Test Dark Souls 3 - The Ringed City: Das macht den Abschied nicht leichter

von Micky Auer (27. März 2017)

Schluss, aus, vorbei. Mit dem letzten Zusatzinhalt "The Ringed City" verabschiedet sich Dark Souls und kommt nimmermehr ... sagen seine Schöpfer. Im letzten Atemzug zeigt der große Name nochmal, warum er zu Recht so groß ist.

Nur zwei DLCs für Dark Souls 3. Das ist in Zeiten von Season Passes und Mikrotransaktion ja schon vergleichsweise mager. Aber lieber zwei gut durchdachte, liebevoll gestaltete Zusatzinhalte als vorproduzierte und bereits auf dem Datenträger befindliche Szenarien. Wie das richtig gemacht wird, zeigt schon The Witcher 3 - Wild Hunt. Nicht ganz so ausladend wie die zusätzlichen Abenteuer von Kollege Geralt, dennoch ein glänzender Schlusspunkt ist The Ringed City. Die Entwickler legen nochmal ihre konzentrierte Leidenschaft in einen krönenden Abschluss.

Der vorhergehende DLC hat zwar im Test "Dark Souls 3 - Ashes of Ariandel: Schneewehen und Wermutstropfen" gezeigt, dass er seinen Platz in der düsteren Familie der "Dark Souls"-Spiele verdient hat, jedoch fiel er recht kurz aus, was vor allem bei Fans und Kennern der ersten Stunde einen faden Nachgeschmack hinterließ. The Ringed City will diese Scharte ausmerzen und macht euch das Leben zur Hölle, und zwar voraussichtlich ab dem 28. März 2017 auf PC, PS4 und Xbox One. Und genau das wolltet ihr doch so!

Lasst euch nicht durch Nüchternheit täuschen

Dark Souls ist nicht unbedingt für seine mit Bombast und großem Trara inszenierten Zwischensequenzen bekannt, die ein "episches cinematisches Erlebnis" gewähren, obwohl es kaum stimmungsvollere Vorspänne gibt. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Einstieg in The Ringed City recht unspektakulär verläuft. Anstatt einer Übergangssequenz setzt ihr euch einfach an ein neues Leuchtfeuer in Lothric.

Das wird weh tun. Seht euch mal die Schneide an!Das wird weh tun. Seht euch mal die Schneide an!

Seid gewarnt: So ohne weiteres kommt ihr nicht in das neue Gebiet. Ihr benötigt dafür einen Spielstand des Hauptspiels. An dieser Stelle sollte klar sein, dass dieser neue Inhalt nicht ratsam für Neueinsteiger ist. Wer sich ohne Vorkenntnisse in die umringte Stadt wagen würde, den verschlingt das Spiel. Mit Haut. Und Haaren.

Wie schon hinlänglich bekannt ist, erzählt kein Spiel der Reihe seine Geschichte brav von A bis Z. Stattdessen findet ihr Hinweise in Gesprächen, in der Beschreibung von Gegenständen, Waffen und Zaubern. Hier ein Schnippsel, da ein Futzelchen. Auf diese Weise trägt sich ein erzählerisches Werk zusammen, dass in seiner Gesamtheit so wirkt, als würdet ihr die Facetten eines Diamanten zu einem vollständigen Edelstein zusammensetzen. The Ringed City bildet hier keine Ausnahme.

So zieht ihr los und erforscht ein tödliches Szenario nach dem anderen. Erwartet keine blühenden Felder voller Mohn- und Kornblumen, die im sanften Wind unter einem strahlend blauen Himmel wogen. Stattdessen sind es verfallene Ruinen, giftiger Morast und namenlose Schrecken, die in den Schatten lauern, die euch bei eurer Reise durch die umringte Stadt nach dem Leben trachten. Zu den gewohnten Schrecken kommen auch ein paar neue hinzu.

Ihr werdet leiden

The Ringed City ist kein Ort für zartbesaitete, keine Arena für Button-Masher, nichts für Leute, die gerne die Flinte ins Korn werfen. Genau genommen ist es ein Ort, in dem selbst die härtesten Aschenen, die schon jeden Stein in Lothric umgedreht haben, in ihrer Fertigkeit als Action-Rollenspielheld auf die Probe gestellt werden. Wie es scheint, habt ihr euch diese masochistischen Trip in eine düstere Spielwelt auch selbst eingebrockt. Ha!

Gezücht, Geziefer und Gewürm: Auch dieser Höllenbrut lauft ihr in The Ringed City über den Weg.Gezücht, Geziefer und Gewürm: Auch dieser Höllenbrut lauft ihr in The Ringed City über den Weg.

Nicht wenige Spieler haben neben der Kürze von Ashes of Ariandel auch bemängelt, dass zum Beispiel die Leuchtfeuer im Hauptspiel zu großzügig verteilt sind. Entwickler From Software hat das wohl mitbekommen und die neuen "sicheren Orte" mit wesentlich größeren und gefährlicheren Abschnitten voneinander getrennt. Gespickt sind die Wege nicht nur mit gefährlichen Gegnern, sie treten auch in ungewohnt starken Formationen auf. So mancher Gegnertyp, mit dem ihr schon als Einzelgänger ordentlich zu tun habt, erscheint euch hier gerne mal in Begleitung eines Doppelgängers.

