Japan ist wieder da!

(Special)

von Thomas Nickel (29. April 2017)

Oft sah es in den letzten Jahre so aus als hätten Japans Spieleentwickler den Anschluss verpasst. Aber jetzt schlägt das Heimatland der Videospiele kräftig zurück!

Japan und Videospiele – das gehört einfach zusammen. Nachdem in den frühen 80er Jahren der amerikanische Marktführer Atari das ganze Medium in einer bis heute spektakulären Mischung aus Gier und Dummheit mit Karacho an die Wand fuhr, waren es die japanischen Konzerne Nintendo, und wenig später dann auch Sega, die dem Videospiel seinen zweiten, bis heute andauernden Frühling bescherten. Mit feiner, elegant gestalteter Hardware und vielen, vielen großartigen Spielen prägten sie das Medium für über viele Jahre hinweg. Während Entwickler aus Europa und den USA vor allem auf C64, Amiga und später auch PC glänzten, taten sich die meisten West-Entwickler auf Konsolen schwer: Spielerisch und technisch waren japanische Produktionen meist schlichtweg überlegen.

Auf PlayStation und N64, später dann auch PS2, Xbox und Gamecube holten die West-Entwickler langsam auf, trotzdem waren es auch auf diesen Systemen die japanischen Studios, die einen Großteil der prägenden Spiele erschufen: Resident Evil, Final Fantasy, Tekken, Persona 3, Onimusha, Kingdom Hearts, The Legend of Zelda - A Link to the Past, Pikmin, Silent Hill, Metal Gear Solid ... Die Liste der großen, prägenden Spielerlebnisse aus japanischer Produktion ist ebenso lang wie beeindruckend. Doch mit dem Sprung in die HD-Generation taten sich nicht nur die japanischen Studios schwer, durch die PC-Erfahrungen hatten auf einmal Entwickler wie die Rollenspiel-Profis Bioware oder Shooter-Entwickler wie Bungie und Infinity Ward die Nase vorn.

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Während westliche Studios nicht zuletzt auch dank agil-flexibler Entwicklungsmethoden schnell den Sprung hin zur hohen Auflösung meisterten, tat sich Japan enorm schwer: Deren vergleichsweise starre Arbeitsmethoden funktionierten in der PS2-Generation noch tadellos, konnten aber nicht mit der ungleich aufwändigeren HD-Entwicklung mithalten – die Entwickler von Spielen wie Final Fantasy 13 und nicht zuletzt auch Nintendos interne Studios unterschätzen allesamt den mit einer HD-Entwicklung verbundenen Mehraufwand.

(Fast) verpasste HD-Revolution

Und das war nicht alles: Konnten japanische Studios zu PS2-Zeiten noch problemlos von den Verkäufen in Japan leben und sahen den westlichen Markt oft genug eher als netten Bonus, wurde dieser durch die stark gestiegenen Entwicklungskosten auf einmal überlebensnotwendig. Oft genug versuchten japanische Entwickler auf einmal, ihre Produktionen für westliche Spieler goutierbarer zu machen – oft genug ohne westliche Geschmäcker wirklich zu verstehen.

Bionic Commando enttäuschte mit fragwürdigem Design und einer haarsträubenden Geschichte.Bionic Commando enttäuschte mit fragwürdigem Design und einer haarsträubenden Geschichte.

Ganz abgesehen davon, dass die Fans japanischer Entwicklungen kein Interesse auf eine Verwestlichung der geliebten Marken hatten. Vor allem Capcom hielt es damals für eine gute Idee, seine Marken an westliche Studios auszulagern, der Erfolg hielt sich bei Entwicklungen wie Bionic Commando oder Resident Evil - Operation Raccoon City allerdings ziemlich in Grenzen.

Und als wäre das immer noch nicht genug, fand in den vergangenen zehn Jahren in Japan auch noch eine starke Verschiebung der Spielevorlieben statt: Heimkonsolen wurden für die breite Masse immer weniger attraktiv, Handheld- und Mobile-Spiele wurden dagegen immer wichtiger, und während Systeme wie PSP oder Vita hierzulande eher ein Nischendasein fristeten konzentrierten sich viele Entwickler gerade auf diese Plattformen – Stichwort Monster Hunter. Oder aber, sie wanderten gleich auf den Mobile-Markt ab, wo man die "Free to Play"-Spieler mit Gacha- und Energiesystemen fast nach Belieben schröpfen kann.

Keine guten Aussichten für Freunde japanischer Produktionen, sollte man meinen: Aber in den vergangenen Monaten ist etwas passiert, der Wind hat sich gedreht und auf einmal ist Japan wieder da! Wo bisher ein stetiger Strom von Mittelmäßigkeiten Marke Hyperdimension Neptunia nur alle Jubeljahre mal von einem wirklich herausragenden Werk wie Metal Gear Solid 5 - The Phantom Pain oder Ni No Kuni durchbrochen wurde, da geben sich seit ein paar Monaten auf einmal die Hits die Klinke in die Hand!

Weiter mit: Spieleflut 2017

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Tags: Anime   Eiji Aonuma   Fantasy   Hideo Kojima  

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