Pokémon: Diamant & Perle

Test Pokémon Diamant & Perle: Ist das Remake auf der Switch gelungen?

von Sergej Jurtaev (Mittwoch, 17.11.2021 - 15:00 Uhr)

Lange mussten Fans auf das Remake der vierten Pokémon-Generation warten. Als Pokémon Strahlender Diamant und Leuchtende Perle schließlich angekündigt wurden, hagelte es aber direkt Kritik. Vor allem der Grafikstil sorgte für Gesprächsstoff. In unserem Test erfahrt ihr, ob die Skepsis berechtigt ist oder ob ihr euch auf das überarbeitete Pokémon-Abenteuer freuen solltet.

Pokémon Strahlender Diamant und Leuchtende Perle erscheinen am 19. November 2021 exklusiv für Nintendo Switch.
Pokémon Strahlender Diamant und Leuchtende Perle erscheinen am 19. November 2021 exklusiv für Nintendo Switch.

Überblick zu Pokémon Strahlender Diamant und Leuchtende Perle
• Multiplayer: nein
• Switch-Online-Funktionen: ja
• Speicherdaten-Cloud: nicht kompatibel
• amiibo-Support: nein

In Sinnoh geht es ganz klassisch zu

In Diamant und Perle erkundet ihr die Sinnoh-Region, die im nächsten Jahr auch Pokémon-Legenden: Arceus als Schauplatz dienen wird. Die Generation, die mit dem Sinnoh-Abenteuer aufgewachsen ist, wird es vermutlich zum Pokémon-Primus erklären. Aber auch insgesamt ist sich die Anhängerschaft einig, dass Diamant, Perle und vor allem Platin zu den beliebteren Spielen zählen. Viele coole Monster-Designs, eine Spielwelt mit etlichen Geheimnissen und selbst ein paar einprägsame Charaktere stehen auf der Habenseite.

Die Struktur folgt dabei pedantisch der klassischen Pokémon-Formel. Ihr müsst den Sinnoh-Pokédex, bestehend aus 151 Monstern, vervollständigen und euch währenddessen acht Arenaorden verdienen. Unterwegs müsst euch mit der Verbrecherorganisation Team Galaktik herumschlagen, lüftet Geheimnisse einiger Legendärer Pokémon und landet schließlich in der Pokémon-Liga. Das Remake ändern nichts daran und hält sich strikt an die Vorlage. Wenn euch die jüngsten Pokémon-Abenteuer mit langatmigen Story-Sequenzen und unnötigen Dialogen gelangweilt haben, dann könnt ihr aufatmen. In Diamant und Perle wird nicht viel gequatscht, selbst der Einstieg geht sehr zügig vonstatten. Auf der anderen Seite kann man dem Remake natürlich vorwerfen, dass es die wenigen Ereignisse zumindest hätte zeitgemäßer inszenieren können. Richtige Zwischensequenzen gibt es beispielsweise nicht wirklich.

Am Anfang wählt ihr wie gewohnt euer Starter-Pokémon. Ihr habt die Wahl zwischen Chelast, Panflam und Plinfa.
Am Anfang wählt ihr wie gewohnt euer Starter-Pokémon. Ihr habt die Wahl zwischen Chelast, Panflam und Plinfa.

Der Grafikstil ist nicht das Hauptproblem

Dass die fast schon sklavische Treue zur Vorlage dem Remake nicht immer gut tut, zeigt sich auch in anderen Aspekten des Spiels. Das beste Beispiel ist die Optik. Klar, nachdem wir in Pokémon Schwert und Schild erstmals die Kamera frei bewegen und die Monsterjagd aus neuen Perspektiven erleben konnten, wirkt die Rückkehr zur starren Vogelperspektive mit Kopffüßlerfiguren ernüchternd. Mit dem zugegebenermaßen etwas generischen Grafikstil hätten die Entwickler trotzdem eine schöne und lebendige Spielwelt kreieren können.

Dass das nicht passiert ist, liegt daran, dass die Maps fast 1:1 übernommen wurden und nichts zusätzlich ausgestaltet wurde. Die Welt ist dadurch zu symmetrisch, repetitiv und leer. Umgebungen sind mit dem ein und demselben Baum zugekleistert. Höhlen, Innenräume ... alles sieht irgendwie gleich aus. Es gibt wenig Animation, wenig Leben auf den Straßen. Es hätte vielleicht schon gereicht, wenn die Entwickler auf Zufallskämpfe verzichtet hätten und die Pokémon in der Spielwelt umherwandeln würden. Das hat zuletzt auch in Pokémon Schwert und Schild schon Wunder gewirkt. So merkt man der Spielwelt einfach die 15 Jahre an, die sie auf dem Buckel hat. Wenn das das Ziel war, dann ist es erreicht worden.

Pokémon Diamant & Perle: Das Abenteuer neu erleben - Trailer

Ein Lichtblick im Untergrund

Wie eine alte Spielwelt schön neuinterpretiert werden kann, haben uns die Pokémon-Spiele mit Let's Go, Pikachu & Let's Go, Evoli selbst gezeigt. Im Diamant/Perle-Remake gibt es ebenfalls gute Ansätze. Diese findet ihr in den sogenannten Untergrundhöhlen. Sobald ihr das entsprechende Item erhalten habt, könnt ihr dieses große Höhlennetzwerk jederzeit betreten und hier Ausgrabungen in Form eines Minispiels absolvieren. Auf diesem Wege erhaltet ihr seltene Items, Fossilien oder Statuen, die ihr dann in eurer Geheimbasis aufstellen könnt. Wenn ihr euch dafür entscheidet, könnt ihr in den Untergrundhöhlen lokal oder online anderen Spielern über den Weg laufen.

