Life Is Strange: True Colors

Test Life is Strange: True Colors bringt euch nicht zum Weinen

von Nathan Navrotzki (Mittwoch, 08.09.2021 - 18:00 Uhr)

Willkommen in Haven Springs und damit zu einem neuen Abenteuer der „Life is Strange“-Reihe! In Life is Strange: True Colors schlüpft ihr wieder in die Rolle einer jungen Heranwachsenden mit Superkräften und werdet mit einem mysteriösen Todesfall konfrontiert. Entwicklerstudio Deck Nine versucht sich damit nach Life is Strange: Before the Storm an etwas Neuem und will nun eine besonders emotionale Geschichte erzählen – jedoch ohne die Spieler miteinzubeziehen.

In Life is Strange: True Colors spielt ihr Musikerin Alex.
In Life is Strange: True Colors spielt ihr Musikerin Alex.

Überblick zu Life is Strange: True Colors
• Spieldauer: ca. 14 Stunden
• Plattformen: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox SX, Switch
• Release: 10. September 2021 (Nintendo Switch unbekannt)
• Deutsche Sprachausgabe: Ja, Untertitel und Vertonung
• USK: 12

Eine Geschichte rund um Trauer und Verlust – OHNE Spoiler

Die folgenden Ereignisse tragen sich in den ersten paar Spielstunden zu.

In Life is Strange: True Colors spielt ihr Alex, eine schüchterne Musikerin mit der Fähigkeit die Emotionen anderer zu lesen. Als sie nach acht einsamen Jahren in Waisenhäusern und lieblosen Pflegefamilien überraschend von ihrem großen Bruder Gabe kontaktiert wird, bricht sie auf, um ihn im idyllischen Haven Springs zu besuchen.

Hier scheint sie endlich ihren Frieden finden zu können. Im kleinen Bergbau-Städtchen schreit zumindest alles, von den mit Blumen geschmückten Straßen bis hin zu den freundlichen Anwohnern: "Hier kannst du die Seele baumeln lassen – Hier bist du sicher."

Doch dieses wohlige Gefühl kommt schnell zu einem Halt, als Gabe durch eine Verkettung mysteriöser Umstände ums Leben kommt. Nun liegt es an Alex das Rätsel um den angeblichen Unfall aufzuklären.

Den Trailer zum Spiel könnt ihr euch hier ansehen:

Life is Strange: True Colors - Das neue "Life is Strange"-Abenteuer beginnt im September

Wie schon in den Spielen zuvor geht es also auch in Life is Strange: True Colors um harte Schicksalsschläge. True Colors erzählt eine Geschichte – oder besser gesagt mehrere Geschichten – über mentale Gesundheit und Verlust. Besonders gut gelungen ist, dass viele verschiedene Facetten der Trauer gezeigt werden: Wie gehen unterschiedliche Personen mit dem Tod eines geliebten Menschen um? Und wie wollt ihr auf diese Gefühle reagieren um den Betroffenen zu helfen?

Die Ruhe vor dem Sturm: Alex hat ihren Bruder wieder zurück.
Die Ruhe vor dem Sturm: Alex hat ihren Bruder wieder zurück.

Ihr solltet aber keine Achterbahnfahrt der Gefühle erwarten, sondern eher ein ruhiges Karussell mit leichten Auf – und Ab-Momenten. Eure Entscheidungen haben, ähnlich wie in Life is Strange: Before the Storm, oft eher marginale Auswirkungen. Hier hätte Entwicklerstudio Deck Nine mehr Mut zu wirklich bedeutungsvollen Entscheidungen beweisen können.

Zu viele Gefühle, zu wenig Zeit

Das Tempo in der Erzählweise von True Colors ist beizeiten etwas ungeschickt. Zu Beginn wirft euch das Spiel nämlich direkt ins kalte Wasser und verlangt euch schon recht schnell große Emotionen und Mitgefühl gegenüber den Angehörigen ab. Dabei habt ihr mit den meisten von ihnen gerade erst einmal geredet.

Auch Gabe wirkt als Schlüsselfigur der Handlung leider fast schon wie ein Mary-Sue-Charakter: so perfekt, dass er schon wieder langweilig ist. Ohne Ecken und Kanten. In den ersten zwei Kapiteln kann daher schnell die Frage aufkommen: „Warum sollten mich die Probleme dieser Menschen kümmern, wenn ich weder sie, noch den Verstorbenen richtig kannte?“

In unserer Vorabversion gab es außerdem noch eine Menge Bugs, die die Immersion beeinträchtigt haben. Neben Personen, die starr in der Gegend herumstanden, wurden Nebencharaktere teilweise immer dunkler, bis sie einen pechschwarzen Hautton annahmen. Außerdem konnten wir einige Nebenquests nicht in Angriff nehmen, weil es unmöglich war die Auftraggeber anzusprechen. Es ist aber gut möglich, dass diese Probleme zum Release behoben werden.

