Humankind

Test Humankind: Echte Konkurrenz für Civ, aber da geht noch mehr

von Martin Hartmann (Montag, 16.08.2021 - 16:00 Uhr)

In Humankind liegt das Schicksal der Menschheit in euren Händen. Das Rundenstrategiespiel mit Hexfeldern vom Entwickler Amplitude Studios überzeugt dabei mit coolen Ideen und vielen Entscheidungsmöglichkeiten. Reicht das, um gegen den gegenwärtigen Strategie-Platzhirschen Sid Meiers Civilization anzukommen?

Kann es Humankind mit Sid Meiers Civilization aufnehmen? Ihr erfahrt es in unserem Test.
Kann es Humankind mit Sid Meiers Civilization aufnehmen? Ihr erfahrt es in unserem Test.

Humankind: Die Wiege der Zivilisation besteht aus Hexfeldern

Wie weit könnt ihr die Menschheit bringen? Diese Frage stellt euch Humankind gleich zu Beginn, wenn eure Zivilisation nur aus einigen Männern und Frauen in Fellen besteht. Im Laufe der Zeit können diese wenigen Pioniere jedoch ein Weltreich schaffen. Wissenschaft oder Kultur? Krieg oder Frieden? Humankind überlässt die Entscheidung ganz euch.

Doch zunächst zurück zum Start. Humankind ist ein 4X-Rundenstrategiespiel, das von Amplitude Studios entwickelt und Sega veröffentlicht wird. Wer bereits mit Sid Meiers Civilization 6 vertraut ist, wird sich in der Welt aus Hexfeldern sofort heimisch fühlen. Anders als bei dem großen Konkurrenten müsst ihr euch eure erste Stadt jedoch erst verdienen. Dafür stellt euch Humankind vor eine Entscheidung. Die erste von vielen! Der Stamm kann Nahrung suchen, seltene Schätze in der Umgebung entdecken oder zu den Waffen greifen und wilde Tiere jagen. Jeder der Pfade führt letztendlich zu einer ersten Stadt und läutet ein neues Zeitalter sowie das Rennen der Zivilisationen ein.

Anfangs ist eure Stadt noch klein und beschaulich. Auch wilde Tiere durchstreifen die Welt.
Anfangs ist eure Stadt noch klein und beschaulich. Auch wilde Tiere durchstreifen die Welt.

Jede Entscheidung hat Konsequenzen

In vielerlei Hinsicht fühlt sich Humankind tatsächlich wie ein Rennen an. Der Grund dafür ist gleichzeitig eine der größten Stärken und das Alleinstellungsmerkmal des Spiels. Mit jedem neuen Zeitalter könnt ihr eine neue historische Kultur verkörpern und damit euren Fokus neu ausrichten. Während die Ägypter gerne bauen, führen die Römer lieber Krieg und die Griechen forschen. Somit könnt ihr euren Spielstil im Laufe eurer Herrschaft immer wieder anpassen. Aber aufgepasst: Wer das neue Zeitalter zuerst erreicht, darf auch zuerst eine neue Kultur wählen.

Falls ihr also bereits wisst, welchen Weg ihr als nächstes einschlagen wollt, müsst ihr schnell sein. Es kann frustrierend sein, die gewünschte Kultur dann doch an einen Konkurrenten zu verlieren. Gleichzeitig hält euch Humankind dadurch auf Trab und zwingt euch, auf jeder Reise einen neuen Weg einzuschlagen.

Auch auf dem Weg ins neue Zeitalter wird Entscheidungsfreiheit groß geschrieben. Für den Aufstieg braucht ihr eine vorgegebene Anzahl von Ära-Sternen, die ihr verdient, indem ihr gut spielt: Distrikte bauen, neue Städte und Außenposten gründen oder auch gegnerische Armeen besiegen. So gut wie jede Aktion gibt euch Ära-Sterne und Ruhm, mit dem ihr das Spiel letztendlich gewinnen könnt. Wieder ist es allein eure Entscheidung, die bestimmt, wie ihr durch die Weltgeschichte schreitet.

Schaut euch hier den Trailer zu Humankind an:

Aus dem Wettrennen wird ein Sprint

Das grundlegende Gameplay von Humankind orientiert sich an der Civilization-Reihe und weiteren ähnlichen 4X-Spielen. Eure Städte produzieren Nahrung, Produktion, Gold, Glauben und Wissenschaft und ihr könnt ihre Erträge mit dem Bau von Distrikten und Gebäuden verbessern. Es macht unglaublichen Spaß, den eigenen Städten beim Wachsen zuzusehen und die Distrikte wie Puzzleteile für bessere Boni zusammenzufügen. Die charmante Grafik sorgt dafür, dass sich die Städte wirklich wie Metropolen anfühlen und die fantastische Musik unterstreicht das Gefühl zusätzlich, gerade ein gewaltiges Reich zu lenken.

