Vorschau Sniper Ghost Warrior 3 - Kimme, Korn, Kill

von Ulrich Wimmeroth (28. Februar 2017)

Für den dritten Teil der Serie verspricht der polnische Entwickler CI Games mehr taktische Tiefe und eine offene Spielwelt. Wir haben ein paar neue Missionen gespielt und verraten, ob uns dabei das Scharfschützenfieber gepackt hat.

Diese gut befestigte Radiostation der Georgischen Separatisten sollt ihr im Spiel infiltrieren.Diese gut befestigte Radiostation der Georgischen Separatisten sollt ihr im Spiel infiltrieren.

Lahme Story, dumme Gegner und langweilige Schlauchlevel: Unser Urteil im Test "Sniper - Ghost Warrior 2: Scharfschütze mit Crysis-Grafik" fiel nicht sonderlich positiv aus. Das war vor gut vier Jahren, jetzt will der polnische Entwickler City Interactive Games (unter anderem beteiligt an Lords of the Fallen) mit dem dritten Teil der Scharfschützen-Serie "Sniper Ghost Warrior" alles besser machen und eine offene Spielwelt, taktische Vielfalt sowie eine spannende Geschichte präsentieren. Bei einem Anspieltermin konnten wir einige Missionen, die zeitlich zwischen dem zweiten und dritten Akt, ungefähr nach einem Drittel des Spiels, zu finden sind in aller Ruhe anspielen. Und Ruhe ist auch unbedingt notwendig, denn zwar könnt ihr die Einsatzziele auch mit Frontalangriffen und Dauerfeuer angehen, landet dann allerdings schnell in einer unheroischen Pixelblutlache.

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Bevor wir näher auf die angenehm abwechslungsreichen Missionen eingehen, kurz ein paar Worte zur Handlung. Ihr findet euch in der Rolle von Jonathan "Jon" North wieder, einem Soldaten des US Marine Corps, Elite-Scharfschütze und überhaupt Mann für alle heiklen Fälle. Als ein blutiger Bürgerkrieg Georgien ins Chaos stürzt und ein zweiter Kalter Krieg auszubrechen droht, wird Jon an die Russische Grenze entsandt, um die Anführer der aufständischen Separatisten möglichst unerkannt um die Ecke zu bringen. Das Himmelfahrtskommando kommt dem guten Jon gerade richtig gelegen, ist doch zur gleichen Zeit sein totgeglaubter Bruder Robert in dem Krisengebiet gesichtet worden.

Mit der Hilfe von gleich zwei hübschen aber tödlichen Frauen, der Mossad-Agentin Raquel Shein und der kampferprobten Söldnerin Lydia Jorjadze (übrigens eine Ex-Geliebte von Jon) macht sich der Marine auf, das Land von Kriegsverbrechern zu säubern und seinen Bruder zu finden. Und dann wäre da noch der mysteriöse Scharfschütze Amazi, der immer wieder auftaucht und man sich nicht sicher sein kann, ob er Freund oder Feind ist. Das klingt jetzt alles nach der Story eines actionreichen B-Movies? Unbedingt! Und das ist wirklich nicht negativ gemeint.

Scout-Modus und Drohneneinsätze

Die spielbare Mission beginnt am Steuer eines Jeeps, mit dem ihr eine sichere Unterkunft, ein Safe House, erreichen sollt, um euch erst einmal mit Lydia und Raquel über das weitere Vorgehen zu besprechen. Der Weg ist auf der Übersichtskarte gut sichtbar markiert und eigentlich könntet ihr schnurstracks zum Treffen fahren. Aber auf der riesigen Karte der offenen Spielwelt fallen euch immer wieder Markierungen auf, die auf interessante Punkte aufmerksam machen.

Ein wichtiges Hilfsmittel ist eure Drohne, mit der ihr aus sicherer Entfernung Gegner markieren und die Umgebung erkunden könnt.Ein wichtiges Hilfsmittel ist eure Drohne, mit der ihr aus sicherer Entfernung Gegner markieren und die Umgebung erkunden könnt.

Nebenmissionen, wie die Jagd nach gesuchten Kriegsverbrechern, deren Eliminierung wertvolle Erfahrungspunkte bringt, das Retten von Gefangenen, die Zerstörung einer feindlichen Stellung oder einfach die Suche nach wertvollen Gegenständen und neuen Waffen - all das sorgt für Ablenkung abseits vom Hauptpfad. Und ihr lasst euch sicher gerne ablenken. Wir zum Beispielprobieren an einem nahen Wegpunkt unsere Sniper-Skills aus. Das Ziel der Nebenaufgabe: Die Bösewichte ausschalten, die einen harmlosen Einwohner Georgiens in einem Waldgebiet gefangen halten.