Die grundlegende Spielmechanik setzt euch dabei stets die Daumenschrauben an. Die so überaus wertvollen Seelen, die ihr für besiegte Gegner erhaltet, verliert ihr samt und sonders, sobald euch jemand umpustet. Oder ihr einen falschen Schritt macht und in einem Abgrund landet. Wie immer habt ihr genau EIN MAL die Chance, die auf diese Weise verlorenen Seelen wieder zu beschaffen. Stirbt euer Bildschirm-Alter-Ego auf dem Weg dahin, war es das. So mancher Zahnabdruck in Controllern rührt von diesem Umstand her. Denn: Ohne Seelen könnt ihr jeglichen Einkauf im Spiel sowie eine Verbesserung eurer Werte komplett vergessen. Jeder Verlust zählt doppelt schmerzlich.

Doch es geht weiter. Es geht immer weiter ...

The Ringed City fängt gekonnt ein, was viele Spieler an Dark Souls seit Stunde Eins fasziniert und bei der Stange hält. Dieses verbissene Stück für Stück Vorankommen. Diese schweißtreibende Überwindung schier aussichtsloser Situationen. Die Freude über jeden Punkt, den ihr in eure Charakter-Attribute versenken könnt. Dieser erneute Zentimeter Land, den ihr beim X-ten Versuch wieder gewonnen habt.

Der Höhepunkt dieser zermürbenden Spirale aus dem Drang, stets noch ein wenig mehr aus sich selbst herauszuholen und den Frust zu überwinden, zum zwölften Mal an der gleichen Stelle gescheitert zu sein, stellen selbstverständlich die Boss-Kämpfe dar. Auch hier legt The Ringed City im direkten Vergleich mit Ashes of Ariandel deutlich zu. Das Thema "geringer Umfang" ist hierbei definitiv kein Argument mehr.

Ganz ehrlich: Bei Licht betrachtet und von allem Fanatismus befreit, stellt keines der Souls-Spiele ein grafisches Schwergewicht dar. Muss es nicht und darf es nicht. Die optische Gestaltung ist genau so, wie es für das Spiel am zuträglichsten ist. Die Bilder vermitteln euch morbide Schönheit, verfallenen Glanz und monumentale Kulissen. Zu viel grafischer Schnickschnack wäre hier ebenso fehl am Platz wie eine zu nüchterne Darstellung. The Ringed City präsentiert sich ganz und gar in der Tradition dieser fein aufeinander abgestimmten Grafik-Elemente und verschmilzt so mit seinem Geschwisterchen (dem ersten DLC) und dem Hauptspiel zu einer konsistent umgesetzten Vision einer Welt, die von Ruin, Tod und Dunkelheit gezeichnet ist.

From Software ließ es sich auch nicht nehmen, auf der letzten Reise in sein wegweisendes Abenteuer ein paar Referenzen einzubauen, die jedes dunkle Herz mit Freude erfüllen werden. Welche das sind, sei hier natürlich nicht verraten. Wenn ihr die Serie kennt, werdet ihr auf jeden Fall verstehen, vor welchen Szenen und Begebenheiten die Entwickler hier selbst den Hut ziehen. Abgerundet wird all dies durch den Zusatz neuer Waffen und Rüstungen, die euch das Überleben in der umringten Stadt ein wenig leichter machen sollen. Vielleicht. Ein Bisschen. Viel Glück!

Meinung von Micky Auer

Den letzten DLC zu Dark Souls 3 zu spielen (ich kann nicht glauben, dass ich diese Worte tatsächlich gerade geschrieben habe) ist wie der Abschied von einem Freund, dem man im Laufe der Jahre gerne mal wortlos und ohne jegliche Mimik mit der Faust ins Gesicht geschlagen hätte, den man aber trotzdem liebt. Paradox? Ja, und wie! Genau das ist auch der Kern der Reihe, die mit The Ringed City einen großartigen Abschluss findet.

Zu gerne würde ich an dieser Stelle verraten, welche Geschichte in dem neuen Inhalt lauert, doch das wäre unfair allen Aschenen gegenüber, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Geheimnisse des Landes Lothric selbst zu ergründen.

Optisch, akustisch und technisch erwartet euch nichts Neues. Wozu auch? Hat bisher alles funktioniert, und ich bin heilfroh darüber, dass From Software zum großen Finale nicht krampfhaft versucht hat, alles künstlich aufzublähen und mit Elementen zu versehen, die am Ende deplatziert gewirkt hätten.

The Ringed City fügt sich in das Universum von Dark Souls 3 so natürlich und geschmeidig ein, dass niemals der Gedanke aufkommt, es handle sich um einen angestückelten DLC. Um die Worte der Überschrift zu wiederholen: Das macht den Abschied nicht leichter. Jedoch begrüße ich die Entscheidung dennoch, die Serie zu Grabe zu tragen, bevor irgendetwas passiert, das das Andenken schmälert. Daher: Leb wohl, Dark Souls. Es war eine fantastische Zeit und ich werde nie vergessen, welche Abenteuer du mir beschert hast.

Du Arsch ...

81

meint: Es ist vorbei, und es ist ein wohltuendes Ende mit Schrecken. The Ringed City ist ein gelungener Abschluss für eine wegweisende Spieleserie

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Tags: Fantasy   DLC   Singleplayer   Multiplayer   Koop-Modus  

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