Halo Infinite

Test Halo Infinite: Starkes Comeback mit zu wenig vom Besten

von Jens-Magnus Krause (Montag, 06.12.2021 - 09:00 Uhr)

In Halo Infinite könnt ihr nach sechs Jahren Wartezeit endlich wieder den Master Chief spielen. Auf euch wartet ein Ego-Shooter mit halber Open-World, linearen Missionen und Free-to-Play Mehrspieler-Modus. Doch wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten.

In Halo Infinite müsst ihr als Master Chief die Menschheit vor dem Untergang retten.
In Halo Infinite müsst ihr als Master Chief die Menschheit vor dem Untergang retten.

Überblick zu Halo Infinite

  • Kampagne und Multiplayer ab 8. Dezember 2021 (Game Pass)
  • Semi-Open-World mit Hub-Arealen
  • Zahlreiche Missionen, Waffen und Fahrzeuge
  • Spielt 18 Monate nach dem Vorgänger
  • Koop-Kampagne und Level-Editor ab 2022

In Halo Infinite macht mehr Wissen mehr Spaß

Die Kampagne von Halo Infinite beginnt mit dem Master Chief, einem menschlichen Piloten und einer neuen künstlichen Intelligenz namens „Die Waffe.“ Als Trio landet ihr auf dem partiell zerstörten, ringförmigen Planeten Zeta Halo und müsst in zahlreichen Missionen herausfinden, was nach den Geschehnissen aus dem Vorgänger passiert ist.

Klar ist nur: Die Welt befindet sich in einer schlechten Verfassung. Die Menschheit steht am Abgrund. Und ihr sollt die Retter mimen.

Die brutal agierenden Verbannten, eine Abspaltung der aus Aliens bestehenden Covenant-Gefolgschaft und bekannt aus Halo Wars 2, wollen Zeta Halo für sich beanspruchen. Und ihr wollt das natürlich verhindern.

Parallel kommt die Frage auf, was mit der künstlichen Intelligenz Cortana passiert ist, die in Halo 4 so gesehen gestorben ist, in Halo 5 - Guardians aber die komplette Galaxie auslöschen wollte. Seitdem sind 18 Monate vergangen.

Dieser Story-Ansatz überfordert Halo-Neueinsteiger, überrascht langjährige Fans aber und birgt deshalb gleichermaßen Frustration und spannendes Mysterium. Eine Rückblick-Zwischensequenz wäre zu Beginn wünschenswert gewesen.

Halo Infinite | Cinematic-Intro zum Multiplayer des Shooters

Eine Welt voller Inseln in Halo Infinite

Nach über einer Stunde verlasst ihr die Korridor-Levels und startet in die offene Spielwelt. Dabei handelt es sich bewusst nicht um eine riesige Fläche wie in Red Dead Redemption 2, sondern um kleine Inseln, die alle miteinander verbunden und später jederzeit zu bereisen sind. Ein Archipel im Weltraum. Eine Semi-Open-World.

So clever dieser Aufbau ist und so gut er zur Halo-Serie passt, so eintönig ist er optisch. Ihr rennt, kämpft oder fahrt über graue Felsformationen, die teilweise mit Gras oder Bäumen versehen sind.

Kein Bauwerk und keine Landschaft stechen besonders hervor. Das Einzige, was sich bewegt, sind eure Gegner. Von Tieren, die es geben soll, war beim Testen nicht viel zu sehen. Ein, zwei Vogelschwärme. Das war es.

Die Fahrzeuge steuern sich in Halo Infinite gewöhnungsbedürftig mit zwei Analog-Sticks.
Die Fahrzeuge steuern sich in Halo Infinite gewöhnungsbedürftig mit zwei Analog-Sticks.

Dafür ist die Größe der Hubs gut gewählt, liegen die Haupt- und Nebenmissionen doch immer nah beieinander. Selbst eine Anreise zu Fuß ist fast nie zu zeitintensiv.

Via Fahrzeug geht es auch, hier ist jedoch die Steuerung gewöhnungsbedürftig. Mit dem linken Stick beschleunigt und bremst ihr. Mit dem rechten lenkt ihr. Intuitiv ist anders.

Es gibt viel zu tun auf dem Ring Zeta Halo

Im Spielverlauf bietet der Insel-Aufbau von Zeta Halo einen weiteren Vorteil. Zu keiner Zeit schiebt ihr Frust, weil euch das Spiel im Gegensatz zur Ubisoft-Formel nicht mit viel zu vielen Aktivitäten eure Karte, hier Tac-Map genannt, vollballert.

Auf der Karte wählt ihr eure nächste Hauptmission aus, die sich angenehmerweise nur chronologisch freischalten lassen. Oder ihr entscheidet euch für eine der zahlreichen Nebenaufgaben.