Die Untergrundhöhlen gab es auch im Original. Neu sind hier aber die zahlreichen Pokémon-Unterschlüpfe, die ihr entdecken könnt. Dabei handelt es sich um kleine Biotope (Gras-, Schnee-, Wüstenlandschaft usw.), in denen unterschiedliche Pokémon leben, die teilweise auch nur hier zu finden sind. Man merkt sofort, dass die Entwickler bei der Gestaltung der Unterschlüpfe mehr Freiheiten hatten. Da die Pokémon hier auch sichtbar sind, sorgt das insgesamt für eine lebendige Atmosphäre. Wirklich schade, dass dieser Ansatz nicht im ganzen Remake verfolgt wurde.

Im Untergrund findet ihr solche einzigartigen Orte mit sichtbaren Pokémon, die es nicht auf der Oberwelt gibt.
Im Untergrund findet ihr solche einzigartigen Orte mit sichtbaren Pokémon, die es nicht auf der Oberwelt gibt.

Die Frage nach dem Schwierigkeitsgrad

Im Vorfeld wurde noch eine weitere Neuerung heiß diskutiert. Es ist nämlich diesmal nicht möglich, den EP-Teiler optional zu deaktivieren – eine kuriose Entscheidung. Pokémon hat unzählige Fans in jeder Altersgruppe. Es gibt die jungen Spieler, die Neueinsteiger, die Nostalgiker wie auch die Hardcore-Fans, die die Stärken und Schwächen aller Typen im Schlaf aufsagen können. Pokémon-Spiele brauchen mehr Schwierigkeitsgradoptionen und nicht weniger!

Wenn ihr nur Trainerkämpfe macht und nicht gezielt levelt, wird eure komplette Gruppe trotzdem irgendwann um die zehn Level über dem eurer Gegner liegen. Gegen Ende wird es dennoch schwierig, denn in der Pokémon-Liga erwarten euch richtig starke Kontrahenten. Nach Abschluss der Liga gibt es weitere Herausforderungen, die auch erfahrenen Spielern zusagen werden.

Weitere etablierte Komfortfunktionen wurden ebenfalls im Remake ergänzt. So müsst ihr zum Beispiel euren Taschenmonstern keine VMs beibringen, um im Spiel voranzukommen. Die VMs werden über Pokétch (Pokémon Watch) verwendet. Ihr erhaltet dieses Gadget im Spiel und schaltet dafür immer wieder neue Apps frei. Ansonsten wurde natürlich auch die Pokémon-Datenbank auf den neuesten Stand gebracht, indem unter anderem die Movesets angepasst und der Fee-Typ hinzugefügt wurde.

Für wen lohnen sich die Pokémon-Remakes? Für wen eher nicht?

Abschließend möchten wir euch kurz und knapp eine Einschätzung geben, ob sich Pokémon Strahlender Diamant und Leuchtende Perle für euch lohnen, oder eben nicht. Ihr werdet mit dem Rollenspiel euren Spaß haben, wenn ...

  • ihr ein ganz klassisches Pokémon-Abenteuer haben wollt.
  • ihr Spaß am Erkunden und Sammeln von Monstern habt.
  • ihr ein Spiel sucht, das euch Dutzende Stunden beschäftigen kann.

Nicht sonderlich geeignet ist Pokémon Strahlender Diamant und Leuchtende Perle für euch, wenn ...

  • euch der Grafikstil abschreckt.
  • ihr bei einem Rollenspiel viel Wert auf eine gute Story oder herausfordernde Kämpfe legt.
  • ihr ein umfangreiches Remake mit vielen neuen Inhalten erwartet.
Pokémon Strahlender Diamant [Nintendo Switch]

Pokémon Strahlender Diamant [Nintendo Switch]

Bewertung von Sergej Jurtaev

Ich habe mich wirklich sehr auf das Remake gefreut, denn als damals die vierte Generation an den Start ging, legte ich eine Pokémon-Pause ein, weshalb ich die Spiele nicht so viel gespielt habe wie andere Pokémon-Abenteuer. Leider hat mich diese Neuauflage eher enttäuscht, denn zu keinem Zeitpunkt konnte sie verschleiern, dass ich ein 15 Jahre altes Spiel spiele. Hinzu kommt, dass mich die Kämpfe größtenteils gelangweilt haben, weil ich den EP-Teiler nicht ausschalten konnte, wie ich das sonst gerne mache. Nichtsdestotrotz hat es mir aber Spaß gemacht, den Pokédex zu vervollständigen und die Geheimnisse in der Spielwelt zu finden.

Ein Remake muss für mich mindestens ein Spiel technisch wie optisch auf den neuesten Stand bringen oder es sollte das Erlebnis durch umfangreiche neue Features und Inhalte erweitern. Pokémon Strahlender Diamant und Leuchtende Perle bieten mir weder das eine noch das andere. Wenn ich in Zukunft noch einen Ausflug nach Sinnoh unternehmen sollte, werde ich vermutlich Pokémon Platin aus meinem Regal holen. Wenn ihr aber ein klassisches Pokémon-Abenteuer auf eurer Switch spielen möchtet, dann könnt ihr trotzdem zugreifen.

Wichtiger Hinweis zum Abschluss: Ladet euch vor dem Spielstart das umfangreiche Update 1.1.0 herunter (circa 3GB groß). Die Basisversion 1.0.0 ist unvollständig. Neben einigen Features muss damit sogar der Titelbildbildschirm sowie der überarbeitete Soundtrack nachgepatcht werden.

72

spieletipps meint: Das Remake übernimmt Limitierungen des Originals und wirkt veraltet. Die Grafik sagt nicht allen zu. Wer die Pokémon-Formel liebt, wird aber seinen Spaß haben.

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