Test Outlast 2: Weniger wäre mehr

von Daniel Kirschey (27. April 2017)

Ist euer Leben gerade zu rosig? Dann benötigt ihr ein bisschen Horror, Schmerz, Gewalt und Gekreische. Das alles bekommt ihr in Outlast 2. Die Frage ist nur: Wollt ihr euch das wirklich antun?

Diese etwas rhetorische Frage zielt hier nicht einmal auf den Horror an sich, sondern auf dessen Qualität. Doch dazu später mehr. Sollte euch der Name Outlast gänzlich unbekannt sein: 2013 wurde der erste Teil veröffentlicht. Entwickelt wurde er, wie auch der zweite Teil, der sinnigerweise auf den simplen Namen Outlast 2 hört, vom Indie-Studio Red Barrels.

Das Spiel löste eine kleine Renaissance der Horrorspiele aus, auch bei großen Publishern. Mit Resident Evil 7 etwa besinnt sich Capcom plötzlich auf die Wurzeln und lässt sich deutlich von Outlast inspirieren. Der Entwickler Red Barrels könnte also recht selbstbewusst auftreten. Er könnte an der Mechanik von Outlast schrauben, an den Ecken und Kanten feilen, um mit Outlast 2 auf PS4, Xbox One und PC das bessere, das gereiftere Outlast zu präsentieren.

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Ist dies Red Barrels gelungen?

... und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht

Oulast 2 beginnt mit einem Hubschrauberabsturz. Ein Spielbeginn, den ihr gefühlt in 90 Prozent aller anderen Horror- und Action-Spiele oder -Filme gesehen habt. Zum Glück behaltet ihr nach dem Absturz euer Gedächtnis, sonst wäre die Klischeetüte schon ganz zu Anfang voll.

Verheißungsvoll: Erlösung und Heilung vespricht dieses Sakrale Ambiente erstmal nicht.Verheißungsvoll: Erlösung und Heilung vespricht dieses Sakrale Ambiente erstmal nicht.

Als Ehe- und Kameramann wolltet ihr eure Frau begleiten, die versucht einen geheimnisvollen Mord aufzuklären. Der Absturz macht diese Unternehmung eindeutig komplizierter.

Die Frau ist weg und der Pilot hängt gehäutet in aller Muskel- und Fleischpracht an einem Pfahl. Durch den Unfall kann das freilich nicht passiert sein. Irgendwas stimmt hier nicht. Aus der Ego-Perspektive steuert ihr den Protagonisten und sucht eure Angetraute. Alles wirkt grafisch zwar detailliert und hochaufgelöst, aber wie eine Kulisse. Meistens ist eure Kamera mit Nachtsichtfunktion die einzige Möglichkeit, im Dunkeln etwas zu sehen.

Dabei frisst das Ding Batterien in einer Geschwindigkeit, dass Umweltschützer beginnen Transparente zu spannen und eine Protestbewegung ins Leben zu rufen. Zum Glück liegen an strategischen Punkten verteilt volle Batterien herum. In tiefste Dunkelheit eingehüllt stapft ihr durch ein heruntergekommenes Dorf.

Nachts in einem Maisfeld. Dieses Szenario funktioniert immer wieder.Nachts in einem Maisfeld. Dieses Szenario funktioniert immer wieder.

Alles leer. Einmal erhascht ihr kurz einen Blick auf einen stammelnden Bewohner, der aber schnell enthuscht. Die nächste Person, die ihr trefft, haut euch eine Spitzhacke in Bauch, Lunge und Kopf, dass es nur so schmatzt. Angekündigt wird sie schon fünf Minuten davor durch Gestammel und eine beständig anschwellende kakophonische Klangkulisse. Erstaunlich ist, dass diese Frau euch im Dunkeln sehen kann.

Hier kommt die Spielmechanik zum Tragen: Wenn ihr auf Gegner trefft, bleibt euch die Wahl, ob ihr rennt, euch versteckt oder euch abschlachten lasst.

Die Geschichte, die dabei durch Zwischensequenzen und herumliegende Zettel erzählt wird, weckt zwar Interesse, ist aber nicht der ganz große Wurf. Der religiöse Rahmen funktioniert dabei erwartbar gut, obwohl die Idee nicht besonders frisch ist.

Wie schon im ersten Teil entsteht der Horror in Outlast 2 teils durch sogenannte Jump-Scares und zum anderen durch deutliche Gewaltdarstellungen. Dabei fühlen sich diese Elemente in Teil 2 noch mehr wie ein Schlag mit dem Zaunpfahl ins Gesicht an. In Outlast 2 erlebt ihr Horror nicht durch Fantasie oder Subtilität. Red Barrels serviert die Angst nackt und schön angerichtet auf dem Präsentierteller – dafür ohne Seele.

Meinung von Daniel Kirschey

Ihr könnt es euch wohl schon denken: Outlast 2 hat mich nicht ganz überzeugt. Dabei fand ich Outlast richtig gut. Woran liegt es also?

Zwar war schon der erste Teil in Sachen Horror nicht der subtilste, doch hat mich die Stimmung und die Handlung in der Klinik gepackt. In Outlast 2 irre ich anfangs herum, weiß überhaupt nichts und werde bei der ersten Begegenung mit einer anderen Person über den Jordan gejagt. Da fehlt mir persönlich einfach der Kontext. Und vor allem: ein Anschwellen, ein steter Aufbau an Stimmung und Horror.

Ohne diese Elemente ist die Angst rein auf die Dunkelheit und auf Jump-Scares begrenzt. Und die fühlen sich auch noch recht künstlich an. Damit die Dunkelheit funktioniert, saugt die Kamera in Windeseile die Batterien leer. Ein Element, dass ich aus dem ersten Teil kenne, aber in der Wildnis kommt mir dann das immer wieder zufällige Auffinden von Batterien doch etwas merkwürdig vor. Es bricht für mich die Atmosphäre.

Mir scheint fast, als saßen die Entwickler zusammen, haben überlegt, wie sie das Spiel noch "krasser" noch "härter" machen können. Dabei haben sie sich so richtig schön reingesteigert und jeder wollte den anderen überbieten. Ein Beispiel: An einer Stelle im Spiel findet ihr eine blutige Krippe und einen Zettel daneben mit einem Gedicht, das Kindesopfer thematisiert. Gedanken schießen durch den Kopf: "Was geht hier vor sich? Das ist extrem." Zwei Schritte weiter lauft ihr durch einen Raum voller Kinderleichen. Es scheint, als müsste auf eine verstörende Szenen immer irgendetwas noch Extremeres folgen.

Manchmal ist eben weniger doch mehr. Gerade die Konzentration des ersten Teils auf die Nervenheilanstalt und der Aufbau des Horrors haben mir sehr gut gefallen. Outlast 2 feiert einen Schock, eine Gewalttat nach der anderen ab. Ohne Aufbau, teils ohne Kontext. Am Schluss bleibt ein durchaus solides Horrorspiel, das Angst macht, aber nicht im Kopf verweilt. Es fühlt sich austauschbar an.

70

meint: Solides Horrorspiel - besondere Momente gehen in Jump-Scares unter. Weniger wäre mehr gewesen.

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Tags: Horror  

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