Die Tac-Map lässt sich leider weder drehen, noch könnt ihr nah genug heranzoomen, um nahe beieinander liegende Missionsziele einfacher zu unterscheiden.
Die Tac-Map lässt sich leider weder drehen, noch könnt ihr nah genug heranzoomen, um nahe beieinander liegende Missionsziele einfacher zu unterscheiden.

Ihr könnt Propagandatürme zerstören, UNSC-Trupps (menschliche Soldaten) retten, besonders starke Gegner besiegen und deren Spezialwaffen freischalten, Audiologs einsammeln, Waffenkammern plündern oder Verbesserungskerne für die Ausrüstung eures Spartans aufspüren.

Oder ihr befreit Operationsbasen sowie Außenposten. Letztere dienen als eure Safe Zones, die ihr ab dann per Schnellreise erreicht.

So gewinnt ihr Stück für Stück die Kontrolle über Zeta Halo zurück und erhaltet die Währung Tapferkeit. Diese sorgt dafür, dass ihr in eroberten Außenposten immer mehr Waffen, Fahrzeuge und Helfer ordern könnt.

Komfortprobleme bei Munition und Treffer-Feedback

Nach einer Eingewöhnungphase ist das Gunplay ein Highlight von Halo Infinite. Es ist beispielsweise schön zu sehen, dass eure Gegner bei Beintreffern das Gleichgewicht verlieren.

Das Treffer-Feedback als solches ist aber häufig kaum wahrnehmbar, wodurch das Spiel eine große Chance der Befriedigung liegen lässt. Die Sounds der Waffen in Kombination mit der Umgebung sind dagegen grandios: Feuert ihr euer Sturmgewehr in einem Tal ab, hallt dieses per Echo nach.

Eure Gegner sind als Verbannte bekannt und wollen Zeta Halo für ihre Zwecke missbrauchen.
Eure Gegner sind als Verbannte bekannt und wollen Zeta Halo für ihre Zwecke missbrauchen.

Da es eine große Auswahl an Waffen gibt, gibt es auch viel Abwechslung. Ihr wählt aus unterschiedlichen Sturmgewehren oder Shotguns, Plasma-Wummen und den neuen Schockwellen-Knarren.

Was euch häufig ausbremst, ist ein Komfortproblem: Weil die Gegner so viele Treffer vertragen, herrscht ständige Munitionsarmut im Kampf. Immerhin könnt ihr eure Magazine an Terminals wieder aufladen, Gegner lassen Waffen fallen und ihr findet an jeder Ecke Waffenständer.

Inspector Gadget lässt in Halo Infinite grüßen

Im Kampf könnt ihr neben den Waffen auf unterschiedliche, aufrüstbare Gadgets zurückgreifen. Ein passives ist euer Schild, welcher auf dem zweiten von vier Schwierigkeitsgraden nicht gerade viele Treffer einstecken kann, sich dafür aber in Deckung regeneriert.

Euer universeller Greifhaken ist in dieser Kategorie aber der eigentliche Star. Ihr könnt euch an höher gelegene Punkte oder wahlweise an Gegner heranziehen. Oder ihr greift explosive Energiekerne und schleudert sie euren Widersachern entgegen.

Grafisch ist Halo Infinite gut, aber abseits der Zwischensequenzen nicht überragend.
Grafisch ist Halo Infinite gut, aber abseits der Zwischensequenzen nicht überragend.

Wer lieber seine Gegner temporär durch Wände hindurch sehen möchte, kann auch dafür das entsprechende Tool nutzen. Ihr könnt aber immer nur ein Gadget ausgerüstet haben, welches jeweils nach Benutzung mit einem Cooldown versehen ist.

Grafisch betrachtet ist Halo Infinite nur in den Zwischensequenzen das erhoffte Next-Gen-Feuerwerk. Im Spiel gefallen die große Weitsicht und die scharfen Texturen. Dennoch bewegt sich ein Call of Duty: Vanguard optisch in einer anderen Liga. Hier sehen die Charaktere, die Waffen und die Umgebungen detaillierter und lebensnaher aus.

Ein Mehrspieler-Modus für alle

Der Mehrspieler-Modus von Halo Infinite geht neue Wege. Erstmalig für die Spieleserie ist der Multiplayer völlig losgelöst von der Kampagne spielbar und das auch noch mit Free-To-Play-Ansatz inklusive Crossplay zwischen PC und Xbox.

Ab dem Release-Tag am 8. Dezember dieses Jahres verlässt der Modus dann auch den momentanen Beta-Status. Für einen angenehmen Einstieg sorgt die Spartan-Akademie mit ihrem Basis-Tutorial und die Möglichkeit, gegen Bots zu trainieren.

Spielerisch habt ihr im Multiplayer großen Spaß, wenn ihr kein besseres Call of Duty erwartet. Halo Infinite versprüht eher den Charme von Multiplayer-Spielen Ende der 90er- und der frühen 2000er-Jahre, wie Unreal Tournament mit seinen Waffen-Spawnpunkten.