Genauso episch wie eure Nation sind jedoch auch eure Aufgaben, von denen es jede Menge gibt. Hierbei kann das Wettrennen um die gewünschte Kultur jedoch auch sehr anstrengend werden. Anstatt nach Belieben forschen zu können oder auch mal Zeit für eines der mächtigen Weltwunder einzuräumen, tickt in Humankind immer die Zeitalter-Uhr.

Gerade in den späteren Zeitaltern wird das Rennen zu einem hektischen Sprint. Viele interessante neue Mechaniken, wie Kolonien auf anderen Kontinenten, Flugzeuge oder der Kampf geben Umweltverschmutzung kommen so kaum zum Tragen, weil sich das Spiel dann schon in schnellen Schritten dem Ende nähert. Auch ein Comeback wird dadurch fast unmöglich. Im Gegensatz zur Civilization-Reihe gibt es keine verschiedenen Siegtypen. Nur der eigene Ruhm entscheidet. KI und Spieler, die einmal abgeschlagen sind, haben es so extrem schwer, einen alternativen Weg zum Sieg zu finden oder im späteren Spiel militärisch gegen überlegene Feinde vorzugehen.

In späteren Zeitaltern werden Städte zu richtigen Metropolen voller Spezialbezirke und Weltwunder.
In späteren Zeitaltern werden Städte zu richtigen Metropolen voller Spezialbezirke und Weltwunder.

Es kann (und muss) noch viel besser werden!

Obwohl ihr einstellen könnt, dass das Spiel insgesamt länger dauern wird, würde es bestimmt nicht schaden, wenn Amplitude Studios hier noch etwas an den Balance-Schrauben dreht. Auch das eher rudimentäre Diplomatiesystem wäre der perfekte Kandidat für einen DLC oder eine Erweiterung. Gerade auf der globalen Ebene gibt es keinen Weltkongress, in dem die Nationen die Probleme der Welt anpacken können.

Trotzdem macht Humankind einfach Spaß. Es ist einfach unglaublich motivierend, die eigene Nation wachsen zu sehen und sie mit den vielen Entscheidungen, die euch das Spiel liefert, zu formen. Es ist komplex und es gibt viel zu lernen, sodass es leicht ist, immer noch eine Runde weiterspielen zu wollen. Humankind ist zwar noch lange nicht perfekt, aber mit ein paar kleinen Änderungen und größeren Erweiterungen könnte es problemlos neben Strategie-Urgesteinen wie Civilization 6 stehen.

Für wen lohnt sich Humankind?

  • Strategie-Fans von Civilization 6, Endless Legend und Endless Space

  • Spieler, die sich ihre Nation gerne selbst zusammenstellen

  • Gamer, denen Aufbau genauso wichtig ist wie Kampf

Für wen lohnt sich Humankind nicht?

  • Leute, die ihre Spiele gerne schnell abschließen

  • Spieler, denen Kämpfe voller Effekte wichtig sind

  • Strategie-Fans, die vor allem moderne und Zukunftsszenarien mögen (denn die kommen noch viel zu kurz)

Humankind Day One Edition (PC) (64-Bit)

Humankind Day One Edition (PC) (64-Bit)

Bewertung von Martin Hartmann

Humankind erinnert mich aktuell sehr an Civilization 6 ohne seine beiden großen Erweiterungen. Das soll nicht heißen, dass sich die beiden Spiele zu ähnlich sind. Im Gegenteil, Humankind bringt mehr als genug Ideen mit, um auf eigenen Füßen zu stehen.

Besonders gefällt mir der Wechsel der Kulturen, mit dem ich meine Nation fast wie in einem Rollenspiel "skillen" und an aktuelle Herausforderungen anpassen kann. Gleichzeitig hat es mir schon lange nicht mehr so viel Spaß gemacht, meine Städte wachsen zu sehen und für schlaue Planung mit einem großen Bonus belohnt zu werden.

Der Vergleich zu Civ 6 drängt sich mir eher deswegen auf, weil auch Humankind an einigen Stellen noch Nachholdbedarf hat. So wirken gerade Spielsysteme wie die Diplomatie und der Handel mit anderen Nationen sowie Umweltverschmutzung noch nicht voll ausgereift.

Humankind hat ein grundsolides Fundament, auf dem Amplitude Studios jetzt aufbauen kann und muss. Mit ein paar guten Erweiterungen ist der Strategie-Thron sicherlich in Reichweite.

83

spieletipps meint: Strategiespaß mit jeder Menge neuen Ideen und viel Wiederspielwert. Damit es wirklich grandios wird, müssen die Entwickler aber noch nachbessern.

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