Digital Homicide: Entwickler verliert vor Gericht gegen Spielekritiker

von Manuel Karner (10. März 2017)

(Quelle: Youtube, Jim Sterling)

Es war ein erbitterter Streit voller infantiler Anschuldigungen und beleidigtem Schmoll-Gehabe: Das Entwicklerstudio Digital Homicide verklagte den Youtuber Jim Sterling, weil er negativ über deren Spiel Slaughtering Grounds berichtet hatte. Diese Klage wurde jetzt von einem Gericht abgewiesen.

Dass ein Entwicklerstudio es nicht gerne hört, wenn das eigene Spiel schlecht geredet wird, ist nachzuvollziehen. Aber darauf mit einer Klage zu reagieren wirkt doch schwer überzogen.

(Quelle: Youtube, Jim Sterling)

Jim Sterling ist ein britischer Youtuber, der in den USA das eine oder andere Spiel gerne seiner spitzzüngigen Kritik unterzieht. Das obige Video zum Action-Spiel Slaughtering Grounds betitelte er mit "Neuer Anwärter für das schlechteste Spiel 2014" und in der Beschreibung fügte er hinzu: "Die Schrecklichkeit nimmt einfach kein Ende. Steam bekommt einen weiteren absoluten Reinfall. Für 9,99 Dollar".

Danach verklagte Digital Homicide den kritischen Youtuber wegen Rufschädigung und negativer Berichterstattung. Das Entwicklerstudio gab sich damit jedoch nicht zufrieden und verklagte obendrein auch noch etwa 100 Steam-Nutzer auf 18 Millionen Dollar, weil diese negative Bewertungen zu den Spielen des Entwicklers abgegeben haben sollen. Lasst euch das bitte auf der Zunge zergehen: Einem Entwickler gefällt nicht, was Leute über sein Produkt denken und verklagt sie deswegen. Frage: Geht's noch?

Jim Sterling musste demnach einen Rechtsanwalt engagieren und sich gegen diese Anschuldigungen zur Wehr setzen. Inzwischen wurde die Klage vom Gericht abgelehnt und auch die "Steam"-Nutzer sind Digital Homicide natürlich keinen Cent schuldig. Selbst die Spiele des Entwicklerstudios sind inzwischen auf Steam nicht mehr vorzufinden, da Betreiber Valve diese von der Online-Vertriebsplattform verbannte. Steam selbst fiel übrigens auch erst kürzlich einer Klage in Australien zum Opfer.

Man stelle sich nun vor, eine derartige Klage ginge zugunsten des Entwicklerstudios aus. Sämtliche Medien, die negativ über ein Videospiel berichten würden, könnten demnach verklagt werden, weshalb von freier Berichterstattung keine Rede mehr wäre. Es käme einem Verbot der Meinungs- und Äußerungsfreiheit gleich. Das Urteil ist somit ein wichtiger Schritt, kleinen wie großen Herstellern zu zeigen, dass ihnen ihre Ansicht über die Berichterstattung zwar zusteht, sie jedoch keinerlei Recht auf eine stets positive Berichterstattung haben. In diesem speziellen Fall konnten sämtliche Kritikpunkte, die Jim Sterling aufbrachte, auch entsprechend bewiesen werden. Dazu zählt auch das eher zweifelhafte und nicht gänzlich seriöse Geschäftsgebahren von Digital Homicide.

Laut Jim Sterling soll Slaughtering Grounds eines der schlechtesten Spiele aus dem Jahr 2014 darstellen. In der Bilderstrecke der 25 schlechtesten Videospiele aller Zeiten nach Wertung stößt das Action-Spiel aber auf hammerharte Konkurrenz.

Tags: Politik   Steam  

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