In aller Ruhe sondiert ihr die Lage und entdeckt vier Gegner, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Jon ist kein Superheld und einfach mit der Maschinenpistole blind losstürmen endet definitiv in einem Debakel. Aber ihr verfügt über eine Reihe wichtiger Hilfsmittel, die euch das Scharfschützen-Leben erheblich erleichtern. So werden im Scout-Modus Feinde und interaktive Objekte, beispielsweise Vorsprünge, an denen ihr hochklettern könnt, leuchtend gelb hervorgehoben. Oder ihr nutzt ganz zeitgemäß eine Drohne, die euch eine Übersicht des Krisengebiets aus der Vogelperspektive liefert und Gegner markieren kann.

Den ersten Soldaten schaltet ihr hinterrücks mit einem Messer aus, durchsucht den Körper nach Munition und anderen wertvollen Gegenständen und schleppt die Leichen hinter ein Gebüsch. Die Kollegen sollen ja nicht frühzeitig gewarnt werden. Die übrigen Gegner stehen zusammen und unterhalten sich. Ein großer Fehler, denn mit drei schnellen Schüssen mit dem Scharfschützengewehr bereitet ihr er Gefahr schnell ein Ende. Das Zielen gestaltet sich aus sicherer Entfernung intuitiv. Zwar gilt es die Anzeige der Windrichtung und Windstärke sowie der Distanz und Richthöhe im Auge zu behalten, aber wenn ihr nicht gerade "Realistisch" als Schwierigkeitsstufe gewählt habt, ist jeder Schuss ein Treffer. Also Luft anhalten, damit das Fadenkreuz nicht zittert und den Abzug durchziehen. Auftrag erfüllt.

Im Spiel könnt ihr unterschiedliche Fahrzeuge steuern.Im Spiel könnt ihr unterschiedliche Fahrzeuge steuern.

Ihr befreit den Gefangenen, kassiert Erfahrungspunkte und Munition ein und macht euch nach dem kurzen Intermezzo auf in euren Unterschlupf. Hier trefft ihr eure beiden Mitstreiter und plant gemeinsam den nächsten Schritt, um den Separatistenführern den Garaus zu machen. Ihr könnt euch aber auch eine Mütze Schlaf gönnen, am Computer Informationen über Freunde, Feinde und Missionsziele nachlesen oder euch an der Werkbank als Waffenbauer betätigen. Crafting ist ein wichtiger Bestandteil des Spiels, das euch erlaubt unterschiedliche Munition herzustellen, Granaten zu basteln und Verbesserungen an den Präzisionswaffen vorzunehmen. Mit einer Handvoll panzerbrechender Munition, die dünne Wände oder die Körperpanzerung einiger Gegner durchschlagen kann, fällt euch die nächste Aufgabe gleich leichter.

Hochzeit mit Hindernissen

Als abwechslungsreich erweist sich die folgende mehrstufige Mission, die euch als ungebetenen Gast auf eine Hochzeit führt. Die findet in einer Kirche statt, in der es vor schwer bewaffneten Separatisten nur so wimmelt. Hier einfach hereinzuspazieren ist ein Ding der Unmöglichkeit, also ist eine clevere Tarnung angesagt. Ihr verlasst den sicheren Unterschlupf und legt den Weg zum Ziel entweder mit dem Auto, das sich allerdings extrem hakelig um die Kurven steuert, oder per Schnellreise zurück. Eine sinnvolle Option, denn das offene Spielgebiet des virtuellen Georgiens ist wirklich weitläufig.

Anschleichen und Ausschalten. Allerdings ist der linke Gegner mit einer dicken Körperpanzerung ausgerüstet, da braucht es schon mehr als eine Pistolenkugel.Anschleichen und Ausschalten. Allerdings ist der linke Gegner mit einer dicken Körperpanzerung ausgerüstet, da braucht es schon mehr als eine Pistolenkugel.

