Call of Duty: Vanguard

Test Call of Duty: Vanguard – Serien-Lückenfüller bleibt unter Top-Niveau

von Jens-Magnus Krause (Montag, 08.11.2021 - 15:46 Uhr)

Call of Duty: Vanguard ist wie ein Blockbuster im Kino: Brachial inszenierte Kampagnen-Action trifft auf vorhersehbare Story mit klischeehaften Charakteren. Der Multiplayer- und Zombies-Modus unterhalten von Beginn an – mit Einschränkungen.

Immerhin optisch und akustisch bewegt sich Call of Duty: Vanguard auf höchstem Niveau.
Immerhin optisch und akustisch bewegt sich Call of Duty: Vanguard auf höchstem Niveau.

Überblick zu Call of Duty: Vanguard

  • Drei Spielmodi: Kampagne, Multiplayer, Zombies
  • Spielzeit (Kampagne): Fünf Stunden in neun Kapiteln
  • Setting: Zweiter Weltkrieg auf fünf Kontinenten
  • Umfang: 20 Mehrspieler-Karten und 38 Waffen zum Start
  • Zombies-Neuausrichtung: Nur eine Episode zu Beginn

Call of Duty: Vanguard mit aufgebrauchtem Setting

Neu und alt zugleich ist die Rückkehr zum Zweiten Weltkrieg in Call of Duty: Vanguard. Zuletzt verschlug es euch vor vier Jahren in Call of Duty: WW2 dorthin.

Obwohl euch die Entwickler von Sledgehammer Games noch nie spielende Momentaufnahmen des Krieges erleben lassen haben, fühlt sich dieser Schauplatz einfallslos und auserzählt an.

Auf audiovisueller Ebene, gerade auf den Next-Gen-Konsolen, merkt ihr der Kampagne aber einen Schritt nach vorne an. Während der neun Kapitel in geschichtsträchtigen Schlachten in Stalingrad oder auf den Midwayinseln im Pazifik, fetzen und knallen brachiale Kriegsgeräusche aus euren Boxen. Einschlagende Kugeln, Explosionen, Kettenfahrzeuge, Schreie und Schüsse erzeugen Gänsehaut-Momente.

Optisch dasselbe: Wenn ihr durch Pfützen und Matsch kriecht, ist der Untergrund so plastisch, dass ihr ihn anfassen möchtet. Oder wenn ihr euch bei Regen in der Nacht auf einem Zug viele Schusswechsel liefert, erzeugt die Beleuchtung jederzeit unterschwellige Spannung.

Call of Duty: Vanguard | offizieller Story-Trailer

Zu viele Köche verderben den Identifikations-Brei

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ist es als Spezialeinheit Vanguard eure Aufgabe, die geplante Fortführung des Dritten Reichs unauffällig im Keim zu ersticken.

Bevor es soweit ist, schlüpft ihr in Rückblenden jedes Mal in einen anderen Alliierten-Protagonisten. Das ist abwechslungsreich, macht es euch aber auch schwer, euch in Ruhe auf eure Vanguards einzulassen, sie kennenzulernen und euch mit ihnen zu identifizieren.

Mit eurer Spezialeinheit kämpft ihr gegen den fiktiven Bösewicht Hinrich Friesinger. Leider eine schlechte Kopie von Oberst Hans Landa aus Quentin Tarantinos Inglourious Basterds.
Mit eurer Spezialeinheit kämpft ihr gegen den fiktiven Bösewicht Hinrich Friesinger. Leider eine schlechte Kopie von Oberst Hans Landa aus Quentin Tarantinos Inglourious Basterds.

Inhaltlich ist die Kampagne ambitioniert, aber mehr Rück- als Fortschritt. Denn ihr fühlt zu keiner Zeit mit einem der vier spielbaren Kriegshelden mit, obwohl diese auf realen Vorbildern basieren. Dafür kennt ihr sie einfach viel zu wenig.

Als Polina Petrova, eine russische Scharfschützin, verteidigt ihr Stalingrad samt Familie. Dabei gibt es aber zu keiner Zeit subtile Aussagen mit Tiefgang, sondern Hau-drauf-Kost in den gut vertonten Dialogen. Die deutsche Synchro fällt dabei im Vergleich zur englischen stark ab.

Superkräfte im Zweiten Weltkrieg bei Call of Duty: Vanguard

Spielerisch betrachtet hat keine Mission das Potenzial, euch längerfristig im Gedächtnis zu bleiben. Das liegt daran, dass zu viel „Schema F“ am Werk ist. Ein krachend linearer Level-Aufbau, dicht gefolgt von Gegnerwelle um Gegnerwelle, ohne viel Erkundung oder Nachdenken. Anders ausgedrückt: ein typisches Call of Duty eben.

Neu ist, dass jeder Charakter eine Spezialfähigkeit hat. Mit dem Squad-Anführer Sergeant Arthur Kingsley gebt ihr euren Soldaten auf Knopfdruck Angriffsbefehle. Diese feuern dann beispielsweise auf ein gegnerisches MG.

