Test Resident Evil 7 - Das Fazit von Onkel Jo

Neue Technik, alter Horror und "Virtual Reality"?

Die eigens entwickelte RE-Engine erfüllt ihre Aufgabe ausgezeichnet. Schatten und Spinnweben tanzen im flackernden Feuerschein durchs Bild. Das Ganze wirkt flüssig, aber da kommt dem Spiel sicher auch das bereits angesprochene, niedrige Spieltempo zu Gute. Ins Schwitzen kommen die Grafikroutinen nicht, wenn ihr vorsichtig um eine Ecke lugt oder hinter einem Schrank kauert.

Selbst wenn nichts passiert, verbreitet das Spiel schaurige Gefühle.Selbst wenn nichts passiert, verbreitet das Spiel schaurige Gefühle.

Die VR-Erfahrung gewinnt dadurch. Mit VR-Headset wirkt das Splatter-Fest natürlich noch intensiver. Die Kopfdrehungen ermöglichen dabei zusätzliche Übersicht, während ihr mit dem Pad Ethan steuert. Vergeßt die Pillepalle-Technikdemos, bei denen Programmierer zeigen, was irgendwann mal möglich sein könnte: Resident Evil 7 IST das, was VR schon immer sein wollte! Ihr seid mittendrin. Ihr seht die Motten um die Lampe schwirren, eure Hände die schwere Tür aufdrücken und die Dunkelheit, wie sie eure Hoffnungen verschluckt. Die Texturen erscheinen scharf und auch hier unterstützt der Sound mit 7.1 das Erlebte maßgeblich.

Schon ohne VR beklemmend: Sich durch diesen engen Gang mit Schaben zu quetschen.Schon ohne VR beklemmend: Sich durch diesen engen Gang mit Schaben zu quetschen.

Der Einstieg in die Geschichte erfolgt zudem so, dass ihr genug Zeit findet, euch an das Geschehen zu gewöhnen. Danach sind jedoch auch schnelle Aktionen geboten - schnell weglaufen verträgt sicher nicht jeder und eine Schießerei endet gerne in Chaos, versemmelten Kugeln und dem "Sie sind tot"-Bildschirm. Doch das schafft ihr bei Bosskämpfen sicherlich auch ohne VR. Bis ihr den jeweils richtigen Dreh für den Kampf rausgefunden habt, dürften die Speicherpunkte eure besten Freunde sein. Außer natürlich, ihr steht auf entstellte Ungeheuer. Aber dafür reicht ja zur Not auch ein Blick ins Dschungelcamp auf RTL.

Fakten:

  • reiht sich in der Zeitlinie nach Resident Evil 6 ein
  • frei wählbare Sprachausgabe und Untertitel auf Deutsch, Englisch, Japanisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
  • laut Capcom in Deutschland ohne Gewaltzensuren
  • in Japan kommt neben der unzensierten "Grotesque Version" auch eine geschnittene Fassung in den Handel
  • nur für Erwachsene
  • 3 Schwierigkeitsgrade ("Irrenhaus" nach dem ersten Durchspielen)
  • speichern ist an speziellen Speicherorten jederzeit möglich (auf "Irrenhaus" nur mit Audio-Kassetten)
  • diverse Sammelgegenstände im Spiel versteckt
  • rund 12 Stunden bis zum Abspann
  • unterstützt PlayStation VR und PlayStation Pro
  • als Download im "Play Anywhere"-Programm von Microsoft (nur einmal zahlen für Xbox One und PC)
  • voraussichtlich ab 24. Januar 2017 erhältlich für PS4, Xbox One und PC
  • Resident Evil 7 mit Vorbesteller-Bonus bei Amazon bestellen
  • Sammlerausgabe exklusiv bei Gamestore erhältlich

Meinung von Joachim Hesse

Bei VR könnte ich kotzen. Ernsthaft. Jedenfalls ohne vorher Reisetabletten geschluckt zu haben und trotz einiger Einstellmöglichkeiten. Aber das darf ja zum Glück jeder selbst für sich entscheiden. Mir reicht die normale Version, die ist krass genug. Um es auf den Punkt zu bringen: Resident Evil 7 ist ein Brett! Horror von vorne bis hinten. Darauf hatte ich nach meinem Besuch bei Entwickler Capcom in Osaka gehofft. Sie haben mich nicht enttäuscht.

Solltet ihr allerdings zu den Menschen gehören, die nur Resident Evil 5 und 6 lieben, lauft! Lauft schnell weg und vergesst Teil 7. Er wird euch nicht gefallen. Alle anderen dürfen sich gerne eine Resi-Duftkerze mit Blutgeruch anstecken und sich an der PlayStation 4 meinetwegen auch mit VR-Brille aus der Realität ausklinken. Denn atmosphärisch liefert das Spiel mehr als jeder Mitternachtsspaziergang über den Friedhof.

Optik und Sound rangieren trotz unspektakulärer Animationen und teils statischer Umgebung auf einem Niveau, das sich für 2017 als würdig erweist. Die expliziten, virtuellen Gewaltexzesse sollte man jedoch schon mögen, um das Spiel gut zu finden. Splatter-Szenen wirken durch die neue Technik einfach deutlich härter als früher. Ein bisschen mehr Artenvielfalt hätte mir Capcom jedoch gerne gönnen dürfen. Denn abgesehen von den größeren Brocken und Insekten lauert im Haus im Grunde nur ein Gegnertyp: Schleimige Opfer schrecklicher Menschenversuche. Das soll nicht heißen, dass ich mich unterfordert fühle.

Sobald mir ein Ungeheuer entgegen schlurft, muss ich mich zwingen ruhig zu bleiben. Bloß keine der raren Kugeln versieben, weil das Spiel mich zielen lässt wie einen betrunkenen Wildhüter. Doch auch das ist für mich Resident Evil. Der Gruseleffekt nutzt sich in der zweiten Spielhälfte zwar etwas ab, dennoch gönnt Capcom dem Spiel ein Ende, das den Kreis schließt. Das versöhnt auch Liebhaber der Serie, die sich bis dahin gefragt haben, ob das wirklich noch Resident Evil ist.

Jetzt noch ein kleiner Tipps-Service für Einsteiger:

  • schnappt euch in der Garage den Autoschlüssel
  • bei den Lichträtseln nicht vergessen, am Ende "X" zu drücken
  • unter der Kettensäge könnt ihr euch wegducken oder sie blocken

Capcom ist ein außergewöhnliches Spiel gelungen, das sich meinen Respekt verdient hat. Ich bin gespannt, ob Outlast 2 das überbietet.

90 Spieletipps-Award

meint: Die Serie kehrt wieder dorthin zurück, wo sie groß wurde: Zum Horror und zu beklemmender Atmosphäre. Auf PS4 inklusive VR-Unterstützung.

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Tags: Onkel Jo   Horror   Singleplayer   Uncut  

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