Die Spartan-Akademie ist der perfekte Weg, um sich gegen Bots auf die Kämpfe mit menschlichen Gegnern vorzubereiten.
Die Spartan-Akademie ist der perfekte Weg, um sich gegen Bots auf die Kämpfe mit menschlichen Gegnern vorzubereiten.

Das Gunplay verhält sich ähnlich wie in der Kampagne: Nach einer Eingewöhnungszeit macht es richtig Laune. Außer, euch entwischt mal wieder ein Gegner hinter einer Ecke wegen der hohen Time-To-Kill.

Halo Infinite bietet starke Modi und Karten zum Launch

Wer kompetitiv unterwegs ist, kann sich in Ranglisten-Matches beweisen. Alle anderen haben ihren Spaß einfach ... nun ... nur zum Spaß. Bekannte Spielmodi wie Capture the Flag, Team Deathmatch oder Oddball sind am Start. Entweder im Arena-Modus (vier gegen vier) oder als Big Team Battle (zwölf gegen zwölf).

Bei Letzterem kommen auch Fahrzeuge zum Einsatz, was in Kombination mit der Spieleranzahl häufig in chaotischen Runden endet. Im Arena-Modus geht es dagegen viel taktischer zu. Wann wer welche Waffe oder die Verstärkung für das Schild aufsammelt, ist mehr von Bedeutung.

Der Battle Pass und diese freischaltbaren Elemente im Shop sind nur kosmetischer Natur.
Der Battle Pass und diese freischaltbaren Elemente im Shop sind nur kosmetischer Natur.

Aktuell bekämpft ihr euch auf zehn Mehrspieler-Karten, die allesamt eine angenehme Größe haben, optisch aber steril wirken. Neben kosmetischen Items für euren individualisierbaren Spartan, fällt der Battle Pass ins Auge, dessen Level-Aufstiege nach bereits durchgeführten Verbesserungen immer noch langsam vorangehen.

Und das verpflichtende Crossplay zwischen PC- und Xbox-Spielern ist schlichtweg unfair, da ein Controller der Maus und Tastatur des PC im Schussduell unterlegen ist.

Für wen lohnt sich Halo Infinite und für wen nicht?

Hier möchten wir euch kurz und knapp eine Einschätzung geben, ob sich Halo Infinite für euch lohnt, oder eben nicht.

Ihr werdet mit Halo Infinite euren Spaß haben, wenn …

  • ihr Lust auf einen kurzweiligen Sci-Fi-Shooter habt
  • ihr gerne im Multiplayer Zeit verbringt
  • ihr auf viele Gegner und Waffen steht
  • ihr Next-Gen-Sound erleben möchtet

Nicht sonderlich geeignet ist Halo Infinite für euch, wenn …

  • ihr einen komplett linearen Shooter sucht
  • ihr mit einem Sci-Fi-Setting nichts anfangen könnt
  • ihr beim Gunplay ein besseres Call of Duty erwartet
  • ihr euch ohne taktisches Vorgehen durchs Spiel mogeln wollt

Bewertung von Jens-Magnus Krause

Auch ich war skeptisch, ob Entwickler 343 Industries den durch Vertrauensverlust langsam sinkenden Halo-Kahn auf Vordermann bringen kann. Insgesamt bin ich mit Halo Infinite zwar wirklich zufrieden, aber nicht immer glücklich.

Mir gefallen der Semi-Open-World-Ansatz, die befriedigenden Waffen-Sounds und schnippischen Kommentare meiner Gegner sowie die gute deutsche Synchronisation. Und ich bin froh, dass sich die Story nach dem überfordernden und gleichzeitig repetitiven Einstieg bei den Missionen zu einem Highlight aus Fragen und Antworten mausert.

Neben der Geschichte, musste ich mit dem Gunplay, der Steuerung (gerade bei Fahrzeugen) und der hohen Time-To-Kill erstmal warm werden. Auch im Multiplayer. Und ohne die Steuerungseinstellungen zu verändern, bin ich mit den sich träge anfühlenden Stick-Bewegungen beim Zielen nicht zurechtgekommen.

Dem Mehrspieler-Modus fehlt es meiner Meinung nach vor allen Dingen an einer modernen Inszenierung. Die Menüs sind unübersichtlich, altbacken und alles fühlt sich ein wenig lahm an. Auch die Battle-Pass-Präsentation muss sich einem Call of Duty geschlagen geben. Viel Spaß habe ich auf Dauer trotzdem, was am Gunplay und dem klassischen Kartenaufbau liegt.

Die bitterste Pille ist für mich jedoch, dass ich die Kampagne zum Launch nicht im Koop-Modus spielen kann. Diese Funktionen wollen die Entwickler 2022 nachreichen, genauso wie den Level-Editor Forge. Insgesamt gibt es bei Halo Infinite zu wenige Features, die ich zu den besten des Genres zählen würde.

80

spieletipps meint: Halo Infinite ist ein in allen Belangen guter, aber nie überragender Sci-Fi-Ego-Shooter.

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