Zu einer zünftigen georgischen Hochzeit gehört reichlich Alkohol, also überfallt ihr einen Vorposten der Separatisten und klaut einen Laster mit Wein, mit dem ihr unbemerkt zur Kirche gelangen könnt. Vorher legt ihr eure gesamte Ausrüstung ab, müsst euch unauffällig verhalten und Gespräche belauschen, damit ihr nicht wichtige Informationen zur Handlung verpasst. Das Fest endet mit dem Mord an dem Priester, einer wilden Schießerei, einer überstürzten Flucht und einem Schäferstündchen mit Lydia. Die durchaus schick gemachten Sequenzen erlauben zwar keine große Interaktion, erzählen aber die Geschichte in hübschen Bildern.

Am nächsten Morgen bewaffnet ihr euch wieder und sollt ein ganzes Gegnernest ausheben. Hier zeigt sich das Spielprinzip von Sniper Ghost Warrior 3 von seiner besten Seite. Grundsätzlich bleibt es euch überlassen, ob ihr euch an den strategisch positionierten Wachen vorbeischleichen und so die Zielperson unerkannt erreicht - was übrigens Extra-Boni bringt - oder einen Gegner nach dem anderen mit Schüssen aus sicherer Entfernung oder Angriffen aus dem Hinterhalt beseitigt. Sind alle Feinde in einem Bereich ausgeschaltet, bekommt ihr das angezeigt. Was nicht funktioniert ist eine Rambo-Taktik. Zwar verfügt ihr über ein stattliches Arsenal an Schrotflinten, Maschinenpistolen und Granaten, aber die meist gefährlich intelligent agierenden Gegner kreisen euch schnell ein. Dann könnt ihr nur hoffen, dass ihr vorher einen der eher seltenen automatischen Speicherpunkte erreicht habt. Sonst heißt es eben: Zurück zum Anfang.

Guckt ganz schön skeptisch: Eure Kampfgefährtin und Ex-Geliebte Lydia Jorjadze.Guckt ganz schön skeptisch: Eure Kampfgefährtin und Ex-Geliebte Lydia Jorjadze.

Sniper, Ghost und Warrior

Das "Spiel doch wie du willst"-Prinzip wird durch die Spezialisierung des Helden Jon in drei Fähigkeitsbäumen noch untermauert. Je 1.000 erworbene Erfahrungspunkte ergeben einen Fähigkeitspunkt. Diese können in den Bereichen Sniper, Ghost und Warrior investiert werden. Wenn ihr euch als Scharfschütze verbessern wollt, ist es sinnvoll den Predator-Fokus freizuschalten, mit dessen Hilfe ihr Gegner auch durch Hindernisse hindurch erkennen und markieren könnt.

Manchmal hilft dann doch nur Dauerfeuer: Wenn ihr nicht Fliehen könnt, kämpft ihr mit Maschinenpistole und Granaten um euer Leben.Manchmal hilft dann doch nur Dauerfeuer: Wenn ihr nicht Fliehen könnt, kämpft ihr mit Maschinenpistole und Granaten um euer Leben.

Stärkere Medizin und mehr Gesundheit findet ihr im Warrior-Abschnitt und mit der Taschendieb-Fähigkeit des Ghost sammelt ihr bei einem lautlosen Ausschalten gleich auch schon die Beute ein. Insgesamt stehen 36 unterschiedliche Verbesserungen zur Verfügung, da lohnt es sich genau zu überlegen, welche für den eigenen Spielstil am sinnvollsten sind.

Apropos Medizin: Wenn ihr angeschossen werdet, habt ihr mehrere Möglichkeiten heil aus der Klemme zu kommen. Weglaufen und verstecken, bis sich eure Lebensenergie regeneriert. Ein Verbandspäckchen nutzen, das allerdings einige Momente braucht, bis es die volle Wirkung entfaltet und im dichten Kugelhagel nur die zweite Wahl ist. Oder schnell eine Adrenalinspritze setzen. Die füllt eure Lebensanzeige zwar nicht komplett auf, wirkt aber in kurzer Zeit und kann euch so die Haut retten.

Und klappt es einmal so gar nicht mit einer Mission, könnt ihr jederzeit einen Ausflug in die offene Spielwelt machen und euch mit Nebenmissionen die nötigen Erfahrungspunkte besorgen, um eine weitere Verbesserung eurer Fähigkeiten zu erwerben. Es gibt mehr als genug zu tun, die Bösewichte scheinen nicht weniger zu werden und dann wäre da noch die Liste der "Most Wanted", gut zwei Dutzend besonders übler Kriegsverbrecher, wie beispielsweise den albanischen Söldner Era Baris, auch "der Schlächter" genannt, die ihr aufspüren und eliminieren könnt. So bekommt ihr schnell die nötigen Erfahrungspunkte zusammen.

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