Test The Franz Kafka Videogame: Das Gute ist in gewissem Sinne trostlos

von Michael Krüger (09. April 2017)

Für manche ist er eine Erinnerung an unliebsame Pflichtlektüre in der Schule, für andere ein gern gebrauchter Verweis auf die eigene Intellektualität. Jetzt könnt ihr Kafka sogar spielen.

Eine Referenz zu Franz Kafka kündigt in der Regel vor allem einen hohen Anspruch an. Auch skurrile und entrückte Bilder bilden Assoziationen zu dem deutschsprachigen Autor. Beides hübsch verpackt, könnte durchaus den einen oder anderen Verstand verdrehen. Mit The Franz Kafka Videogame kommt nun ein Spiel, das direkt die Katze aus dem Sack lässt und euch schon im Titel darauf hinweist, um wen es geht. Genau: Franz Kafka.

Zwischen losen Anspielungen zu Literatur von Kafka warten Rätsel und kleine Puzzles auf euch. Ein minimalistischer Ansatz, der gewürzt mit den richtigen Bildern und Geschichten, gar nicht verkehrt klingt. Doch, wie ein großer Autor einst schrieb: Das Glück, das dir am meisten schmeichelt, betrügt dich am ehesten.

Herr K reist nach A wegen dem S

Die Handlung von The Franz Kafka Videogame greift Bruchstücke bekannter Texte von Kafka auf und fügt diese zu einer wirren Reise zusammen. Diese tretet ihr in der Rolle von K an. Dieser lässt kurzerhand seine Verlobte zurück und unterbricht seine Arbeit als Psychotherapeut, weil ihm finanzielle Erfolge versprochen werden, sollte er sich auf eine Reise nach Amerika begeben.

Keine Szene gleicht der nächsten.Keine Szene gleicht der nächsten.

Während diejenigen unter euch, die mit Werken von Kafka vertraut sind, regelmäßig Dinge oder Personen wiedererkennen, wird der Rest vermutlich wenig mit der Geschichte anfangen können. Die Szenen wechseln teilweise recht abrupt und werfen euch von einer Szenerie in die nächste. Das mag Entrücktheit und Isolation vermitteln, unterhält allerdings nicht besonders konstant, da kaum ein Interesse an dem Geschehen geweckt wird.

Stattdessen betrachtet ihr die teilweise hübsch gemalten Eindrücke im Stil eines Bilderbuchs und knobelt euch in kurzen Abständen durch Rätsel. Diese wollen nicht immer einen Zusammenhang zum Geschehen erkennen lassen, wodurch sie zeitweise etwas überflüssig erscheinen. Hin und wieder passen sich die Aufgaben aber auch gut in das Gesamtbild ein und belohnen euch für clevere Gedankengänge.

Klicken bis es Klick macht

So zusammengeflickt die Geschichte erscheint, so lieblos sind die Rätsel meistens. Ein paar wenige Ausnahmen bieten angemessene Hinweise und nachvollziehbare Mechaniken. Häufig ist blankes Durchklicken des Bildschirmes die einzige Lösung, die euch voranbringt. Wirkliche Erfolgserlebnisse bleiben daher aus. Etwas mehr Komplexität hätte hier sicher nicht geschadet.

Szenenwechsel: Schabe im MantelSzenenwechsel: Schabe im Mantel

Davon hätte sicher auch die Spielzeit profitiert. Diese bemisst laut Herstellerangaben cirka vier Stunden. Seid ihr einigermaßen fit, schafft ihr es allerdings auch locker in zwei. Das ist schon ein recht eng geschnürtes Paket, besteht doch jegliche Aktion von euch im Grunde nur aus ein paar Klicks auf die richtigen Stellen.

Von Seiten der Präsentation ist The Fanz Kafka Videogame solide und bietet teilweise sowohl optisch als auch akustisch charmante Anspielungen an Figuren, Orte und andere Eindrücke aus den Büchern von Franz Kafka. Gewürzt mit einer Prise René Magritte. Die so aufgebaute Stimmung passt gut zu den Lebzeiten des Autors und auch zum Spiel.

Meinung von Michael Krüger

The Franz Kafka Videogame lässt keinen Zweifel daran, dass es als App konzipiert wurde. Hierfür bieten sich die Spielmechaniken schließlich an, bestehen sie doch nur aus Antippen und gelegentlichem Wischen. Mehr Inhalt wäre dennoch schön. Immerhin wäre es ja auch spannend, wenn ihr als Spieler etwas über Franz Kafka erfahren könntet. Doch damit solltet ihr nicht rechnen. Wie das stimmig und einfühlsam selbst in einem Fantasy-Kontext funktionieren kann, beweist schon Eternal Sonata, das sich um das Leben des Komponisten Frederic Chopin herum aufbaut.

So gut die Idee ist, ein Spiel mit Themen aus Kafkas Fantasie zu produzieren, so ernüchternd ist ein Blick in das Ergebnis. Kafkaesk ist an The Franz Kafka Videogame leider nur wenig. Habt ihr Lust auf ein paar Erinnerungen an literarische Referenzen und ungezwungene Rätsel, findet ihr womöglich dennoch Gefallen daran. Immerhin ist die Präsentation ganz hübsch.

65

meint: Trotz stellenweise guter Ansätze kratzt The Franz Kafka Videogame höchstens an der Oberfläche des aufgrund der literarischen Vorlage Machbaren.

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Tags: Singleplayer   Fantasy  

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