Tales of Arise

Test Tales of Arise: Dieses JRPG müsst ihr spielen

von Franziska Behner (Mittwoch, 08.09.2021 - 16:00 Uhr)

Spannende Kämpfe, rosa Haare und eine kleine Eule als Maskottchen: Tales of Arise bringt so ziemlich alles mit, was ein typisches JRPG ausmacht. Gewürzt mit wunderschöner Grafik und einer erwachsenen Story, traut sich die beliebte Spielereihe aus Fernost einen großen Schritt nach vorn. Grund genug, um für viele Stunden in dem spannenden Game zu versinken.

So schön es hier auch aussieht: Es warten viele Gefahren auf euch.
So schön es hier auch aussieht: Es warten viele Gefahren auf euch.

Rena vs. Dahna

Schon auf den ersten Blick wirkt Tales of Arise irgendwie erwachsener als die meisten der vorherigen Spiele des Franchises. Das liegt einerseits an den Charakteren, aber auch an der Geschichte selbst, die bereits ziemlich dramatisch startet: In der virtuellen Haut des von Amnesie geplagten Protagonisten Alphen, schuftet ihr als Sklave, weil euer Volk von den Renäern ausgebeutet wurde. Zuerst haben sie alle dahnäischen Ressourcen gestohlen, doch schnell wurden auch alle Menschen von Dahna dazu benutzt, das Reich der Renäer weiter wachsen zu lassen. Sie stehlen regelrecht die Energie und Lebenskraft der Einwohner, um selbst immer weiter empor zu steigen.

Im Spiel ist es eure Aufgabe, die Unterdrückung der Dahnäer zu stoppen. Das müsst ihr selbstverständlich nicht allein tun: Im Laufe der Zeit stoßen fünf weitere Charaktere zu eurem Team hinzu, die ein gemeinsames Ziel eint: Die Herrschaft von Rena über Dahna muss gestoppt werden. Es dürfen keine weiteren Menschen leiden und sterben! So zieht ihr gemeinsam los, um die fünf großen Lords zu besiegen, die um die große Herrschaft wetteifern. Dabei stellt sich im Laufe des Spiels eine zentrale Frage:

Was passiert, wenn alle fünf Herrschaftsanwärter besiegt sind und niemand von ihnen den Thron besteigen wird?

Kurzes Meeting: Welche Schwachpunkte hat wohl der Feind?
Kurzes Meeting: Welche Schwachpunkte hat wohl der Feind?

08-15 Charaktere?

Wie für ein japanisches Rollenspiel üblich, ist eure Gruppe kunterbunt zusammengewürfelt und beinhaltet Charaktere, die außerhalb dieser Mission vermutlich niemals zusammengefunden hätten. Tales of Arise versucht sich nicht nur mit der Story an etwas ernsteren Themen, die dieses Mal nicht in kunterbunte Watte gepackt werden: Auch die Charaktere wirken zum Teil erwachsener und – wenn ihr die zahllosen optionalen Dialoge verfolgt – ziemlich tiefgründig. Das ist schließlich eine der besten Möglichkeiten, die Charaktere besser kennenzulernen und ihre Beweggründe wirklich zu verstehen. So steckt hinter so manch impulsiver Antwort von Law oder Rinwell durchaus eine tiefere Bedeutung, die wir allein durch die obligatorischen Dialoge nicht erfahren hätten.

Tales of Arise: Summer Game Fest Trailer

Obwohl viele Gespräche ein bisschen mit Klischees behaftet sind, lohnt es sich dennoch, den meisten von ihnen zu lauschen. Vor allem, weil der Großteil englisch sowie japanisch vertont wurde und uns deutsche Untertitel zur Verfügung stehen. Denn so ist es ganz einfach, der Charakterentwicklung der einzelnen Teammitglieder zu folgen. Arise stellt nämlich nicht nur Protagonist Alphen und seine recht geheimnisvolle Partnerin Shionne in den Mittelpunkt, sondern bietet auch dem Rest der Gruppe Raum, um sich charakterlich zu entfalten.

Mit Feuerschwert, mystischen Arts und Fäusten!

Kein vernünftiges JRPG ohne gutes Kampfsystem! Tales of Arise möchte modern und dynamisch wirken, weshalb bei den Auseinandersetzungen mit Gegnern ordentlich Tempo drin ist. Zum Glück müsst ihr keine schwierigen Tastenkombinationen lernen: Schnell habt ihr verinnerlicht, wie ihr perfekte Ausweichrollen vollführt und dem Gegner eure Arts (Spezialangriffe) um die Ohren knallt. Es hat aufgrund der intuitiven Steuerung und schnellen Bewegungen schon fast etwas von Persona 5 Strikers! Aber auch nur fast, denn irgendwie schwebt permanent der typische Tales-Charme mit.

Tales of Arise - Collector's Edition [PlayStation 5]

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Während Shionne mit ihrer Waffe vor allem fliegende Gegner vom Himmel holt, packt Law seine Fäuste aus. Rinwell nutzt die Zauberei, Dolahim hat einen Stab als Waffe und Kisara nutzt ihren riesigen Schild, um Gegner von sich zu stoßen. Jeder von ihnen verfügt nicht nur über erlernbare Fertigkeiten, sondern bringt auch charakterspezifische Kampfmöglichkeiten mit. Boost-Angriffe, bei denen mehrere Teammitglieder gemeinsam angreifen, sind nicht effektiv, sondern auch fulminant inszeniert und bilden oft das Highlight in den Kämpfen.

