Genshin Impact

Mein erstes Mal: Genshin Impact hat den Hype verdient (Special)

von Hans Diemer (Samstag, 09.10.2021 - 13:00 Uhr)

Auch ein Jahr nach dessen Release erfreut sich Genshin Impact großer Beliebtheit. Die passionierte Community des Free-to-Play-RPGs saugt jede noch so kleine Neuigkeit auf und durfte sich erst kürzlich über ein neues inhaltliches Update freuen. Um dem Hype auf die Spur zu gehen, schmiss ich mich als Neuling in die offene Anime-Welt namens Teyvat und ließ mich begeistern. Warum jeder Gamer Genshin Impact zumindest einmal ausprobiert haben sollte, erkläre ich in diesem Artikel.

Ein erster Blick auf die offene Welt namens Teyvat
Ein erster Blick auf die offene Welt namens Teyvat

Kurz nach seinem Release am 28. September 2020 erlangte Genshin Impact als chinesischer "Free 2 Play"-Klon von The Legend of Zelda: Breath of the Wild fragwürdige Bekanntheit. Aus innerlicher Abneigung machte ich einen großen Bogen um das Spiel – billiges Kopieren von Ideen in Kombination mit einer Glücksspielmechanik wollte ich nicht unterstützen, so meine Meinung damals.

Zunächst jegliche News um Genshin Impact ignorierend, fiel es mir zunehmend schwerer, mich der Neugier rund um den Hype zu entziehen. Zum einjährigen Geburtstag knickte ich schließlich ein und gab dem Spiel auf meiner PlayStation 4 äußerst misstrauisch eine Chance. Und was soll ich sagen: Es hat sich gelohnt!

Genshin Impact: Schöne Welt, harte Kämpfe

Ich lege jedem Gamer ans Herz, Genshin Impact ebenfalls auszuprobieren, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Denn dieses Spiel wird uns noch ein Weilchen begleiten und hat tatsächlich das Potenzial, die gesamte Gaming-Branche in eine neue Richtung zu lenken. Warum und ob das gut ist, erkläre ich nachfolgend.

Die ersten Momente von Genshin Impact

Ich starte das Spiel und werde mitten ins Geschehen geschmissen: in den Kampf von zwei Geschwistern mit einer „fremden Gottheit“. Nach einer cool inszenierten Action-Sequenz kann ich entscheiden, ob ich lieber die Schwester oder den Bruder spielen möchte. Ich wähle den Bruder, benenne ihn nach mir und beobachte, wie meine fiktive Schwester wegteleportiert wird, bevor die Göttin auch mich in eine unbekannte Welt befördert.

Nach diesem Flashback finde ich meinen Charakter am Strand wieder. Er reflektiert, dass er mittlerweile seit Jahren auf der Suche nach seiner Schwester in dieser fremden Welt gefangen ist. Seine Geschichte erzählt er Paimon, einer Art Fee mit äußerst nervig-piepsiger Anime-Stimme. Vor zwei Monaten habe er sie beim Angeln aus dem Wasser gezogen und ihr damit das Leben gerettet, seitdem begleitet sie ihn.

Nach dieser erfrischend kurzen, aber zugegeben etwas merkwürdigen Exposition darf ich auch schon die Steuerung über meine Figur übernehmen. Den ersten Eindruck vermittelt die Cel-Shading-Grafik: Der Anime-Look sieht fantastisch aus, die Animationen sind flüssig und direkt zu Beginn strahlt die Welt einen freundlichen Wohlfühl-Charme aus.

Ab diesem Moment übernehme ich die Steuerung.
Ab diesem Moment übernehme ich die Steuerung.

Auf den ersten Blick ein Zelda-Klon, auf den zweiten etwas Eigenständiges

Nach etwa fünf Minuten Spielzeit, in denen ich einen Wasserschleim verprügle, eine Wand hinaufklettere und jede Menge Items sammle, entsteht unweigerlich der zweite Eindruck: Was für eine dreiste Kopie von Breath of the Wild!

Dieser Gedanke sollte mich in den nächsten zwei Stunden häufig begleiten, denn Genshin Impact bedient sich unverhohlen zahlreicher Elemente von Breath of the Wild, und das oft nahezu eins zu eins. Doch nach etwas Spielzeit merkte ich, dass Genshin Impact auch voller Unterschiede steckt, die es zu einer eigenständigen und lohnenswerten Spielerfahrung machen.

Das wird bereits nach einigen Minuten evident, als eine Statue die „elementare Anemo-Kraft“ meines Charakters aktiviert. Ich bin nun in der Lage, meine Gegner mit Windenergie wegzuschleudern oder sie mit einem kleinen Wirbelsturm durch die Luft zu befördern. Das macht Riesenspaß und geht dank der übersichtlichen Steuerung gut von der Hand.

