Spielzeugpuppe Cayla: Bundesnetzagentur spricht von Spionage-Tool

von Sören Wetterau (20. Februar 2017)

Die Puppe "My Friend Cayla" soll die nächste Stufe der Spielzeugpuppen für Kinder darstellen: Sie ist mit dem Internet verbunden, ist via Android- oder iOS-App steuerbar und versteht zahlreiche Fragen, auf die sie auch sofort einen Antwort hat. Laut der Bundesnetzagentur weiß Cayla allerdings zu viel.

Die Behörde bezeichnet Cayla als "getarnte, sendefähige Anlage" und verbietet deswegen den Verkauf der Puppe. Verkaufsstellen, die Cayla im Angebot haben, wurden in den letzten Wochen schon dazu aufgefordert, die Puppe aus dem Angebot zu nehmen und dies entsprechend nachzuweisen. Wer die Puppe bereits besitzt, soll sie vernichten oder professionell entsorgen. Grund dafür ist, dass der Besitz einer solchen Anlage strafbar ist.

Im Idealfall besorgen sich Eltern einen Vernichtungsnachweis einer Abfallwirtschaftsstation und schicken diesen anschließend an die Bundesnetzagentur, um auf der sicheren Seite zu sein. In der Mitteilung der Behörde heißt es allerdings auch, dass ein Vorgehen gegen Besitzer einer solchen Puppe nicht geplant sei, sie aber davon ausgehen, dass Eltern aus eigenem Interesse die Puppe loswerden. Trotzdem gilt Folgendes zu beachten:

Die Bundesnetzagentur handelt rein als Verwaltungsbehörde. Ob sich jemand im Zusammenhang mit den nach § 90 TKG verbotenen Spionagegeräten strafbar gemacht hat, entscheiden allein die Strafverfolgungsbehörden in jedem Einzelfall."

(Quelle: myfriendcayla.de)

Grund für die Einordnung als potenzielles Spionage-Tool ist das eingebaute Mikrofon, sowie die nicht geschützte Bluetooth-Verbindung, wodurch Unbefugte mithören könnten. Außerdem sollen die Spracheingaben auf externen Servern gespeichert werden, auf die Eltern keinen Zugriff haben.

Der britische Hersteller Vivid hat sich auf Nachfrage von Golem.de zu den Anschuldigen der Bundesnetzagentur wie folgt geäußert:

"My Friend Cayla verstößt in keiner Weise gegen Paragraf 90 TKG. Paragraf 90 TKG verlangt, wie auch die Gesetzesbegründung klarstellt, für einen Verstoß neben anderen Voraussetzungen ausdrücklich, dass das betreffende Gerät in besonderer Weise dazu bestimmt ist, das nichtöffentlich gesprochene Wort unbemerkt abzuhören - und dass dieser Zweck sogar der einzige Zweck des Gerätes ist, es also von vornherein keinem anerkennenswerten Zweck dient. Dass dies für Cayla nicht zutrifft, ist eindeutig."

Der Hersteller möchte die Fragestellung "gerichtlich prüfen lassen" und ist der Ansicht, dass es keinen Anlass gibt, die Puppe zu zerstören oder andersweitig zu entsorgen.

Hacken in Videospielen mit einer Puppe? Das gab es zumindest in direkter Form noch nicht. Dafür aber thematisieren nicht gerade wenige Spiele das teils brisante Thema. Welche das sind, verrät euch die Bilderstrecke.

Tags: Hacks   Politik  

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