Ist zwar keine Superkraft, aber die Klettereinlagen funktionieren gut – bieten allerdings keinen spielerischen Mehrwert.
Ist zwar keine Superkraft, aber die Klettereinlagen funktionieren gut – bieten allerdings keinen spielerischen Mehrwert.

Mit dem Piloten Wade und seinem „Fokus“ könnt ihr im dichten Wald Gegner durch Büsche oder Bäume hindurchsehen, um diese beim leisen Schleichen einfacher von hinten zu eliminieren.

Unabhängig davon, dass die Entwickler euch durch die Fokus-Superkraft die aufgebaute WW2-Immersion rauben, läuft deren Einsatz rudimentär ab. Immerhin verändern die Entwickler durch die eingestreuten Schleichpassagen das Tempo der Story.

Schwächen im Missionsdesign

Stürzen sich auf einem Güterbahnhof 20 Gegner auf euch, ist das eine Sache. Ist darunter ein Schäferhund, seid ihr durch dessen erste Berührung tot – auf dem zweiten von vier Schwierigkeitsgraden. Diese „Trial-and-Error“-Passagen können kurzzeitig frustrieren, beim zweiten Anlauf wisst ihr es dann besser.

Im Kampf um Midway steigt ihr zur Abwechslung mal in ein Flugzeug. Nach der großartig inszenierten Startsequenz verfliegt der Glanz wortwörtlich.

Das Abschießen von Flugzeugen und das Bombardieren von Kriegsschiffen steuert sich unbequem. Ihr dürft nie von eurer Flugroute abweichen, ihr müsst wie auf Schienen fliegen. Zudem ist das Missionsgebiet winzig, ständig überfliegt ihr dessen Grenzen.

Die Flugzeug-Mission ist nicht schwer, dafür fühlt sie sich wie fliegen auf Schienen an.
Die Flugzeug-Mission ist nicht schwer, dafür fühlt sie sich wie fliegen auf Schienen an.

Letzten Endes gibt es in der Kampagne nichts, was ihr nicht schon mal gespielt habt. Die nervenaufreibende Versteck-Mission als kleines Kind aus Call of Duty: Modern Warfare hatte ein anderes Niveau. Eure KGB-Hauptquartier-Infiltration mit Rätseleinlagen aus Call of Duty: Black Ops Cold War ebenfalls.

Mehrspieler-Modus orientiert sich nicht am Vorgänger

Auf allen Ebenen orientiert sich der Mehrspieler-Part an Call of Duty: Modern Warfare aus 2019. Ihr könnt eure Waffen abstützen, taktisch sprinten und Türen öffnen. Neu sind zerstörbare Wände, die den Taktik-Anspruch leicht erhöhen, da diese keine sichere Deckung bieten.

Das Gunplay ist einmal mehr hervorragend. Gewöhnen müsst ihr euch aber an lange Nachlade-Animationen aufgrund der alten Waffen im Spiel. Das verlangsamt das ansonsten angenehm hohe Spieltempo.

In Call of Duty: Vanguard sind im Vergleich zum Vorgänger die Killstreaks zurück. Unter anderem könnt ihr Kampfhunde auf eure Gegner hetzen.
In Call of Duty: Vanguard sind im Vergleich zum Vorgänger die Killstreaks zurück. Unter anderem könnt ihr Kampfhunde auf eure Gegner hetzen.

Niedrig ist dagegen die „Time to Kill.“ Ihr tötet schneller als im Vorgänger, selbiges gilt aber auch für eure Bildschirmtode. Selten können sich Gegner noch retten, habt ihr erstmal auf sie gefeuert. Das fühlt sich gut, weil nachvollziehbar an.

Für mehr Abwechslung auf den 16 reinen Mehrspielerkarten sorgt die Funktion „Combat Pacing.“ Ihr entscheidet, ob ihr Matches mit maximal 12, 20, 28 oder 48 Spielern beitreten möchtet. Ihr bestimmt dadurch, wie viel Tempo, Chaos oder taktisches Vorgehen ihr beim Zocken haben möchtet.

Zwei neue Mehrspieler-Modi in Call of Duty: Vanguard

Der Patrol-Modus ist eine gelungene Neuinterpretation von Hardpoint. Ein kontinuierlich über die Karte wanderndes Gebiet gilt es mit eurem Team zu besetzen und zu verteidigen. Schön ist, dass hier Camper wenig Chancen haben, dafür geht es mitunter chaotisch zu.

Positiv überrascht hat die im Vergleich zur Beta auf ein Optimum getrimmte Gegner-Sichtbarkeit. Endlich seht ihr eure Konkurrenz, weil diese nicht mehr mit dem Hintergrund verschmilzt.

Aktuell löst „Champion Hill“ den „Gunfight-Modus“ ab. In der Kaufrunde zu Beginn und zwischendurch könnt ihr euch neu ausrüsten.
Aktuell löst „Champion Hill“ den „Gunfight-Modus“ ab. In der Kaufrunde zu Beginn und zwischendurch könnt ihr euch neu ausrüsten.