Etwas später treffe ich auf die zweite Spielfigur namens Amber. Die Ritterin des „Ordo Favonius“ geleitet Paimon und mich auf dem Weg nach Mondstadt, unserem nächsten Ziel. Hier wird eine weitere Eigenheit des Spiels sichtbar: das Wechseln der Charaktere und die Interaktion mit den Elementen.

Durch echtes Teamwork brutzle ich meine Gegner mit einem Feuersturm.
Durch echtes Teamwork brutzle ich meine Gegner mit einem Feuersturm.

Mit einem Druck auf das Steuerkreuz wird mein Avatar durch Amber ausgetauscht. Diese kämpft nicht mit dem Schwert, sondern mit Pfeil, Bogen und dem Element des Feuers. Setze ich mit einem ihrer magischen Feuerpfeile eine Grasfläche in Brand, kann ich blitzschnell zu meinem Helden wechseln und mit einem Tornado einen regelrechten Feuersturm auslösen. Äußerst cool!

Wie sich später herausstellt, spielen die insgesamt sieben Elemente und deren Kombination durch das schnelle taktische Wechseln der Charaktere eine große Rolle im durchaus gelungenen Kampfsystem.

Eine Geschichte als Mittel zum Zweck, eine Welt zum Verlieben

Nach kurzer Zeit erreiche ich Mondstadt, eine hübsche und lebendige mittelalterliche Festung. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, als die Stadt von einem Drachen heimgesucht wird, den mein Charakter aus unerklärlichen Gründen mit Laserschüssen verjagen kann (Animes, hach). Das beschert ihm die Aufmerksamkeit des örtlichen Ritterordens, mit dessen Hilfe ich dem Geheimnis des Drachens auf die Spur gehe.

Zusammen mit weiteren spielbaren Charakteren des Ordens erlerne ich andere Elemente und besuche Dungeons sowie neue Orte. Die Ereignisse rund um Mondstadt gehören zum ersten Teil der noch lange nicht abgeschlossenen Geschichte.

Die Charaktere entsprechen üblichen Anime-Klischees und nur wenige weisen so etwas wie Tiefgang auf. Ich bemerke, wie ich die oberflächlichen Dialoge teilweise nur noch überfliege und sie in Nebenmissionen gänzlich wegdrücke. Dann aber wiederum gibt es auch Wendungen, die mich neugierig zurücklassen, vor allem etwas später. Zusammengefasst ist die Geschichte also kein Meisterwerk, aber verdient ihre Berechtigung als Legitimation für die Spielwelt.

Und diese ist für mich der größte Pluspunkt von Genshin Impact. Es macht unglaublich Spaß, sich in Teyvat auf der Suche nach Schätzen, Monstern und Aufgaben zu verlieren. Es stellt sich schnell das typische „Nur noch kurz schauen, was hinter diesem Hügel ist“-Gefühl ein, und zack, sind wieder zwei Stunden vergangen. Die Welt strotzt nur so vor Dingen, die entdeckt werden möchten und meine Neugier wecken. Während die Story keinerlei spielerischen Anspruch bietet und ich auch Gegner zehn Level über meinem mühelos besiege, lädt Teyvat dazu ein, sich seine Herausforderungen selbst zu suchen.

Nahezu alles, was ich erblicke, kann ich auch erkunden
Nahezu alles, was ich erblicke, kann ich auch erkunden

Die Haken zeigen sich erst später

Die gefüllte Welt in Verbindung mit der tollen Grafik und einem bestechenden Soundtrack wirken umso eindrucksvoller bei dem Gedanken, dass Genshin Impact komplett kostenlos ist. Ich habe die Handlung erlebt und die Welt erkundet, ohne einen Cent dafür zu zahlen – was für ein solches Triple-A-Niveau beeindruckend ist. Allerdings merkte ich nach etwa 30 Stunden, dass dem Spiel langsam die Puste ausging und von da an sollte es sich von seiner anderen Seite zeigen.

Sind die Story- und Nebenmissionen weitestgehend abgeschlossen, gibt es nicht mehr viel zu tun, außer sich dem Grinding und Mikromanagement der Charaktere zu widmen. Glücklicherweise ist das für mich der Punkt in RPGs, bei dem ich sowieso aussteige, da deren Endgames oft in repetitive Plackerei ausarten. So ganz besonders in Genshin Impact, da das Aufleveln später exponentiell aufwendiger wird. Allerdings lautet das Problem, dass dieses Spiel eben nicht abgeschlossen ist, sondern nach und nach durch weitere Updates weitererzählt und vergrößert wird.

