt ihr Ikonen des Rennsports wie Michael Schumacher, Ayrton Senna oder Alain Prost als Fahrerkollegen einstellen – eine deutliche Handschrift von EA.

Wollt ihr mehr zu „My Team“ erfahren, solltet ihr euch den Test von F1 2020 durchlesen. Hier habe ich den Modus im Detail bewertet.

Zudem können Einsteiger die Entwicklung des Teams an die KI übergeben und es sich so deutlich einfacher machen. Die Rennsport-Experten unter euch verwandeln den Modus gleichermaßen in einen wahren Überlebenskampf. Das macht den ohnehin sehr guten „My Team“-Modus noch interessanter.

Das, worauf es in einem Rennspiel nun einmal ankommt, nämlich das Racing an sich, ist ohnehin auf sehr hohem Niveau in F1 2021. Die F1-Wagen haben auch in puncto Motorensound zugelegt und hören sich nicht nur kraftvoller, sondern auch endlich realitätsgetreu an.

Realistisches Fahrverhalten bei jedem Wetter: Rennen im Regen sind besonders anspruchsvoll.
Realistisches Fahrverhalten bei jedem Wetter: Rennen im Regen sind besonders anspruchsvoll.

So richtig spannend werden die Rennen dank einer verbesserten KI, die euch vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden (immer noch per Schieberegler von 1 bis 100 einstellbar) einiges abverlangt und keinen Zentimeter auf der Strecke abschenkt. Gegner fahren Kampflinie, wenn ihr attackiert. Sind sie hinter euch, werden sie auch den letzten Meter an Windschatten ausnutzen und erst in letzter Sekunde ausscheren, um euch zu überholen. Allgemein wirkt die KI deutlich aggressiver, was für mehr Spannung sorgt.

F1 2021 | Alle Features der F1-Simulation vorgestellt

Für wen lohnt sich F1 2021? Für wen eher nicht?

Nun kennt ihr die wichtigsten Neuerungen von F1 2021, doch rechtfertigen sie den Kauf des Rennspiels auch dieses Jahr? Am Ende unseres Testes erfahrt ihr, welche Stärken und Schwächen eure Kaufentscheidung beeinflussen können. F1 2021 wird euch gefallen, wenn ihr …

  • Spaß an purem Racing habt. Das liefert euch F1 2021 nämlich dank sehr realistischem Fahrverhalten und einer authentischen F1-Erfahrung.

  • schon immer mal eine komplette Karriere zusammen mit einem Freund spielen wolltet. Die Zweispielerkarriere macht es möglich.

  • ein Rennspiel mit Langzeigmotivation sucht. F1 2021 bietet euch einen Storymodus, eine umfangreiche Karriere als Fahrer oder mit eigenem Team, Splitscreen und viele Online-Modi sowie E-Sports-Implementierungen.

F1 2021 wird euch eher enttäuschen, wenn ihr …

  • den Klassik-Modus mochtet. Dieser wurde nämlich ersatzlos gestrichen.

  • eine originalgetreue Saison 2021 nachspielen wollt. Durch das Fehlen der drei Kurse aus Portugal, Imola und Saudi-Arabien ist das (noch) nicht möglich.

  • großen Fortschritt dank neuer Konsolen-Power erwartet habt. Die Verbesserungen liegen eher im Detail und viel Potenzial wurde noch nicht ausgeschöpft.

F1 2021 - (inkl. kostenlosem Upgrade auf PS5) - [Playstation 4]

F1 2021 - (inkl. kostenlosem Upgrade auf PS5) - [Playstation 4]

Bewertung von Marco Tito Aronica

Wäre F1 2021 ein Rennwagen, haben EA und Codemasters lediglich einen neuen Satz Reifen aufgezogen – die Karosserie bleibt dieselbe. Wer wirklich Lust auf Formel 1 hat, der kommt um das Rennspiel einfach nicht herum. Ich wünsche mir in Zukunft mehr Konkurrenz, damit sich in kommenden Spielen mehr tut.

Sehr viel DNA von Electronic Arts steckt noch nicht in F1 2021. Das dürfte sich aber spätestens nächstes Jahr ändern. „Braking Point“ ist eine nette Dreingabe, aber sicherlich kein Kaufgrund. Interviews sind immer noch völlig belanglos und nerven eher, weil sie mich vom spannenden Teil des Spiels abhalten.

Auch auf der Strecke hätte ich mir mehr Realismus gewünscht. Während meiner Rennen gab es so gut wie keine Ausfälle der KI. Unfälle fanden nie statt, die für mehr Realismus sorgen würden. Die Animationen, an denen ich mich nach drei Rennen satt gesehen habe, weil sie sich immer und immer wiederholen, möchte ich erst gar nicht erwähnen.

Bei aller Kritik hatte ich dennoch viel Spaß mit F1 2021, weil das Racing an sich einfach unschlagbar gut ist und mich immer wieder fesselt. Kaum ein Spiel können Neueinsteiger sowie Vollprofis gleichermaßen genießen. Ein Spaßgarant mit viel Potenzial für noch mehr Punkte.

87 Spieletipps-Award

spieletipps meint: Garantierter Fahrspaß und Langzeitmotivation dank vieler und verbesserter Modi. „Braking Point“ hat Potenzial.

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