Da weiß man gar nicht wer angsteinflößender ist: die Puppen-Passantin oder das Dämonen-Kind?
Da weiß man gar nicht wer angsteinflößender ist: die Puppen-Passantin oder das Dämonen-Kind?

Wie spielt sich die neue Fähigkeit?

Zwar gibt es in Life is Strange: True Colors weniger Drama, schockierende Wendungen und kullernde Tränchen, dafür werden aber die aufgewühlten Innenwelten der Charaktere besonders bildlich und interessant dargestellt.

Alex‘ Fahigkeit die Gefühle anderer Personen zu lesen beschränkt sich vom Gameplay her meistens darauf, dass ihr ein Knöpfchen drückt, euch die Gedanken oder Erinnerungen einer Person anhört – und voilà, ihr habt neue Dialoge freigeschaltet. In ein paar wenigen Szenen könnt ihr hingegen richtig in die Gefühlswelten eintauchen und mit eigenen Augen sehen, was in eurem Gegenüber vorgeht. Diese kunstvollen Traumsequenzen bleiben noch lange nach dem Spielen in Erinnerung.

Was verraten wohl die Ziffern an der Wand über die Gefühle der Betroffenen?
Was verraten wohl die Ziffern an der Wand über die Gefühle der Betroffenen?

Gut Ding will Weile haben

„Life is Strange“-Spiele leben von den bedeutungsvollen Beziehungen der Charaktere. Im ersten Teil waren es Max und Chloe, im Prequel Chloe und Rachel und in Life is Strange 2 die Diaz-Brüder. Bei True Colors kommt dieses wichtige Element erst viel später, im dritten Kapitel, hinzu. Die Interaktionen mit Alex‘ neu dazugewonnen Freunden sind herzerwärmend, bringen euch zum Schmunzeln und vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit.

Auch die Spielwelt lädt zum Wohlfühlen ein. Nehmt euch zwischen euren Aufgaben die Zeit durch den Park zu schlendern, am Bootssteg in Gedanken zu versinken oder Rekorde am Arcade-Automaten zu knacken. Die offene Welt von Haven Springs hat viel Atmosphäre zu bieten. Leider ist sie aber auch recht klein: Die eine Straße und vier begehbare Gebäude sind schnell erkundet.

Steph kennt ihr vielleicht noch aus Before the Storm.
Steph kennt ihr vielleicht noch aus Before the Storm.

Die intimen Momente, die ihr mit anderen Charakteren erlebt, die bildschöne Stadt im Frühling und die stimmige musikalische Untermalung machen das Spiel zu einem wirklich angenehmen Erlebnis. Den großartigen Geschichten der beiden Hauptspiele kann True Colors aber leider nicht das Wasser reichen.

Life is Strange: True Colors (Playstation 4)

Life is Strange: True Colors (Playstation 4)

Für wen lohnt sich Life is Strange: True Colors?

  • Fans von Life is Strange, die auch mit weniger Drama als gewohnt klarkommen
  • Freunde von storylastigen Spielen
  • Spieler, die sich für mentale Gesundheit und Trauerbewältigung interessieren

Für wen lohnt sich Life is Strange: True Colors nicht?

  • Fans von Life is Strange, die das nächste große Meisterwerk erwarten
  • Spieler, die sich viel Gameplay wünschen
  • Personen, die keine Lust haben Videospielcharaktere zu therapieren

Bewertung von Nathan Navrotzki

Meine Erwartungen an Life is Strange: True Colors waren sehr hoch. Schon vom ersten Teil war ich ein großer Fan und auch Life is Strange 2 hat mich komplett überwältigt. Irgendwie ironisch, dass mich dann gerade das Spiel, das Emotionen so stark in den Mittelpunkt rückt, die meiste Zeit eher kalt gelassen hat.

Ich hatte definitiv meinen Spaß mit dem Spiel, aber große Emotionen blieben einfach aus. Ich hätte mir gewünscht die Charaktere, mit denen ich mitfühlen sollte, erst besser kennenzulernen und dass coole Ideen, wie die Gefühlswelten, öfter benutzt werden.

Entwickler Deck Nine scheint sich bei DONTNOD, den Entwicklern der Hauptreihe, also noch einiges in Sachen Storywriting abgucken zu können. Mal schauen ob ein Life is Strange 3 dann wieder vom alten Entwicklerteam übenommen wird und sich Deck Nine weiterhin auf die seichteren Spiele der Reihe konzentriert.

72

spieletipps meint: Gute Ideen und eine tolle Atmosphäre treffen auf eine ungeschickt erzählte Handlung und eine ausbleibende Achterbahnfahrt der Gefühle.

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