Für alle Gunfight-Liebhaber gibt es eine gute und schlechte Nachricht: Der Modus ist aktuell nicht enthalten. Dafür Champion Hill mit seinen vier Maps, der Gunfight am nächsten kommt. Acht Teams, bestehend aus zwei oder drei Spielern, bekämpfen sich in einer Art Turniermodus nacheinander.

Dabei habt ihr zwölf gemeinsame Leben und ihr spielt solange, bis nur noch ein Team übrig ist. Zwischendurch habt ihr in Einkaufsrunden die Möglichkeit, neue Waffen, Ausrüstung oder Perks und Killstreaks zu kaufen.

Zombies-Modus ist für Einsteiger hui, für Veteranten pfui

Eines vorweg: Zum Start gibt es keinen traditionellen Zombies-Modus, wie in den Vorgängern. Die Entwickler gehen aktuell einen anderen Weg.

Der zentrale Ausgangspunkt ist euer Hub, wo ihr neue Waffen (Modell leider vom Zufall abhängig) und neue Fähigkeiten erwerbt. Von hier könnt ihr mit euren drei Mitspielern durch rote Portale in Missionen starten.

Für Neueinsteiger ist dieser Ansatz leicht verständlich und zugänglich, auf Dauer allerdings repetitiv. Es gibt nur die eine spielbare Episode „Der Anfang“ mit dem immer selben Hub und drei Missionen. Und das dann Runde für Runde, bis ihr alle tot seid.

Im neuen Zombies-Modus könnt ihr euch mit drei unterschiedlichen Währungen verbessern und haltet so länger durch im Kampf gegen die Untoten.
Im neuen Zombies-Modus könnt ihr euch mit drei unterschiedlichen Währungen verbessern und haltet so länger durch im Kampf gegen die Untoten.

Veteranen ist das alles zu wenig. Es fehlen ein Splitscreen-Modus, Fertigkeitenbäume für Waffen-Klassen und neue Perks oder Field-Upgrades. Noch nicht mal eine Pause-Funktion ist enthalten.

Außerdem ist die Gegnervielfalt zu begrenzt: normaler, explodierender oder schwer bewaffneter Zombie. Das wars. Hier muss Sledgehammer Games nachsitzen und dringend nachbessern.

Für wen lohnt sich Call of Duty: Vanguard und für wen nicht?

Hier möchten wir euch kurz und knapp eine Einschätzung geben, ob sich Call of Duty: Vanguard für euch lohnt, oder eben nicht.

Ihr werdet mit Call of Duty: Vanguard euren Spaß haben, wenn …

  • ihr Lust auf kurzweilige Shooter-Action habt
  • ihr gerne im Multiplayer Zeit verbringt
  • ihr auf hervorragendes Gunplay steht
  • ihr Next-Gen-Grafik und -Sound erleben möchtet

Nicht sonderlich geeignet ist Call of Duty: Vanguard für euch, wenn …

  • ihr es euch nur wegen der Kampagne kauft
  • ihr das Setting „Zweiter Weltkrieg“ nicht mehr sehen könnt
  • ihr einen Zombies-Modus mit alten Stärken erwartet
  • ihr freies Erkunden oder Rätseleinlagen liebt

Bewertung von Jens-Magnus Krause

Für mich ist Call of Duty: Vanguard ein Ego-Shooter, der nicht allzu lange in meinem Gedächtnis bleiben wird. Dafür sind die älteren Geschwisterkinder Modern Warfare und Cold War einfach zu gut.

Versteht mich nicht falsch: Der achtzehnte Ableger der Reihe macht durchweg Spaß. Weder langweilt ihr euch, noch bewegt sich etwas unter dem gewohnten CoD-Qualitätsstandard. In Sachen Präsentation und Inszenierung samt audiovisueller Höchstleistungen ist sogar das Gegenteil der Fall: Vanguard knallt!

Leider schmeckt mir das Setting aber nicht: Eine Rückkehr zum Zweiten Weltkrieg empfinde ich von Entwickler Sledgehammer Games vielleicht noch nachvollziehbar, aber alles andere als spannend oder unverbraucht. Es ist kein Fehler per se, aber das ist ein weiteres Puzzle-Teil von Vanguard, an dem rein gar nichts herausragend ist.

Alle drei Spielmodi unterhalten auf Ihre Weise, aber keiner beeindruckt. Der Multiplayer überzeugt mich dank Verbesserungen wie dem „Combat Pacing“ und er ist der gelungenste Modus. Die Kampagne ist kurz, abwechslungsreich, aber in meinen Augen auch total austauschbar.

Mir persönlich gefällt der neue Ablauf im Zombies-Modus richtig gut. Allerdings flacht diese Begeisterungskurve schnell ab. Auf Dauer möchte ich hier einen traditionellen Modus sehen, der auch langfristig unterhält.

79

spieletipps meint: Call of Duty: Vanguard überzeugt audiovisuell und im Multiplayer. Die Kampagne und der Zombies-Modus schwächeln.

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