Insofern ist es fraglich, inwiefern ich später dazu „gezwungen“ werde, mich einer oder gar beider der im Spiel vorhandenen Zahlungsmechaniken zuzuwenden, um in der Charakterentwicklung und damit auch in der Handlung ernsthaft voranzukommen.

Gacha – nicht notwendig, aber gefährlich

Die erste Zahlungsmechanik ist das Gacha-, ein Lootbox-System. Durch ein sogenanntes Gebet erhalte ich eine zufällig zusammengesetzte Komposition aus Items, Waffen und Charakteren. Das Gefährliche für Perfektionisten, Sammler und Suchtgefährdete ist, dass besonders starke Spielfiguren und Waffen lediglich über Gebete erhältlich sind und noch dazu mit einer lächerlich geringen Wahrscheinlichkeit von teils unter einem Prozent erscheinen.

Im "Probelauf" kann ich Fünf-Sterne-Charaktere ausprobieren, was mich zum häufigen Beten verleiten soll.
Im "Probelauf" kann ich Fünf-Sterne-Charaktere ausprobieren, was mich zum häufigen Beten verleiten soll.

Diese Glücksspielmechanik ist freilich nicht neu. Zudem muss Genshin Impact zugutegehalten werden, dass es sich bisher auch wunderbar ohne die zusätzlichen Boni spielen lässt. Riskant ist es trotzdem, vor allem, da sich die Mechanik hinter zahlreichen verwirrenden Währungen im Spiel versteckt, von denen ich mich insbesondere am Anfang regelrecht erschlagen fühlte. Da ich mich nicht groß mit ihnen beschäftigte, wusste ich bis zum Schluss oft nicht um den Wert meines Loots.

Harz – Mobile-Mechanik im Triple-A-Spiel

Problematischer als den Gacha-Aspekt finde ich die Währung Harz. Aktivitäten wie Dungeons, aber auch das Erhalten von Schätzen und Items durch gewisse Herausforderungen und Gegner kosten mich Harz, wobei sich eine Einheit alle acht Minuten auflädt.

Am Anfang fiel mir diese Mechanik gar nicht groß auf, doch je weiter das Spiel voranschritt, umso weniger gab es zu tun, was kein Harz kostete. Vor allem gegen Ende, als ich mich vermehrt den umfangreichen Verbesserungen meiner Charaktere widmen wollte, hatte ich schnell eine sehr begrenzte Spielzeit pro Tag. Nach etwa 30 Minuten war mein Kontingent bereits erschöpft – es sei denn, ich kaufte für echtes Geld zusätzliches Harz, um meine Spielzeit zu verlängern.

Herausforderungen, die wichtige Belohnungen bereithalten, kosten Harz.
Herausforderungen, die wichtige Belohnungen bereithalten, kosten Harz.

Hier zeigen sich miHoYos Mobile-Hintergrund und das eigentliche Novum für ein gewaltiges und hochpoliertes Spiel dieser Art.

Fazit: Ein tolles Spiel mit kritischem Finanzierungsmodell

Ich hatte großen Spaß mit Genshin Impact, ohne etwas dafür zu bezahlen. Trotz schamlosen Diebstahls von Breath of the Wild ist Genshin Impact eine ganz eigene, einnehmende Erfahrung. Nicht nur RPG- und Anime-Fans sollten sich das Spiel einmal anschauen, sondern jeder, der an der Gamingbranche interessiert ist – schlichtweg, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Ernsthaft Suchtgefährdeten wiederum rate ich vom Spiel aufgrund der fragwürdigen Gacha- und Harz-Mechaniken ab.

Setzt Genshin Impact einen neuen Trend für die Gamingbranche? Werden Free-to-Play-Spiele künftig auch den Triple-A-Sektor einnehmen und Spieler dazu verführen, (zu) viel Geld auszugeben? Natürlich muss und soll die Entwicklung eines guten Spiels entsprechend finanziert und belohnt werden, gar keine Frage. Doch ob ein aus dem Mobile-Bereich stammendes Finanzierungsmodell, das tief in die psychologisch-manipulative Trickkiste greift, unterstützenswert ist, darüber lässt sich streiten.

Hat mich der Hype rund um Genshin Impact angesteckt? In gewisser Weise schon, denn ich freue mich auf das nächste große Inhaltsupdate, für das ich von nun an auch die News rund um das Spiel verfolgen werde.

Habt ihr Genshin Impact schon ausprobiert? Gehört ihr zur treuen Fangemeinde des Spiels? Oder sagt ihr von vornherein, das Konzept ist nichts für euch? Ich muss gestehen, ich habe schon ein wenig mein Herz daran verloren, kann aber voll und ganz nachvollziehen, dass das Game unmöglich jeden Geschmack treffen kann.

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