30 Jahre Tetris: Der Klötzchen-Krimi - Seite 7 (Special)

Der Papa wird's schon richten

Nintendo schreibt – nicht ohne Hohn – einen Brief an Atari. Die Firma möge die Produktion von Tetris-Modulen bitte umgehend einstellen. Die Rechte dafür habe nämlich einzig und allein Nintendo. Atari reagiert irritiert. Sie hätten die Lizenzen doch bereits vor über einem Jahr rechtsgültig von Mirrorsoft erworben.

Robert Maxwell ist ein Mann, den niemand ungestraft zum Narren hält.
Robert Maxwell ist ein Mann, den niemand ungestraft zum Narren hält.

In Europa hat Kevin Maxwell unterdessen seinen Vater informiert. Der 66jährige Firmenpatriarch rastet völlig aus, als er vom doppelten Spiel der Elorg erfährt. Robert Maxwell ist einer der reichsten und mächtigsten Männer der Welt und so jemand lässt es sich natürlich nicht bieten, wenn ihm ein kommunistischer Staatskonzern auf der Nase herumtanzt.

Der britische Premierminister gehört genauso zu seinen Freunden wie hochrangige russische Politiker. Maxwell Senior beschwert sich deshalb beim Kreml und auch beim Minister für wirtschaftliche Auslandsbeziehungen. Nun also mutiert die Tetris-Story auch noch zum Politthriller.

Elorg wird nervös. Sind womöglich schon KGB-Spione im Gebäude? Dass sich die Sache zu einem bedrohlichen Politikum entwickelt, war nicht vorgesehen. Nur Belikow bleibt cool. Michail Gorbatschow, damals noch Chef der kommunistischen Partei, werde schon verstehen. Wenn er sich da mal nicht täuscht.

Denn natürlich gehört auch Gorbatschow zu Maxwells Vertrauten. Die beiden treffen sich – wo wohl? Genau, in Moskau. Maxwell berichtet dem Staatsmann empört von der Affäre rund um Tetris und Gorbatschow beschwichtigt den Engländer: Wegen dieser japanischen Firma solle er sich keine Sorgen mehr machen.

Ist das NES ein Computer?

Doch nur wenig später rudert Gorbatschow zurück. Es tue ihm leid, aber Elorg habe ihm klargemacht, dass man mit dem zahlungskräftigen Nintendo-Konzern besser fahre. Und das war’s dann. Damit sind Maxwell und Mirrorsoft endgültig aus dem Rennen.

Gerade noch hat Gorbatschow (links) den reichen Briten Maxwell beruhigt, doch dann becirct ihn die Elorg
Gerade noch hat Gorbatschow (links) den reichen Briten Maxwell beruhigt, doch dann becirct ihn die Elorg

Der Konflikt mit Atari ist jedoch keineswegs schon ausgestanden – ganz im Gegenteil: Kurz nach Maxwells Kapitulation hat Nintendo eine Klage von Ataris Konsolensparte Tengen auf dem Tisch.

Nintendos Anwälte fühlen sich nach dem jüngsten Elorg-Deal im Recht und kontern mit einer Gegenklage. Auf beiden Seiten rüsten sich nun Spitzenanwälte zur Schlacht: Sie formulieren juristische Stellungnahmen, sammeln wie besessen in England, Amerika und Russland Beweismaterial zusammen und studieren in jeder noch ungenutzten Minute etwaige Präzedenzfälle.

Ihr ahnt es schon: Aus unserem Märchen von vorhin wird nun auch noch ein Justizdrama. Das einzig unstrittige Dokument ist Steins Vertrag über die Computerrechte. Atari argumentiert nun, das NES sei doch ein Computer und Nintendo behaupte das schließlich auch selbst. Die Anwälte verweisen auf die japanische Bezeichnung Famicom, was nichts anderes als Familiencomputer bedeutet.

Außerdem gebe es in Japan eine Tastatur und ein Modem als Zusatzgeräte fürs Famicom. Also, wenn das aus dem NES keinen Computer mache, was denn dann! Atari-Manager Hide Nakajima wird wütend.

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