Bisher unerwähnt blieb Alphens Waffe, denn die ist etwas ganz Besonderes: Der Protagonist kann schon nach wenigen Spielstunden ein flammendes Schwert aus seiner Mitstreiterin Shionne ziehen, das nach dem Kampf wieder in ihr verschwindet. Klingt verrückt? Ein bisschen! Um euch dieses Geheimnis zu erklären, müssten wir allerdings sehr weit ausholen und euch einiges vom Spiel spoilern. Und das will nun wirklich niemand.

Da eure Teammitglieder über ganz verschiedene Kampfstile verfügen, wird es auf dem Bildschirm nie langweilig. Feuerwirbel, Wasserfontänen, Heilzauber und zwischendurch der Klang von sich kreuzenden Schwertern: Hier geht die Post ab! Leider manchmal ein wenig zu viel, denn hin und wieder leidet die Übersichtlichkeit bei so vielen den Bildschirm erhellenden Effekten. Was sich bei einer Gegnergruppe über den ganzen Screen verteilt, bündelt sich nämlich beim Kampf gegen einen einzigen Lord und sorgt für eine regelrechte Effektexplosion.

Wer ist hier gerade wo?
Wer ist hier gerade wo?

Schöne, neue Cell-Shading-Welt

Da sich die fünf zu besiegenden Lords natürlich nicht alle an einem Ort aufhalten, packt ihr eure sieben Sachen und macht euch auf zu einem großen Abenteuer durch Berg und Tal. Und ja, das haben wir bewusst so formuliert, denn vom dunklen Berg an dem ihr zu Anfang als Sklave schuftet, wechselt ihr schon bald in saftig grün bewachsene Täler und so manch wundervolle Stadt. Die Grafiker haben bei Tales of Arise wirklich fantastische Arbeit geleistet und heben das japanische Rollenspiel-Franchise, das nach wie vor eher eine Nische im Videospielkosmos ist, auf eine ganz neue Ebene.

Ob Law die rosa Wolken auch genießt?
Ob Law die rosa Wolken auch genießt?

Die Zwischensequenzen strahlen in feinstem Anime-Look und auch die Ingame-Grafik muss sich nicht verstecken. Dank verschiedener Tageszeiten und der damit einhergehenden Lichtstimmung, macht das Durchstreifen der Welt vor allem optisch großen Spaß. So waren wir kein großer Fan von den felsigen Berglangschaften, die irgendwie alle grau-braun und manchmal etwas matschig aussehen. Doch die sind beim Anblick einer der größten Städte im Spiel längst vergessen. Die Grafik wirkt ein wenig, als sei sie mit Aquarellfarben gemalt und würde einem nostalgischen Märchenbuch entspringen.

Tales of Arise ist kein AAA-Spiel mit nahezu unendlichem hohem Budget, das wissen wir natürlich. Und auch, dass das bedeutet, kleine Abstriche machen zu müssen. Dass die NPCs in den meisten Fällen aber nur starr an ihrem Platz stehen und nur ein paar kleine Armbewegungen vollführen, ist wirklich schade. Oft verschwinden sie sogar komplett, wenn man sich zu weit von ihnen entfernt. Eine Rückkehr an liebgewonnene Orte ist zudem kaum möglich, denn das japanische Rollenspiel schickt euch recht linear von einem Ort zum nächsten. Dabei wirken die verschiedenen Areale manchmal zwar sehr weitläufig, was man der tollen Weitsicht zuschreiben kann. Letztendlich sind die einzelnen Abschnitte aber relativ schlauchig aufgebaut.

Einfach wunderschön!
Einfach wunderschön!

Bewertung von Franziska Behner

Tales of Arise ist einfach ein fantastisches JRPG. Die Kämpfe sind flott, voller kunterbunter Möglichkeiten und dank der einfachen Tastenbelegung schnell erlernt. Dass man nicht ewig in Untermenüs nach passenden Zaubern kramt sondern einfach loslegt, beschleunigt die Kämpfe ungemein und bringt eine gewisse Dynamik ins Spiel. Kleine Verschnaufpausen lassen sich fantastisch mit Nebenaufgaben und Minispielen füllen, was eine ganz nette Abwechslung zum Kampfalltag darstellt.

Ich muss zugeben: Die erste Stunde des Spiels stimmte mich noch kritisch, denn die trostlose Berggegend hat mich nicht sofort abgeholt. Doch spätestens bei den rosa Wolken und zarten Sonnenstrahlen war es um mich geschehen: Tales of Arise ist innerlich und äußerlich wunderschön. Ein paar mehr NPCs hätten dem Spiel aber nicht geschadet, gerade auf großen Wiesenarealen ist es oft recht einsam. Zum Glück sind alle Teammitglieder ziemlich gesprächig, sodass kaum Stille aufkommt. Die eher hilflosen Annäherungsversuche der eigentlich so taffen Shionne sind außerdem so süß, dass ich fast Karies bekomme. Hier spielen Klischees durchaus eine Rolle, aber sie sind sinnvoll in der Charakterentwicklung verpackt. So habe ich gar nicht gemerkt, wie Stunde um Stunde beim Spielen vergangen ist. Und ja, ich schaue mir alle Dialogsequenzen an. ALLE.

Wer JRPGS mag, ist hier genau richtig. Tales of Arise bietet mit seiner eher düsteren Story ordentlich Tiefgang und schreckt nicht davor zurück, interessante Charaktere sterben zu lassen und den Tod mehr in den Vordergrund zu rücken als in anderen Teilen. Trotz knuddeliger Eulen-Maskottchen, niedlichen Outfits und lustigen Sprüchen, fühlt sich dieser Teil der Reihe viel erwachsener an als viele seiner Vorgänger.

88 Spieletipps-Award

spieletipps meint: Malerischer Aquarell-Look, eine überraschend ernste Geschichte und ein flottes Kampfsystem machen Tales of Arise zu einem fantastischen JRPG.

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